Das Schachkid mit Bammel beim Erfurter Schachfestival

Am 26.12.2014 macht sich das Schachkid auf dem Weg nach Erfurt, um das Erfurter Schachfestival mitzuspielen.

Dieses Turnier ist in ein Armateurturnier bis 1600 DWZ, ein Hauptturnier und ein Meisterturnier ab 1900 DWZ gegliedert. Auch für Senioren gibt es ein eigenes Turnierangebote. Ein anwesender Schachhändler und ein Rahmenprogramm, Skat, Doppelkopf oder Würfelschach, runden das Festival ab. Zudem werden im Prinzip ständig Preise verliehen, es werden in jeder Runde Überraschungspreise verlost. Besonders schön findet das Schachkid den Preis „Pechvogel des Jahres“, der für besonders unglücklich verlaufene Partien verliehen wird. Gespannt ist das Schachkid auch die ESF-Plüschtiermaskottchen „EFFI 24“ – handgehäkelt von westfälischen Näherinnen.

Das Rahmenprogramm ist eigentlich gar nicht nötig, bietet doch die schöne Stadt Erfurt mehr als genug Ablenkung. Die Landeshauptstadt Thüringens, auch die Stadt der Türme ob der vielen Kirchen genant, blieb trotz zweier Weltkriege im Stadtkern intakt und ist bestens in seinen mittelalterlichen Strukturen erhalten. Besonders sehenswert ist der mittelalterliche Weihnachtsmarkt auf dem Wenigemarkt, der fast bis Silvester statt findet. Das Schachkid verspeist hier jedes Jahr Thüringer Rostbrätl und Thüringer Bratwürste. Außerdem gibt es einen tollen Stadt mit jeder Menge Sorten von Nüssen und leckeren Lebkuchen zum halben Preis nach Weihnachten, so lange der Vorrat reicht.

Erfurt ist eine Studentenstadt. Es gibt eine sehr lebendige Kulturszene mit vielen kleinen Theatern, aber auch einer Oper, einem Spielcasino und sportlichen Großereignissen. Die Kneipenszene Erfurts bietet von rusikalen bis feingeistigen Genüssen so ziemlich jeden Geschmack etwas. Persönliche Favoriten des Schachkids sind der „Rote Elefant“, rustikale Studentenkneipe mit der besten Entenjeule in ganz Erfurt, und das Louisiana, eine Art Wild-Western-Bar, wo es allerlei exotisches Getier wie z.B. Krokodil und Steaks zu speisen gibt.

Das Schachkid fragt sich beim Schreiben dieser Zeilen, wieso es in seiner so hässlichen Stadt wie Fürstenwalde/Spree wohnt und nicht in einer so schönen Stadt wie Erfurt. Das Jahr 2015 naht, Zeit für gute Vorsätze und Entscheidungen.

Die Erfurter Schachszene bietet mehrere Schachvereine auf. Die größten Vereine sind SV Medizin Erfurt, SV Empor Erfurt und der Erfurter SK, letzterer war mehrere Jahre in der Bundesliga vertreten. Der bekannte GM Thomas Luther spielt beim SV Empor Erfurt. Der GM Martin Krämer, heute in der Schachbundesliga für den SF Berlin unterwegs, machte beim SV Medizin Erfurt seine ersten Züge. Gegen den letzt genannten GM hat das Schachkid übrigens noch in den späten 90ern gewonnen, da war der GM Krämer aber noch keine 10 Jahre alt. Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich Schachkarrieren mit entsprechendem Training verlaufen können.

Das Erfurter Schachfestilfal findet im Radisson Blue Hotel statt und hat in den letzten drei Jahren einen massiven Zulauf erhalten. Dies liegt nicht zuletzt an Daniel Wanzek, der vor zwei Jahren die Turnierorganisation übernommen hat und noch einmal kräftig den Bekanntheitsgrad des Turnieres erhöht hat. In diesem Jahr wurde das erste Mal in der Geschichte des Erfurter Schachfestivals ein Anmeldeschluss verhängt. 420 Spieler, dabei viele Titelträger, sind gelistet.

Dicht am Anger gelegen, einen zentraler Platz, in Erfurt, besticht das ehemalige Interhotel durch einige Annehmlichkeiten. Neben einer Bar und einer schönen Lobby sind besonders der Wellnessbereich und die Spielräume hervorzuheben. Beides liegt in der 17. Etage des Hotels, natürlich rundum verglast. Man sitzt an seiner Schachpartie und guckt im Grunde genommen ständig aus dem Fenster, weil man ständig auf das winterlich verschneite und weihnachtlich beleuchtete Erfurt schaut. Das Schachkid hat sich in den letzten Jahren immer am 2. Feiertag in die Sauna des Hotels gesetzt und aus der rundhum verglasten Sauna über das weihnachtliche Erfurt genossen, so gut es dies dem kurzsichtigen Schachkid ohen Brille eben möglich war.

Das Schachkid ist immer sehr angetan, wenn Spiellokal und Hotelzimmer unter einem Dach sind. Die Wege sind einfach kürzer, es ist bequemer. Etwas nervig und kurios sind die sehr engen Zimmer. Die Toilettentür hat die Doppelfuktion als Tür zur Duschkabine. In einem Doppelzimmer, wenn einer duscht und der andere auf den Donnerbalken sitzt, wird es schwierig. Aber es gibt auch größere und schöne Businesszimmer. Wenn alle Schachspieler gleichzeitig in den Spielsaal wollen, wartet man schon mal 10 Minuten auf den Fahrstuhl, von denen es drei Stück gibt. Diese Dinge sind für sich schon wieder genommen so kurios, dass es lustig ist.

Das Schachkid trifft in Erfurt auf seinen Kumpel Schubi, den treuen Verwalter der Thüringer Spielerpassstelle. Das Schachkid sieht Schubi leider nur zweimal im Jahr, weil man soweit auseinander wohnt. Schubi ist immer sehr entspannt, Informatiker wie das Schachkid, und für kulinarische Abenteuer immer offen. Schubi und das Schachkid haben es sich zur Aufgabe gemacht, nicht des Schachs wegen, das Erfurter Schachfestival mitzuspielen, sondern jährlich die Erfurter Kneipenszene zu erkunden. Tatsächlich finden sich jedes Jahr noch neue Kneipen. Schubi hat nur eine Eigenart. Er widmet sich dem Schach nur gelegentlich, dafür ist er umso versessener auf Badminton und Laufen. Das Schachkid kann einen gewissen Respekt dafür nicht verhehlen.

Auch die Breitunger sind mit von der Partie. „Psycho“, der so aufgrund seiner exzentrischen Einlagen liebevoll genannte Marco Geißhirt, ist dabei. Sonst mit Anzug und Nikolausmütze ausgerüstet gehört seit neuestem eine Buddastatur samt Kerze, Sand und einem kleinen Gärtchen mit ans Schachbrett. Nun, seine schachlichen Erfolge sprechen für Ihn. Tino Theer, der Jugendwart von Südthüringen und Webmaster von werraschach.de ist dabei und Christian Böhm, der angehende Mathematiker, der eigentlich nicht aus Breitungen kommt, aber vom Schachkid geistig dort einsortiert wird. Mit letzterem würde das Schachkid gerne mal die Klinge kreuzen.

Das Schachkid hat dieses Jahr sich aus Ehrgeiz im Hauptturnier statt im Armateuerturnier angemeldet. Im Ersteren ist es ganz weit hinten gesetzt, im letzteren ganz weit vorne. Das Hauptturnier bietet eine sportliche Herausforderung, viele anstrengende Partien und vermutlich eine DWZ-Steigerung.

Das Armateurturnier bietet etwas leichtere Partien, das Schachkid spielt vorne mit und hat Ambitionen auf den Turniersieg. Den hat das Schachkid allerdings seit Jahren. Um die DWZ zu halten oder gar zu halten, müsste das Schachkid schon fast alle Partien gewinnen. Um so frustierter ist die Erfahrung, regelmäßig eine Partie durch taktische Schnitzer zu verlieren DWZ und den Turniersieg zu verlieren.

Das Schachkid ist sich noch sehr unschlüssig, was es tun soll. Vielleicht wird es seinen Kumpel Schubi noch überreden, doch das Armateurturnier zu spielen. Vielleicht siegt auch der schachliche Ehrgeiz. Das Schachkid wollte mit Jahresende 1600 DWZ erreichen. Momentan hat es 1549 DWZ, eine Differenz von 51 Punkten in einem Turnier zu schaffen, ist recht unrealistisch. Das Ziel ist es daher, ein gutes Turnier mit DWZ-Zugewinn und 3 aus 8 Punkten zu erzielen. Das Schachkid hat das erste Mal seines brandneues Chessbase 13 incl. Datenbank mit und wird versuchen, sich auf seine Gegner vorzubereiten. Mal sehen, wie das klappt.

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