Archiv für die Kategorie „Schnellschach“

18. Offenenes Schnellschachturnier der Schachfreunde Berlin

Das Schachkid machte sich am 19.6.2016 auf, um die legendären Helden Lucky aus Eberswalde und den ehrenwerten Schachtommy aus Schmalkalden, den Vorsitzenden des SV Schmalkalden 04, in Berlin zu treffen. Die Schachfreunde Berlin hatten zum stark besetzten Schnellschachturnier geladen.

Das Spiellokal ist in der Bülowstrasse gelegen. Drinnen stehen die Damen auf dem Brett, draußen auf dem Strich.

Der Schachtommy ist es gewohnt, bei Schnellschachturnieren in Thüringen mit seiner 1850 DWZ unter den Top 5 zu sein. Angekommen im Alltag des Schachkids ist er nur im hinteren Mittelfeld bei den starken Berlinern platziert. Eine ganz neue Erfahrung für ihn.

Das Schachkid war am Vortag joggen und hat nun Knie. Daher wird mit dem Rad zum Bahnhof gefahren. Das Schachkid probiert eine neue Strecke. Rote Ampeln, Lucky, der das Schachkid anruft, ein unerwartet steiler Berg -das Schachkid kommt schnaufend am Bahnhof an, der Zug ist weg.

Lucky wird telefonisch zum Bahnhof Zoo delegiert, der Schachtommy hat auch seinen Zug verpasst. Ist jetzt auch egal. Im Zug trifft das Schachkid FM Martin Brüdigam. Das Schachkid grüßt freundlich, der murmelt verdrießlich was zurück. Offensichtlich ist der FM ein Morgenmuffel. Er klappt sogleich sein Laptop auf. Ob er sich auf das Turnier vorbereitet?

Das Schachkid hat nun 1699 DWZ und spekuliert daher auf den U1700 Preis. Die Nacht davor erst um 2.00 Uhr ins Bett zu gehen, war möglicherweise nicht so förderlich. Die ersten 10 Züge werden mitgeschrieben zwecks Eröffnungstraining.

Die Röhrs sind auch da. Macht ja nix.

Die erste Runde, das Schachkid hat gegen seinen Gegner mit 2095 einen Turm mehr. Der Gegner hat ein Dauerschach. Sehr ärgerlich. Aber das Schachkid liegt vor Lucky und dem Schachtommy. Die beiden müssen zur zweiten Runde in den Nebenraum.

Die zweite Partie gegen eine 2100. Das Schachkid hat zwei Damen, der Gegner auch, aber das entscheidende Tempo mehr. Läuft trotz der kurzen Nacht sehr gut. Am Nebenbrett wird lautstark darauf hingewiesen, dass man mit der Zughand auf die Uhr drücken muss. Schachtommy wird vom kleinen Röhr ungenietet. Mama Röhr beklagt sich beim Schachkid, dass dieses auf ihren Stuhl sitze.

Lucky gewinnt gegen eine 1995. Sein Motto: Alles unter 2000 hole ich mir. Sprachs und lässt in der nächsten Runde gegen eine 2000 eine Figur stehen. Das Schachkid schließt sich an und verzichtet auf den Läufer. Werden eh überbewertet. Der Schachtommy sitzt fast am letzten Brett und gewinnt endlich mal.

Vierte Runde, das Schachkid ist mit einer Bulette gestärkt und gewinnt sogleich einen Springer und zwei Bauern. Um den Springer nach zehn Zügen wieder einzustellen, einen Turm noch dazu. Mit dem Ratingpreis könnte es wohl doch schwer werden. Der Schachtommy kann derweil wieder grinsen und hat zwei Punkte vorzuweisen. Lucky spielt auf Kontinuität. Er lässt wieder eine Figur stehen.

Der Schachtommy kriegt sich nach der fünften Runde gar nicht mehr ein. Er hat einen Lauf. Zitat: So fühlt es sich also an, wenn man gegen eine 2000 gewinnt. Das Schachkid nickt am Brett kurz ein, kommt aber durch das Klacken der Uhr wieder zu sich. Gott sei Dank sieht der Gegner nicht das im Najdorf so typische Opfer auf e6. Endlich ein Punkt, das Schachkid schaut sich nach Kaffee um.

Es wird nicht besser. Das Schachkid stellt gleich die Qualität ein. Immerhin, der Gegner sieht noch weniger. Wieder ein Punkt. Der Schachtommy kommt herangewankt und erzählt was von gemachten Klöpsen. Vermutlich hat er Mist gespielt.

Die nächsten Runden läuft gar nix mehr.

Man verlässt den Turniersaal vorzeitig, verzichtet auf die Siegerehrung und bewundert die Anwesenden Bordsteinschwalben. Trotzdem ein schönes Turnier.

Ergebnisse stehen hier.

 

 

Schnellschach neben der Buga in Rathenow

Am 26.9. machte sich das Schachkid auf nach Rathenow, zum Schnellschachturnier an der Buga. Es heißt so, weil es am Schwedendamm im Havelrestaurant neben der Buga statt findet. Offensichtlich handelt es sich um historisches Gelände.

Die Buga macht das Parken nicht einfach. Das Schachkid ist erst spät dran. Wer hätte gedacht, dass Rathenow soweit im Osten von Brandenburg liegt, weit jenseits von jeder Autobahn. Zur Wahl stand auch eine Fahrt nach Eberswalde. Hier fand angesichts der Flüchtlingswelle ein integratives Schachturnier statt.

Das Schachkid ist mal wieder zu spät losgefahren, dann  mit 170 über die Autobahn gebraust, um dann vor dem Spiellokal in zweiter Reihe zu parken. Zur Eröffnungsrede kam das Schachkid gerade recht. Erste Runde ausgelassen, Auto bei Obi parken, eine Toilette suchen, um dann Kaffee und Bockwurst zu suchen, ist einfach mal wichtiger.

32 Schachspieler haben sich eingefunden. Keine Berliner und Potsdamer zu sehen, Rathenow ist offensichtlich zu weit draußen. Der Altersdurchschnitt muss um die 50 liegen. Das Schachkid sieht jede Menge graues Haar, drei Kinder und immerhin zwei Frauen. Schach – ein aussterbender Sport.

Die Güssows sind da, und der Falkenseer, auf dessen Namen das Schachkid gerade nicht kommt. Ah, Mario Oberling ist es. Auf einem Turnier findet man immer bekannte Spieler. Das Schachkid nutzt die Gelegenheit und meldet sich beim Open in Falkensee an.

Das Schachkid hat in den letzten Wochen das Training auf Eröffnungen verlagert. Heuer hat das Schachkid einen Block mit, um die ersten 10 Züge mitzuschreiben und später mit der Eröffnungsdatenbank zu vergleichen. Der Trainer meint, das sei ein guter Weg für das Eröffnungstraining.

Zweite Runde geht es gegen einen Jugendlichen. Das Schachkid spielt was Sizilianisches  und schreibt auch mit. Ob sich da was in der Datenbank findet. Sieht komisch aus. Der Nachwuchs übersieht ein drohendes Grundreihenmatt und muss die Dame ziehen. Das Schachkid tut sich schwer, mit Dame und König matt zu setzen. Der Punkt war schwer erarbeitet.

Zwei Spieler heißen Klaus Müller und spielen auch gleich gegeneinander. Klaus Müller hat die Partie gewonnen.

Pausengespräch. Man steht gemeinsam an der Theke und bewundert gemeinsam ein Kochbuch aus der Kyffhäuser Gegend. Was man aus einem Minigebirge alles machen kann, meint der Brandenburger Flachlandtiroler. Hammelbraten zum Beispiel laut Kochbuch. Gabs zu DDR Zeiten oft, meint der Brandenburger. Gut, dass die sozialistischen kulinarischen Schreckenszeiten vorbei sind, meint das Schachkid. 

Dritte Runde, wieso hat das Schachkid schon wieder schwarz? Es wird wieder sizilianisch. Und taktisch. Fünf Minuten vor Blättchenfall bekommt man es beiderseits mit der Angst zu tun und einigt sich vorsichtshalber auf Remis.

Zeit für Mittag essen in der Sonne mit Blick auf die Havel. Es gibt schlimmeres am Samstag Mittag.

Wie soll das Schachkid seine Eröffnungen üben, wenn in der vierten Runde der Senior schon im 9. Zug abweicht? Bis dahin spielt das Schachkid korrekt, übersieht aber leider nach Dg5 das sich anschließende Lh6. Hat das Schachkid wenigstens Zeit, einen Kaffee in der Sonne zu trinken den Kumpel mit Textnachrichten zu ärgern.

Königsindisch ist das in der 5. Runde nicht. Was wird der Trainer nur wieder dazu sagen. Gott sei Dank schreibt das Schachkid nur die ersten 10 Züge mit. Gegen den Rathenower muss das Schachkid schon einen Bauern opfern, um seinen Springer zu retten. Dieser nimmt den Bauern mit, lässt aber zwei Züge später die Qualität stehen. Punkt für das Schachkid und Zeit, um in der Sonne zu sitzen.

Ob das Schachkid Wert auf seine Urkunde lege, fragt der sich nährende Turnierorganisator. Man habe in der Ausschreibung stehen, dass jeder eine Urkunde erhalte. Nun habe man zu wenig. Nein, das Schachkid legt keinen Wert auf die Urkunde und erinnert sich an die Teilnehmerurkunden in der Grundschule, wo das Schachkid grundsätzlich den letzten Platz belegt hat.

Was ist jetzt mit der 6. und 7. Runde? Das Schachkid hat vergessen mitzuschreiben und erinnert sich einfach nicht. Kein Wunder, das Schachkid saß wie auf Kohlen, weil es zu spät kam und sich außerdem noch mit Freunden in Berin treffen wollte, um zu einem Konzert zu gehen. Vielleicht sollte man dann wirklich ein Schachturnier auslassen, wenn man sich nicht voll und ganz darauf einlassen kann, weil eben noch andere Dinge anstehen.
Immerhin, mit 4 aus 6 Punkten lief es gut. Rathenow ist eine Reise wert.

Fritz-Hartung-Gedenkturnier – Irres Schnellschach in Stadtilm

Das Prager Schachopen ist absolviert. Ein Tag Pause, dann wird ein kleines Mannschaftsschnellschachturnier eingelegt. Das Fritz-Hartung-Gedenkturnurnier in Stadtilm ruft.

Wieso regnet es eigentlich immer, wenn das Schachkid in Thüringen weilt? Wer war Fritz Hartung? Keine Ahnung, das Schachkid befragt seinen Nachbarn auf dem Sofa. Dieser weiß es aber auch nicht und isst Kuchen. Kurzer Austausch auf dem Sofa in Stadtilm in Thüringen, warum Brandenburg nicht an der DLM teilnimmt. Kaum vorstellbar, dass es keine Spieler gibt. Irgendwas läuft in Brandenburg schief, was die Nachwuchsarbeit angeht.

Umfangreiche Recherchen ergeben später, dass Fritz Hartung einer der Gründer des Stadtilmer Schachvereins anno 1947 war. Bis ins hohe Alter hat er Schach gespielt. Sogar gestorben ist er am Schachbrett. Während einer Blitzpartie, nach Ablehnen des Remisangebotes des Gegners. Unglücklicherweise hat er durch seinen Tod auf Zeit verloren. Aber gibt es für einen Schachspieler eine schönere Art, zu sterben? Aber vielleicht sollte man im hohen Alter doch kein Blitz mehr spielen. Ist einfach zu stressig.

Das Turnier ist stark besetzt. Die Resterampe von Schmalkalden, Stadtilm und Briesen bildet eine Mixmanschaft. Der Stadtilmer Verein spielt in einem Einkaufszentrum neben einem Baumarkt und einen Möbelladen. Hier hat Stadtilm wohl etwas zu optimistisch geplant. Aber der Lehrstand wurde gut umgewidmet und dient nun der hiesigen Kultur. Sofern es derartiges auf dem platten Thüringer Land gibt.

Erste Runde, die Gurkentruppe hat spielfrei und führt gleichmal die Tabelle an.

Zweite Runde gegen Stadtilm. Man verliert. Drittes Brett. Der Schmalkalder hält die Hand in der Luft. Der Stadtilmer fragt hoffnungsvoll: „Willst aufgeben?“ Der Schmalkalder: „Bin noch unentschlossen.“ Man einigt sich auf Remis. Der Gegner des Schachkids brüllt Matt. Das Schachkid geht unbeeindruckt mit dem König zur Seite. Der Gegner ist verwirrt, allgemeine Heiterkeit drumherum. Drei Mehrbauern reichen auch so zum Sieg.

Dritte Runde gegen Suhl. Der Schmalkalder am dritten Brett operiert mit zwei weißfeldrigen Läufern. Der Gegner aus Suhl überlegt, wie das gehen kann und lässt vor Schreck die Dame stehen. Der Suhler Gegner des Schachkids macht gleiches mit dem Turm. Das Schachkid gibt den Springer. Man gibt sich dann wechselseitig Bauern und einigt sich auf Remis.

Vierte Runde gegen Weißenfels. Es sind keine Sachsen, sondern welche aus Sachsen-Anhalt. Weil man dort immer auf den Bus wartet, kalauert der Weißenfelser. Sprachs und nietet das Schachkid um.

Pause, Bratwürste und dann schon wieder Sachsen, die auf den Bus warten. Weißenfels 2 wartet, wird aber gleich mal, aus Gründen der Revanche bzgl. der vorherigen Runde, mit 4:0 umgemacht. Nun ist die Gurkentruppe offensichtlich warm gespielt.

6. Runde gegen den Turnierfavoriten Schott Jena. Vereinsnamen gibt es. Schott ist offensichtlich ein Zulieferer vom Jenoptik. Diese neue Erkenntnis erschüttert das Schachkid nicht in seinen Grundfesten. In einer wirklich spannenden Partie wird der Jenaer umgebügelt.Die Turnierleitung ist fassungslos, 2:2 der Gurkentruppe gegen den Turnierfavoriten. Man wird aufgefordert, eine Runde Bier auszugeben.

Ein Weißenfelder erklärt derweil dem Schachkid, er sei nicht hier, um zu gewinnen. Sondern um Anekdoten und Lustiges zu erleben. Dem kann das Schachkid nur beipflichten.

Letzte Runde gegen Sömmerda, ein starker Jugendlicher mit einer 1900 am Brett. Kommt den Schachkid bekannt vor. Dieses opfert zwei Springer in den gegnerischen König rein. Hilft nix, die Gurkentruppe verliert 4:0.

Was für ein spaßiges Turnier.

Schachtiger und Schachkid beim 21. Emanuel Lasker Turnier in Thyrow

Das Schachkid begab sich am 21. Juni 2015 nach Thyrow. Zum 21. Mal findet hier das Emanuel Lasker Turnier statt, in einer wunderbar ausgebauten Scheune. Man ist vor der Metropole Berlin und schaut trotzdem nur auf endlose wunderschöne Weizenfelder.

Der kleine Schachtiger ist mitgekommen, die Tigermama auch. Das Feld ist bunt gemischt. Die Berliner fallen wie üblich mit guten Spielern ein, wobei diesmal die Titelträger fehlen. Vermutlich sind die Preisgelder nicht hoch genug. Das Startgeld beträgt moderate 5 Euro. Gut so, findet das Schachkid. Muss sonst wirklich das Startgeld bei einem Schnellschachturnier bei 15 bis 20 € liegen, nur um drei Titelträgern exorbitante Preisgelder zu ermöglichen?

Die Tigermama meint, ihr sei aufgefallen, dass die Anreisen des Schachkids immer so chaotisch seien. Nichts leichter als das. Das Schachkid schweigt, dreht kurz vor dem Spiellokal um und fährt die gleiche Strecke 5 km zurück. Ein Geldautomat wird gesucht, das Schachkid ist blank und kann sich sonst das Startgeld nicht leisten.

Schachspieler früh am Morgen lechzen nach Kaffee. Einer steht da mit einer Tasse Kaffee und Untertasse. Fragt ein anderer: „Wo hast den her?“ Sagt der andere: „Icke habe immer eene Tasse und Untertasse bei.“

Christian Syre wartete am 3. Brett in der ersten Runde, die Nummer 3 der Setzliste. Da schnupperte das Schachkid gleich mal Höhenluft. Zu hoch für das Schachkid. Wie sagt der Trainer immer, man muss den Gegner positionell überspielen, was der Gegner auch ganz schnell tat. Und dass sehr beeindruckend. Der Schachtiger hält wesentlich länger als das Schachkid durch, verliert dann aber auch.

Am Brett nebenan saß ein schachspielender Rocker, ein Widerspruch an sich. Spruch vorne auf dem T-Shirt: „Ich bin immer artig.“ Auf der Rückseite: „Abartig, bösartig, einzigartig!“ Das Schachkid findet den Typen Klasse.

Frank Stemmler wurde es in der zweiten Runde. Das Schachkid ist nominell deutlich stärker, aber auch nur da. Das Schachkid verliert gleich die Qualität und gewinnt sie zurück. Der Gegner übersieht gefühlt 10 Möglichkeiten zu gewinnen. Das Schachkid gewinnt nun eine Leichtfigur, verliert aber trotzdem. So langsam stellt sich das Gefühl ein, dass das ein ganz schwieriges Turnier werden könnte. Überleben heißt das Ziel.

Das Schachkid ist nun fast am letzten Brett angekommen und spielt gegen Alexander Ivanov, einen kleinen Schachschüler des Potsdamer Urgesteins Stern. Der Kleine spielt passabel und knallt mit Begeisterung die Figuren aus Brett. Hilft nix, diesmal kommt der Punkt. Der kleine Schachtiger am Nebenbrett spielt die skandinavische Eröffnung. Muss er wohl in Briesen gelernt haben. Aber die Dame ist weg. Na, es kommen noch 6 Runden.

Ahhh Mama Röhr, diese liegt dem Schachkid. Jedenfalls hat das Schachkid noch nicht gegen Mama Röhr verloren. Es gelingt sogar eine fehlerfreie Partie. Der kleine Schachtiger bekommt es laufend mit Senioren zu tun. Auf der f-Linie baut der kleine Schachtiger eine beeindruckende Turmbatterie auf, kommt dann aber doch betrübt auf den Hof geschlichen.

5. Runde, das Schachkid ist ans 15. Brett vorgerückt, lässt hier gleich den Turm stehen und beschließt, sich lieber der nun nährenden Hähnchenkeule zu widmen. Lange Schlange am Tresen, fast wie in der Firmenkantine. Die mütterliche Chefin wirbt mit selbstgebackenen Kirschkuchen. Das Schachkid, auf Kuchen konditioniert, spurtet umgehend zum Tresen. Der Kirschkuchen ist in Zucker ertränkt und eine Gefahr für die Allgemeinheit. Das Schachkid wünscht sich Thüringer Schmandkuchen herbei.

Das Ziel des Turnieres sind 4,5 Punkte. Der halbe Punkt muss daher irgendwann gemacht werden, und zwar jetzt. In der sechsten Runde. Der Senior hat ein Dauerschach, aber nur noch eine Minute auf der Uhr. Das Schachkid könnte ihn über die Zeit drücken, aber sowas macht das Schachkid nicht. Es ist ein netter Senior. Bei einem fiesen Senior hätte sich das Schachkid überlegt.

Der Schachtiger hat einen Lauf und macht den zweiten Punkt in Folge. Die Partie scheint emotional zu sein. Eine Traube Erwachsener steht um das Brett herum und analysiert sogleich wild diskutierend nach Partieende.

Zeit, eine Lanze für die Körperbedeckung zu brechen. Das Schachkid will nicht die ganze 7. Runde die Arschritze des verlotterten Endfünfzigers am ersten Brett sehen. Auch der Bierbach des anderen Fünfzigjährigen, der mit Jogginghose und viel zu kurzen T-Shirt ankommt, ist kein schöner Anblick. Junge Mädchen können Bauchfrei tragen, alte Männer definitiv nicht. Ob dieser optischen Schrecken hat das Schachkid glatt gegen den schwächeren Johannes Matitschka verloren.

Der Schachtiger spielt in der siebten Runde gegen Susanne Röhr. Er kämpft und kämpft und kämpft. Aber irgendwie geht die Dame verlustig. Macht nix. Was das Schachkid kann, kann der kleine Schachtiger auch und setzt 10 Sekunden vor Blättchenfall Susanne Röhr matt. Netter Nebeneffekt, der Schachtiger hat nun einem halben Punkt mehr als das Schachkid und liegt vor diesem.

Gegen den Schachfreund Paris geht es in der achten Runde. Da will das Schachkid mal hin nach Paris. In die Stadt, nicht in den Schachfreund. Gegen den hat das Schachkid voriges Jahr gewonnen, stellt dieses Jahr aber die Dame hin.

Der kleine Schachtiger hat sich derweil warm gespielt und remisiert gegen einen bärtigen Jugendlichen, der durch den Bart wie 40 aussieht. Coolness geht anders.

Die Runde beginnt. Jeder macht die ersten Züge. „Stop!“ brüllt der Schiri. Jetzt muss was wichtiges kommen, denkt das Schachkid. „Die Bretter sind freigegeben.“ tönt der Schiri. Das Schachkid sagt nix und kommentiert die Situation mit hochgezogen Augenbraue.

Niedlich ist der fünfjährige Knirps, der begeistert Schach spielt. Nicht so niedlich ist der Vater, der in jeder Runde krampfhaft mit dem Klemmbrett daneben steht und jede Partie mitschreibt und argwöhnisch Richtung Gegner schaut.

Das Schachkid gewinnt unverdient. Der Senior steht wesentlich besser, lässt aber einen Turm stehen. Auch mit 85-jähriger Lebenserfahrung kann man da noch sehr empört reagieren.

Der kleine Schachtiger hat es nun mit einem ehrgeizigen Gegner zu tun. Positionell steht der Schachtiger schlecht. Die Bauernstruktur macht Sorgen. Und sorrgt auch für den Punktverlust.

Mit diesem Turnier ist das Schachkid unzufrieden. Zweimal den Turm und einmal die Dame stehen lassen. Das Schachkid merkt, dass es dringend Urlaub benötigt. Der Schachtiger hat derweil ein sehr gutes Turnier gespielt und ist sicherlich mit seinen 3,5 Punkten, bei wesentlich stärkeren Gegner sehr zufrieden. Er liegt gleichauf dem Schachkid, ein Novum in der Briesener Schachgeschichte. Und der 3. Platz in der U14-Wertung springt auch noch raus.

Die fidelen Thyrower müssen eine fleißige Hausfrau als Sponsor haben. Es gibt Waschlappen und Handtücher als Preise Vermultlich wollen diese nicht als subtiler Hinweis auf ungewaschene Schachspieler verstanden werden.

Schach am Strassenstrich

Das Schachkid fährt am 31. Mai 2015 zum Schnellschachturnier nach Berlin. Eigentlich hat das Schachkid keine Lust und fühlt sich erholungsreif. Am Vorabend war es in Berlin mit Freunden zur Show Briefs und war erst um halb zwei im Bett.

Briefs Second Coming from browndog on Vimeo.

Nachmittags wäre noch eine Wohnungsbesichtigung. Und überhaupt müsste sich das Schachkid erholen. Das Schachturnier im schönen Schöneberg ist stark besetzt. Nur 10 Mann unter 1700 spielen mit. Das Schachkid ist auf der Setzliste 10. von hinten, es wird wohl spielerisch nicht viel zu holen sein.

Das Schachkid weiß daher gar nicht, wieso es gerade offensichtlich im Zug sitzt und wie es dahin gekommen ist. Der DWZ-Preis U1700 könnte schuld sein. 50 € und nur 10 Mann spielen um den Preis mit? Mhhhh…. Die Sonne scheint? Mhhhh….. Daheim sterben die meisten Leute, sagte Oma immer? Mhhh….. Schwupps, schon saß das Schachkid im Zug.

Die Schachfreunde Berlin haben übrigens ein Einsehen, das Turnier geht erst um 11.00 Uhr los, sehr löblich. Das Spiellokal liegt zentral im kiezigen Schöneberg. Der Straßenstrich ist in der Nebenstraße. Aber ob die Damen auf frustrierte Schachspieler warten, so vertrocknet, wie letztere aussehen.

Das Schachkid hat sich angemeldet und will eigentlich gleich wieder gehen. Platz 55 von 66 auf der Setzliste. Platz 1 bis Platz 22 nur Titelträger, normale Berliner Verhältnisse. Spruch gleich zur Begrüßung eines Schachfreundes zu zwei anderen. „Ah, Großmeister unter sich.“ Man sieht es den Leuten nicht an , dass sie Großmeister sind. Entweder sehen sie total verlottert aus oder wie ein Lausbub.

Das Schachkid pielt in der ersten Runde gegen FM Martin Schulz von Empor Potsdam. Es sieht nicht schlecht aus. Dem Schachkid gelingt sogar ein kleiner Angriff, lässt dann aber einen Turm stehen.Immerhin beweist der FM Geschmack. Er hat die gleiche Armbanduhr wie das Schachkid.

Pause, der Schiri gibt den Anwesenden von der Bühne herab einen Schnellkurs zum Thema: „Wie stellt man eine diitale Schachuhr?“

Neben dem Schachkid sitzt ein Double von Walter Steinmeier. Volker Schmalzried in der zweiten Runde ist vereinslos, aber kein Anfänger. Der Königsinder geht schief. Was ist das nur immer mit dem Bauern auf e5 da, den das Schachkid verliert? Eine wenige Züge gehen noch ein Bauer und der Springer verlustig. Das Schachkid beschleicht das Gefühl, dass es zu Hause hätte bleiben sollen.

Ein neuer Spieler erwartet das Schachkid in der 3. Runde. Er ist Asiate und sieht mit seinem Dutt aus wie ein Samurai. Gott sei Dank zieht er kein Schwert, sondern lässt sich die Dame fangen. Als Ausgleich lässt das Schachkid später fast die Dame stehen, aber eben nur fast.

Nach errungenen Punkt ist das Schachkid ein Brötchen mit Bauchfleisch, es schmeckt nicht.

Ein Dr. ist der Gegner in der vierten Runde Spielerisch stark, aber kein Händedruck. Das Schachkid schläft am Brett fast ein und stört sich auch nicht weiter daran, dass der Gegner auf die 7. Reihe eindringt und alles abräumt. Das Schachkid hat inzwischen eine mentale Entspannung wie nach Dope erreicht, nur ohne Dope. Verdammt war die Nacht kurz

Partie weg, das Schachkid ißt ein Brötchen mit Leberkäse. Es schmekct nicht. Essen können die Berliner einfach nicht. Mit Wehmut erinnert sich das Schachkid an die Bratwürste beim Schachturnier eine Woche zuvor.

Nun geht es gegen Jens Kutschke. Das Schachkid hat eben verloren, kriegt aber trotzdem einen stärkeren Gegner. Das Schachkid sieht den Zug, den es nicht machen darf. Denn danach kommt eine Gabel. Das Schachkid macht den Zug trotzdem und versucht, den Gegner mit dreimaligen Niesen zu erschrecken. Funktioniert nicht, die Gabel kommt. Egal, das Schachkid hat das Turnier eh abgeschrieben und konzentriert sich im wesentlichen darauf, seine Partien schnell aufzugeben, um sich in die Sonne zu setzen. Das Schachkid findet das sehr erholsam.

Zuvor geht das Schachkid vor die Tür, um mal auf die Straße zu schauen, nach den leichten Mädchen gucken. Die Tür fällt ins Schloss, das Schachkid steht vor dem Spiellkoal und kommt nicht mehr rein. Also einmal drumherum gelauefn und ans Fenster geklopft. Es kommt keiner. Es dauert 10 Minuten, bis das Schachkid die Klingel entdeckt und wieder Einlass findet. Zeit für einen Kaffee.

Selbiger wirkt sogleich. NikolaTipic wartrt, mit einer zarten 1680 DWZ. Das Schachkid, nun wach, gewinnt eine Leichtfigur. Der Gegner pielt trickreich und dreht die Stellung so, dass es fast noch Patt wird. Aber das Schachkid passt ganz genau auf und freut sich über den zweiten Punkt.

Den Apfelkuchen hätte das Schachkid lieber mal nicht gegessen. Der nun wartende Gegner kauerte sich wie eine Schlange vors Brett, auf Augenhöhe mit dem König. Diese Perspektive half. Der Gegner sah mehr als das Schachkid und wurde mir reichlich Material belohnt.

Das Schachkid ist vermutlich der einzige Schachspieler, der mit Laptop, Tablet und Handy zu einem Schachturnier anreiset. Irgendwie muss man ja Verbindung zur Außenwelt halten.

Das Motto des Schachkids lautet: „Gegner bis 1700 DWZ stellen kein Hindernis dar.“ – so wird mit dem nächsten Gegner, er hat glatt 1700, kurzer Pozess gemacht und im Mittelspiel eine Dame gewonnen. Das hat das Schachkid bewerkstelligt, indem es einen Bauern zur Dame umwandelte. Die Dame musste sich das Schachkid am Nebenbrett borgen, das die Dame freundlicherweise verlieh.

Nach 7 Runden ist das Schachkid eingespielt. Es läuft. Also lief. Schachfreund Schlittermnn überspielt das Schachkid wie immer in der Eröffnung und gewinnt einen Bauern. Mühevoll muss das Schachkid seinen König in Sicherheit bringen. Der gGegner übersieht den Läufereinschlag auf h7. Das Schachkid gewinnt den Bauern zurück und dazu die Qualität. Schlittermann lässt sich nicht lumpen, greift nun seinerseits an und gewinnt die Qualität zurück. Problem dabei, sein Läufer und der andere Turm stehen n ch auf der Grundreihe und spielen nicht mit. Schlittermann frisst den nächsten Bauern, das Schachkid setzt matt. Eine spannende Partie war das.

Da ist das Schachkid aber sehr zufrieden mit 4 aus 9 Punkten bei dem starken Feld. Sonnenschein, schön draußen sitzen, Erholung pur. Nur am Essen müssen die Berliner noch arbeiten. Dah haben es die Thüringer einfach drauf.

 

Mission Bierfaß erfüllt – Pfingstschachturnier des TSV Plaue

Das Schachkid weilt Pfingsten 2015 in der Heimat und spielt das 23. Pfingstschnellschachturnier in Plaue mit. Das Schachkid spielt dieses Turnier schon seit gefühlt 100 Jahren mit. Das Schachkid verleugnet seine Briesener Herkunft und läuft als getarntes Mitglied des SV Schmalkalden 04 auf. Es ist zwar ein Einzelturnier, aber es gibt auch einen Manschaftspreis. Die Schmalkalder wollen das Bierfaß.

Wer glaubt, in Brandenburg oder Berlin seien die Schachturniere merkwürdig, war noch nie in Thüringen. 48 Spieler machen mit, alles sehr merkwürdige Gestalten, das Schachkid eingeschlossen. Dieses wird begleitet von Tommy, den besten Freund des Schachkids, und vom Himmel. Der heißt wirklich so, hat aber keinen Heiligenschein.

Man ist noch müde und donnert durch den Thüringer Wald. Das Schachkid hat sich zum Fahren freiwillig gemeldet. Denn es weiß, die Mitfahrer müssen dann zwangsweise Paddy Kelly hören. Das Album Human hat sich das Schachkid gerade zugelegt und hört es rauf und runter. Die Breitunger Gang ist auch schon da und hat schon den ersten Bierkasten geleert. Pycho meint, das Schachkid sehe komisch aus. Wo der Bauch sei? Den hat das Schachkid versteckt. Eine Bierflasche später tippt Psycho auf die langen Haaare. Von denen hat Psycho nur noch wenig.

Schach ist ein gefährlicher Sport. Man spielt in einer Halle des Schützenvereines. Halten sich mehr als 10 Personen auf, muss eine Brandwache bei sein. Folgerichtig bewacht eine Brandwache der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr das Schachturnier. Gelöscht wird der lokale Brand von den meisten Spielern dennoch mit Bier. Die Halle ist unbeheizt. Man spielt bei 14 Grad Außentemperatur. 47 Schachspieler und eine schachspielende Französin sind hart im Nehmen.

Wie in der Vorwoche beim Potsdamer Sommeropen ist die hiesige Landtagsabgeordnete der Linken hier. Mit wesentlichen Unterschieden. Sie fasst sich erfreulich kurz und ist wesentlich hübscher und ansehnlicher als der Potsdamer Abgeordnete. Die Thüringer haben es eben drauf.

In der ersten Runde geht es gegen Gerome du Maire. Das ist kein Franzose, sondern ein Neuhesse mit mehr als 2150 DWZ. Das Schachkid spielt wie der erste Mensch und stellt gleich die Dame in die Läuferfesselung. Normale Schachspieler machen es anderes herum. Sie fesseln mit dem Läufer eine Dame an. Aufgabe und Zeit für einen Kaffee.

Zweite Runde, das Schachkid bringt die Schottische Eöffnung. Der Gegner tauscht ab und bietet Remis. Das Schachkid lehnt ab , hat nix konkretes und schaltet um auf Psychologie und spielt auf Zeit. Bingo, der Gegner wird nervös und stellt den Turm ein. Punkt fürs Schachkid, draußen wird der Grill angeschmissen.

Dritte Runde gegen Steffen Krannich, ehemaliger Vereinskamerad des Schachkids. Nach 6 Zügen hat das Schachkid den Springer weniger. Skandinavisch mit g3 und Lg2 geht offensichtlich nicht. Das Schachkid verhandelt und bietet für das Remis Bier und Bratwurst an. Steffen bleibt standhaft. Draußen werden die Bratwürste aufgelegt.

Ah, in der vierten Runde ein Gegner, den das Schachkid nicht leiden kann. 1492 DWZ stellen kein Hindernis da. Das Schachkid hat zwei Leichtfiguren mehr. Der Gegner gibt nicht auf. Zwei Türme auf der 7. Reihe sind dann aber doch ein überzeugendes Argument. Der Turnierleiter genehmigt sich einen Klopfer, die Dame bei der Ergebnismeldung gnießt den Sekt. Thüringer sind trinkfreudig, das Schachkid geil auf Bratwurst.

Psycho kauft Striche, es scheint sich um Schnaps zu handeln. Das Schachkid findet Leute nicht gut, die sich besaufen und bereits Mittags in der Ecke liegen. Erst Recht, wenn Kinder bei einem Turnier mitspielen.

Franz Geisensetter aus Sonneberg, der Spielzeugstadt wartete nun. Der Gegner hat eine 2045 DWZ. Das Schachkid opfert trotzdem eine Leichtfigur in den Königflügel rein und gewinnt dafür vier Bauern. Dann den König einmal falsch gesetzt und der Turm ist weg. Mist!

Ronny Schloßer in der 6. Runde meint, dass e5 im Königsinder nicht geht. Das Schachkid denkt, dass es geht, hat nach e5 trotzdem die Qualität weniger. Vermutlich ging es nur in dieser konkreten Stellung nicht, sonst geht es aber.

An der Theke wird derweil geflirtet. Der Plauer Dialekt geht schon stark ins Sächsische. Das würde das Schachkid vom Flirten abhalten. Merkwürdig findet es das Schachkid auch, wenn Gegner vor der Partie jede Figur akribisch zurecht rücken müssen. Und dann mit gespreizten Fingern die Figuren ziehen. Und dann beim Hände schütteln die Hand geben, als trifft man auf Gummi. Sowas macht das Schachkid mißtrauisch.

In der 7. Runde meint der 12-jährige Gegner nach 2 Zügen, ihm sei die Eröffnung sehr vertraut. Nach dem 3. Zug des Schachkids ist der 12-jährige irritiert und denkt in seiner vertrauten Eröffnung lange nach. Nach 12 Zügen und einigen Abtausch verkündet der 12-jährige, er habe nun auf dem Bett aufgeräumt. Offensichtlich nicht genug, wie der wütende Ausruf „Kacke“ um den 20. Zug herum vermuten lässt. Das Schachkid hat den Turm mehr, der 12-jährige bietet Remis. 10 Züge später, das Schachkid hat neben dem Turm nun auch die Dame mehr, bietet der 12-jährige seine ganze Überredungskunnst auf, um ein Remis auszuhandeln. Für das Schachkid ginge es doch um nix. Aber für ihn, ja für ihn sei der halbe Punkt überlebenswichtig, für den Jugendpokal. Das Argument überzeugt, das Schachkid macht Remis.

Das spricht sich offensichtlich rum, der Gegner in der 8. Runde macht 1. e4 und bietet gleich Remis an. Man merkt, man nährt sich dem Turnierende, die Leute sind entspannt. Das Schachkid lehnt ab, der Gegner stellt mit den Worten „Jetzt weißt Du auch, warum ich gleich Remis angeboten habe.“, den Läufer hin. Ausgerechnet dann beginnt er, sich zu konzentrieren und macht dem Schachkid bis zum Punktgewinn das Leben schwer.

Noch vorsichtiger ist der 81-jährige Gegner in der 9. Runde. Er bietet gleich Remis, ohne den ersten Zug zu tun. Das Schachkid lehnt ab und will 4,5 aus 9 Punkten erzielen. Im Laufe der Partie folgen 5 weitere Remisangebote, trotz des starken gegnerischen Freibauern auf der 6. Reihe. Den schraubt das Schachkid mühevoll ab und gewinnt nun seinereits zwei Bauern. Senioren sollen im Alter ruhig und weise sein. Dieser ist es nicht, schmeißt wütend das Brett um und eilt wutschnaubend von dannen. 5 Minuten später, man trifft sich an der Theke wieder, der Senior entschuldigt sich. Davor hat das Schachkid dann Respekt, wenn jemand seinen Fehler einsieht und sich entschuldigt.

4,5 aus 9 Punkten, das beste Ergebnis, was das Schachkid bei diesem Turnier je erzielt hat. Auch wenn es einen halben Punkt verschenkt hat und manche Eröffnungg grottig gespielt hat. Tommy und Himmel haben sogar 5,5 Punkte. Der Krannich wurde überraschend vor Ort angetroffen und steuert ebenfalls 4,5 Punkte zur Vereinswertung bei. Das Bierfass fürs Vereinsfest in zwei Wochen kann gesichert werden.

Tempelhofcup 2015 – Ich war dabei!

Das Schachkid reiste am 19 April nach Berlin zum Tempelhofcup und stand erstmal in der Schlange. Mehr als 100 Schachfreunde haben sich im Lichtenrader Gemeindezentrum eingefunden, um die Klingen zu kreuzen. Vor der Anmeldung steht eine lange Schlange schachhungriger Spieler, die nur eines wollen, den Gegner vernichten. Ah, noch ein Fürstenwalder in der Schlange, David Georgi ist auch da.

„Ich hab ma durchgekiekt“, sagt einer. Man merkt, man ist in Berlin.

Ein launiger Vorsitzender des SK Tempelhof begrüßt die Schachspieler, im weißen Anzug sieht er aus, als käme er frisch vom Buesta Vista Social Club. Neben ihm agiert der jüngste Schiedsrichter, den das Schachkid je gesehen hat, kaum 18 Jahre scheint er alt zu sein. Was im übrigen auch für den zweiten Schiri gilt. Aufgrund seiner Brandenburger Erfahrungen hat das Schachkid bisher geglaubt, ein Schiri müsse ein Mindestalter von 70 Jahren besitzen, ähnlich wie der Bundespräsident.

Für die Herfahrt hat sich das Schachkid zur Unterhaltung fix ein Höhrbuch besorgt. Die Wahl fiel auf „Achtung ich komme – in 80 Orgasmen um die Welt“

Wie soll das Schachkid jetzt Schach spielen, wenn es als an weibliche Orgasmen am Sonntag morgen um 9.30 Uhr denken muss? Eine Frau beschreibt ihre Mühen, einen Orgasmus zu erlangen und die Unfähigkeit der deutschen Männer, dies zu akzeptieren. Sie beschließt, um die Welt zu reisen und in jeden Land einen Mann zu testen. Vielleicht wissen die ja, wie es um den weiblichen Orgasmus bestellt ist. Also genau das richtige, um sich auf ein Schachturnier einzustimmen.

Die erste Runde bringtden kleinen Berliner Miron Koch. Der Kleine lässt Figuren stehen. So haben wir alle mal angefangen. Das Schachkids freuts, setzt sich raus in die Sonne und überlegt, ob es im August nach Wien zum Schachopen fahren soll. Was dann aber das Aus fürs Briesener Open bedeuten würde. Und das Schmalkalder Stadtfest ist auch noch am gleichen Wochenende. Das Leben ist ein Drama.

In der langen Tischreihe sitzt eine sehr attraktive Frau, alte Herren, ein kleiner Lockenkopf…. Schach ist für alle Leute und Altersgruppen ein Sport, das ist ganz wunderbr. Der junge Schriri erläutert von der Bühne herab die Regeln. Senioren brüllen zurück: „Laaaaaaaauter bitte, und langsamer.“

Gespräch am Brett neben an: „Wie lange spielen Sie schon Schach?“ „Seit 30 Jahren.“ kommt es zurück. „Oh Gott“, macht die Gegnerin. „Das muss nix bedeuten.“, tönt es von der Seite. „Stimmt, meinen Höhepunkt hatte ich mit 17 Jahren.“ – womit wir wieder beim Höhrbuch am Anfang wären.

Das Schachkid hat einen Punkt, sitzt aber ganz hinten. Zweite Runde, das Schachkid lässt zwei Bauern stehen, der Gegner Dietmar Scholz gewinnt noch einen dazu. Lässt dann aber seinerseits einen Turm stehen. Ein Schachkid im Glück mit 2 aus 2. Was kommt jetzt, nachdem normal ausgelost wird? Ein Titelträger?

„Es war schwieriger als erwartet.“ – sprach der FM Martin Brüdigam, als er blitzenderweise eine Gabel entdeckte und dem Schachkid seinen Läufer entwand. Dieses hatte eine obskure Nebenvariante in der Schottischen Eröffnung seines Trainers, ebenfalls FM, aufgetischt. Dies kannte der FM Brüdigam nicht und verbriet viel Zeit, um dann, mit zwei Mehrbauern, in Zeitnot zu geraten. Das Schachkid freut sich, hält mit seinem Läufer gegen und genießt die Luft am 5. Brett.

Ist der FM net willig, legt das Schachkid halt in der nächsten Runde Prof. Dr. Hans Jung mit 2000 Elo um. Das Schachkid hat es heute nicht so mit Bauern und stelt im zweiten Zug mit e5 gleich einen hin. Der Gegner ist sichtlich irritiert, denkt lange über das vorgebliche Opfer nach und nimmt nach langen Zögern. Die Irritiation weicht nicht mehr. Der Gegner lässt den Turm stehen, das Schachkid selbigen mit. 3 aus 4 Punkten, das Schachkid hat einen Lauf.

Am Nachbarbrett weist Schwarz seinen Gegner zurecht: „Nun quäl Dich nicht. Nimm den Bauern da , dann isses bei mir zweizügig matt.“. Der Gegner folgt den Hinweis und setzt Matt.

Das Schachkid übelegt kurz, ob man einen Schiri vernaschen könnte,, spielt dann aber doch erstmal gegen den Fürstenwalder Rainer Püschel. Beleidigungen am Nebenbrett: „Bistb Du ein Tegeler? Du siehst aus wie ein Tegeler.“ donnert es.

Das Schachkid lässt aus Gewohnheit einen Bauern stehen. Das reicht dem Püschel ohne Puschel zum Gewinn.

Auf zum Mittag essen. Das kostet nix. Ex wird nur um eine Spende gebeten. Das Schachkid fragt sich, ob sich das für den gastgebenden Verein rechnet. Einige werden sich bestimmt umsonst durchfressen Aber die meisten werden sicherlich ein wenig mehr zahlen, als dass sie müßten. Oder wie es ein Spieler formulierte. Wenn er nix zahle, habe er ein schlechtes Gewissen.

In der 6. Runde kam Sebastian Schrodt. Das Schachkid fragt sich, ob das der Sohn vom Horst Schrodt aus Wildau ist. Beide haben jedenfalls die gleiche lustige Lausbubenart drauf. Der Junior spielt auch schnell und gut. Das Schachkid gab auf und sich dann zum Kuchenbuffet.

Sowas kann das Schachkid gar nicht leiden. Die Runde ist freigegeben, der Gegner nirgends zu sehen. Alles spielt, das Schachkid ist höflich und drückt nicht die Uhr. Der Gegner kommt angerannt, steht noch, hat dem Schachkid noch nicht die Hand gegeben und drückt schon die Uhr. Sowas mag das Schachkid gar nicht. Vor lauter Mißmutigkeit hat das Schchkid gleich einen Bauern stehen lassen und dann noch einen. Wenn das Schachkid erst Mitglied der FIDE ist, wird es die Regel einführen, dass künftig ohne Bauern gespielt wird.

Achte Runde, das Schachkid hat keine Lust mehr. Sieben Runden würden auch reichen. Vladyslav Kozusenok wartet. Es wird eine wechselhafte Partie. Dem Schachkid fehlt noch ein Zug, um den Gegner matt zu setzen. Leider greift dieser an und will nun seinerseits matt setzen. Statt Dauerschach frisst er einen Bauern. Das Schachkid kriegt Oberwasser, droht Matt, der Gegner opfern die Dame. Das Schachkid nimmt falsch zurück, der Gegner kriegt einen Bauern durch, hat aber eine miese Zeit. Verzweiflung auf beiden Seiten, man macht Remis.

Höchste Zeit für einen Kaffee. Gegner der neunten Runde ist Quan Nguyen Duc. Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, ob er Name so richtig rum geschrieben wird. Aber der Gegner ist ein netter Kerl, nur zu langsam. Schnellschach heißt so, weil man es schnell spielt. Diesmal lässt das Schachkid keinen Bauern stehen, sondern einen Springer. Der liebe Gott hat ein Einsehen, der Gegner sieht es nicht. Also Punkt für das Schachkid.

4,5 Punkte von 9, macht 50 Prozent. Platz 61 in der Startrangliste, Platz XX in der Endtabelle. Das Schachkid ist zufrieden, wenn es auch spielerisch vor allem daran haperte, dass das Schachkid in jeder Partie Bauern stehen ließ.

Joachim-Kolbe-Gedenkturnier in Fürstenwalde

Die Briesener machten sich am 21. März auf, um beim Joachim Kolbe Gedenkturnier die Klingen zu kreuzen. Joachim Kolbe war ein beliebter Landtagsabgeordneter der SPD, den das Schachkid aber nicht mehr kannte, obwohl es ein Gastgenosse ist. Das Turnier war wie in den letzten Jahren auch stark besetzt. Die Briesener haben Außenseiterchancen und machten sich Hoffnungen auf die Ratingpreise.

Die Oderstädter waren auch da, aber ohne die beste Trainerin der Welt. Rollmops wollte vorne mitspielen und saß zwischenzeitlich sogar mal in der ersten Reihe.

Das Schachkid mag dieses Turnier sehr. In Fürstenwalde gibt es im Grunde genommen nix schönes, außer das Schachkid natürlich und die Turnierlokalität eben. Idyllisch an der Spree gelegen schaffen sich die ersten Sonnenstrahlen Bahn. Es grünt und blüht. Das Turnier findet immer kurz vor Ostern statt. Heuer sogar genau am Frühlingsanfang.

Die Briesener sind wie immer geistig nur halb anwesend und mit unterschiedlichen Zielen vor Ort. Der Genosse hatte am Vorabend eine stressige Freizeitgestaltung und musste sich mit einer Tablette auf Vordermann bringen. Brauni ist gedanklich schon bei der Abendgestaltung und plant taktische Manöver, um die Tochter unterzubringen und ins Kino zu gehen. Das Schachkid will eigentlich nur seine neuen eingeübten Eröffnungen testen. Der kleine Schachtiger schweigt sich aus und guckt zielstrebig in der Gegend herum. Vermutlich taxierte er die Gegner.

Die erste Runde brachte Robert Kreyssig. Das Schachkid nutzte die Gelegenheit, um sein neues Königsindisch auszutesten. Die Partie ging verloren. Aber das Schachkid ist sehr zufrieden. Die Eröffnung fühlt sich sehr dynamisch an.

Bei den anderen Briesenern ging es auch verloren. Zwei Bauern mehr und der Genosse rennt in eine Gabel rein.Der noch benommene Genosse ließ sich ächzend auf der Treppe nieder. Diese sollte er auch im Laufe des Tages nicht mehr oft verlassen. Das Schachkid entdeckte später eine Sesselecke. Genosse und Schachkid quartierten sich daher bald zu den Sesseln um. Die Mittagskarte bot derweil gesunde Salate an, ließ aber eine Mahlzeit mit ordentlich Fleisch vermissen. Ob man davon satt wird, spekulierten die Briesener.

Die zweite Runde loste dem Schachkid Brauni zu. Vereinsinternen muss man sich net bekriegen. Man machte Remis, genoss die Sonne und ging spazieren. Der Genosse gewann derweil souverän. Der kleine Schachtiger hielt sich wacker. Der Genosse ist nun der erfolgreichste Briesener, wie die dieser freudig kund tat.

In der dritten Runde spielte das Schachkid gegen den Einheimischen Zupke, einen lustigen Fürstenwalder. Das Schachkid hat zwar verloren, kann aber die Meinung seines Trainers bestätigen. Nach 1.e4 wird es viel dynamischer als nach 1. c4. Das Schachkid hat nun wieder Spass am Schach. Nicht spaßig schaut der Genosse aus, der gerade verloren hat. Der kleine Schachtiger gewann derweil einen Läufer und setzte gleich darauf seine eigene Trainerin matt. Na, ob er da noch zum Training darf?

Alle Briesener hatten einen Punkt aus drei. Außer dem Schachkid, dass als schlechter Briesener nur mit einem halben Punkt da hockte. Das Mittagessen erfüllte alle Befürchtungen. Es war zu wenig. Und die Bratkartoffeln, ungeschält. Ihhh. Da half auch kein kalter Hund zum Dessert. Der übrigens aus weißer Schokolade bestand. Auch so ein NoGo.

Rettung nahte in der vierten Runde. Braune wurde gegen den Genossen gelost. Ein schnelles Remis und auf zum Fleischer und Würste gekauft. Das Schachkid spielte gegen Alfred Liesecke. Da konnte das Schachkid endlich mal das neu erlernte Najdorf spielen, was der Trainer empfohlen hat. Sehr dynamisch! Alfred spielte Langschach statt Schnellschach. Der erste Punkt fürs Schachkid.

Das Wurstdoping half. Nach schnellen Gewinn blockierte der Genosse schon wieder die Treppe. Das Schachkid spielt endlich wieder aggressives Angriffsschach, Danke Trainer, und nahm fix den Punkt an. Brauni schlug die Hände über den Kopf zusammen und konnte ihr Glück kaum fassen, als der Gegner die Dame stehen ließ. Drei Punkte für drei Briesener.

Und wieder ein Najdorf in der sechsten Runde. Der Gegner kannte sich aus, dennoch scharfes Spiel. Das Schachkid hat verloren und ist begeistert. Der kleine Schachtiger ist es auch und meldet begeistert seinen nun zweiten Punkt. Erstaunlich, dass hier so wenig Kinder mitspielen.

Die siebte Runde nahte. Das Schachkid rechnete schon im Kopf die Chancen auf den Preis auf U 1700 DWZ aus. Das Schachkid merkte erst bei der Siegerehrung, dass es erst einen Preis U1800 DWZ gab. Mist, war es nix mit dem Preis. Wie auch immer, in der siebten Runde bekam es das Schachkid mit dem Eberswalder Detlef Zoll zu tun. Ein netter Gegner, der mit roter Mütze im Dezember als glaubhafte und super sympathische Weihnachtsmannkopie durchgehen würde. Irgendwie kam eine verwirrende Stellung mit gegenseitigen und vor allem wechselnden Chancen aufs Brett. Keiner wusste so recht, wie man gewinnen sollte. Also Remis.

Der Genosse bekam es mit einem Gegner zu tun, den das Schachkid in der vierten Runde hatte. Der Gegner dachte lange nach, der Genosse hatte einen unheimlichen Zeitvorteil. Als das Schachkid aber wenig später wieder aufs Brett guckte, traute es seinen Augen kaum. Ein Turmendspiel war auf dem Brett. Das kann der Genosse eigentlich, er hat das Schachkid schon in Turmendspielen massakriert. Dem Gegner, noch 2 Minuten auf der Uhr, fiel plötzlich ein, dass es ein Schnellschachturnier ist. Er begann zu blitzen und machte auch noch gute Züge, eine verteufelte Kombination. Punktverlust für den Genossen. Auch Brauni und der kleine Schachtiger konnten nicht mehr punkten.

Das Schachkid, vor dem Essen noch schlechtester Briesener, schaut nun ganz selbstgefällig durch den Zug. Denn es schreibt diese Zeilen gerade im Zug auf der Durchfahrt nach Fürstenwalde an Köpenick vorbei. Oh da ist rechts eine Dönerbude, die in roter Schrift leuchtet. Na ja, das Schachkid vermutet bei roter Leuchtreklame ja eher andere Branchen. Daher schaut nun das Schachkid erneut selbstgefällig durch den Zug und stellt fest, dass es nun der beste Briesener beim Turnier ist. Vor dem Genossen hat es trotzdem, schachlich gesehen, Angst.

Insgesamt gesehen für alle Briesener ein lustiges Turnier. Alle hatten Spaß. Es gab gutes Essen, wenn auch zu wenig. Nette Leute waren da. Der Genosse spielte ganz solide. Brauni wurde beste Dame des Turniers und räumte ab. Das Schachkid probierte neue Eröffnungen aus. Und der kleine Schachtiger zeigte gute Partien gegen deutlich stärkere Gegner. Wenn er dabei bleibt, wächst da ein solider Spieler heran, der das Schachkid bald umnieten wird.

Bilder und Tabellen bei Pneumant Fürstenwalde

Das Schachkid, Düsterness und der Frühling

Das Vereinsheim der TSG Oberschönweide liegt für Berliner Verhältnisse im Nirgendwo, dafür idyllisch an der Wuhlheide und der Spree gelegen. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Der Ruderclub von nebenan putzt die Boote. Und am 7. März 2015 fand hier ein Schnellschachturnier statt.

Das Schachkid tritt vor das Spiellokal und fragt sich, ob man wirklich schon vor selbigen. um elf Uhr morgens eine Flasche Bier trinken muss. Drinnen hängt ein altes Bild. Sieht aus, als ob Picasso Stalin gemalt hätte.

Drinnen wartet die übliche sehr bunte Mischung. Großmeister und Kinder, Kinder die schon fast eine 2000 haben. Elegant gekleidete Spieler, aber die Mehrzahl übergewichtig und etwas verlotternd aussehend, das Schachkid mit seiner Sturmfrisur eingeschlossen. Man sieht gleich, es sind Schachspieler. Wieso gibt es bei Schachspielern keinen David Beckam, was das Aussehen angeht? Da hat der Fussball dem Schach eindeutig was voraus.

Gespräch an der Bar: Wer mehr Fehler macht, hat weniger DWZ. Aber gut sind wir alle. Der Wirt grinst und massiert einen Spieler zur Motivation die Schultern. Der Turnierbeginn verzögert sich,man wartet auf den Schienenersatzverkehr. Typisch Berlin. Wo kein Flugzeug fliegt, fährt eben auch keine Bahn.

Das Schachkid legte gleicht standesgemäß los und stellte gegen den symphatischen Christian Peters von Alt Tegel erst die Qualität und dann den ganzen Turm ein. Um sowas zu gewinnen, muss der Gegner keine 2100 haben. Das Schachkid hat schon keine Lust mehr und überlegt, bei dem schönen Wetter sich samt Laptop in ein Kaffee zu setzen und etwas für die Schule zu tun.

Die nächste Runde gegen Schachfreund Burkhardt begann so, wie die letzte Runde endete. Das Schachkid misshandelte die slawische Eröffnung und hatte nach fünf Zügen zwei Bauern weniger. Der filmende Vater war dafür wieder von der Partie und filmte die Partie des Junior am Nachbarbrett. Das Schachkid überlegt nun ganz intensiv, nach Hause zu gehen und die Sonne zu genießen. zumal das Spiellokal sehr dunkel ist und eine miese Luft hat.

Dritte Runde, draußen scheint die Sonnne. Es geht gegen einen Nachwuchsspieler namens Johann, den Nachnamen hat das Schachkid schon verdrängt. Es wird was englisches, bald hat das Schachkid komischerweise einen Läufer weniger, die Nase voll und Hunger.

Das nach der 3. Runde versprochene Mittag Essen ist nicht in Sicht. Der Wirt meint auf Nachfrage nur genervt: Da musste den Turnierleiter fragen. Dem Schachkid ist es nun endgültig zu viel. Es sagt dem Schiri, dass es nun zu gehen Gedenke. Der meint nur unwirsch: „Da brauchst Du Dich hier nicht wieder sehen zu lassen. “ Vielleicht hätte das Schachkid an dieser Stelle sein Startgeld zurück fordern sollen. Oder dezent darauf hinweisen, dass für dicke Oberschönweider das Briesener Open ab sofort tabu ist. Allein,  das ficht das Schachkid nicht an. Es ist gefürchtet für seine spontanen Entscheidungen und ist im Spreewald auch schon mal nach der dritten Runde zwei Stunden lang mit dem Boot durch die Gegend gefahren, um die siebte Runde noch zu gewinnen.

Also raus aus dem muffigen und dunklen Spiellokal und ab in die warme Frühlingssonne. Die Stimmung steigt und das Schachkid weiß, richtige Entscheidung getroffen. Am Potsdamer Platz protestieren singend als Gemüse verkleidet kleine Japanerinnen gegen Atomkraft. Das gibt es echt nur in Berlin. Und das Schachkid sitzt gut gelaunt bei Starbucks und schreibt entspannt diese Zeilen.

 

 

Käsekuchen beim Vereinsduell

Am 13.Dezember 2014, ausgerechnet am solch einem Unglücksdatum, begab sich das Schachkid nach Briesen. Der SV Briesen, nach dem Orte Briesen benannt, hatte zur Weihnachtsfeier incl. Schnellschachturnier, Bockwürsten und Käsekuchen geladen. Für letzterem hatte der Vereinsvorsitzende gesorgt. Zwar ist das Schachkid der gewählte Käsekuchenbeauftragte des SV Briesen und als solcher verantwortlich für die Käsekuchenbeschaffung. Allerdings ist das Schachkid ein hilfloser Hausmann und unfähig, zu backen.

Das Schachkid fand in Briesen einen illustren Spielerkreis vor. Leider waren statt der vorangemeldeten 14 Spieler nur 8 Vereinsmitglieder anwesend, was das vorweihnachtliche Vergnügen der Anwesenden aber nicht trübte.

Mit Olaf Burdach schien der Favorit gesetzt. Aber auch der Jungstar Philipp Heinrich und der Vereinschef Volker Heinrich hatten Ambitionen auf den Titel. Auch das Schachkid hoffte auf ein Quäntchen Schachglück und erhoffte sich ein Platz auf dem Treppchen. Die einzige Dame des Feldes beeindruckte mit neuen Ohrringen. Der angehende Politiker ist zwischenzeitlich in die SPD, ebenso wie das Schachkid, eingetreten.Zwei Genossen in Briesen, oh je… Der König der Herzen war mit guter Laune dabei. Der Finanzfachmann war seit langem mal wieder da und sah erschreckend seriös aus. Das Feld wurde vom kleinen Tiger komplettiert, ein neunjähriges Nachwuchstalent aus der Briesener Kaderschmiede.

In der ersten Runde bekam es das Schachkid mit dem Finanzfachmann zu tun. Das Schachkid erhoffte sich leichtes Spiel, da der Finanzfachmann verkündete, außer Form zu sein. Diese reichte aber, um das Schachkid in einer verunglückten Vorstoßvariante des Caro-Kann in arge Bedrängnis zu bringen. Der Finanzfachmann drohte den Läufer des Schachkids zu gewinnen, was dieses aber durch eine geschickte Kombination zu verhindern wusste und seinerseits die Qualität gewann. Punkt für das Schachkid.

Am Nachbarbrett kam es derweil zum ersten hochkarätigen Duell. Die Kaffeemamsel spielte gegen den Genossen und legte selbigen um. Damit unterstrich die Kaffeemamsel ihre Titelambitionen.

Weiter ging es für das Schachkid gegen die einzige Dame des Feldes. Diese setzte als bewährte Waffe ihren tödlichen Blick ein. Das Schachkid muss zugeben, dass es gewisse Schwierigkeiten hat diesem Blick standzuhalten. Das Schachkid versuchte daher, quasi blind zu gewinnen, was auch gelang.

Am ersten Brett demontierte derweil die Kaffeemamsel den Vereinschef und befand sich somit weiter auf der Zielgeraden.

 

In der dritten Runde traf das Schachkid auf den kleinen Schachtiger. Dieser spielte unerwartet stark und angriffslustig. Mal so eben eine Figur gewinnen, wie es sich das Schachkid dachte, war nicht. Der kleine Schachtiger überlegte lange, geriet dann in Zeitnot und ließ den Läufer stehen. Wenn der kleine Schachtiger dran bleibt, wird da in den nächsten Jahren ein bissiger Tiger draus, glaubt zumindest das Schachkid.

Bilanz in der Mittagspause: Die Kaffeemamsel führt gemeinsam mit dem Schachkid ungeschlagenen mit drei Punkten. Allerdings hatte die Kafeemamsel bisher auch die stärkeren Gegner gehabt.

In der vierten Runde kam es folgerichtig zum Spitzenduell zwischen den beiden Favoriten. Die Kaffeemamsel verbrauchte in der slawischen Variante viel Bedenkzeit. Das Schachkid verwirrte die Kaffeemamsel erfolgreich, in dem es seine Dame sinnloserweise nach a4 statt b3 stellte. In der Hektik stellte die Kaffeemamsel einen Bauern ein, den das Schachkid dankend nahm. Die Kaffeemamsel kann aber Turmendspiele, drohte gar das Schachkid matt zu setzen und hielt trotz Minusbauer Remis.

Vater und Sohn Heinrich am Nachbarbrett beschlossen, den Familienfrieden zu ignorieren  und spielten biss zum letzten Bauern, Punkt für den Junior. Der kleine Schachtiger hatte sich zwischenzeitlich mit drei Stücken Käsekuchen gestärkt. So mit neuer Kraft ausgestattet haute der kleine Schachtiger sogleich den Finanzfachmann um und holte sich seinen ersten Punkt.

In der fünften Runde war der Vereinschef fällig, das Schachkid rechnete ernsthaft mit einem Punkt. Der Chef aber auch. Er drang mit seiner Dame nach Abtausch des finchatetierten Läufers in die Stellung des Schachkids ein und schob noch zwei Springer hinterher. Der Chef tat sich mit dem Matt setzen des Schachkids äußerst schwer. Die Kaffeemamsel am Nachbarbrett, selbst noch spielend, hielt es kaum auf ihrem Stuhl, schaute mit düsteren Blick den Chef an und hätte am liebsten sofort das Ruder übernommen. Irgendwann ging nix mehr, also Punkt für den Chef.

Nach dieser Runde ging die immer noch führende Kaffeemamsel vor die Tür, um frische Luft zu schnappen. Die anwesenden Briesener nutzten die Zeit zur Kriegsberatung, wie man die Kaffeemamsel stoppen könne. Der Genosse, von Natur aus mit scharfen Verstand ausgestattet, merkte an, dass er nur noch 2,5 Punkte für den Sieg benötige. Der mathematisch begabte Genosse warf aber sogleich die Frage auf, wie das in zwei Runden zu schaffen sei. Allgemeine Ratlosigkeit.

Ausgerechnet jetzt musste das Schachkid gegen den motivierten Genossen spielen. Es stellte auch gleich einen Bauern ein, den das Schachkid mühevoll zurückgewinnen musste. In der nun remislichen Stellung tat das Schachkid, auf Punkte hoffend, das einzig Richtige, es bot Remis. Der Genosse war jedoch aufgrund des letzten Punktspiel etwas ungehalten und lehnte ab. Der Genosse hatte hungrig drei Stunden beim Punktspiel warten müssen, weil das Schachkid lange spielte und gewinnen wollte. Das Schachkid gab erst einen Bauern, dann noch einen und dann den Punkt. Der Genosse bewies, dass er im Lavieren und im Endspiel fit ist.

Die Kaffeemamsel bewies derweil Biss, hielt den Todesblick der Amazone aus Berkenbrück stand, gewann und lag nun uneinholbar vorne.

In der letzten und siebten Runde fand sich der König der Herzen am Brett des Schachkids ein. Man spielte, philosophierte und hatte Spaß.

Der Abend wurde im geminderten Teilnehmerkreis, aber mit frischen Personalnachschub der Familie Heinrich fortgesetzt. Männer gegen Frauen hieß es beim Bowlen. Der Abend endete mit gequetschten Fingern, Übelkeit und sonstigen Blessuren. Briesen ist eben ein gefährliches Pflaster. Aber das Schachkid freut sich, in einen so lustigen Verein Mitglied zu sein.

 

Rangliste: Stand nach der 7. Runde
Nr. Teilnehmer TWZ 1 2 3 4 5 6 7 8 Punkte SoBerg
1. Budach,Olaf 1720 ** 1 1 ½ 1 1 1 1 6.5 19.25
2. Heinrich,Philipp 1681 0 ** 1 1 1 1 1 1 6.0 15.50
3. Heinrich,Volker 1540 0 0 ** 1 1 1 1 1 5.0 10.50
4. Kellner,Rene 1492 ½ 0 0 ** 1 1 1 1 4.5 9.25
5. Jacob,Robin 1077 0 0 0 0 ** 1 1 1 3.0 3.00
6. Kieseling,René 1293 0 0 0 0 0 ** 1 1 2.0 1.00
7. Mylke,Sandy-Miche 969 0 0 0 0 0 0 ** 1 1.0 0.00
8. Mylke,Frank 785 0 0 0 0 0 0 0 ** 0.0 0.00