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Tempelhofcup 2015 – Ich war dabei!

Das Schachkid reiste am 19 April nach Berlin zum Tempelhofcup und stand erstmal in der Schlange. Mehr als 100 Schachfreunde haben sich im Lichtenrader Gemeindezentrum eingefunden, um die Klingen zu kreuzen. Vor der Anmeldung steht eine lange Schlange schachhungriger Spieler, die nur eines wollen, den Gegner vernichten. Ah, noch ein Fürstenwalder in der Schlange, David Georgi ist auch da.

„Ich hab ma durchgekiekt“, sagt einer. Man merkt, man ist in Berlin.

Ein launiger Vorsitzender des SK Tempelhof begrüßt die Schachspieler, im weißen Anzug sieht er aus, als käme er frisch vom Buesta Vista Social Club. Neben ihm agiert der jüngste Schiedsrichter, den das Schachkid je gesehen hat, kaum 18 Jahre scheint er alt zu sein. Was im übrigen auch für den zweiten Schiri gilt. Aufgrund seiner Brandenburger Erfahrungen hat das Schachkid bisher geglaubt, ein Schiri müsse ein Mindestalter von 70 Jahren besitzen, ähnlich wie der Bundespräsident.

Für die Herfahrt hat sich das Schachkid zur Unterhaltung fix ein Höhrbuch besorgt. Die Wahl fiel auf „Achtung ich komme – in 80 Orgasmen um die Welt“

Wie soll das Schachkid jetzt Schach spielen, wenn es als an weibliche Orgasmen am Sonntag morgen um 9.30 Uhr denken muss? Eine Frau beschreibt ihre Mühen, einen Orgasmus zu erlangen und die Unfähigkeit der deutschen Männer, dies zu akzeptieren. Sie beschließt, um die Welt zu reisen und in jeden Land einen Mann zu testen. Vielleicht wissen die ja, wie es um den weiblichen Orgasmus bestellt ist. Also genau das richtige, um sich auf ein Schachturnier einzustimmen.

Die erste Runde bringtden kleinen Berliner Miron Koch. Der Kleine lässt Figuren stehen. So haben wir alle mal angefangen. Das Schachkids freuts, setzt sich raus in die Sonne und überlegt, ob es im August nach Wien zum Schachopen fahren soll. Was dann aber das Aus fürs Briesener Open bedeuten würde. Und das Schmalkalder Stadtfest ist auch noch am gleichen Wochenende. Das Leben ist ein Drama.

In der langen Tischreihe sitzt eine sehr attraktive Frau, alte Herren, ein kleiner Lockenkopf…. Schach ist für alle Leute und Altersgruppen ein Sport, das ist ganz wunderbr. Der junge Schriri erläutert von der Bühne herab die Regeln. Senioren brüllen zurück: „Laaaaaaaauter bitte, und langsamer.“

Gespräch am Brett neben an: „Wie lange spielen Sie schon Schach?“ „Seit 30 Jahren.“ kommt es zurück. „Oh Gott“, macht die Gegnerin. „Das muss nix bedeuten.“, tönt es von der Seite. „Stimmt, meinen Höhepunkt hatte ich mit 17 Jahren.“ – womit wir wieder beim Höhrbuch am Anfang wären.

Das Schachkid hat einen Punkt, sitzt aber ganz hinten. Zweite Runde, das Schachkid lässt zwei Bauern stehen, der Gegner Dietmar Scholz gewinnt noch einen dazu. Lässt dann aber seinerseits einen Turm stehen. Ein Schachkid im Glück mit 2 aus 2. Was kommt jetzt, nachdem normal ausgelost wird? Ein Titelträger?

„Es war schwieriger als erwartet.“ – sprach der FM Martin Brüdigam, als er blitzenderweise eine Gabel entdeckte und dem Schachkid seinen Läufer entwand. Dieses hatte eine obskure Nebenvariante in der Schottischen Eröffnung seines Trainers, ebenfalls FM, aufgetischt. Dies kannte der FM Brüdigam nicht und verbriet viel Zeit, um dann, mit zwei Mehrbauern, in Zeitnot zu geraten. Das Schachkid freut sich, hält mit seinem Läufer gegen und genießt die Luft am 5. Brett.

Ist der FM net willig, legt das Schachkid halt in der nächsten Runde Prof. Dr. Hans Jung mit 2000 Elo um. Das Schachkid hat es heute nicht so mit Bauern und stelt im zweiten Zug mit e5 gleich einen hin. Der Gegner ist sichtlich irritiert, denkt lange über das vorgebliche Opfer nach und nimmt nach langen Zögern. Die Irritiation weicht nicht mehr. Der Gegner lässt den Turm stehen, das Schachkid selbigen mit. 3 aus 4 Punkten, das Schachkid hat einen Lauf.

Am Nachbarbrett weist Schwarz seinen Gegner zurecht: „Nun quäl Dich nicht. Nimm den Bauern da , dann isses bei mir zweizügig matt.“. Der Gegner folgt den Hinweis und setzt Matt.

Das Schachkid übelegt kurz, ob man einen Schiri vernaschen könnte,, spielt dann aber doch erstmal gegen den Fürstenwalder Rainer Püschel. Beleidigungen am Nebenbrett: „Bistb Du ein Tegeler? Du siehst aus wie ein Tegeler.“ donnert es.

Das Schachkid lässt aus Gewohnheit einen Bauern stehen. Das reicht dem Püschel ohne Puschel zum Gewinn.

Auf zum Mittag essen. Das kostet nix. Ex wird nur um eine Spende gebeten. Das Schachkid fragt sich, ob sich das für den gastgebenden Verein rechnet. Einige werden sich bestimmt umsonst durchfressen Aber die meisten werden sicherlich ein wenig mehr zahlen, als dass sie müßten. Oder wie es ein Spieler formulierte. Wenn er nix zahle, habe er ein schlechtes Gewissen.

In der 6. Runde kam Sebastian Schrodt. Das Schachkid fragt sich, ob das der Sohn vom Horst Schrodt aus Wildau ist. Beide haben jedenfalls die gleiche lustige Lausbubenart drauf. Der Junior spielt auch schnell und gut. Das Schachkid gab auf und sich dann zum Kuchenbuffet.

Sowas kann das Schachkid gar nicht leiden. Die Runde ist freigegeben, der Gegner nirgends zu sehen. Alles spielt, das Schachkid ist höflich und drückt nicht die Uhr. Der Gegner kommt angerannt, steht noch, hat dem Schachkid noch nicht die Hand gegeben und drückt schon die Uhr. Sowas mag das Schachkid gar nicht. Vor lauter Mißmutigkeit hat das Schchkid gleich einen Bauern stehen lassen und dann noch einen. Wenn das Schachkid erst Mitglied der FIDE ist, wird es die Regel einführen, dass künftig ohne Bauern gespielt wird.

Achte Runde, das Schachkid hat keine Lust mehr. Sieben Runden würden auch reichen. Vladyslav Kozusenok wartet. Es wird eine wechselhafte Partie. Dem Schachkid fehlt noch ein Zug, um den Gegner matt zu setzen. Leider greift dieser an und will nun seinerseits matt setzen. Statt Dauerschach frisst er einen Bauern. Das Schachkid kriegt Oberwasser, droht Matt, der Gegner opfern die Dame. Das Schachkid nimmt falsch zurück, der Gegner kriegt einen Bauern durch, hat aber eine miese Zeit. Verzweiflung auf beiden Seiten, man macht Remis.

Höchste Zeit für einen Kaffee. Gegner der neunten Runde ist Quan Nguyen Duc. Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, ob er Name so richtig rum geschrieben wird. Aber der Gegner ist ein netter Kerl, nur zu langsam. Schnellschach heißt so, weil man es schnell spielt. Diesmal lässt das Schachkid keinen Bauern stehen, sondern einen Springer. Der liebe Gott hat ein Einsehen, der Gegner sieht es nicht. Also Punkt für das Schachkid.

4,5 Punkte von 9, macht 50 Prozent. Platz 61 in der Startrangliste, Platz XX in der Endtabelle. Das Schachkid ist zufrieden, wenn es auch spielerisch vor allem daran haperte, dass das Schachkid in jeder Partie Bauern stehen ließ.

Joachim-Kolbe-Gedenkturnier in Fürstenwalde

Die Briesener machten sich am 21. März auf, um beim Joachim Kolbe Gedenkturnier die Klingen zu kreuzen. Joachim Kolbe war ein beliebter Landtagsabgeordneter der SPD, den das Schachkid aber nicht mehr kannte, obwohl es ein Gastgenosse ist. Das Turnier war wie in den letzten Jahren auch stark besetzt. Die Briesener haben Außenseiterchancen und machten sich Hoffnungen auf die Ratingpreise.

Die Oderstädter waren auch da, aber ohne die beste Trainerin der Welt. Rollmops wollte vorne mitspielen und saß zwischenzeitlich sogar mal in der ersten Reihe.

Das Schachkid mag dieses Turnier sehr. In Fürstenwalde gibt es im Grunde genommen nix schönes, außer das Schachkid natürlich und die Turnierlokalität eben. Idyllisch an der Spree gelegen schaffen sich die ersten Sonnenstrahlen Bahn. Es grünt und blüht. Das Turnier findet immer kurz vor Ostern statt. Heuer sogar genau am Frühlingsanfang.

Die Briesener sind wie immer geistig nur halb anwesend und mit unterschiedlichen Zielen vor Ort. Der Genosse hatte am Vorabend eine stressige Freizeitgestaltung und musste sich mit einer Tablette auf Vordermann bringen. Brauni ist gedanklich schon bei der Abendgestaltung und plant taktische Manöver, um die Tochter unterzubringen und ins Kino zu gehen. Das Schachkid will eigentlich nur seine neuen eingeübten Eröffnungen testen. Der kleine Schachtiger schweigt sich aus und guckt zielstrebig in der Gegend herum. Vermutlich taxierte er die Gegner.

Die erste Runde brachte Robert Kreyssig. Das Schachkid nutzte die Gelegenheit, um sein neues Königsindisch auszutesten. Die Partie ging verloren. Aber das Schachkid ist sehr zufrieden. Die Eröffnung fühlt sich sehr dynamisch an.

Bei den anderen Briesenern ging es auch verloren. Zwei Bauern mehr und der Genosse rennt in eine Gabel rein.Der noch benommene Genosse ließ sich ächzend auf der Treppe nieder. Diese sollte er auch im Laufe des Tages nicht mehr oft verlassen. Das Schachkid entdeckte später eine Sesselecke. Genosse und Schachkid quartierten sich daher bald zu den Sesseln um. Die Mittagskarte bot derweil gesunde Salate an, ließ aber eine Mahlzeit mit ordentlich Fleisch vermissen. Ob man davon satt wird, spekulierten die Briesener.

Die zweite Runde loste dem Schachkid Brauni zu. Vereinsinternen muss man sich net bekriegen. Man machte Remis, genoss die Sonne und ging spazieren. Der Genosse gewann derweil souverän. Der kleine Schachtiger hielt sich wacker. Der Genosse ist nun der erfolgreichste Briesener, wie die dieser freudig kund tat.

In der dritten Runde spielte das Schachkid gegen den Einheimischen Zupke, einen lustigen Fürstenwalder. Das Schachkid hat zwar verloren, kann aber die Meinung seines Trainers bestätigen. Nach 1.e4 wird es viel dynamischer als nach 1. c4. Das Schachkid hat nun wieder Spass am Schach. Nicht spaßig schaut der Genosse aus, der gerade verloren hat. Der kleine Schachtiger gewann derweil einen Läufer und setzte gleich darauf seine eigene Trainerin matt. Na, ob er da noch zum Training darf?

Alle Briesener hatten einen Punkt aus drei. Außer dem Schachkid, dass als schlechter Briesener nur mit einem halben Punkt da hockte. Das Mittagessen erfüllte alle Befürchtungen. Es war zu wenig. Und die Bratkartoffeln, ungeschält. Ihhh. Da half auch kein kalter Hund zum Dessert. Der übrigens aus weißer Schokolade bestand. Auch so ein NoGo.

Rettung nahte in der vierten Runde. Braune wurde gegen den Genossen gelost. Ein schnelles Remis und auf zum Fleischer und Würste gekauft. Das Schachkid spielte gegen Alfred Liesecke. Da konnte das Schachkid endlich mal das neu erlernte Najdorf spielen, was der Trainer empfohlen hat. Sehr dynamisch! Alfred spielte Langschach statt Schnellschach. Der erste Punkt fürs Schachkid.

Das Wurstdoping half. Nach schnellen Gewinn blockierte der Genosse schon wieder die Treppe. Das Schachkid spielt endlich wieder aggressives Angriffsschach, Danke Trainer, und nahm fix den Punkt an. Brauni schlug die Hände über den Kopf zusammen und konnte ihr Glück kaum fassen, als der Gegner die Dame stehen ließ. Drei Punkte für drei Briesener.

Und wieder ein Najdorf in der sechsten Runde. Der Gegner kannte sich aus, dennoch scharfes Spiel. Das Schachkid hat verloren und ist begeistert. Der kleine Schachtiger ist es auch und meldet begeistert seinen nun zweiten Punkt. Erstaunlich, dass hier so wenig Kinder mitspielen.

Die siebte Runde nahte. Das Schachkid rechnete schon im Kopf die Chancen auf den Preis auf U 1700 DWZ aus. Das Schachkid merkte erst bei der Siegerehrung, dass es erst einen Preis U1800 DWZ gab. Mist, war es nix mit dem Preis. Wie auch immer, in der siebten Runde bekam es das Schachkid mit dem Eberswalder Detlef Zoll zu tun. Ein netter Gegner, der mit roter Mütze im Dezember als glaubhafte und super sympathische Weihnachtsmannkopie durchgehen würde. Irgendwie kam eine verwirrende Stellung mit gegenseitigen und vor allem wechselnden Chancen aufs Brett. Keiner wusste so recht, wie man gewinnen sollte. Also Remis.

Der Genosse bekam es mit einem Gegner zu tun, den das Schachkid in der vierten Runde hatte. Der Gegner dachte lange nach, der Genosse hatte einen unheimlichen Zeitvorteil. Als das Schachkid aber wenig später wieder aufs Brett guckte, traute es seinen Augen kaum. Ein Turmendspiel war auf dem Brett. Das kann der Genosse eigentlich, er hat das Schachkid schon in Turmendspielen massakriert. Dem Gegner, noch 2 Minuten auf der Uhr, fiel plötzlich ein, dass es ein Schnellschachturnier ist. Er begann zu blitzen und machte auch noch gute Züge, eine verteufelte Kombination. Punktverlust für den Genossen. Auch Brauni und der kleine Schachtiger konnten nicht mehr punkten.

Das Schachkid, vor dem Essen noch schlechtester Briesener, schaut nun ganz selbstgefällig durch den Zug. Denn es schreibt diese Zeilen gerade im Zug auf der Durchfahrt nach Fürstenwalde an Köpenick vorbei. Oh da ist rechts eine Dönerbude, die in roter Schrift leuchtet. Na ja, das Schachkid vermutet bei roter Leuchtreklame ja eher andere Branchen. Daher schaut nun das Schachkid erneut selbstgefällig durch den Zug und stellt fest, dass es nun der beste Briesener beim Turnier ist. Vor dem Genossen hat es trotzdem, schachlich gesehen, Angst.

Insgesamt gesehen für alle Briesener ein lustiges Turnier. Alle hatten Spaß. Es gab gutes Essen, wenn auch zu wenig. Nette Leute waren da. Der Genosse spielte ganz solide. Brauni wurde beste Dame des Turniers und räumte ab. Das Schachkid probierte neue Eröffnungen aus. Und der kleine Schachtiger zeigte gute Partien gegen deutlich stärkere Gegner. Wenn er dabei bleibt, wächst da ein solider Spieler heran, der das Schachkid bald umnieten wird.

Bilder und Tabellen bei Pneumant Fürstenwalde

Das Schachkid, Düsterness und der Frühling

Das Vereinsheim der TSG Oberschönweide liegt für Berliner Verhältnisse im Nirgendwo, dafür idyllisch an der Wuhlheide und der Spree gelegen. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Der Ruderclub von nebenan putzt die Boote. Und am 7. März 2015 fand hier ein Schnellschachturnier statt.

Das Schachkid tritt vor das Spiellokal und fragt sich, ob man wirklich schon vor selbigen. um elf Uhr morgens eine Flasche Bier trinken muss. Drinnen hängt ein altes Bild. Sieht aus, als ob Picasso Stalin gemalt hätte.

Drinnen wartet die übliche sehr bunte Mischung. Großmeister und Kinder, Kinder die schon fast eine 2000 haben. Elegant gekleidete Spieler, aber die Mehrzahl übergewichtig und etwas verlotternd aussehend, das Schachkid mit seiner Sturmfrisur eingeschlossen. Man sieht gleich, es sind Schachspieler. Wieso gibt es bei Schachspielern keinen David Beckam, was das Aussehen angeht? Da hat der Fussball dem Schach eindeutig was voraus.

Gespräch an der Bar: Wer mehr Fehler macht, hat weniger DWZ. Aber gut sind wir alle. Der Wirt grinst und massiert einen Spieler zur Motivation die Schultern. Der Turnierbeginn verzögert sich,man wartet auf den Schienenersatzverkehr. Typisch Berlin. Wo kein Flugzeug fliegt, fährt eben auch keine Bahn.

Das Schachkid legte gleicht standesgemäß los und stellte gegen den symphatischen Christian Peters von Alt Tegel erst die Qualität und dann den ganzen Turm ein. Um sowas zu gewinnen, muss der Gegner keine 2100 haben. Das Schachkid hat schon keine Lust mehr und überlegt, bei dem schönen Wetter sich samt Laptop in ein Kaffee zu setzen und etwas für die Schule zu tun.

Die nächste Runde gegen Schachfreund Burkhardt begann so, wie die letzte Runde endete. Das Schachkid misshandelte die slawische Eröffnung und hatte nach fünf Zügen zwei Bauern weniger. Der filmende Vater war dafür wieder von der Partie und filmte die Partie des Junior am Nachbarbrett. Das Schachkid überlegt nun ganz intensiv, nach Hause zu gehen und die Sonne zu genießen. zumal das Spiellokal sehr dunkel ist und eine miese Luft hat.

Dritte Runde, draußen scheint die Sonnne. Es geht gegen einen Nachwuchsspieler namens Johann, den Nachnamen hat das Schachkid schon verdrängt. Es wird was englisches, bald hat das Schachkid komischerweise einen Läufer weniger, die Nase voll und Hunger.

Das nach der 3. Runde versprochene Mittag Essen ist nicht in Sicht. Der Wirt meint auf Nachfrage nur genervt: Da musste den Turnierleiter fragen. Dem Schachkid ist es nun endgültig zu viel. Es sagt dem Schiri, dass es nun zu gehen Gedenke. Der meint nur unwirsch: „Da brauchst Du Dich hier nicht wieder sehen zu lassen. “ Vielleicht hätte das Schachkid an dieser Stelle sein Startgeld zurück fordern sollen. Oder dezent darauf hinweisen, dass für dicke Oberschönweider das Briesener Open ab sofort tabu ist. Allein,  das ficht das Schachkid nicht an. Es ist gefürchtet für seine spontanen Entscheidungen und ist im Spreewald auch schon mal nach der dritten Runde zwei Stunden lang mit dem Boot durch die Gegend gefahren, um die siebte Runde noch zu gewinnen.

Also raus aus dem muffigen und dunklen Spiellokal und ab in die warme Frühlingssonne. Die Stimmung steigt und das Schachkid weiß, richtige Entscheidung getroffen. Am Potsdamer Platz protestieren singend als Gemüse verkleidet kleine Japanerinnen gegen Atomkraft. Das gibt es echt nur in Berlin. Und das Schachkid sitzt gut gelaunt bei Starbucks und schreibt entspannt diese Zeilen.

 

 

Käsekuchen beim Vereinsduell

Am 13.Dezember 2014, ausgerechnet am solch einem Unglücksdatum, begab sich das Schachkid nach Briesen. Der SV Briesen, nach dem Orte Briesen benannt, hatte zur Weihnachtsfeier incl. Schnellschachturnier, Bockwürsten und Käsekuchen geladen. Für letzterem hatte der Vereinsvorsitzende gesorgt. Zwar ist das Schachkid der gewählte Käsekuchenbeauftragte des SV Briesen und als solcher verantwortlich für die Käsekuchenbeschaffung. Allerdings ist das Schachkid ein hilfloser Hausmann und unfähig, zu backen.

Das Schachkid fand in Briesen einen illustren Spielerkreis vor. Leider waren statt der vorangemeldeten 14 Spieler nur 8 Vereinsmitglieder anwesend, was das vorweihnachtliche Vergnügen der Anwesenden aber nicht trübte.

Mit Olaf Burdach schien der Favorit gesetzt. Aber auch der Jungstar Philipp Heinrich und der Vereinschef Volker Heinrich hatten Ambitionen auf den Titel. Auch das Schachkid hoffte auf ein Quäntchen Schachglück und erhoffte sich ein Platz auf dem Treppchen. Die einzige Dame des Feldes beeindruckte mit neuen Ohrringen. Der angehende Politiker ist zwischenzeitlich in die SPD, ebenso wie das Schachkid, eingetreten.Zwei Genossen in Briesen, oh je… Der König der Herzen war mit guter Laune dabei. Der Finanzfachmann war seit langem mal wieder da und sah erschreckend seriös aus. Das Feld wurde vom kleinen Tiger komplettiert, ein neunjähriges Nachwuchstalent aus der Briesener Kaderschmiede.

In der ersten Runde bekam es das Schachkid mit dem Finanzfachmann zu tun. Das Schachkid erhoffte sich leichtes Spiel, da der Finanzfachmann verkündete, außer Form zu sein. Diese reichte aber, um das Schachkid in einer verunglückten Vorstoßvariante des Caro-Kann in arge Bedrängnis zu bringen. Der Finanzfachmann drohte den Läufer des Schachkids zu gewinnen, was dieses aber durch eine geschickte Kombination zu verhindern wusste und seinerseits die Qualität gewann. Punkt für das Schachkid.

Am Nachbarbrett kam es derweil zum ersten hochkarätigen Duell. Die Kaffeemamsel spielte gegen den Genossen und legte selbigen um. Damit unterstrich die Kaffeemamsel ihre Titelambitionen.

Weiter ging es für das Schachkid gegen die einzige Dame des Feldes. Diese setzte als bewährte Waffe ihren tödlichen Blick ein. Das Schachkid muss zugeben, dass es gewisse Schwierigkeiten hat diesem Blick standzuhalten. Das Schachkid versuchte daher, quasi blind zu gewinnen, was auch gelang.

Am ersten Brett demontierte derweil die Kaffeemamsel den Vereinschef und befand sich somit weiter auf der Zielgeraden.

 

In der dritten Runde traf das Schachkid auf den kleinen Schachtiger. Dieser spielte unerwartet stark und angriffslustig. Mal so eben eine Figur gewinnen, wie es sich das Schachkid dachte, war nicht. Der kleine Schachtiger überlegte lange, geriet dann in Zeitnot und ließ den Läufer stehen. Wenn der kleine Schachtiger dran bleibt, wird da in den nächsten Jahren ein bissiger Tiger draus, glaubt zumindest das Schachkid.

Bilanz in der Mittagspause: Die Kaffeemamsel führt gemeinsam mit dem Schachkid ungeschlagenen mit drei Punkten. Allerdings hatte die Kafeemamsel bisher auch die stärkeren Gegner gehabt.

In der vierten Runde kam es folgerichtig zum Spitzenduell zwischen den beiden Favoriten. Die Kaffeemamsel verbrauchte in der slawischen Variante viel Bedenkzeit. Das Schachkid verwirrte die Kaffeemamsel erfolgreich, in dem es seine Dame sinnloserweise nach a4 statt b3 stellte. In der Hektik stellte die Kaffeemamsel einen Bauern ein, den das Schachkid dankend nahm. Die Kaffeemamsel kann aber Turmendspiele, drohte gar das Schachkid matt zu setzen und hielt trotz Minusbauer Remis.

Vater und Sohn Heinrich am Nachbarbrett beschlossen, den Familienfrieden zu ignorieren  und spielten biss zum letzten Bauern, Punkt für den Junior. Der kleine Schachtiger hatte sich zwischenzeitlich mit drei Stücken Käsekuchen gestärkt. So mit neuer Kraft ausgestattet haute der kleine Schachtiger sogleich den Finanzfachmann um und holte sich seinen ersten Punkt.

In der fünften Runde war der Vereinschef fällig, das Schachkid rechnete ernsthaft mit einem Punkt. Der Chef aber auch. Er drang mit seiner Dame nach Abtausch des finchatetierten Läufers in die Stellung des Schachkids ein und schob noch zwei Springer hinterher. Der Chef tat sich mit dem Matt setzen des Schachkids äußerst schwer. Die Kaffeemamsel am Nachbarbrett, selbst noch spielend, hielt es kaum auf ihrem Stuhl, schaute mit düsteren Blick den Chef an und hätte am liebsten sofort das Ruder übernommen. Irgendwann ging nix mehr, also Punkt für den Chef.

Nach dieser Runde ging die immer noch führende Kaffeemamsel vor die Tür, um frische Luft zu schnappen. Die anwesenden Briesener nutzten die Zeit zur Kriegsberatung, wie man die Kaffeemamsel stoppen könne. Der Genosse, von Natur aus mit scharfen Verstand ausgestattet, merkte an, dass er nur noch 2,5 Punkte für den Sieg benötige. Der mathematisch begabte Genosse warf aber sogleich die Frage auf, wie das in zwei Runden zu schaffen sei. Allgemeine Ratlosigkeit.

Ausgerechnet jetzt musste das Schachkid gegen den motivierten Genossen spielen. Es stellte auch gleich einen Bauern ein, den das Schachkid mühevoll zurückgewinnen musste. In der nun remislichen Stellung tat das Schachkid, auf Punkte hoffend, das einzig Richtige, es bot Remis. Der Genosse war jedoch aufgrund des letzten Punktspiel etwas ungehalten und lehnte ab. Der Genosse hatte hungrig drei Stunden beim Punktspiel warten müssen, weil das Schachkid lange spielte und gewinnen wollte. Das Schachkid gab erst einen Bauern, dann noch einen und dann den Punkt. Der Genosse bewies, dass er im Lavieren und im Endspiel fit ist.

Die Kaffeemamsel bewies derweil Biss, hielt den Todesblick der Amazone aus Berkenbrück stand, gewann und lag nun uneinholbar vorne.

In der letzten und siebten Runde fand sich der König der Herzen am Brett des Schachkids ein. Man spielte, philosophierte und hatte Spaß.

Der Abend wurde im geminderten Teilnehmerkreis, aber mit frischen Personalnachschub der Familie Heinrich fortgesetzt. Männer gegen Frauen hieß es beim Bowlen. Der Abend endete mit gequetschten Fingern, Übelkeit und sonstigen Blessuren. Briesen ist eben ein gefährliches Pflaster. Aber das Schachkid freut sich, in einen so lustigen Verein Mitglied zu sein.

 

Rangliste: Stand nach der 7. Runde
Nr. Teilnehmer TWZ 1 2 3 4 5 6 7 8 Punkte SoBerg
1. Budach,Olaf 1720 ** 1 1 ½ 1 1 1 1 6.5 19.25
2. Heinrich,Philipp 1681 0 ** 1 1 1 1 1 1 6.0 15.50
3. Heinrich,Volker 1540 0 0 ** 1 1 1 1 1 5.0 10.50
4. Kellner,Rene 1492 ½ 0 0 ** 1 1 1 1 4.5 9.25
5. Jacob,Robin 1077 0 0 0 0 ** 1 1 1 3.0 3.00
6. Kieseling,René 1293 0 0 0 0 0 ** 1 1 2.0 1.00
7. Mylke,Sandy-Miche 969 0 0 0 0 0 0 ** 1 1.0 0.00
8. Mylke,Frank 785 0 0 0 0 0 0 0 ** 0.0 0.00

Verbohrte Spieler in Weißensee

Das Schachkid machte sich am 29.11.2014 auf den Weg nach Berlin Weißensee zum Schnellschachturnier der Grand Prix Serie 2014/15 bei der SG Weißensee. Bei dieser Schnellschachserie können sich die Gewinner für ein finales Schnellschachturnier qualifizieren. Ganz entspannt warf das Schachkid beim Frühstück einen Blick auf die Teilnehmerliste. Das Schachkid war stolz auf seine funkelnagelneue 1547 DWZ und glaubte sich im Mittelfeld. Von wegen! Die Berliner Turniere sind stark besetzt, das Schachkid stand auf Platz 48 von 56.

Frohgemut fuhr das Schachkid trotzdem los, wie immer zu spät. Mit 170 km/h brauste es den östlichen Berliner Ring hinauf, aufgepeitscht von den Danceklassikern der 90er auf Sunshine Live, wo Onkel Kurti einen fantastischen Mix spielte.

Mit 46 Teilnehmern nahmen beim 10-jährigen Jubiläum fast 20 Spieler weniger als 2013 teil. Frank Walther als Vertreter des gastgebenden Vereins eröffnete das Turnier. Er hat ein beeindruckendes Stimmvolumen. Das Schachkid vermutet, dass er als Opernsänger arbeitet, oder als Musiklehrer.

Um Verwerfungen im Teilnehmerfeld zu verhindern, wollte der Ausrichter nur sieben statt neun Runden spielen. Das freute das Schachkid, weil es um 16.00 Uhr zu einem Weihnachtskonzert der Wiener Sängerknaben nach Potsdam wollte. Prompt meldete sich ein Spieler lautstark zu Wort. Ob eigentlich jemand die anwesenden Spieler gefragt habe. Er habe Startgeld (12 Euro) für neun Runden bezahlt. Nun wolle er auch neun Runden spielen. Man müsse sofort abstimmen. Dem Turnierleiter war es einerlei, er setzte neun Runden an.

Dem Schachkid sind solche Leute zutiefst zuwider. Es mag keine Menschen, die allzu verkrampft durchs Leben gehen, alles voller Ernst und ohne Spaß betreiben und gemäß dem deutschen Klischee auf Formalitäten bestehen. So wie dieser unsympathische Spieler, der total empört und lautstark forderte, für 12 Euro zu erhalten, was ausgeschrieben war. Dem Schachkid braust es.

Das Schachkid stieß zum Ausgleich auf die gechillte Familie Georgi aus Fürstenwalde. Dementsprechend empfahl Vater Georgie auch gleich dem Film „Es lebe der Zentralfriedhof“. Das Schachkid wird es googeln. Die Rechtschreibhilfe des Tablets macht an dieser Stelle aus googeln immer vögeln, nur Gott allein weiß warum.

Der Vater, der jede Partie seines Sprösslings abfilmt,war wieder da. Stefan Lippianowski, Spitzname Lippi, war auch mit da. Von diesem Spieler ist das Schachkid sehr beeindruckt. Lippi sitzt im Rollstuhl, scheint spastisch gelähmt zu sein und benötigt stets einen Betreuer. Trotzdem spielt er Schnellschach, nicht sehr gut, aber voller Lebensfreude. Der Betreuer macht die Züge, Lippi zeigt die Felder auf einem Blatt Papier. Das Schachkid fragt sich ernsthaft, ob es selbst soviel Lebensfreude im Rollstuhl empfinden könnte.

In der ersten Runde bekam es das Schachkid mit Holger Niese zu tun. Das Schachkid wollte Caro-Kann spielen, konnte sich aber beim besten Willen nicht an den ersten Zug erinnern. D6 war es jedenfalls nicht. Nachdem das Schachkid noch einen Läufer stehen ließ, holte es sich erst mal einen Kaffee.

In der zweiten Runde rückte mit Günther Ahlberg ein Senior an. Genauer gesagt begann die Runde und der Senior, der die schwarzen Steine führen sollte, war nirgends zu sehen. Da das Schachkid ein sehr höflicher Mensch ist, drückte es nicht die Uhr, sondern wartete ab. Nach drei Minuten kam der Senior, drückte noch im Stehen die Uhr,setzte sich dann und gab dem Schachkid erst dann die Hand, dass dieses seinen ersten Zug machen möge. Das Schachkid war sprachlos ob dieser Unhöflichkeit und hofft inständig, mal ein lieber und entspannter Senior zu werden. Die Partie verlor das Schachkid unspektakulär. In der slawischen Variante der englischen Eröffnung opferte das Schachkid den c- Bauern, um Druck auf b7 auszuüben. So hatte es das Schachkid in einem Buch gelesen. Leider verlor das Schachkid noch zwei Bauern. Der Senior hatte eben Lebens- und Spielerfahrung.

In der dritten Runde war das Schachkid nicht in der Lage, die 2m Weg vom Aushang der Auslosung bis zum Brett sich seine Farbe zu merken. So saß es falsch, als mit Jürgen Frischmuth der nächste Senior auftauchte. Der war das ganze Gegenteil vom letzten Senior, wunderbar entspannt und lustig. Man einigte sich fix auf Remis.

Beim Tippen dieser Zeilen wendet das Schachkid den Blick nach rechts und fragt sich, warum Jugendliche Baggyjeans tragen. Dies sind, lieber Leser, besonders tief sitzende Hosen. Vermutlich will die Jugend der Welt mitteilen, dass die blau-rot-weiß karierte Boxershorts trägt. Das Schachkid empfiehlt an dieser Stelle dem männlichen Leser Unterwäsche von Bruno Banani. Da trägt man wenigstens was lustiges drunter. Die Fürstenwalder haben übrigens schon zwei aus drei Punkten, ein starkes Vater-Sohn-Gespann.

Kein guter Tag für das Schachkid. Auch gegen den schwächeren Gabriel Helmich in der vierten Runde sah das Schachkid kein Land und musste traurig die zwei Mehrbauern zur Kenntnis nehmen. Das Schachkid beschloss, sich mit der selbst gemachten Kartoffelsuppe zu trösten. Nach der nächsten Runde wird sich das Schachkid dem anmutig ausschauendem Käsekuchen zuwenden. Nach Meinung des Schachkids ist dieses Turnier ein kulinarischer Geheimtipp.

In der fünften Runde geht es gegen den vermutlich Jüngsten des Turniers, Bao Anh Le Bui, zur Sache. Der kleine kennt sich gut im Caro-Kann aus. Dem Schachkid sind die Züge nach zwei Tassen Kaffee wieder eingefallen. Das Schachkid spekuliert auf die Zeit, denn die Stellung gibt keinerlei Anlass für Spekulationen. Man findet sich im Endspiel wieder. Schachkid hält nach gegnerischen Springergabeln mit Schach Ausschau. Bao hat keine, also zieht das Schachkid seinen Läufer, genau auf ein Feld, was der Springer in Augenschein nimmt. Bao nimmt und das Schachkid geht zum Käsekuchen. Was macht der kleine Bao? Klappt sein Laptop auf, und spielt, was auch sonst, in der Pause Schach.

Nun traf die Auslosung Lippi und das Schachkid. Beide kennen sich bereits aus Falkensee und kreuzten dort vor drei Jahren die Klingen. Damals gewann das Schachkid leicht, diesmal wurde es schwerer. Lippi hat an Spielstärke zugelegt und brachte das Schachkid in der Englischen Eröffnung in Bedrängnis. Leider ließ Lippi in der Zeitnot die Dame stehen. Schönes Spiel, netter Gegner.

Der Gegner Markus Hempel fand die Partie in der sechsten Runde komisch, das Schachkid auch. Es nahm den Punkt trotzdem dankend mit. Komisches geschah auch an den Nachbarbrettern. Der kleine Bao rief J’adoube und rückte eifrig seine Figuren zurecht. Der Gegner und Senior merkte lautstark und missmutig an: „Das machst Du nur einmal und nicht öfter.“ Das Schachkid zuckt hier mal wieder mit den Achseln und fragt sich, warum manche Spieler beim Schach so ernst und verkrampft mit Kindern umgehen.

Gänzlich unverkrampft erklärte am rechten Nachbarbrett ein 14-jähriger seinem 70-jährigen Gegner, dass man bei der langen Rochade erst den König und dann den Turm anfassen müsse und nicht umgedreht. Der Senior nahm den Hinweis lautstark unter Protest zur Kenntnis.

In der achten Runde wurde das Schachkid mit den Waffen einer Frau bekämpft, gegen die das Schachkid bekanntermaßen unempfindlich ist. So gab es ein wildes Gemetzel. Die sympathische Lena übersah den Damengewinn. Das Schachkid wähnt sich im Glück, Remis und einen halben Punkt für beide.

Das Schachkid wendet beim Tippen dieser Zeilen seinen Blick nach rechts und sieht ein kleines Schachkid weinen. Es hat verloren. Der Schiri eilt tröstend herbei und meint: „Merke Dir die Gesichter. In fünf Jahren nietest Du die um.“

Die letzte Runde brachte Ben-Luca Schreiber, ein Berliner Nachwuchsspieler vom SC Kreuzberg. Das Schachkid war schon nicht mehr bei der Sache, da es nach Potsdam zum Konzert der Wiener Sängerknaben aufbrechen wollte. Nach einiger Zeit wurde das Schachkid von Ben-Luca auf den Umstand hingewiesen, dass es soeben Bens Läufer hätte nehmen können. Vor lauter Freude über diesen Hinweis lies das Schachkid drei Figuren in Folge stehen, drei Figuren in drei Zügen. Das soll dem Schachkid erst mal jemand nachmachen.

Aus spielerischer Sicht war das Turnier ein ziemlicher Flop, hat aber trotzdem viel Spaß gemacht. Nette Leute und eine nette Atmosphäre in Weißensee und ein Gastgeber, der in jeder Runde Preise verlost. Das Schachkid wird wieder kommen.

 

Skuriles und Merkwürdiges beim Havelcup

Der Sontag war grau und nieselig. Also beschloss das Schachkid, nach Berlin Spandau zum Havelcup zu fahren. Auch wenn die Nacht davor mit fünf Stunden wegen des Schacharena-Treffens in Berlin sehr kurz war. Das Schachkid hatte sich kein Ziel gesetzt, sondern wollte einfach nur etwas Spaß haben, sozusagen das Hier und Jetzt genießen.

Der Havelcup wurde von Zitadelle Spandau in einem Seniorenzentrum durchgeführt. Schöne Räumlichkeiten direkt an der Spree, von der wegen der grauen Suppe net viel zu sehen war.

Wie immer raste das Schachkid zeitlich auf Kante genäht genau um 9.30 Uhr heran, wie in der Ausschreibung gefordert. Es war wie immer zu spät um halb neun los gefahren. Das war aber nix gegen die fünf Oderstädter vom USC Viadrina, auf die das Schachkid traf. Diese waren bereits um sieben Uhr mit dem Zug aufgebrochen.

Nachdem endlich ein Parkplatz gefunden war, wie immer in Berlin sehr schwierig, trabte das Schachkid ins Spiellokal und sah sich sofort einer Horde Russen gegenüber. Diese hier waren aus Berlin und sehr starke Spieler. Während in Thüringen, der alten Heimat des Schachkids, üblicherweise ein Spieler mit 2000 DWZ das Feld anführt, finden sich in Berlin drei Großmeister, zwei Internationale Meister und sieben Fidemeister im Starterfeld.

Unter den Russen war mit Albert Metzger ein Spieler, der das Schachkid frappierend an den amerikanischen Schauspieler Dean Stockwell und an die Serie “Zurück in die Vergangenheit” erinnert. Das Schachkid liebt diese tolle Serie.

In der ersten Runde war das Schachkid noch nicht richtig wach. Gegen Carsten Schirrmacher, der Nummer 23 von 78 Spielern, lies es in einem verunglückten Caro-Kann sage und schreibe drei Bauern stehen. Das Schachkid beschloss daher, erstmal einen Kaffee zu trinken.

Gleich nach der ersten Runde beschwerte sich ein Spieler beim Schiri über einen anderen Spieler. Dieser hatte offensichtlich eine tief sitzende Hose an, so dass man dessen Zitat “Arschspalte sehen könne”. Diese würde sehr stark müffeln. Dies sei ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Der Schiri möge sofort was tun. Der Schiri lächelte milde, verdrehte kurz die Augen und übte sich sonst in Ignoranz.

Der Kaffee half. Das Schachkid fand sich gegen Ansgar Thesing nach der englischen Eröffnung in der besseren Stellung wieder. Leider drohte dieser, das Schachkid matt zu setzen, ehe dieses selber matt setzen konnte. Also gab das Schachkid auf. Wieder einmal zu früh. Der staunende Gegner zeigte dem Schachkid, wie das Matt einzügig abzuwehren war. Wie schon Captain Picard sagte: Es gibt immer eine Alternative.

In der dritten Runde bekam es das Schachkid mit dem kleinen Schachkid Jona Wittstock zu tun. Hinter dem Schachkid stand ein Spieler und beliebte, laut schmatzend ein Brötchen zu verzehren. Das Schachkid war genervt und fragt sich, wieso es bei manchen, vor allen aber bei Schachspielern, an den einfachsten Manieren fehlt.

Schnell gewann das große Schachkid eine Figur und hatte das kleine Schachkid kurz vor dem Matt. Das kleine Schachkid schaute das große Schachkid traurig an und fragte hoffnungsvoll Remis? Da willigte das Schachkid ein, zur Freude des kleinen Kids.Was soll man machen, gegen kleine Kinder grundsätzlich auf Gewinn spielen? Das Schachkid meint, dass hier Ehrgeiz fehl am Platz ist, man auch mal einen halben Punkt geben kann, um den kleinen Nachwuchsspieler zu erfreuen. Gewonnen wird dann gegen die Erwachsenen.

Vor der vierten Runde wurde die nahende Pause mit leckerem Chili angekündigt. Das Schachkid wollte daher schnell gewinnen. Steven Stark, der gar nicht so stark spielende spielende Spieler, hatte andere Pläne. Er ließ die Dame stehen, spielte aber bis zum bitteren Ende weiter. Sowas kann das Schachkid gar nicht leiden, wenn Gegner mit einer Dame weniger weiter spielen. Offensichtlich halten derartige Spieler ihren Gegner für blöd und unfähig, mit einer Dame mehr zu gewinnen. Das Schachkid meint hier ausdrücklich erwachsene Gegner, nicht Kinder. Der Schmatzer war übrigens auch noch da.

Rainer Hoffmann hieß der nächste Gegner, ein erfahrener Senior. Im Caro-Kann einen Bauern verloren, fix alles ab etauscht, der Gegner konnte das Springer Endspiel besser, fix war es verloren. Springer sind eklige kleine Biester.

Die sechste Runde bescherte dem Schachkid mit Maximilian Steiner ein bekanntes Gesicht aus Frankfurt (Oder). Ein kurzer schneller Arbeitssieg ohne Glanz für das Schachkid, wie man im Fußball sagen würde.

Spruch des Tages: Ab 100 kg gehört man zu den bedeutenden Menschen. Gehört bei zwei Schachspielern, die sich über ihr Körpergewicht unterhalten. Spannend sind auch die beiden Spieler, die trotz beheizten Spiellokals während des ganzen Turniers dicken Schal und Pudelmütze aufbehalten. Oder der Vater, der jede Partie seines Sohnes in Echtzeit auf Video festhält, indem er eine riesige Videokamera auf das Brett richtet. Das ist mal eine Alternative zum Mitschreiben.

In der siebten Runde bekam es das Schachkid mit dem Double von Dean Stockwell zu tun. Das arme Schachkid konnte sich kaum konzentrieren. Schräg rechts von ihm saß die Hexe von Eastwick, links ein rassiger Italiener, der aus einem Katalog entstiegen schien. Trotzdem konnte das Schachkid mühevoll zwei Bauern gewinnen, nur um dann einen Turm zu verlieren, den es wegen eines drohenden Grundreihenmatt nicht wieder nehmen konnte.

Auch in der achten Runde brachte es das Schachkid nicht übers Herz, zu gewinnen. Das Los brachte den kleinen Marc Krause. Der 10-jährige spielte sehr überlegt und bewies ein sehr gutes positionelles Verständnis. Letztendlich musste er einen Läufer geben und geriet in arge Zeitnot. Als er noch 14 Sekunden auf der Uhr hatte, bot das Schachkid mal remis, was der Kleine dankend nahm. Das Schachkid denkt, das hier ein echtes Talent heran wächst und es in vier Jahren wohl von dem Miinikid umgenietet werden wird.

Die letzte Runde gegen Markus Zelanti wurde nochmal scharf. Dieser spielte vollkommen unlogische Eröffnungszüge, die eigentlich verlieren mussten. Das Schachkid stand trotzdem auf einmal mies. Erfreulicherweise lies der Gegner im Scharmützel die Dame stehen. Natürlich musste das Schachkid trotzdem wieder bis zum Ende spielen.

Das Turnier wurde von einem Großmeister mit tief sitzender Hose gewonnen. Aucb das Schachkid bekam überraschenderweise zu Rum und Ehre, nämlich 1. Platz U1600. Das Schachkid denkt, dass dies nur ein Irrtum sein kann, da es so unambitioniert gespielt hat, nahm den Preis aber dankend mit.

Ein schönes Turnier, das sehr stark besetzt war, aber auch seine Chancen bot. Dazu allerlei skurile kleine Szenen, die mal wieder bestätigen, dass Schachspieler eben alle eine kleine Macke haben.

Jung schlägt alt beim Gurkenturnier

Am 27. September machten sich zwei Mannschaften des SV Briesen auf, um nach Duben zu fahren und ein Gurkenfass zu gewinnen. Der  Spreewald Schachgemeinschaft Lübbenau e.V. richtete sein traditionelles Mannschaftsschnellschachturnier um den Spreewaldpokal aus. Heuer fand dieser zum 15. Mal statt.

Der SV Briesen nahm mit sieben Spielern und einem Gastspieler vom USC Viadrina den Kampf gegen die starke Konkurrenz aus Sachsen, Berlin und Brandenburg auf. Es wurden zwei Mannschaften gebildet. Briesen I wollte mit geballter Lebenserfahrung und Schachverständnis, dass keinesfalls mit dem Lebensalter korrespondiert, irgendwie mitspielen. Briesen II, die jüngste Mannschaft im Feld mit zwei Damen unter 18, einen angehenden Politikstudenten unter 18 und dem gereiften Schachkid am 3. Brett, rechneten sich den letzten Platz aus.

Nach 9 Runden Schnellschach im schönen Landhaus Duben stand es fest. Briesen I landete auf den 16. Platz, durften aber immerhin einen Minispreekahn, ein Geschenk des Gastgebers für die erste Teilnahme, mitnehmen.

Briesen II fand sich völlig überraschend auf dem 9. Platz wieder. Tatsächlich gewann jedes Mannschaftsmitglied mindestens einmal, aber meist nie gleichzeitig, was eine vordere Platzierung massiv erschwerte. Überragend spielte das zweite Brett, eine talentierte deutsch-polnische Schachspielerin, die Gurken über alles liebt. Sie schaffte tatsächlich 6,5 aus 9 Punkte. Der Politikstudent wurde seiner DWZ und seiner Rolle am 1. Brett gerecht und spielte ein solides Turnier. Das 13-jährige Nesthäkchen am letzten Brett schaffte einen Punkt, brachte dafür die Gegner trotzdem ins Schwitzen. Dafür sorgte schon der Todesblick, so wie 12-jährige Mädels in der Pubertät eben gucken, mit dem sie die Gegner in Angst und Schrecken versetzte.

Das Schachkid fand am Vormittag nicht ins Spiel und ließ sich oft zusammen schieben. In der ersten Runde stellte der Gegner gleich zur Freude des Schachkids die Dame ein. Der Gegner schaffte es trotzdem, mit der Dame weniger das Schachkid mit Turm, Dame und Springer mattzusetzen. Am Nachmittag reichte es immerhin fpr drei Punkte, während am Vormittag in den ersten vier Runden nur ein Remis drin war.

Zur Preisvergabe stürzte Briesen II zur Bühne, das erste Brett wollte ran an den zu gewinnenden Alkohol. Der Gastgeber beliebte anzumerken, dass es  nur Gurken zu gewinnen gäbe, da die Mansnchaft noch minderjährig sei. Das Schachkid konnte, trotz seines jugendlichen Aussehens, den Gastgeber davon überzeugen, volljährig zu sein. So wurde ein  Kompromiss gefunden. Für die beiden Männer der Mannschaft gab es Wein, für die Damen Gurken.

Was war noch? Schönes Wetter, leckeres Mittag essen, vom dem man nicht satt wurde, ein teilnehmender Rollmops vom UCS Viadrina,  Ziegen im Nachbargarten, die heftig niesten, und  eine Mannschaft, in der ein Schachspieler äußerte, er wolle einen anderen Spieler die Füße ablecken. Schachspieler sind ein komisches Volk.

Ach ja, mit SK König Tegel gab es auch einen Gewinner…