Archiv für die Kategorie „Schnellschach“

20. Offenes Schnellschachturnier bei Schachfreunde Berlin 1903

Die Schachfreunde Berlin haben zum Schnellschach geladen. Das Turnier ist Teil der Berliner Grand Prix Serie und entsprechend gut besetzt. Mit 17 Euro Startgeld aber auch recht happig. Weniger Preisgeld für wenige und weniger Startgeld für alle tun es vielleicht auch. Aber vielleicht kostet der Spielsaal auch viel Miete, man weiß es nicht.

Es ist gut besetzt, wenn auch die ganz Großen fehlen. Ansonsten sind die üblichen Berliner Verdächtigen da, die Schachfamilie Lagunow zum Beispiel, der übliche Nachwuchs, die üblichen Betriebsschachleute, und diverse Brandenburger… die Röhrs, sind zwar in Magdeburg angemeldet, aber trotzdem Potsdamer. Der umtriebige Tjarks, der immer stärker werdende Daniel aus Briesen und der unverwüstliche Möwisch. Letzterer suchte einen Geldautomaten, traf aber nur auf leichte Mädchen, die ihre Dienste anboten. Diese öffnen ihre Spardose wohl für Geld, aber nur zum Kassieren. Raus kommt da nix. Also kein Geldautomat gefunden. In der Gegend mangelt es so an einigen, wie sich später noch heraus stellen sollte.

Erste Runde, der 2000er sieht sich zu einem Dauerschach genötigt. Remis, schon liegt das Schachkid vor den beiden Briesenern Dave und Daniel, die beide eigentlich nur zugewandert sind. Das wird nicht lange so bleiben, diese natürliche Hackordnung nach der ersten Runde.

In der zweiten Runde erobert das Schachkid einen Bauern. Aber der Gegner schlägt gnadenlos zurück. Ein blöder Abtausch, und auf einmal hängen alle Bauern des Schachkids in der Luft. Schon liegen Doppel D aus Briesen vorne.

Dritte Runde gegen einen Hammel. Das mag das Schachkid gar nicht. Der Gegner kommt vier Minuten zu spät, zieht total hektisch, greift während der Partie über das Brett dahin, wo das Schachkid die geschlagenen Figuren lagert und greift sich die Dame. Völlig unnötig, da kein Freibauer weit und breit in Sicht ist. Dann ist er eher fertig mit Aufbauen als das Schachkid und rennt los, ohne mal wenigstens auf die Idee zu kommen, die Uhren zu stellen. Gut, das Schachkid hat eine Gabel übersehen, trotzdem fand es den Gegner sehr arrogant.

In der vierten Runde geht es gegen einen kleinen Lockenkopf. Der Kleine steht klar auf Gewinn, versiebt es in der Zeitnot aber.  Er bricht bitterlich in Tränen aus. Das Schachkid geht zum anwesenden Vater, ein recht starker Spieler im Betriebsschach. Reaktion des Vaters, er wolle nix vom Schachkid. Das Schachkid wendet ein, dass der Kleine bitterlich weine und des Trostes bedürfe. Der Vater dazu, das Schachkid habe vierzigmal breit gestanden und der Sohn solle weinen, er ginge nicht hin, das müsse der Sohn lernen und klarkommen. Das Ganze sagte der Vater in einer mehr als arroganten Art. Das Schachkid bedauert den kleinen Lockenkopf und kann nur sagen, dass der Vater als Vater und Mensch schlicht ein Arsch ist.

Zur fünften Runde muss man nicht viel sagen. Das Schachkid vergreift sich und spielt Stadt Caro-Kann sizilianisch. Damit kommt das Schachkid nicht klar, Bauer weg und Stellung weg. Sizilianisch ist ein einziger Irrweg.

Sechste Runde, das Schachkid übersieht eine Gabel. Schachfreund Tjarks hat einen Turm stehen lassen und hat keine Lust mehr. Das Schachkid hat auch keine Lust mehr. Nach kurzer Diskussion entscheidet man sich, dass man keine Lust mehr hat.

Siebte Runde, das Schachkid übersieht eine Gabel und hat nun erst recht keine Lust mehr. Draußen fängst es an zu regnen. Offenbar hat das Wetter auch keine Lust mehr. Dave spielt gegen Tjarks. Das Schachkid ist zu faul zum Gucken, vermutet aber anhand der letzten bekannten Stellung, dass der Tjarks gleich noch weniger Lust hat. Es wird dann aber doch Remis. Matt mit Springer und Läufer kann der Gegner nicht. Kriegt man aber auch selten aufs Brett.

Achte Runde, Tjarks ist schon fertig. Das Schachkid bietet eilig Remis. Der Gegner sieht aus wie Dr. Alban, will es wissen, das Schachkid stellt folgsam die Dame ein.

Tjarks und das Schachkid gehen ein Eis suchen. Vor der Tür kann man sich einen blasen lasen, im Umkreis in acht Läden einen Döner essen, aber kein Eis. Verfickte Gegend.

9. Runde, das Schachkid kriegt einen Freipunkt. Die Zeit wird genutzt, um im 800m entfernten Späti Eis zu kaufen. Immerhin, die Entfernung schafft das Schachkid in rasanten 6 Minuten.

Zurück angekommen spielt der Dave irgendwas, das Schachkid hat es einfach nicht mitbekommen. Immerhin musste ein Eis gegessen werden.

Heute lief gar nix. Entweder war es zu warm. Oder zwei Schnellschachturniere am Wochenende sind ein bisschen viel. Bei den Schachfreunden Berlin kann man sich die desolaten Ergebnisse ansehen. Die Häufigkeit der Kraftausdrücke ist, das sei gesagt, ausschließlich dem Wetter geschuldet.

12. Senioren-Freizeit-Cup des SV „Glück auf“ Rüdersdorf e.V.

Das Schachkid ist beim Rüdersdorfer Seniorencup unterwegs. Das Schachkid ist aber keineswegs schon so alt, sondern es dürfen auch jüngere Leute mitspielen. Das schöne Kulturhaus, erbaut im klassischen sozialistischen Spiel, hat wieder offen. Es war aus Brandschutzgründen geschlossen.

Der umtriebige Jörg Zähler hat unzählige Pokale und ein Buffet aufgefahren. Gerade kommen die Bockwürste. Da fühlt man sich gleich wohl, auch wenn das Schachkid auf Diät ist. Das Schachkid hat sich vorgenommen, heute Eröffnungen mitzuschreiben, um sei Repertoire zu schärfen. Aber eigentlich sollte heute ein Platz auf den Treppchen oder der Turniersieg möglich sein. Außer den Berufsschullehrer Fitzke aus Berlin hat das Schachkid noch keine bekannte ernstzunehmende Konkurrenz entdeckt.

Das Schachkid spielt gegen die kleine Viktoria. Jörg Zähler gibt die Maxime „Denken, Ziehen, Drücken“ aus. Das macht das Schachkid nicht, sondern lässt gleich im 12. Zug die Dame stehen und übersieht dann noch eine Gabel. Das Schachkid gibt sogleich auf. Die Gegnerin glaubt an einen Scherz und kann kaum fassen, dass sie gewonnen hat. Jörg Zähler kann es auch nicht fassen und ergänzt das Buffet um saure Gurken für die Verlierer. Jetzt wird es aber schon eng mit dem Turniersieg.

Dafür Plausch am Pausentisch. Ein Postcrossingexperte sitzt am Tisch, man tauscht sich aus. Bei Postcrossing kann man Postkarten in die Welt senden und empfangen.

In der zweiten Runde hat das Schachkid schon wieder Schwarz. Diese Auslosung ist sehr merkwürdig. Der Gegner reicht dem Schachkid bis zum Bauchnabel. Was ihn nicht davon abhält, gleich im fünften Zug matt zu drohen. Von der letzten Partie noch alarmiert, merkt es das Schachkid diesmal und gewinnt. Im Foyer probt eine Ansammlung von Kindern und Teenagern ABBA und brüllt lauthals Mammamia.

Viktoria aus der ersten Runde nutzt die Pause, um das Schachkid und den Berufsschullehrer ausführlich zu interviewen. Schuhgröße und Lieblingsfarbe, das Mädchen ist wissbegierig und wird bestimmt mal Journalistin.

In der dritten Runde kommt die einige Dame des Turniers dem Schachkid vor die Flinte. Die restliche holde Weiblichkeit muss erst noch eine Dame werden. Es wird ein schnelles Matt mit zwei Läufern, ausgesprochen hübsch.

Vierte Runde, die Gegner werden wieder kleiner, Brett 1 dafür hoffentlich näher. Nach diesen Punkt dürfte es aufwärts gehen. Ein Spieler bricht das Turnier ab, da er arbeiten muss, bleibt aber in der Wertung. Das versteht das Schachkid nicht, warum man ein Turnier spielt, wenn man weiß, dass man es nicht beenden kann. Das ist für die anderen Spieler nicht schön.

Ein siebenjähriger informiert derweil das Schachkid, dass es nur einen Weg gäbe, geschlagene Figuren zu retten. Das Schachkid fragt interessiert nach. Der Bauernzauberzug sei das Mittel der Wahl!

Fünfte Runde, das Schachkid spielt gegen einen langhaarigen Menschen und gewinnt einen Bauern. Der Gegner fragt entgeistert, ob er einen stehen gelassen hat. Danach opfert er völlig sinnlos einen Läufer. Das Schachkid hält mit und stellt einen Turm ein. Nach dem sich der Schlachtennebel verzogen hat, einigt man sich vorsichtshalber auf Remis. Das wars mit Platz 1. Die nun dritte Bockwurst macht die Lage nicht besser.

Die sechste Runde gegen einen Senior läuft wieder besser. Die Läufer auf g7 sind tückisch und schnappen sich gerne Türme gerne auf a1. Der König kommt hinzu. Keine gute Idee, mit dem König anzugreifen. Das Schachkid tauscht ab und lässt schon wieder einen Turm stehen. Gott sei Dank entscheidet die Uhr zugunsten des Schachkids.

In der letzten Runde sitzt das Schachkid etwas überraschend dem Favoriten gegenüber. Dieser hat beeindruckende sechs aus sechs. Das Schachkid ist hochmotiviert, keine sieben aus sieben zuzulassen, was der Berufsschullehrer am Nebenbrett begrüßt. Hat dieser doch auch noch Siegesschancen. Der Gegner kann kein Schottisch. Er bekommt einen Doppelbauern verpasst, der sich noch als anfällig erweist. Bauern mehr, Dame mehr und aus die Maus. Der Berufschullehrer am Nebenbrett jubelt, hat aber vermutlich die schlechtere Buchholz und gewinnt am Ende doch das Turnier.

Ein schönes Turnier mi hohen Spaßfaktor. Beim SV Rüdersdorf gibt es mehr Informationen.

 

 

5. Amateurcup in Berlin

Amateurcup in Berlin. 55 Voranmeldungen gab es, weiter 35 Spieler kamen spontan, also 80 insgesamt. Getuschel in der Küche. Essen für so viele Leute ist nicht geplant. Lucky will ja eh einen Döner essen gehen. Wollte er schon Frühstück um neun in der U-Bahn.

Jörg Schulz, Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend ist auch da, steht aber nur draußen und raucht Zigarillos. Wieso? Sollte er der Jugend nicht hier ein Vorbild sein?

In der ersten Runde gleich an Brett eins, da kommt das Schachkid nie wieder hin. Weiß spielt das Morra-Gambit. Nach 5 Zügen ist Weiß verwirrt und setzt sich erstmal eine Brille auf, um die Scharfsicht herzustellen. Das Schachkid gibt vorsichtshalber nach 10 Zügen auf und geht an die frische Luft, um einen Terrier mit Schleifchen und den Aufdruck VIP zu bewundern. Allein das Hundevieh flüchtet beim Anblick des Schachkids. Immerhin Lucky gewinnt.

1.Runde gegen Bekim…, das Schachkid ist zu faul, sich nach vorne zu begeben und den korrekten Namen zu lesen. Der Gegner spielt nur in seiner Freizeit Schach, das aber sehr gut. Gott sei Dank übersieht er die taktischen Einsteller des Schachkids, sodass es gerade so zum Punkt reicht. Lucky hat sich komischerweise an Brett 3 platziert, und gewinnt auch noch.

2. Runde gegen Philipp Geiß. Das Schachkid gewinnt gegen den Nachwuchs die Qualität, um dann diese und dann noch einen Läufer einzustellen. Das Turnier geht so los, wie das gestrige aufgehört hat, nur schlimmer.

In der vierten Runde nun gegen eine kleine Dame. Die neu Gelernte Eröffnung macht sich bezahlt. Und bums, ist durch einen kleinen taktischen Kniff der gegnerische Läufer eingesackt und dann der Punkt. Auch wenn das Schachkid wieder bis zum Matt spielen muss. Lucky am ersten Brett gegen Veit Godoij hat es schwer, gewinnt aber schon wieder. Vier aus vier, nicht dass er noch das Turnier gewinnt.

Am Nebenbrett spielt Schwarz mit zwei schwarzfeldrigen Läufern. Ist halt ein Amateurturnier. Des Schachkids Gegnerin wünscht einen Jungen eine fiese Partie. Ja, was sich liebt, das neckt sich.

Die fünfte Runde hat das Schachkid vergessen, zu schlimm war das. Lucky muss gegen Henry Oelmann am ersten Brett ran. Es reicht zum Remis, aber der Abstieg zum zweiten Brett beginnt. Wo er schon wieder gewinnt. Lucky spielt das Turnier seines Lebens.

Nach dem Mittag hat das Schachkid Energie getankt und  Falko Maxim wird umgehauen. Bei diesem Turnier sind die Gegner alle nett. Sind ja auch Amateure.

Frank Kiesewalter ist in der 7. Runde schwächer als das Schachkid, verliert folgerichtig einen Bauern und bietet Remis. Das Schachkid will gewinnen, lehnt ab und lässt sich zwei Züge später einzügig mattsetzen. Das Teeniemädchen am Nachbarbrett das Gesicht. Die ist auch noch fällig. Lucky spielt gegen den an Nr. 1 gesetzten Spieler. Und muss einsehen, dass dieser zu Recht die Nummer 1 ist.

Der Samy Hamdad spielt nur in der Schule ein wenig Schach. Das Schachkid hat trotzdem große Mühe zu gewinnen. Entweder wird das Schachkid immer schlechter oder die Amateure immer besser. Belastend.

An die letzte Runde kann sich das Schachkid gar nicht mehr erinnern. Es ging aber verlustig.

Der Amateurcup ist ein sehr gemütliches Turnier. Da es doch sehr ungezwungen einher geht. Und eine prima Werbemaßnahme für den gastgebenden Verein. Das Turnier richtet sich ausdrücklich an Amateure und nicht im Verein gemeldete Spieler. Was prompt dazu führt, dass sich nach dem Turnier etliche Spieler beim Gastgeber anmelden.

Das Schachkid hat nur Käse gespielt und landet verdient weit hinten im Feld. Lucky hat lange ganz vorne mitgespielt und musste gegen die Plätze 1-4 spielen. Nach einer kleinen Schwächephase reicht es für einen stolzen 6. Platz.  Das kann wiederholt werden.

15. Schlacht zu Dennewitz

Das Schachkid machte am 9. September 2017 sich auf, die Schlacht zu Dennewitz zu schlagen. Nicht die Originalschlacht. Am 6. Semptember 1813 schlug hier eine zahlenmäßig unterlegene preußische Armee Napoleon in die Flucht.

Das Schachkid hat Dennewitz kurz hinter Potsdam vermutet, ist aber doch fast eine Stunde unterwegs. Das Wirtshaus zum Grafen Bülow scheint im nirgendwo zu liegen. Das Turnier findet in einem rustikalen Dorfsaal statt, wo es einfach nur kalt ist.

Hier muss in den letzten Jahrzehnten Dorfleben gefeiert worden sein, wie man es sich klischeehaft vorstellt. Ein Einheimischer hat hier wohl seine Taufe gehabt, dann die Jugendweihe, dann die erste Liebe kennengelernt, diese geheiratet, zwischendurch mal Fasching und diverse runde Geburtstage und Hochzeitstage, um dann als Geist den eignen Leichenschmaus zu verfolgen. Alles im gleichen Dorfsaal. Man atmet Geschichte.

Staatliche vier Großmeister haben den Weg ins beschauliche Dennewitz gefunden, sogar ein GM aus Solingen ist dabei namens Naumannn, Deutscher Vizemeister im Schnellschach. Dazu ein paar niedere Titelträger, die üblichen Berliner sind auch da, die wie das Schachkid auch alles mitspielen, was nicht bei drei auf dem Baum hockt. Ansonsten eine breite Brandenburger Seniorenmischung mit ein paar wenigen irritiert schauenden Berliner Jugendlichen. Spieler im mittleren Alter fehlen fast völlig. Man sieht es ganz deutlich, die Brandenburger Schachszene ist überaltert und hat ein riesiges Nachwuchsproblem.

Die erste Runde geht es mit Weiß gegen Walter Günter von Lok Brandenburg. Besonders anstrengen muss er sich nicht. Er gewinnt relativ einfach zwei Bauern. Der Rest ist Endspieltechnik.

Das Schachkid stellt fest, dass es auf Platz 35 von 42 gesetzt ist. Da wird es wohl heute nicht viel zu holen geben. Besser als Platz 35 ist dann wohl auch das Turnierziel.

Zweite Runde, diesmal keine Einsteller.  Nadine Naumann, die einzige Dame im Feld, kann mit ihrer 1877 DWZ trotzdem besser Endspiele als das Schachkid und bringt ihren Freibauern mittels Turmopfer eher durch.

In der dritten Runde ist das Schachkid schon am vorletzten Brett angekommen. Mit Richard Biller gibt es einheimischen Nachwuchs. Der Kleine ist ca. 12 und hat einen überraschend kräftigen Händedruck. Das Kind hat vermutlich mehr Muskeln als das Schachkid. Nach einem schnellen Sieg recherchiert das Schachkid zu smarten Körperwaagen. Ab 40 muss man dringend was für die Gesundheit tun, hat das Schachkid im aktuellen Focus gelesen.

In der vierten Runde schaut der Günter Idcazek doch sehr irritiert, als da Schachkid hoffnungsvoll seinen Läufer in den schwarzen Königsflügel hinein opfert. Fünf später war zwar die eigene Dame weg. Zum großen Rechnen hat das Schachkid heute aber keine Lust.

Alle kriegen Mittag, nur das Schachkid nichts. Jemand hat sich des Schachkids Rostbrätl geschnappt, der es nicht bestellt hatte. Die Küche liefert nach. Die drei Rentner, die beim Schachkid Platz nehmen, zeigen sich jedoch beeindruckt und ordern Rostbrätl. Zwei der Senioren haben 1961 rüber gemacht, berührende Lebensgeschichte.

Nach dem Essen sieht das Schachkid gar nix mehr und glaubt, gegen Maximilian Diekmann einen Turm stehengelassen zu haben. Der Gegner nimmt erstaunt die Aufgabe zur Kenntnis und zeigt dem Schachkid, wie der Turm einzügig gedeckt werden kann. Das Schachkid hat dann wohl böse geguckt. Jedenfalls entschuldigt sich Maximilian eilig.

Konstantin Boje beweist in der 6. Runde den Trend zu Doppelnamen, indem er keinen hat und spielt auch besser als seine Zahl, übersieht aber eine Springergabel. So richtig glücklich ist das Schachkid mit dem Punkt gegen einen wehrlosen Jugendlichen nicht. Neben dem Schachkid sitzt der Schachfreund Schlittermann aus Berlin, der heute anscheinend auch keinen guten Tag erwischt hat und unter gewohnten Niveau spielt.

7, Runde, das Schachkid begibt sich zum Brett und friert sich fast zu Tode. In Briesen wird zu Schachturnieren wenigstens geheizt. Allerdings ist das Schachkid auch eine Mutti und hat es gerne molllig.  Mit Alexander Luis Naumann hat das Schachkid nun auch den letzten einheimischen Nachwuchs durchgenudelt. Nervig, wenn die Kinder immer mit drei Figuren weniger bis zum Matt spielen.

Nun geht es gegen Klaus Müller von Lok Brandenburg in Runde 8. Der Mann hat entweder keinen Humor oder ist total auf die Partie fokussiert. Nur beim Handschlag schaut man sich kurz an, sonst kein Blick nix. Das Schachkid hat die Qualität und zwei Bauern mehr sowie die Türme auf der 7. Reihe. Der Senior gibt nicht auf und legt das Schachkid tatsächlich mit dem Freibauern rein. Das Schachkid weiß wirklich nicht, was nerviger ist. Kinder oder Senioren, die nicht aufgeben. Oder man selber, der den Gewinn nicht auf die Reihe bekommt.

Schnellschachturniere sind gut geeignet, um frisch erlernte Eröffnungen auszutesten. Frank Stemmler macht in der letzten Runde beim Schotten mit. Es wird der Blumfeldt-Angriff. Irgendwo geht es dann doch schief. Schwarz hat irgendwann zwei Leichtfiguren mehr. Aber die Eröffnung scheint wirklich sehr scharf zu sein.

Dem Schachkid hat es nicht so gefallen. Was einerseits am Teilnehmerfeld lag, was sehr ehrgeizig und stark wahr. Und nicht viel hergab. Der Spielsaal war dem Schachkid zu kalt und düster, es fehlte an Gemütlichkeit. Aber das ist ja immer eine Frage des Geschmacks.

 

Schachkid und Sergej in Schorfheide

Das Schachkid machte sich mit dem Sergej Karjakin aus Brandenburg, auch Dave Möwisch genannt, auf dem Weg zum Internationalen Schnellschachturnier nach Schorfheide. Dieses Turnier gibt es seit mehreren Jahren. Das Schachkid hatte aber nach dem Lesen der Ausschreibung immer geglaubt, das Turnier sei nur für Kinder.

Sergej mißtraut den Navigationskünsten des Schachkids und hatte am Vortag noch verkündet, auf die Karte zu schauen. Anscheinend war er aber vom Briesener Blitzturnier am Vorabend zu müde gewesen und hat es nicht getan. Bei selbigen Turnier hatte das Schachkid unerklärlicherweise gegen die Brandenburger Sergej-Immitiation verloren. Auf Zeit, mit 2 Sekunden Rückstand. Berlin ist eine Stadt der vielen Gesichter. Die hektische Großstadt wechselt urplötzlich zur urbanen Dörflickeit. Man fährt über obskure Nebenstraßen in Pankow.

Die Grundschule in Schorfheide ist riesig, und gefüllt mit vielen Kindern. Das Schachkid gelangt nach diesem Turnier voller Dankbarkeit zur Erkenntnis, dass es eine gute Entscheidung war, den Lehrerberuf nicht zu ergreifen. Das Schachturnier ist eher bi- denn international. Viele polnissche Spieler sind da und immerhin ein englisch sprechendes Kind. Das Turnier wird tatsächlich für die Schnellschach-Elo ausgewertet. Das hat wohl den waschechten Fidemeister aus Hamburg motiviert, extra in die Schorfheide zu fahren. Das Preisgeld oder spielerische Herausforderungen können es nicht gewesen sein.

1. Runde – der Turnierleiter schmeißt alle Besucher und mitschreibenden und mitfilmenden Eltern aus dem Raum. Das Schachkid klatscht innerlich laut Applaus, Mitleid mit filmenden Vätern hat das Schachkid nur begrenzt. Wobei an dieser Stelle das Schachkid auch die Frage stellen muss, ob man einen ohnehin schon etwas rundllichen Kind bei jedem Schachturnier Pizza verabreichen muss.

Freya Müller heißt die erste Gegnerin. Diese hat zwar nur 1000 DWZ, sieht sich aber trotzdem genötigt, dem Schachkid gleich im vierten Zug einen Bauern abzunehmen, der unverteidigt herum stand. Den holt sich das Schachkid zwar irgendwann wieder, übersieht dann aber gleich eine Möglichkeit, das Mädel einzügig mattzusetzen. Das Schachkid gewinnt. Das muss mit der Konzentration aber besser werden. Segej macht es auch nicht besser und hat, trotz siegreicher Partie, auch Bauern stehen lassen.

Die Schule liegt direkt neben einem Friedhof, wie das Schachkid beim Hinausschauen aus dem Klassenzimmer feststellt. Das ist vorrausschauende Bauweise. Da sieht das Schulkind in der Schule gleich die Zukunft. Wo es begann, wird es eben auch enden, geographisch gesehen.

Zweite Runde. Sergej muss gegen den FM ran und will diesen zeigen, was ein Karjakin ist. Der FM ist unbeeindruckt und gewinnt. Das Schachkid denkt an das Buch Tschick, als es den Sergej sieht. Der FM hat auch einen Junior mit. Der muss aber spielerisch noch reifen.

Das Schachkid spielt gegen Stefan Sprutta Remis. Trotz Mehrbaurn dank Einschlag auf h7 ist das Turmendspiel nicht zu gewinnen. Weiter hinten entlädt sich ein Wutschrei eines Erwachsenen, der gerade gegen einen 8-jährigen verliert.

Zwei Jungen nutzen die Pause, um sich darüber aufzuregen, dass die Männertoilette im Ergeschoss und die Mädchentoilette in der ersten Etage bei den Turnierräumen sei. Da hätten die Mädchen ja einen Vorteil, wenn man immer runter müsse. Tja… Auf der Treppe fragt derweil ein Kind seinen Freund: „Bleibst Du auch zur Siegerverehrung?“

Dritte Runde. Dave verteilt Kaffee auf seinen Tisch. Leicht tänzelnd erhebt er sich, wischt elegant auf und schwebt leichtfüßig zum Papierkorb. Das Schachkid bewundert die Eleganz dieses Denkers, der so romantische Orte wie das poetische Reitwein kennt. Danach holt er sich doch wirlich den Punkt. Das Schachkid auch gegen Gerd Wanka. Am vorletzten Brett wird der wutschnaubende Erwachsene aus der Vorrunde von einem 6-jährigen belehrt, dass man eine berührte Figur auch ziehen müsse.

4. Runde – Dave verliert, das Schachkid zögert nicht und lässt nicht nur aus reiner Solidarität die Dame stehen. Dave, studierter Psychologe der es wissen muss, stellt fest, das das Schachkid grundsätzlich über andere Leute lästert, wenn es verliert.

Roy Milke ist sauer, als er in der 5. Runde gegen das Schachkid verliert. Eine taktisch sehr interessante Partie, in dem Roy ein Dauerschach drinnen hat, aber die Konfrontation sucht. Das geht nach hinten los. Schach ist, das kann man immer wieder erfreulicherweise feststellen, ein emotionales Spiel. Dave gewinnt schon wieder. Der Mann wird dem Schachkid unheimlich.Des Schachkids Auto freikehren vom Schnee, der gefallen ist, will er merkwürdigerweise nicht.

6. Runde – das Schachkid muss gegen den pensionierten Lehrer Fitzke ran und schafft nur ein Remis. Lehrer Fitzke verspricht dem Schachkid seit 5 Jahren, das Briesener Open zu besuchen, findet aber immer wieder neue schöne Turniere im Ausland und erscheint nicht in Briesen. Dave spielt irgendwas, das Schachkid hat es sich nicht aufgeschrieben. Er muss gewonnen haben, denn er spielt in der nächsten Runde doch tatsächlich vor dem Schachkid.

Killermaschine Manfred wartet auf den Karjakin aus dem Oderbruch. Da wird es schwierig für den Herausforderer. Des Schachkids Gegner Kevin Groß spielt Dh4 in der schottischen Eröffnung. Die Variante hat das Schachkid mal gelernt. Nach 10 Zügen ist die Partie gewonnen gegen den symphatischen Gegner.

Am Ende laufen die Partien der anderen Spieler ideal. Das Schachkid wird mit 5 aus 7 etwas unverhofft Dritter. Mit deutlichen Abstand mit 6,5 aus 7 Punkten gewinnt der FM das Turnier gefolgt von Manfred Lennhardt aus Berlin mit gleicher Punktzahl und leicht schlechterer Buchholz.

Ein großes Schachevent in dem kleinen Dorf Schorfheide, das man sicher mal besuchen kann. Die Organisatoren geben sich viel Mühe, ein Turnier mit um die 80 Teilnehmer, darunter viele Kinder, auf die Beine zu stellen. Chapeau!

22. Emanuel-Lasker-Gedenkturnier – nix zu holen

Die Nacht war kurz, zu holen gibt es heute beim 22. Emanuel-Lasker-Gedenkturnier am 19.6.2016 nix. Das Schachkid ist spät dran, gibt Gas und wird prompt zweimal geblitzt. Business als Usual. Angekommen, der Rollmops ist auch schon da, sieht aber nicht allzu gut aus. Hinten in die Schlange bei Familie Röhr eingereiht. Das Schachkid wird kurzerhand dazu gewunken. Siehe an, es gibt Vereinsrabatt.

Kurzes Inne halten. Die verzweifelte Suche nach Kaffee beginnt.

Überraschung bei der Eröffnung. Die kaffeeausschenkende Thekenkraft ist die Bürgermeisterin von Thyrow mit beeindruckendendem Haarvolumen. Das Geburtshaus von Lasker zerfällt zusehends, verkündet die Bürgermeisterin. Die Gemeinde will es nun loswerden. Falls ein Schachfreunde Interesse hat…

Erste Runde, das Schachkid findet sich am vierten Brett unter lauter Titelträgern wieder. Da gehört das Schachkid auch hin, in ein paar Jahren mit Titel. Man braucht ja Visionen. Der Machotzky-Aufbau gegen Raphael Rehberg funktioniert nicht. Er spielt ja auch keinen Drachen. Die Dame wird schließlich durch den gegnerischen Läufer an den König angefesselt. Am Nebenbrett legt FM Schulz Oliver Röhr um.

Zweite Runde. Der Gegner hat Weiß, drückt die Uhr und schaut das Schachkid fragend an. Dieses drückt ebenfalls die Uhr und guckt fragend zurück. Weiß macht den ersten Zug. 30 Züge später wie in der Vorpartie. Dame an den König gefesselt. Punkt für das Schachkid.

Am Nebenbrett ist der Gegner durch den Wind und drückt laufend die falsche Uhr. Sein Gegner Oliver Röhr empfiehlt, eine Tasse Kaffee zu trinken. Der Kleine hat Ahnung, das Schachkid ist schon bei Nr. 2.

Neben dem Spiellokal macht eine Gruppe Damen rhythmische Sportgymnastik mit Hanteln. Das Schachkid hat einen Kater und fragt sich, wie man sich nur so quälen kann am Sonntag um halb elf. Mit Sport und Hanteln…

Dritte Runde gegen Rollmops. Mit der schottischen Eröffnung hat dieser so seine Schwierigkeiten. Kein Wunder, das Schachkid wird ja auch auf Schottisch trainiert. Interessante sehr taktische Partie mit Chancen für beide Seiten. Beide haben nur noch 50 Sekunden auf der Uhr. Das Schachkid übersieht ein Schach. Verflixte neue Schnellschachregeln.

Vierte Runde gegen den Nachwuchs. Nun muss ein Punkt her. Das Schachkid opfert eine Figur. Der Kleine kann den Damenabtausch erzwingen. Das wars mit dem Angriff.

Fünfte Runde, das Schachkid hat Hunger und Durst. Seit drei Runden versucht das Schachkid, ein Wasser zu kriegen. Allein die barkeepende Bürgermeisterin ist nirgends zu sehen. Nach der Runde soll es was vom Grill geben, der noch nicht mal steht. Das wird nie was, weiß das Schachkid als Thüringer und erfahrener Griller einzuschätzen. Das Schachkid gewinnt. Der Gegner ist sehr redselig, vor allem mit sich selbst. Zum Gegenschlag will er ausholen. Und Pferde ma eg er anscheinend nicht. Jedenfalls schimpft er ständig auf das „Scheiß Sprungvieh“.

Die sechste Runde wird vorgezogen, der Grill braucht noch. Am selbigen ist das Schachkid schnell angelangt, da gegen den unterirdischen Gegner extrem schlecht gespielt wird. Der Griller weigert sich, mehr als eine Hand voll Würste aufzulegen. Er hat Angst, dass sie nicht alle werden. Die 80 hungrigen Schachspieler, die ihn gleich überrollen werden, hat er wohl übersehen.

Siebte Runde, das Schachkid spielt gegen eine junge und sehr attraktive Dame aus Brandenburg. 14.00 Uhr -Mittagstief. Das Schachkid nickt alle paar Minuten am Brett ein. Und schreckt hoch, um festzustellen, dass es schon wieder dran ist. Es ist ein Rätsel, wie diese Partie gewonnen wurde.

Achte Runde, das Schachkid ist definitiv zu müde und übersieht ein Doppelschach. Auch egal, heute hat das Schachkid keinen Ehrgeiz. Der vorherige Abend war lustig und der heutige wird es zweifellos auch werden.

Letzte Runde. Wieder ein Kleiner aus Potsdam, der schüchtern Remis anbietet. Das lehnt das Schachkid natürlich ab. Was der Kleine zum Anlass nimmt, die taktischen Zähne auszufahren und das Schachkid umzunieten.

Haken an das Turnier. Das nächste Mal bleibt das Schachkid im Bett und macht sich einen gechillten Sonntag.

Tabelle

 

18. Offenenes Schnellschachturnier der Schachfreunde Berlin

Das Schachkid machte sich am 19.6.2016 auf, um die legendären Helden Lucky aus Eberswalde und den ehrenwerten Schachtommy aus Schmalkalden, den Vorsitzenden des SV Schmalkalden 04, in Berlin zu treffen. Die Schachfreunde Berlin hatten zum stark besetzten Schnellschachturnier geladen.

Das Spiellokal ist in der Bülowstrasse gelegen. Drinnen stehen die Damen auf dem Brett, draußen auf dem Strich.

Der Schachtommy ist es gewohnt, bei Schnellschachturnieren in Thüringen mit seiner 1850 DWZ unter den Top 5 zu sein. Angekommen im Alltag des Schachkids ist er nur im hinteren Mittelfeld bei den starken Berlinern platziert. Eine ganz neue Erfahrung für ihn.

Das Schachkid war am Vortag joggen und hat nun Knie. Daher wird mit dem Rad zum Bahnhof gefahren. Das Schachkid probiert eine neue Strecke. Rote Ampeln, Lucky, der das Schachkid anruft, ein unerwartet steiler Berg -das Schachkid kommt schnaufend am Bahnhof an, der Zug ist weg.

Lucky wird telefonisch zum Bahnhof Zoo delegiert, der Schachtommy hat auch seinen Zug verpasst. Ist jetzt auch egal. Im Zug trifft das Schachkid FM Martin Brüdigam. Das Schachkid grüßt freundlich, der murmelt verdrießlich was zurück. Offensichtlich ist der FM ein Morgenmuffel. Er klappt sogleich sein Laptop auf. Ob er sich auf das Turnier vorbereitet?

Das Schachkid hat nun 1699 DWZ und spekuliert daher auf den U1700 Preis. Die Nacht davor erst um 2.00 Uhr ins Bett zu gehen, war möglicherweise nicht so förderlich. Die ersten 10 Züge werden mitgeschrieben zwecks Eröffnungstraining.

Die Röhrs sind auch da. Macht ja nix.

Die erste Runde, das Schachkid hat gegen seinen Gegner mit 2095 einen Turm mehr. Der Gegner hat ein Dauerschach. Sehr ärgerlich. Aber das Schachkid liegt vor Lucky und dem Schachtommy. Die beiden müssen zur zweiten Runde in den Nebenraum.

Die zweite Partie gegen eine 2100. Das Schachkid hat zwei Damen, der Gegner auch, aber das entscheidende Tempo mehr. Läuft trotz der kurzen Nacht sehr gut. Am Nebenbrett wird lautstark darauf hingewiesen, dass man mit der Zughand auf die Uhr drücken muss. Schachtommy wird vom kleinen Röhr ungenietet. Mama Röhr beklagt sich beim Schachkid, dass dieses auf ihren Stuhl sitze.

Lucky gewinnt gegen eine 1995. Sein Motto: Alles unter 2000 hole ich mir. Sprachs und lässt in der nächsten Runde gegen eine 2000 eine Figur stehen. Das Schachkid schließt sich an und verzichtet auf den Läufer. Werden eh überbewertet. Der Schachtommy sitzt fast am letzten Brett und gewinnt endlich mal.

Vierte Runde, das Schachkid ist mit einer Bulette gestärkt und gewinnt sogleich einen Springer und zwei Bauern. Um den Springer nach zehn Zügen wieder einzustellen, einen Turm noch dazu. Mit dem Ratingpreis könnte es wohl doch schwer werden. Der Schachtommy kann derweil wieder grinsen und hat zwei Punkte vorzuweisen. Lucky spielt auf Kontinuität. Er lässt wieder eine Figur stehen.

Der Schachtommy kriegt sich nach der fünften Runde gar nicht mehr ein. Er hat einen Lauf. Zitat: So fühlt es sich also an, wenn man gegen eine 2000 gewinnt. Das Schachkid nickt am Brett kurz ein, kommt aber durch das Klacken der Uhr wieder zu sich. Gott sei Dank sieht der Gegner nicht das im Najdorf so typische Opfer auf e6. Endlich ein Punkt, das Schachkid schaut sich nach Kaffee um.

Es wird nicht besser. Das Schachkid stellt gleich die Qualität ein. Immerhin, der Gegner sieht noch weniger. Wieder ein Punkt. Der Schachtommy kommt herangewankt und erzählt was von gemachten Klöpsen. Vermutlich hat er Mist gespielt.

Die nächsten Runden läuft gar nix mehr.

Man verlässt den Turniersaal vorzeitig, verzichtet auf die Siegerehrung und bewundert die Anwesenden Bordsteinschwalben. Trotzdem ein schönes Turnier.

Ergebnisse stehen hier.

 

 

Schnellschach neben der Buga in Rathenow

Am 26.9. machte sich das Schachkid auf nach Rathenow, zum Schnellschachturnier an der Buga. Es heißt so, weil es am Schwedendamm im Havelrestaurant neben der Buga statt findet. Offensichtlich handelt es sich um historisches Gelände.

Die Buga macht das Parken nicht einfach. Das Schachkid ist erst spät dran. Wer hätte gedacht, dass Rathenow soweit im Osten von Brandenburg liegt, weit jenseits von jeder Autobahn. Zur Wahl stand auch eine Fahrt nach Eberswalde. Hier fand angesichts der Flüchtlingswelle ein integratives Schachturnier statt.

Das Schachkid ist mal wieder zu spät losgefahren, dann  mit 170 über die Autobahn gebraust, um dann vor dem Spiellokal in zweiter Reihe zu parken. Zur Eröffnungsrede kam das Schachkid gerade recht. Erste Runde ausgelassen, Auto bei Obi parken, eine Toilette suchen, um dann Kaffee und Bockwurst zu suchen, ist einfach mal wichtiger.

32 Schachspieler haben sich eingefunden. Keine Berliner und Potsdamer zu sehen, Rathenow ist offensichtlich zu weit draußen. Der Altersdurchschnitt muss um die 50 liegen. Das Schachkid sieht jede Menge graues Haar, drei Kinder und immerhin zwei Frauen. Schach – ein aussterbender Sport.

Die Güssows sind da, und der Falkenseer, auf dessen Namen das Schachkid gerade nicht kommt. Ah, Mario Oberling ist es. Auf einem Turnier findet man immer bekannte Spieler. Das Schachkid nutzt die Gelegenheit und meldet sich beim Open in Falkensee an.

Das Schachkid hat in den letzten Wochen das Training auf Eröffnungen verlagert. Heuer hat das Schachkid einen Block mit, um die ersten 10 Züge mitzuschreiben und später mit der Eröffnungsdatenbank zu vergleichen. Der Trainer meint, das sei ein guter Weg für das Eröffnungstraining.

Zweite Runde geht es gegen einen Jugendlichen. Das Schachkid spielt was Sizilianisches  und schreibt auch mit. Ob sich da was in der Datenbank findet. Sieht komisch aus. Der Nachwuchs übersieht ein drohendes Grundreihenmatt und muss die Dame ziehen. Das Schachkid tut sich schwer, mit Dame und König matt zu setzen. Der Punkt war schwer erarbeitet.

Zwei Spieler heißen Klaus Müller und spielen auch gleich gegeneinander. Klaus Müller hat die Partie gewonnen.

Pausengespräch. Man steht gemeinsam an der Theke und bewundert gemeinsam ein Kochbuch aus der Kyffhäuser Gegend. Was man aus einem Minigebirge alles machen kann, meint der Brandenburger Flachlandtiroler. Hammelbraten zum Beispiel laut Kochbuch. Gabs zu DDR Zeiten oft, meint der Brandenburger. Gut, dass die sozialistischen kulinarischen Schreckenszeiten vorbei sind, meint das Schachkid. 

Dritte Runde, wieso hat das Schachkid schon wieder schwarz? Es wird wieder sizilianisch. Und taktisch. Fünf Minuten vor Blättchenfall bekommt man es beiderseits mit der Angst zu tun und einigt sich vorsichtshalber auf Remis.

Zeit für Mittag essen in der Sonne mit Blick auf die Havel. Es gibt schlimmeres am Samstag Mittag.

Wie soll das Schachkid seine Eröffnungen üben, wenn in der vierten Runde der Senior schon im 9. Zug abweicht? Bis dahin spielt das Schachkid korrekt, übersieht aber leider nach Dg5 das sich anschließende Lh6. Hat das Schachkid wenigstens Zeit, einen Kaffee in der Sonne zu trinken den Kumpel mit Textnachrichten zu ärgern.

Königsindisch ist das in der 5. Runde nicht. Was wird der Trainer nur wieder dazu sagen. Gott sei Dank schreibt das Schachkid nur die ersten 10 Züge mit. Gegen den Rathenower muss das Schachkid schon einen Bauern opfern, um seinen Springer zu retten. Dieser nimmt den Bauern mit, lässt aber zwei Züge später die Qualität stehen. Punkt für das Schachkid und Zeit, um in der Sonne zu sitzen.

Ob das Schachkid Wert auf seine Urkunde lege, fragt der sich nährende Turnierorganisator. Man habe in der Ausschreibung stehen, dass jeder eine Urkunde erhalte. Nun habe man zu wenig. Nein, das Schachkid legt keinen Wert auf die Urkunde und erinnert sich an die Teilnehmerurkunden in der Grundschule, wo das Schachkid grundsätzlich den letzten Platz belegt hat.

Was ist jetzt mit der 6. und 7. Runde? Das Schachkid hat vergessen mitzuschreiben und erinnert sich einfach nicht. Kein Wunder, das Schachkid saß wie auf Kohlen, weil es zu spät kam und sich außerdem noch mit Freunden in Berin treffen wollte, um zu einem Konzert zu gehen. Vielleicht sollte man dann wirklich ein Schachturnier auslassen, wenn man sich nicht voll und ganz darauf einlassen kann, weil eben noch andere Dinge anstehen.
Immerhin, mit 4 aus 6 Punkten lief es gut. Rathenow ist eine Reise wert.

Fritz-Hartung-Gedenkturnier – Irres Schnellschach in Stadtilm

Das Prager Schachopen ist absolviert. Ein Tag Pause, dann wird ein kleines Mannschaftsschnellschachturnier eingelegt. Das Fritz-Hartung-Gedenkturnurnier in Stadtilm ruft.

Wieso regnet es eigentlich immer, wenn das Schachkid in Thüringen weilt? Wer war Fritz Hartung? Keine Ahnung, das Schachkid befragt seinen Nachbarn auf dem Sofa. Dieser weiß es aber auch nicht und isst Kuchen. Kurzer Austausch auf dem Sofa in Stadtilm in Thüringen, warum Brandenburg nicht an der DLM teilnimmt. Kaum vorstellbar, dass es keine Spieler gibt. Irgendwas läuft in Brandenburg schief, was die Nachwuchsarbeit angeht.

Umfangreiche Recherchen ergeben später, dass Fritz Hartung einer der Gründer des Stadtilmer Schachvereins anno 1947 war. Bis ins hohe Alter hat er Schach gespielt. Sogar gestorben ist er am Schachbrett. Während einer Blitzpartie, nach Ablehnen des Remisangebotes des Gegners. Unglücklicherweise hat er durch seinen Tod auf Zeit verloren. Aber gibt es für einen Schachspieler eine schönere Art, zu sterben? Aber vielleicht sollte man im hohen Alter doch kein Blitz mehr spielen. Ist einfach zu stressig.

Das Turnier ist stark besetzt. Die Resterampe von Schmalkalden, Stadtilm und Briesen bildet eine Mixmanschaft. Der Stadtilmer Verein spielt in einem Einkaufszentrum neben einem Baumarkt und einen Möbelladen. Hier hat Stadtilm wohl etwas zu optimistisch geplant. Aber der Lehrstand wurde gut umgewidmet und dient nun der hiesigen Kultur. Sofern es derartiges auf dem platten Thüringer Land gibt.

Erste Runde, die Gurkentruppe hat spielfrei und führt gleichmal die Tabelle an.

Zweite Runde gegen Stadtilm. Man verliert. Drittes Brett. Der Schmalkalder hält die Hand in der Luft. Der Stadtilmer fragt hoffnungsvoll: „Willst aufgeben?“ Der Schmalkalder: „Bin noch unentschlossen.“ Man einigt sich auf Remis. Der Gegner des Schachkids brüllt Matt. Das Schachkid geht unbeeindruckt mit dem König zur Seite. Der Gegner ist verwirrt, allgemeine Heiterkeit drumherum. Drei Mehrbauern reichen auch so zum Sieg.

Dritte Runde gegen Suhl. Der Schmalkalder am dritten Brett operiert mit zwei weißfeldrigen Läufern. Der Gegner aus Suhl überlegt, wie das gehen kann und lässt vor Schreck die Dame stehen. Der Suhler Gegner des Schachkids macht gleiches mit dem Turm. Das Schachkid gibt den Springer. Man gibt sich dann wechselseitig Bauern und einigt sich auf Remis.

Vierte Runde gegen Weißenfels. Es sind keine Sachsen, sondern welche aus Sachsen-Anhalt. Weil man dort immer auf den Bus wartet, kalauert der Weißenfelser. Sprachs und nietet das Schachkid um.

Pause, Bratwürste und dann schon wieder Sachsen, die auf den Bus warten. Weißenfels 2 wartet, wird aber gleich mal, aus Gründen der Revanche bzgl. der vorherigen Runde, mit 4:0 umgemacht. Nun ist die Gurkentruppe offensichtlich warm gespielt.

6. Runde gegen den Turnierfavoriten Schott Jena. Vereinsnamen gibt es. Schott ist offensichtlich ein Zulieferer vom Jenoptik. Diese neue Erkenntnis erschüttert das Schachkid nicht in seinen Grundfesten. In einer wirklich spannenden Partie wird der Jenaer umgebügelt.Die Turnierleitung ist fassungslos, 2:2 der Gurkentruppe gegen den Turnierfavoriten. Man wird aufgefordert, eine Runde Bier auszugeben.

Ein Weißenfelder erklärt derweil dem Schachkid, er sei nicht hier, um zu gewinnen. Sondern um Anekdoten und Lustiges zu erleben. Dem kann das Schachkid nur beipflichten.

Letzte Runde gegen Sömmerda, ein starker Jugendlicher mit einer 1900 am Brett. Kommt den Schachkid bekannt vor. Dieses opfert zwei Springer in den gegnerischen König rein. Hilft nix, die Gurkentruppe verliert 4:0.

Was für ein spaßiges Turnier.

Schachtiger und Schachkid beim 21. Emanuel Lasker Turnier in Thyrow

Das Schachkid begab sich am 21. Juni 2015 nach Thyrow. Zum 21. Mal findet hier das Emanuel Lasker Turnier statt, in einer wunderbar ausgebauten Scheune. Man ist vor der Metropole Berlin und schaut trotzdem nur auf endlose wunderschöne Weizenfelder.

Der kleine Schachtiger ist mitgekommen, die Tigermama auch. Das Feld ist bunt gemischt. Die Berliner fallen wie üblich mit guten Spielern ein, wobei diesmal die Titelträger fehlen. Vermutlich sind die Preisgelder nicht hoch genug. Das Startgeld beträgt moderate 5 Euro. Gut so, findet das Schachkid. Muss sonst wirklich das Startgeld bei einem Schnellschachturnier bei 15 bis 20 € liegen, nur um drei Titelträgern exorbitante Preisgelder zu ermöglichen?

Die Tigermama meint, ihr sei aufgefallen, dass die Anreisen des Schachkids immer so chaotisch seien. Nichts leichter als das. Das Schachkid schweigt, dreht kurz vor dem Spiellokal um und fährt die gleiche Strecke 5 km zurück. Ein Geldautomat wird gesucht, das Schachkid ist blank und kann sich sonst das Startgeld nicht leisten.

Schachspieler früh am Morgen lechzen nach Kaffee. Einer steht da mit einer Tasse Kaffee und Untertasse. Fragt ein anderer: „Wo hast den her?“ Sagt der andere: „Icke habe immer eene Tasse und Untertasse bei.“

Christian Syre wartete am 3. Brett in der ersten Runde, die Nummer 3 der Setzliste. Da schnupperte das Schachkid gleich mal Höhenluft. Zu hoch für das Schachkid. Wie sagt der Trainer immer, man muss den Gegner positionell überspielen, was der Gegner auch ganz schnell tat. Und dass sehr beeindruckend. Der Schachtiger hält wesentlich länger als das Schachkid durch, verliert dann aber auch.

Am Brett nebenan saß ein schachspielender Rocker, ein Widerspruch an sich. Spruch vorne auf dem T-Shirt: „Ich bin immer artig.“ Auf der Rückseite: „Abartig, bösartig, einzigartig!“ Das Schachkid findet den Typen Klasse.

Frank Stemmler wurde es in der zweiten Runde. Das Schachkid ist nominell deutlich stärker, aber auch nur da. Das Schachkid verliert gleich die Qualität und gewinnt sie zurück. Der Gegner übersieht gefühlt 10 Möglichkeiten zu gewinnen. Das Schachkid gewinnt nun eine Leichtfigur, verliert aber trotzdem. So langsam stellt sich das Gefühl ein, dass das ein ganz schwieriges Turnier werden könnte. Überleben heißt das Ziel.

Das Schachkid ist nun fast am letzten Brett angekommen und spielt gegen Alexander Ivanov, einen kleinen Schachschüler des Potsdamer Urgesteins Stern. Der Kleine spielt passabel und knallt mit Begeisterung die Figuren aus Brett. Hilft nix, diesmal kommt der Punkt. Der kleine Schachtiger am Nebenbrett spielt die skandinavische Eröffnung. Muss er wohl in Briesen gelernt haben. Aber die Dame ist weg. Na, es kommen noch 6 Runden.

Ahhh Mama Röhr, diese liegt dem Schachkid. Jedenfalls hat das Schachkid noch nicht gegen Mama Röhr verloren. Es gelingt sogar eine fehlerfreie Partie. Der kleine Schachtiger bekommt es laufend mit Senioren zu tun. Auf der f-Linie baut der kleine Schachtiger eine beeindruckende Turmbatterie auf, kommt dann aber doch betrübt auf den Hof geschlichen.

5. Runde, das Schachkid ist ans 15. Brett vorgerückt, lässt hier gleich den Turm stehen und beschließt, sich lieber der nun nährenden Hähnchenkeule zu widmen. Lange Schlange am Tresen, fast wie in der Firmenkantine. Die mütterliche Chefin wirbt mit selbstgebackenen Kirschkuchen. Das Schachkid, auf Kuchen konditioniert, spurtet umgehend zum Tresen. Der Kirschkuchen ist in Zucker ertränkt und eine Gefahr für die Allgemeinheit. Das Schachkid wünscht sich Thüringer Schmandkuchen herbei.

Das Ziel des Turnieres sind 4,5 Punkte. Der halbe Punkt muss daher irgendwann gemacht werden, und zwar jetzt. In der sechsten Runde. Der Senior hat ein Dauerschach, aber nur noch eine Minute auf der Uhr. Das Schachkid könnte ihn über die Zeit drücken, aber sowas macht das Schachkid nicht. Es ist ein netter Senior. Bei einem fiesen Senior hätte sich das Schachkid überlegt.

Der Schachtiger hat einen Lauf und macht den zweiten Punkt in Folge. Die Partie scheint emotional zu sein. Eine Traube Erwachsener steht um das Brett herum und analysiert sogleich wild diskutierend nach Partieende.

Zeit, eine Lanze für die Körperbedeckung zu brechen. Das Schachkid will nicht die ganze 7. Runde die Arschritze des verlotterten Endfünfzigers am ersten Brett sehen. Auch der Bierbach des anderen Fünfzigjährigen, der mit Jogginghose und viel zu kurzen T-Shirt ankommt, ist kein schöner Anblick. Junge Mädchen können Bauchfrei tragen, alte Männer definitiv nicht. Ob dieser optischen Schrecken hat das Schachkid glatt gegen den schwächeren Johannes Matitschka verloren.

Der Schachtiger spielt in der siebten Runde gegen Susanne Röhr. Er kämpft und kämpft und kämpft. Aber irgendwie geht die Dame verlustig. Macht nix. Was das Schachkid kann, kann der kleine Schachtiger auch und setzt 10 Sekunden vor Blättchenfall Susanne Röhr matt. Netter Nebeneffekt, der Schachtiger hat nun einem halben Punkt mehr als das Schachkid und liegt vor diesem.

Gegen den Schachfreund Paris geht es in der achten Runde. Da will das Schachkid mal hin nach Paris. In die Stadt, nicht in den Schachfreund. Gegen den hat das Schachkid voriges Jahr gewonnen, stellt dieses Jahr aber die Dame hin.

Der kleine Schachtiger hat sich derweil warm gespielt und remisiert gegen einen bärtigen Jugendlichen, der durch den Bart wie 40 aussieht. Coolness geht anders.

Die Runde beginnt. Jeder macht die ersten Züge. „Stop!“ brüllt der Schiri. Jetzt muss was wichtiges kommen, denkt das Schachkid. „Die Bretter sind freigegeben.“ tönt der Schiri. Das Schachkid sagt nix und kommentiert die Situation mit hochgezogen Augenbraue.

Niedlich ist der fünfjährige Knirps, der begeistert Schach spielt. Nicht so niedlich ist der Vater, der in jeder Runde krampfhaft mit dem Klemmbrett daneben steht und jede Partie mitschreibt und argwöhnisch Richtung Gegner schaut.

Das Schachkid gewinnt unverdient. Der Senior steht wesentlich besser, lässt aber einen Turm stehen. Auch mit 85-jähriger Lebenserfahrung kann man da noch sehr empört reagieren.

Der kleine Schachtiger hat es nun mit einem ehrgeizigen Gegner zu tun. Positionell steht der Schachtiger schlecht. Die Bauernstruktur macht Sorgen. Und sorrgt auch für den Punktverlust.

Mit diesem Turnier ist das Schachkid unzufrieden. Zweimal den Turm und einmal die Dame stehen lassen. Das Schachkid merkt, dass es dringend Urlaub benötigt. Der Schachtiger hat derweil ein sehr gutes Turnier gespielt und ist sicherlich mit seinen 3,5 Punkten, bei wesentlich stärkeren Gegner sehr zufrieden. Er liegt gleichauf dem Schachkid, ein Novum in der Briesener Schachgeschichte. Und der 3. Platz in der U14-Wertung springt auch noch raus.

Die fidelen Thyrower müssen eine fleißige Hausfrau als Sponsor haben. Es gibt Waschlappen und Handtücher als Preise Vermultlich wollen diese nicht als subtiler Hinweis auf ungewaschene Schachspieler verstanden werden.