Archiv für die Kategorie „Punktspiele“

Taktische Dramen in Friedrichshagen

Das Schachkid ist seit Oktober Mitglied bei den Queer-Springern und absolviert nun sein drittes Punktspiel. Bisher hat sich das Schachkid nicht mit Ruhm bekleckert, obwohl die Gegner wirklich schaffbar sind. Immer wieder sind es kleine taktische Fehler, die den Sieg verhindern.

In der Klasse 1.1 geht es heute gegen Friedrichshagen II. Das Schachkid muss erstmal gucken, wo das eigentlich ist. Berlin ist so groß. Auch wenn es eine Stadt ist, man kann trotzdem eine Stunde unterwegs sein. So auch heute. Das Schachkid macht sich auf den Weg ins urbane kleine Köpenick, eine eigene kleine Welt selbst in Berlin. Selbstverständlich schafft es das Schachkid, erneut zu spät zu kommen.

Man spielt in einen Stadtteilzentrum, wo viele Vereine ihren Sitz haben. Sowas gab es in Fürstenwalde oder Potsdam nicht. Die gegnerische Mannschaft ist sehr jung – alle irgenwo um die 18 Jahre alt und zwischen 1700 und 2000 DWZ angesiedelt.

Das Schachkid erwischt Killian Lischan. Der 18-jährige denkt in den ersten drei Zügen nach jeden Zug mehrere Minuten nach. Das Schachkid denkt sich, ob der wohl kein sizilianisch kennt? Später erklärt Killian, er mache das immer so, um für die Partie runter zu kommen. Eigentlich eine gute Methode. Wie oft ist man zu Beginn einer Partie extrem nervös und kann sich kaum konzentrieren und kommt nicht recht ins Spiel rein. Die killinansche Methode wird das Schachkid beim nächsten Spiel austesten.

Den sizilanischen Drachen konnte er dann doch ganz gut. Das Schachkid kontert mit dem Marotzy-Aufbau.

Dieser ist für Schwarz sehr unangenehm, wie Killian später meinte. Hat FM FM also recht gehabt. Die erste Entscheidung fällt im 15. Zug. Das Schachkid spielt 15. Sd5, das führt gleich zum Abtausch. Aber vielleicht gewinnt Weiiß mehr Raum. Vielleicht wäre 15 Sb4 besser gewesen, um auf einen Bauern oder den Sa5 zu spekulieren. Dieser wude von Schwarz eher suboptimal platziert. Se5 wäre richtig.

Schwarz knallt 16. … Lb2 aufs Brett. Schnell gepielt mit höhrbar erleichterten Schnaufen. Das Schachkid erschrickt sich furchtbar und fühlt sich wie gelähmt. Ist jetzt nicht der Sc2 weg? Nein, ist er nicht, das Schachkid ist trotzdem wie gelähmt und überlegt 30 Minuten lang.

Die Qualität ist wohl hin. Vielleicht kann nach den Abtausch des schwarzen schwarzfeldrigen Läufers ein Mattnetz am schwarzen Königsflügel gestrickt werden. Das Schachkid überlegt lange an Tb1 und sinniert, ob man den Sa5 nach Dxc2 bekommen könnte. Das einfach Txb2 geht und sich dann die weißen Schwerfiguren auf der zweiten Reihe gegenseitig decken, sieht das Schachkid nicht. Wieder mal ein Beweis für die Tatsache, das Schach eine psychische Sache ist und offensichtlich mehr Taktik trainiert werden muss.

Immerhin, die Mannschaft gewinnt mit 4,5:3,5 mit einem Brett weniger. Beate hat es erwischt, Gute Besserung an dieser Stelle. Das Schachkid pfeift sich bei Kaisers frustriert zwei Brötchen rein und fährt nach Moabit zu seinem Freund Harald Kaffee trinken.

Wieder eine Saison rum – eine Bilanz

Die Handwerker bauen neue Schränke auf – das Schachkid sitzt in der Küche und hat Muße, endlich mal wieder was zu schreiben.

Das letzte Punktspiel wurde am 10. April 2016 in Briesen gegen Müncheberg absolviert. Das Schachkid musste am 8. Brett gegen einen kleinen Nachwuchsspieler ran und war schnell fertig. Der Kleine musste kurz getröstet werden. Macht nichts, jeder hat mal mit Schach angefangen.

Zeit, Bilanz zu ziehen. Das Schachkid hat es fertig gebracht, in einer Saison für zwei Vereine und in vier verschiedenen Ligen zu spielen. Für den SV Briesen und den USV Potsdam jeweils in der Landesklasse Nord und Süd, Regionalliga Ost und Kreisliga FFO.

Wie ist die Bilanz? Beim USV gemischt – einmal knapp die Karenzzeit verpasst, einmal war kein Gegner da, ansonsten zwei Remis geholt, davon aber in einer Partie gegen Schwedt den Gewinnzug nicht gesehen. Der USV macht keinen so schlechten Eindruck. Problem: Das Schachkid fühlte sich keiner Mannschaft recht zugehörig. Sowas kommt nicht von heute auf morgen.

In Briesen war die Mannschaft supertoll, man kennt sich seit vielen Jahren. Spielerisch hat das Schachkid fast alles gewonnen. Was keine Kunst war, da es am 8. Brett keine Gegner gab. Wo das Schachkid spielte, weil es vor Saisonstart zum USV und zurück wechselte. Und die Brandenburger Regelung total unsinnig ist, wenn man sich ab- und gleich wieder anmelden möchte beim alten Verein und doch ganz hinten spielen muss. Die Briesener haben übrigens fast den Aufstieg verpasst, obwohl die Mannschaft noch nie so stark wie in dieser Saison war.

Das Schachkid rät davon ab, mitten in der Saison den Verein zu wechseln. Man spielt irgendwo hinten und hat nicht recht eine spielerische Herausforderung.  Freilich, der Trainer hat es gleich gewusst und schon im September gesagt, dass das Schrott sei.

Wie gehts weiter? Das Schachkid beabsichtigt beim USV Potsdam zu spielen und hofft, in einer gut durchmischten und netten Mannschaft zu landen. Ob dje Entscheidung für den USV Potsdam und gegen den SV Briesen die richtige ist, wird man erst nach der Saison wissen. Aber Überraschungen sind ja immer möglich…

 

 

Frust bei Potsdam USV III

4. Punktspiel der Saison, 2. Einsatz bei USV III. Und wieder Frust, das Schachkid hat hier kein glückliches Händchen. An der Mannschaft liegt es nicht, nette Leute da…

Beim ersten Punktspiel kommt das Schachkid 3 Minuten nach der Karenzzeit und verliert. Zudem wird das Schachkid geblitzt, was später noch richtig Geld kosten wird.

Heuer neue Chance neues Glück. Das Schachkid fährt rechtzeitig los und wird geblitzt. Das wird wieder kosten. Aber man ist pünktlich da. Was fehlt, ist ein Gegner. Wieder Frust! Dafür gibt es diesmal Kaffee. Eine sehr nette Spielermama sorgt fürs Catering.

Ein Mannschaftskamerad erbarmt sich und spielt eine schnelle Partie gegen das Schachkid. Das Schachkid lässt sich die Dame fesseln. Depperter französischer Bauer. Noch mehr Frust.

Nebenher schnallt das Schachkid, dass es gegenüber Vereinskameraden Mist gebaut hat. Manchmal ist man ein Idiot, ganz viel Frust.

Immerhin, es bleibt Zeit, über Berlin zu fahren, um mit Freunden das Ethnologische Museum zu erkunden und einne ordentlichen Kaffee dran zu hängen.

Wo nur ist das Spiellokal…

Die Saison geht los, das Schachkid startet für seinen neuen Verein USV Potsdam, für USV III, um genau zu sein. Kaum wechselt das Schachkid den Verein, findet es sich in der Landesklasse wieder. Da sizt am 8. Brett beim Gegner mal eben eine 1800 DWZ.

Ein Auswärtsspiel gegen SV Marzahna. Ein weiter Weg für das Schachkid, da seine Wohnung in Potsdam noch gebaut wird. Also frühs um 8.00 Uhr losgefahren, das Schachkid hat vorher die Route erkundet. Sieht auch alles gut aus, von der Autobahn kommend. Die Abfahrt nach Treuenbriezen, Marzahna ist ein Ortsteil, wird vom Schachkid großzügig ignoiert. Google wird schon wissen, wohin es das Schachkid lotst.

Zur nächsten Abfahrt. Wo es erstmal nach der Autobahn nicht weiter geht. Baustelle und Umleitung. Oh, das könnte nun doch aber ein wenig knapp werden. Google berechnet die Route neu. Das Schachkid kommt Richtung Treuenbriezen durch Marzahna durch. Nein, der Schachverein heißt zwar SV Marzahna, kann hier aber unmöglich spielen. Google zeigt schließlich an, es seien noch 10 km.

Gut, fährt das Schachkid mal von der Hauptstraße runter auf diese Nebenstraße. Im Dorf da vone geht es rechts ab. Brandenburg kann schon einsam sein. Aber das Gehöft sieht komisch. Das Ziel Schulgasse sei erreicht, tönt das Smartphone.

SCHULWEG, Du doofe App, SCHULWEG. Da hat die Spracherkennung beim Start wohl was falsch verstanden. 5 vor 10. Gleich geht die Runde los. Das Schachkid tippt hektisch Schulweg ins Handy ein. Kein Netz, wieso gibt es hier kein Netz? Wieso ist das Schachkid nur von der Telekom zu Vodafone gewechselt? Die Telekom hat Netz in Brandenburg. Kein Netz, kein Google, keine Navigation.

Kein Problem, das Schachkid arbeitet als Krisenmanager und hat daher immer einen Plan B. Hier eine offline-Navigations-App. Die sich just am Vortag aktualisiert hat und noch keine Karten heruntergeladen hat. Wie auch, Vodafone hat ja kein Netz in Brandenburg.

Plan C, das Schachkid fährt vom Feld zur Hauptstraße nach Treuenbritzen in der Hoffnung auf ein funktionierendes Handynetz. Immerhin ist Treuenbritzen die größte Stadt in der Gegend. Aber das mistige Vodafone hat nur Edge.

Plan D muss her. Das Schachkid ruft einen Kumpel an, der schnelles DSL hat. Hektisch wird telefoniert, wo muss das Schachkid nur hin? Der Kumpel gibt das Navi und leitet das Schachkid via Handy durch die Weiten Brandenburgs. Wenigstens Sprachtelefonie klappt. Ahh, Marzahna, hier war das Schachkid schon mal. Es ist 10.30 Uhr, eine Stunde Karrenzzeit, das Schachkid entspant sich.

Prima, die alte Schule im Schulweg ist gefunden, quasi mitten auf einem Feld. Hier ging es wohl mal idyllisch zu. 10.33 Uhr – das Schachkid sitzt am Brett und erfährt, dass Brandenburg im Gegensatz zu anderen Bundesländern natürlich nur 30 Minuten Karrenzzeit hat. Wieder so eine sinnlose Sonderregelung. Die Partie ist verloren. 300 km für nix gefahren, ein ganz bitterer Einstieg. Immerhin gewinnt die Mannschaft gegen den starken SV Marzahna 4:4.

USV III ist die Seniorenmannschaft. Nette Leute, vor allem viele Damen, was an sich schon selten ist, im dem Alter sowieso. Das Schachkid sinniert trotzdem, ob der USV der richtige Verein ist. In einer Seniorenmanschaft will das Schachkid nicht spielen. Eine gut durchmischte Mannschaft wäre gut. Na mal gucken…

Frust in Eberswalde

Am 15. März 2015 begab sich das Schachkid nach Eberswalde zum Punktspiel, noch müde vom Besuch der Leipziger Buchmesse am Tag zuvor. Das Schachkid fragt sich an dieser Stelle, warum die Mannschaft eigentlich immer mit 5 Autos fährt, wo man doch auch gemeinsam fahren könnte. Manchmal kommt der SV Briesen dem Schachkid sonderbar vor.

Eberswalde ist kein gutes Pflaster für das Schachkid. Beim letzten Punktspiel saß das Schachkid in so einen komischen ganz engen Keller direkt neben einen Ofen, der natürlich voll beheizt war, und musste sein Punktspiel absolvieren. Natürlich ging das Spiel verloren.

Aus Eberswalde kommen merkwürdige Leute. Ein Schachprinz zum Beispiel mit einem sehr rabiaten Vater. Obwohl das Schachkid auch sehr nette Leute aus Eberswalde kennt, das Schlitzohr etwa.

Eberswalde muss nach der Wende massiv an Einwohnern verloren haben. Viele Häuser sind verfallen. Es gibt große Industriebrachen. Die Einwohner scheinen immer mit einem gewissen frustrierten Gesicht herumzulaufen. Das Schachkid ist ab und an dienstlich hier und ist dann immer ganz frustriert und froh, wenn es wieder weg fahren kann.

Das Schachkid fährt also nach Eberswalde, fährt zum Spiellokal, geht in selbiges, ist schon bedient und will am liebsten gleich wieder nach Hause. Das Spiellokal ist supereng, man sitzt fast aufeinander. Rumlaufen geht nicht. Kaffee ist nirgends zu bekommen, zur Toilette muss man aus dem Haus ums Gebäude herum durch die Kälte.

Die Mannschaft ist eine reine Seniorentruppe. Geballte Erfahrung wartet da auf die Briesener.

Das Drama ging mit der Partie weiter. Das Schachkid bekommt es mit Uwe Strien zu tun. Der Eberswalder spielt ausgerechnet Englisch. In dieser Eröffnung kennt sich das Schachkid nur mit Weiß aus, aber nicht mit Schwarz.

Das Schachkid versucht einen holländischen Aufbau, da hat es gute Erfahrungen gemacht. Nach 7. Lg5 sieht die Stellung schon komisch aus. Der Bauer auf d5 hängt nach Abtausch des Springers. Das Schachkid denkt 10 Minuten nach, rechnet alle möglichen Varianten durch, sieht den einzigen Zug d4 und spielt Le7. Das Schachkid lässt die Figur los und schlägt fassungslos die Hände vor das Gesicht. Das Gehirn realisiert gerade, dass die rechte Hand einen Zug gemacht hat, den sie erst im übernächsten Zug machen sollte.

Der Eberswalder sieht es auch, tauscht und gewinnt den Bauern. Das Schachkid ist nun endgültig bedient. Nicht mal Kaffee oder was Süßes zum Trösten ,weder optischer noch geschmacklicher Natur, ist in Sicht. Einzig die blonde Vicky sitzt nebenan, die jedoch zum Trösten ungeeignet ist. Das Schachkid spielt schnell ohne Nachdenken einige unmotivierte Züge. Die Stellung wird nicht besser. Der Eberswalder denkt nach, findet gute Züge und gewinnt zu recht. Die einzige Partie, die das Schachkid in der Saison verloren hat.

Eberswalde ist so eine große Stadt. Ist es denn da nicht möglich, ein vernünftiges Spiellokal zu finden? Das Schachkid muss faiererweise anmerken, dass auch der SV Briesen in einem ähnlich beengten Raum spielt. Es gibt zwar Kaffee, aber nur eine Toilette, um diesen zu entsorgen, Kann schon mal eng werden bei 16 Spielern. Manchmal kommt der SB Briesen dem Schachkid sonderbar vor.

Das Punktspiel ist beendet. Allgemeiner Konsens ist, man wolle als Mannschaft nach dem Spiel noch essen gehen. Los geht es. Und plötzlich sind es nur noch drei Mann, die vor dem Restaurant stehen. Chefpapa und Chefsohn nebst Schachkid, das findet das Schachkid komisch.

Manchmal findet das Schachkid den SV Briesen komisch. Da das Schachkid bekanntlich auch so seine Macken hat, ist es folglich beim SB Briesen gut aufgehoben.

Starke Rüdersdorfer in Briesen

Der SV Glück Rüdersdorf III reiste am 22. Februar 2015 in unerwartet starker Besetzung zum fälligen Punktspiel der Regionalliga Ost nach Briesen. Die in dieser Saison bärenstarken Briesener hofften auf einen Sieg. Hatte man sich zu Beginn der Saison noch den Klassenerhalt als Ziel gesetzt, schien jetzt sogar der 2. oder 3. Platz der Liga möglich zu sein. Mit Rüdersdorf III sah man sich mit einer bunten und motivierten Mannschaft gegenüber, die auf reichlich Nachwuchs und drei Damen setzte. Die Briesener hielten mit alternativen Spiellokal und den Resten des Buffets vom Turnier vom Vortag gegen.

Volker Heinrich am vierten Brett spielte seine Lieblingseröffnung, einen klassischen Italiener. Das bekannte scheinbare Läuferopfer auf f7 kam aufs Brett. Der Rüdersdorfer Tino Fremberg ließ sich vom scharfen Briesener Spiel nicht schrecken und tat das einzig richtige. Er ging mit seinem König nach vorne auf den Gegner zu. Der König wird im Mittelspiel zur Angriffsfigur. Heinrich griff verbissen an, verkalkulierte sich, lief mit rollenden Augen durch das Spiellokal und verlor einen Springer. Emotionen pur! Der Rüdersdorfer ging nun seinerseits zum Angriff über und drohte nach wenigen Zügen matt. Das war es wohl mit der Lieblingseröffnung. Nächste Saison muss was neues her. Rüdersdorf ging in Führung. Die ersten beiden Briesener Brett schauen ungläubig Richtung Briesener Vereinschef.

Vicky Eue und Klaus Dworatzek am dritten Brett gaben Gas und waren nach 30 Minuten schon beim 18. Zug. Dworatzek stürmt mutig mit den Bauern am Königsflügel vor, und öffnete dabei seine Königsstellung. Eue vom SV Briesen erkennt nach kurzzeitigen Bauernverlust die Gelegenheit, stürmt mit den Figuren voran, gewinnt denn Bauern zurück, verpasst Dworatzek einen isolierten Doppelbauern auf der e-Linie und bildet einen Freibauern auf der a-Linie. Eue gewinnt zwei weitere Bauern und wickelt ins Endspiel ab. Ausgleich für Briesen.

Marco Belling am fünften Brett bekam es mit den Rüdersdorfer Nachwuchs Vinzenz Dworatzek zu tun. Der Briesener Schatzmeister als Führer der schwarzen Steine hat seinen ganz eigenen Spielstil. Ruhig und passiv erscheinen die Züge, doch Zug um Zug verbessert sich die Stellung minimal. Schließlich kippt die Stellung plötzlich um, so auch diesmal. Erst hat Belling das Läuferpaar, dann einen Bauern mehr. Dworatzek hat plötzlich einen Springer weniger, Punkt und Führung für Briesen.

Der Briesener Neuzugang Carlo Borchardt am achten Brett bestritt sein zweites Punktspiel. Mit Alexander Lakowski lief auch hier ein Nachwuchstalent auf, der sich von der geballten Lebenserfahrung seines Gegners nicht abschrecken ließ. Wild schwankten die Waagschalen. Borchardt kreiste mit Springer, Läufer und Turm die gegnerische Dame ein. Dann gabelte Borchardt Dame und Turm mit dem Springer auf und gewann die Qualität. Macht nichts, dachte sich wohl Lakowski, und gewann die Qualität kurzerhand wenige Züge später zurück. Borchardt kam ins Schwitzen, pfiff auf schönes Spiel und begann, mit seinem zweiten Springer zu lavieren. Ein Mehrbauer sprang heraus. Der Kampf verlagerte sich zum Damenflügel. Borchardt sperrte den gegnerischen Läufer ein und gewann diesen. Lakowski versuchte, Aktivitäten zu entfalten, musste aber bald mangels Angriffsfiguren die Waffen strecken. Trotzdem eine starke Partie des jungen Rüdersdorfers gegen den neuen Briesener Nestor. 3-1 für Briesen.

Ein weibliches Duell gab es am siebten Brett zwischen der Rüdersdorferin Laura Friedrich und Anja Braun. Die grippegeschwächte Briesenerin dopte sich mit Hustenbonbons und zauberte eine tolle Angriffsstellung am Damenflügel aufs Brett. Weit vorgerückte Bauern auf b4 und c5 versprachen Raumgewinn und ließen auf den Sieg hoffen.. Friedrich suchte nach Gegenspiel und fand es am Königsflügel. Die Rüdersdorferin drängte die weißen Figuren Richtung Grundreihe zurück. Braun kämpfte, musste aber Zug um Zug den Rückzug antreten. Die Briesnerin muss die Dame gegen den gegnerischen Turm tauschen. Friedrich gibt alles. Der Stand nun 3-2, Rüdersdorf holt auf.

Kellner am sechsten Brett spielte einmal mehr die englische Eröffnung. Carolin Wolf kam bereits nach wenigen Zügen ins Grübeln und benötigte viel Bedenkzeit, um die richtigen Züge zu finden. Doch die Rüdersdorferin fand immer besser ins Spiel und spielte den Briesener Zug um Zug an die Wand. Wolf gelang es, mit der Dame in die weiße Stellung einzubringen. Kellner musste forciert die Damen tauschen und konnte den folgenden Doppelangriff auf seine Bauern nicht abwehren. Ein Bauer fiel, die Stellung wackelte. Nun fehlte die Bedenkzeit aus der Eröffnung, Kellner nahm das unverdiente Remisangebot an, 3,5 – 2,5 für Briesen, es bleibt spannend.

Ein sehr dynamisches Spiel demonstrierte Philipp Heinrich am ersten Bett gegen den Rüdersdorfer Nachwuchs Tobias Gohlke. Heinrich stürmte mit den Bauern am Königsflügel vor, trotz eigener kurzer Rochade. Problem dabei, der gegnerische König stand noch in der Mitte und war noch unentschieden, wohin er rochieren will. Es wurde die lange Rochade, also kein Königsangriff durch den Briesener. Der Preis für die Rüdersdorfer Königsflucht, ein Bauer weniger und und ein Isolani auf g3. Doch Gohlke bewies Kampfgeist, kam zurück und holte sich denn Bauern wieder. Eine unklare Stellung mit Chancen für beide Seiten entstand. Die Entscheidung fiel überraschend. Heinrich legte Coolness an den Tag und verkündete süffisant, die gegnerische Uhr sei abgelaufen. Der überraschte Rüdersdorfer schaute verdattert, nahm die Niederlage aber wie ein Mann. Der Briesener Youngster am ersten Brett hat in der laufenden Saison bereits beeindruckende 5 aus 7 Punkten geholt. 4,5 – 2,5, Sieg für Briesen.

Zäh gestaltete sich die Partie am zweiten Brett zwischen Olaf Budach und Katharina Schmid. Alles deutete auf ein positionelles Bauernendspiel hin. Die Rüdersdorferin hatte einen Isolani auf der a-Linie, ein lohnendes Angriffsziel für Budach. Mit einem starken Bauernpaar auf c5 und d5 auf beiden offenen Linien hatte Schmid aber mehr als Kompensation. Nach Abtausch entspann sich ein Kampf um die zentralen Felder. Wird der d-Bauer durchkommen, war die zentrale Frage. Nein, kam er nicht, auf d3 war Schluss für den schwarzen Bauern von Schmid. Der Briesener Endspielkünstler Budach belagerte den Bauern mit zwei Türmen und einen Läufer, Schmid hielt mit gleichen Figuren Gegnern. Budach schnitt den e-Bauern auf e5 von der Verteidigung des d-Bauern ab und holte den König ran. Der Bauer fiel, aber nicht die gegnerische Stellung. Schmid verteidigte zäh und hielt Remis. Ein gerechtes Remis für Beide, ein starker Briesener am zweiten Brett und der Endstand 5-3.

Das Überraschungsteam der Liga ist nach diesem Kontersieg hoch motiviert und hofft auf weitere Siege gegen Eberswalde und Fürstenwalde

Briesen überrascht mit Unentschieden

In der Regionalliga Ost traf die Briesener Mannschaft am 18. Januar auf Rüdersdorf II, die in Bestbesetzung antrat. Die Rüdersdorfer stellen nicht nur eine der jüngsten Mannschaften der Liga, sondern brachten auch drei Damen mit, was insgesamt für eine optisch ansprechende Mannschaft sorgte. Auch die Briesener steuerten zwei Damen bei. Kurz, Briesen war an diesem Wochenende das Epizentrum des Damenschachs.

Was Briesen jedoch nicht daran hinderte, gleich einen Punkt abzugeben. Mangels Spieler fuhr der Rüdersdorfer Bernhard Rutschke am ersten Brett den Punkt ein. Für das achte Brett flog der SV Briesen mit Anja Braun gar Ersatz aus Berlin ein.

Am zweiten Brett traf Philipp Heinrich auf den Rüdersdorfer Moritz Petersen. Beide erlebten ein Deja Vu, hatten beide doch einen Tag  zuvor erst beim Schachopen in Leegebruch die Klingen gekreuzt – leider mit unglücklichen Ausgang für Heinrich. Diesmal lief es besser. Petersen etablierte eine Bauernkette entlang der Diagonale a7-d5, die in einem Springer auf d4 gipfelte. Heinrich stand gedrückt, hielt aber dem gegnerischen Angriff stand. Logische Konsequenz: Man einigte sich auf Remis. Der Briesener kam pünktlich zum Mittagessen, der Rüdersdorfer widmete sich der Differenzialrechnung. 1,5 – 0,5 für Rüdersdorf.

Vicky Eue am fünften Brett spielte ungewohnt zahm und ließ ihr flottes Angriffsschach vermissen. Patrick Giese lies sich anstecken. Schnell waren 20 Zügen herunter gespielt, viele Figuren abgetauscht und eine Stellung mit remislicher Tendenz auf den Brett. Die Briesenerin wiegte sich in Sicherheit und ließ prompt einen Läufer stehen. Ein Mehrbauer versprach Hoffnung und Kompensation. Giese roch Lunte und wollte wiederum gewinnen. Dies weckte wiederum den Ehrgeiz von Eue, die nun alle Verteidigungskünste aufs Brett warf. Beide Könige eilten zum Königsflügel, Gemetzel unter den Bauern, Giese nahm den falschen Bauern, Punkt für Briesen und Ausgleich zum 1,5 – 1,5.

Das dritte Brett wirkte noch recht verschlafen. Olaf Budach schaute recht müde aus der Wäsche und versuchte, mit Kaffee und frischer Luft in Schwung zu kommen. Es half nix, nach 9 Zügen stand die Uhr nur noch die Uhr nur noch bei 1:09, während Robert Richter auf 1:40 kam. Dann gab Budach Gas und belagerte einen gegnerischen Isolani auf d5. Richter jedoch, vom Vortag in Leegebruch von taktischen Finessen Briesens gewarnt, verteidigte zäh und zwang den Briesener ins Dauerschach. Punkteteilung in ausgeglichener Stellung und ein Stand von 2 – 2.

Unsymmetrisch ging es bei Volker Heinrich gegen Anna Voigt am sechsten Brett zu. Der Briesener konzentrierte seine Figuren am Königsflügel, die Rüdersdorferin am Damenflügel. Nach taktischen Geschiebe mit Abtausch ging es weiter mit der Unsymmetrie. Heinrich hatte einen Bauern mehr am Damenflügel, Voigt einen Bauern mehr am Königsflügel. Jedoch konnte keine Seite einen Durchbruch finden. Beide Spieler wirkten zunehmend genervt, schauten nach den Mannschaftskameraden und einigten sich in ausgeglichener Stellung auf Remis. 2,5 – 2,5 stand es nun.

Kritisch beäugte der Briesener Schatzmeister Marco Belling seine Stellung. Immer wieder die Stirne runzelnd schien er sehr unzufrieden. Dazu gab es keinen Grund. Die Stellung gegen seine Gegnerin Madleen Walther sah symmetrisch und ausgeglichen aus. Jedenfalls bis 12.00 Uhr Mittags. Dann griff die Rüdersdorferin an, lavierte geschickt mit der Dame um die eigenen Bauern herum und brach auf b2 in die weiße Stellung ein. Ähnlich sah es am achten Brett aus, als ob sich die Rüdersdorferinnen zum Angriff verabredet hatten. Belling hatte einen isolierten Bauern auf d4 zu beklagen. Die Gegnerin verschmähte den Isolani und räumte lieber den gegnerischen Damenflügel ab. Belling hatte nun einige Bauern weniger und sah schweren Zeiten entgegen. Zeit war jedoch genau das, was Walther fehlte. So gab es ein Remisangebot, der Schatzmeister willigte freudig ein. 3 -3, keine Mannschaft führt.

Anja Braun bekam es am achten Brett mit Carolin Wolf zu tun. Letzte tausche geschickt ab und verpasste der Briesenerin eine isolierten Doppelbauern auf der a-Linie. Wolf geriet allerdings in Entwicklungsnachteil, der gesamte Damenflügel stand noch auf der Grundreihe. Braun suchte ihr Heil im Angriff am Königsflügel, der lange gut aussah, aber letztendlich nicht voll durchdrang. Wolf holte in der Figurenentwicklung auf und gewann einen Bauern auf der a-Linie. Beide Damen rangen in den nächsten Stunden verbissen um jeden minimalen Vorteil. Schließlich brach Wolf mit der Dame auf b2 in die Stellung der Briesenerin ein. Eine Leichtfigur ging verloren. Nach reichlich Abtausch hisste Anja Braun die weiße Flagge. Rüdersdorf liegt nun mit einem Punkt vorn.

Kellner am 6. Brett spielte wieder einmal die längste Partie des Tages. Uwe Becker. erkältungsgeschwächt und dick eingemummelt, eröffnete mit f4. Die Bird-Eröffnung war dem Briesener völlig unbekannt. So verlor Kellner alsbald unnötig einen Bauern und stand sehr gedrückt. Der Briesener bot Remis, der Rüdersdorfer lehnte ab. Was der Briesener verstand, er hätte das Remis auch nicht genommen. Becker fand jedoch nicht den Gewinnweg und ließ den Abtausch seines starken schwarzfeldrigen Läufers zu. Kellner etablierte einen Bauern auf der 7. Reihe, gewann dann den Bauern zurück, dann noch einen Bauern und dann die Qualität. Nach einem Bauernrennen zog Kellner mit dem Bauern zuerst ein. Becker streckte einem Zug vor dem Matt die Waffen. Der Sieg bringt den Ausgleich und das 4 -4.

Fazit – Ein sehr glückliches aber auch nicht unverdientes Remis für die Briesener und spannende Partien an allen Brettern.

Die Unbesiegbaren im Oderbruch niedergestreckt!

Manchmal kommt sich das Schachkid wie ein Harry Potter zweiter Klasse auf der Suche nach dem goldenen Schnatz vor. Ewig knetet und bearbeitet das Schachkid eine Stellung, viele Züge lang und viele Stunden auf der Suche nach einem kleinen Vorteil. Das Schachkid steht immer einen Hauch besser. Harry Potter findet den Schnatz, das Schachkid spielt nur Remis und findet einfach keinen Gewinnweg. Liegt es an mangelnden positionellen Fähigkeiten? Oder liegt es an der Eröffnung? Ist die Slawische Verteidigung zu passiv? Wer eine Antwort auf 1.d4 kennt, die zu dynamischen Stellungen führt, möge sich beim Schachkid melden.

Am 7. Dezember 2014, ein Tag nach Nikolaus war es, als sich die Briesener in den dunklen und tiefen Oderbruch nach Bad Freienwalde zum Punktspiel der Regionalliga Ost begaben. Das Schachkid kam mit fast leeren Tank angefahren und fragte sich bange, ob a) der Sprit noch reicht und b) wann endliche eine Tankstelle kommt. Tatsächlich liegt nur eine einsame Aral-Tankstelle zwischen Fürstenwalde und Bad Freienwalde am Wegesrand. Dafür war es aber mit 1,27 € / L extrem billig. So billig hat das Schachkid seit 2006 nicht mehr getankt, jedenfalls nicht in Deutschland.

Die Briesener rückten nur mit 7 Mann gegen die Königsjäger an. Marco Jäger am 7. Brett brachte Bad Freienwalde somit in Führung. Glücklich sah der Königsjäger jedoch nicht aus. Möglicherweise ahnte er bereits, was für ein langer Tag noch vor ihm liegen sollte.

Zum großen Missfallen des Schachkids gab es nirgends Kaffee. Das Schachkid wird künftig Punktspiele, wo es kein lebensnotwendiges Koffein gibt, nur noch unter großen Protest spielen.

Auch die einzige Briesener Dame Vicky konnte sich auf einen besonderes Schmankerl freuen, die einzig vorhandene Toilette (diese eine, sie zu knechten…) , die sie sich mit den anwesenden Männern teilen musste. Der gegnerische Mannschaftsleiter war jedoch sichtlich erfreut, mal eine Dame in der Herrenrunde begrüßen zu dürfen und ermahnte die anwesenden Herren, die Backen zusammen zu kneifen, wenn die Dame an dem Ort verweile, wo der Kaiser zu Fuß hingehe. (=WC, Vorschlag von https://www.openthesaurus.de/ )

Der Bad Freienwalder Mario Leipert machte am achten Brett kurzen Prozess und überrannte Lothar Bindernagel innerhalb von einer Stunde. Der Vertreter der Gastgeber dopte sich massiv mit zwei Packungen Maoam, die er in einer halbe Stunde verputze. Das half! Der Briesener sah sich einem starken Angriff ausgesetzt und schaute nach frühen Abtausch der Damen bald frustriert auf seinen Doppelbauern am Königsflügel. Leipert setzte den Angriff in der Brettmitte fort, Bindernagel musste einen Bauern geben, um den Verlust des Springers zu verhindern. Zwei weitere Bauern fielen bald am Damenflügel, so dass Bindernagel mit drei Bauern hinten lag. Aber der Briesener gab nicht auf und brachte seine beiden Türme auf der 7. Reihe in Stellung. Leipert verteidigte zäh und schien auf die Macht seiner Bauern zu vertrauen. 2:0 für die Gastgeber.

Das Schachkid schaute zu und machte sich eifrig Notizen in sein oranges Notizbüchlein. Jeder gute Berichterstatter hat ein solches mit. Der Gegner des Schachkids schien Betrug zu wittern und erkundigte sich bei seinem Mannschaftsleiter, ob dies rechtens sei, sich Notizen zu machen. Als das Schachkid erneut in seiner für Fremde unleserlichen Schrift in sein Büchlein schrieb, stand der gegnerische Mannschaftsleiter hinter dem Schachkid und spähte angestrengt in dessen Buch. Offensichtlich beruhigt stellte dieser fest, dass das Schachkid keine Varianten aufschrieb, sondern Notizen zum spannenden Spielgeschehen.

Der Briesener Schatzmeister holte derweil am sechsten Brett zum Gegenschlag aus. In der Partie Alexander Heinz gegen Marco Belling bauten beide Spieler in der Eröffnung beeindruckende Bauernfronten auf. Nach einigen kurzen Hin- und Geschiebe blies Belling zum Halali auf den gegnerischen schwarzen König. Dieser, auf f8 stehend, sah sich bald von der Dame auf e6, Läufer auf g7 und dem Turm auf d7, der die gegnerische Dame angriff, umringt. Das Mattnetz wurde dichter und dichter, Heinz gab auf. Nun nur noch 2:1 für Bad Freienwalde.

Der Gegner des Schachkids schaute sich gegen elf Uhr genervt um und bemängelte, dass die benachbarten Uhren zu laut ticken würden. Nachdem die Uhr am 7. Brett entfernt wurde (Bedenkzeit abgelaufen) und die Uhr beim Schachkid ausgetauscht wurde, schien der Gegner zufrieden. Das Schachkid schaute derweil entspannt die nächsten 4,5 Stunden auf ein Fischaquarium und empfahl gedanklich den Kauf von Digitaluhren.

Kein leichtes Spiel hatte Vicky Eue vom SV Briesen am dritten Brett gegen Aleksander Borowiak. Wie üblich spielte Eue aggressiv und brach rabiat in die gegnerische Stellung ein. Resultat: Ein Damentausch und desolate Bauernstrukturen auf beiden Seiten, aber kein Vorteil für die junge Briesenerin, die ja eigentlich eine Frankfurterin ist, aber trotzdem unter glücklichen Umständen den Weg nach Briesen gefunden hat. Die Stellung wurde zunehmend kritischer, Borowiak besetze mit beiden Türmen die offene c-Linie. Die Briesenerin stemmte sich mit aller Kraft gegen den schwarzen Ansturm und konnte Figuren abtauschen. Um 11.30 Uhr hatte Borowiak seine verblieben Figuren allesamt auf der Grundreihe stehen und so die Grundstellung gleichsam rekonstruiert. Die Lage entspannte sich, aber es war auch kein konkreter Vorteil für eine Seite zu sehen. Also Punkteteilung und einen halben Zähler für jede Mannschaft, 2,5 zu 1,5 für Bad Freienwalde. Den übersehenen Figurengewinn von Vicky erwähnt das Schachkid nicht, da es derartiges ja selber gerne mal nicht blickt.

Auch am ersten Brett entwickelten sich die Dinge gemächlich. Philipp Heinrich hatte mit dem deutlich spielstärkeren und favorisierten Jerzy Brok eine schwere Aufgabe. Aber der 15 Stunden vor der Volljährigkeit stehende Briesener ist immer für eine Überraschung gut. Beide Gegner tasteten sich ab. Dem Bad Freienwalder gelang es, einen Springer als Vorposten im weißen Lager zu etablieren. Aus diesem wurde im Spielverlauf ein starker Freibauer auf d7. Der Briesener musste alle Ressourcen zur Kontrolle des Feldes d8 binden. Dies nutze Brok aus, um mit seinen Springern weiter in die Stellung einzudringen und die weißen Türme anzugreifen. Selbige waren nicht mehr zu halten, Heinrich jun. gab auf. 3,5 – 1.5 gegen Briesen, langsam wird es eng.

Ganz ähnlich verlief die Partie Frank Schmidt – Olaf Budach am zweiten Brett. Nach langsamen Spiel in der Eröffnung ergab sich eine unübersichtliche Stellung, die nicht leicht einzuschätzen war. Der Briesener begab sich an die frische Luft, auf der Suche nach Inspiration oder der freundlichen Kontakte zum Gegner wegen. Das Schachkid weiß es nicht, schaute aber mal nach 20 Minuten nach dem Verbleib seines Vereinsgenossen. Dieser setzte sein Spiel fort, tauschte bald die Damen und bot alsbald Remis. Dies besiegelte das 4:2 und machte einen Sieg Briesens nicht mehr möglich.

Zu allen Überfluss war das Schachkid nun sauer und fauchte den armen Olaf Budach im Foyer des Spiellokals heftig wegen des Remises an und hielt ihm einen Moralvortrag über den nicht vorhandenen Mannschaftsgeist. Das Schachkid muss aber ehrlich zugeben, die Stellung des Olaf nicht durchschaut zu haben. Das Schachkid ist zwar im besten Mannesalter, kann sich in solchen Situationen aber dennoch wie ein trotziger Junge sehr emotional und anmaßend benehmen. Das Schachkid wird daher bei Gelegenheit mit der Vereinsmamsel (siehe letzter Rundenbericht) einen Kaffee trinken.

Die Partie Volker Heinrich sen. – Abraham Jegiasarjan plätscherte zäh vor sich hin. Nach einer Stunde waren erst wenige Züge gespielt, da trat der siegreiche Schatzmeister bereits die Heimfahrt an. Zwei Stunden später, der SV Briesen liegt mit .. hinten, versucht Heinrich, die remislich aussehende Partie herum zu reißen. In einem Turmendspiel mit zwei Türmen und einer desolaten Bauernstruktur ist dies schwierig, zumal der Briesener dann noch einen Turm tauscht. Andererseits hätte aufgrund der Isolani die Partie auch verloren gegangen können. Aber der Briesener beweist Sitzfleisch und reicht, zur vernehmlichen Erleichterung der Anwesendem, seinem Gegenüber die Hand zum Remis. Dies sichert mit 4,5 – 2,5 den Sieg der Gastgeber.

Die längste Partie des Tages lieferte das Schachkid. Es hatte für sich beschlossen, künftig jede Partie auszukämpfen und lehnte drei, wegen der ausgeglichenen Stellung durchaus berechtigte, Remisangebote des Gegners ab. Aber so lange die Damen noch auf dem Brett sind…

Viktor Weber und René Kellner quälten sich durch die Abtauschvariante der slawischen Verteidigung. Getreu dem Eröffnungsnamen tauschte sich bis auf diverse Bauern, die Damen und je einen Springer alles ab. Es folgte ein langes Lavieren. Beide Kontrahenten stellten wechselseitige Drohungen auf und suchten Angriffspunkte in der gegnerischen Stellung. Kellner wollte auf Sieg spielen, vermied im 20. Zug den Damentausch und ließ einen Bauerngewinn zu. Weber sah diesen nicht, und so ging es munter weiter mit dem Drohen und dem Gegendrohen. Nach 54 Zügen sahen beide Spieler der ausgeglichenen Stellung und der Realität ins Auge und einigten sich auf Remis. Ein verdienter 5-3 Sieg für die Königsjäger aus Bad Freienwalde.

Ein trauriger Tag für Briesen, die Serie der Unbesiegbaren endete nach 13 Punktspielen. Zeit, eine neue Serie zu beginnen. Schwierige Partien und viele Remis, ausgekämpfte Remis, bestimmten den Spieltag. Nach den besinnlichen Feiertagen und dem Jahreswechsel wird mit neuer Energie die Saison fortgesetzt.

SV Briesen im Dauerglück

Das Schachkid fuhr diesmal pünktlich los, es hatte sich die Haare nur gebürstet. Dafür wurde es gleich von Vicky mit dem Hinweis begrüßt, dass es wie Justin Bieber aussehe. Das Schachkid fand das eine oder andere Lied vom Bieber nicht so schlecht. Es weiß daher nicht recht, ob es beleidigt sein soll oder nicht.

Das Schachkid war hoch motiviert und glaubte an einen Sieg. Das Eröffnungstraining der letzten Wochen musste einen Sinn haben. Zur Einstimmung hörte das Schachkid Sunshine Live auf der Autobahn. Das Schachkid findet, dass Techno besonders gut auf dem Kampf am Brett einstimmt. Das Schachkid muss an dieser Stelle jedoch beklagen, dass am Ortseingangsschild von Briesen der digitale Radioempfang und somit Sunshine Live einbricht. Dies muss sich dringend ändern!

Zum fälligen Punktspiel der Regionalliga Ost empfing der SV Briesen die zweite Mannschaft des SV Preußen Frankfurt Oder. Die Steinchenrücker aus der Oderstadt reisten mit geballter schachlicher Erfahrung aus mehreren Jahrzehnten an. Das Schachkid schätzte das Durchschnittsalter der Mannschaft auf 60 Jahre. Einerseits freut sich das Schachkid, dass man auch noch nach so vielen Jahren Spaß am Schachspiel haben kann. Andererseits bedauert es das Schachkid zutiefst, dass dieser nette Verein keine Nachwuchsarbeit macht und in 20 Jahren daher wortwörtlich aussterben wird. Ein Schicksal, dass vermutlich vielen Schachvereinen ohne Nachwuchsarbeit in Deutschland droht.

Der SV Briesen ging durch den kampflosen Sieg von Olaf Burdach am zweiten Brett mangels Gegner zügig in Führung. Der Vereinschef nutzte die Gelegenheit, um Schachfreund Burdach das eigens geschaffene Amt der Kaffeemamsel zuzuweisen. Fortan wird Olaf, auch liebevoll der Buddha genannt, seine Mannschaft mit Kaffee versorgen. Das Schachkid empfiehlt die Anschaffung eines Schürzchens und eines Häubchens. Zumindest an diesem historischen Tag des Mauerfalls kam er dieser verantwortungsvollen Aufgabe nach.

Vicky Eue am dritten Brett lief mit neuer Brille und verschärften Durchblick auf, was ihr Gegner Dr. Fritzsche schnerzvoll zu spüren bekam. Nach einigen Abtausch etablierte die junge Briesenerin eine Bauernkette auf der Achse a7-d5. Neben dieser stabilen Struktur fand sich der weiße König von Dr. Fritzsche im Trommelfeuer der schwarzen Schwerfiguren wieder. Routiniert und überlegt wehrte der Frankfurter die gegnerischen Angriffe ab, verbrauchte dabei aber einen Großteil seiner Bedenkzeit. Vicky stellte den Gegner weiterhin vor komplexe Probleme und fuhr alsbald den Punkt ein.

Lothar Bindernagel am siebten Brett rochierte früh, öffnete dann aber seine Königsstellung durch Bauernzüge. Sein Gegner Jürgen Andexel nutzte dies, um einen starken Springer auf g6 zu postieren. Der Briesener wehrte sich heftig, konsolidierte seine Stellung und übersah dabei einen Bauerngewinn durch Abzug. Der Briesener Nestor postierte seine Türme und die Dame auf der f-Linie und übte heftigen Druck auf die weiße Königsstellung aus. Nach wilden Getümmel am Königsflügel fanden sich beide Seiten alsbald in einem Endspiel wieder, der Preuße aus Frankfurt (Oder) führte einen Springer gegen den Läufer des Brieseners. Schlussendlich einigte man sich auf Remis.

Wenig los war bei Marco Belling am fünften Brett. Frühzeitig tauschte man die Damen ab. In ruhiger Stellung lavierten beide Seiten hin und her, ohne nennenswerte Angriffschancen herausarbeiten zu können. Mit einem Remis waren beide Spieler zufrieden.

Die Nachwuchspunkerin Juliane Heinrich am achten Brett gewann frühzeitig einen Bauern, konnte diesen Stellungsvorteil aber nicht erhalten. Ihr Gegner Manfred Kohlmeyer, der älteste und erfahrenste Spieler der gegnerischen Mannschaft, spielte routiniert die Stellung weiter. Das Briesener Nesthäkchen suchte nach einen Gewinnweg, etablierte einen Bauerm e5 im gegnerischen Lager und warf forsch seine Königsbauern in die Schlacht. Leider ging dabei der Königsschutz verloren. Der gegnerische Altmeister gewann im anschließenden Scharmützel zwei Springer der jungen Briesenerin, die Partie war alsbald verloren.

Der große Bruder machte es besser. Philipp Heinrich am ersten Brett spielte eine sehr dynamische Partie. Beide Seiten hatten Freibauern auf gegensätzlichen Flügeln. Ein Bauernrennen schien die Entscheidung zu bringen. Der Frankfurter Jürgen Fritsch kämpfte verbissen und konnte die gegnerischen Freibauern eliminieren. Der Politikstudent spann derweil ein taktisches Netz um dem gegnerischen König herum und konnte einen Turm gewinnen. Der Gegner schwenkte die weiße Flagge, Punkt für Briesen.

Die familiäre Punktebilanz des Spieltages komplettierte Vater Heinrich am vierten Brett. Gegen Günter Müller entstand eine vom positionellen Kampf geprägte unübersichtliche Stellung. Nach drei Stunden und rauchenden Köpfen einigte man sich auf remis. Der Vereinschefs sicherte das 4:1, der SV Briesen konnte nicht mehr verlieren.

René Kellner am sechsten Brett packte seine bewährte englische Eröffnung aus. Gerd Scholz ließ sich nicht beirren und etablierte nach anfangs passiven Spiel ein starkes Bauernzentrum. Allein ließ die schwarze Spielführung den beherzten Angriff vermissen. Weiß konnte starken Druck auf der c-Linie ausüben und erste einen, dann noch einen Bauern gewinnen. Leider schlug dann eine Freudsche Übersprungshandlung zu. Das Schachkid wollte seinen Turm auf b6 stellen, zog aber nach a6. Der Führer der schwarzen Steine konnte sein Glück kaum fassen und schlug den ungedeckten Mehrbauern freudig heraus. Das Schachkid, von Lothar Bindernagel getröstet und wieder aufgebaut, sammelte sich mental, gewann den Bauern zurück und führte diesen bis zur 7. Reihe. Der verbissen kämpfende Frankfurter gab auf. Das Schachkid war mit der Partie trotz des mysteriösen Bauernzuges sehr zufrieden.

Fazit: Der SV Briesen gewann unerwartet hoch mit 5,5:2,5. Langsam wird es unheimlich. Der SV Briesen ist seit 12 Spielen ungeschlagen. Das schafft sonst nur der FC Bayern.

Psychokrieg in Müncheberg

Die wilden Schachhorden aus Briesen fielen am 12. Oktober 2014 in Müncheberg ein, um die dortige Mannschaft beim fälligen Punktspiel der Regionalliga Ost zu besiegen. Die Mannschaft befürchtete ein schweres Spiel und eine drohende Niederlage. Aber  der Vereinschef verstand es, seine Mannschaft zu motivieren. „Gewinnen wir in Müncheberg, gibt es nächsten Freitag ein Fest.“ so hallte sein Schlachtruf durch Briesen.

Das Schachkid kam leider etwas zu spät am Spiellokal an. Es hatte frühs einen Blick in den Spiegel geworfen und festgestellt, dass seine wallende Mähne dringend geordnet werden müsse. Also las es im Internet nach, wie man die Haare geschickt mit Haarwachs stylt und den Surferlook herstellt. Leider vergaß das Schachkid darüber die Zeit, und die Frisur war auch ruiniert.

Das erste, was dem Schachkid in Müncheberg auffiel, waren die vielen Straßennamen aus sozialistischen Zeiten. Das Schachkid fuhr durch eine Karl-Marx-Straße und das Spiellokal befand sich in der Ernst-Thälmann-Straße. Offensichtlich gibt es also Orte, wo nach der Wende nicht jede Straße panisch umbenannt wurde.

Das Schachkid traf am Ort des Geschehens ein und wurde von der Mannschaft freudig begrüßt, denn es war wie gesagt spät dran. Alle waren hochmotiviert, beim Berufspolitiker saß die Frisur. Der kann die Haare gelen, da wurde das Schachkid neidisch ob der eigenen mißratenen Frisur.

Es ging gut los, nach wenigen Minuten führte die Briesener Garde. Philipp Heinrich fuhr mangels Gegner seinen Punkt ein. Doch die Müncheberger hatten eine Geheimwaffe, DIE HEIZUNG. Selbige röhrte, pfiff und brummte mit der Lautstärke eines Güterzuges gute 90 Minuten vor sich hin. Der halbe Briesener Vertretung flüchtete sich nach jeden Zug auf die Straße. Der Müncheberger Jörn Gehrke war schon weiter und trug Ohrenstöpsel.

Zusätzlich erschwert wurden die Spiele durch den Umstand, dass die Müncheberger Uhren einfach nicht blinken, wenn man dran ist. Das Schachkid hat genau gesehen, dass es digitale Uhren waren, aber es blinkte nix. Auch die an der Wand hängende Keule ließ nix Gutes hoffen. Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, ob es nur Deko war.

Die Briesener Führung war alsbald dahin. Anja Braun musste sich am letzten Brett Mario Weihert geschlagen geben. Dieser gewann nach wilden Scharmützel im Mittelspiel die Qualität und Bauern und übte tödlichen Druck auf die Schwarze Stellung aus.

Friedlich und somit Remis trennten sich Volker Heinrich und Dr. Frank Garbin am dritten Brett. Mit festgelegten Bauernstrukturen auf dem Brett und ausgeglichenem Material war nicht mehr zu holen.

Das Müncheberger Nachwuchstalent Clemens Hoyer trumpfte gegen Lothar Bindernagel auf und hatte im Endspiel einen Freibauern auf der a-Linie vorzuweisen. Zusätzliches Argument war der Läufer von Clemens, der gegen einen Springer agierte. Der Briesener Nestor Bindernagel schaffte es, die Leichtfiguren abzutauschen und ein variables Bauernpaar zu bilden. Der Nachwuchs versuchte trickreich, einen der Freibauern en passant zu schlagen. Leider hatte er die falsche Reihe erwischt und so blieb der Freibauer wo er war, nämlich auf den Weg zur Dame. So wurde hier der Punkt für Briesen alsbald eingefahren.

Daniela Heinrich, die dritte Vertreterin aus der Briesener Schachdynasty vor Ort, musste sich in der sizilianischen Eröffnung gegen den stark aufspielenden André Kaiser behaupten. Beide Seiten lavierten im Mittelspiel lange hin und her und suchten nach Angriffspunkten in der gegnerischen Stellung. Der Müncheberger wurde fündig und konnte erst einen Springer, dann den Läufer erobern. Punkt und Ausgleich für Müncheberg.

Auch der Briesener Marco Belling am vierten Brett spielte eine stark taktisch geprägte Partie gegen seinen Mücheberger Kontrahenten Gehrke. Letzterer schlug beim Gegner auf d7 ein, gab die Qualität und hatte dafür vielversprechenden Angriff. Der schwarze König des Briesener Schatzmeisters sah sich plötzlich bloß gelegt vom gegnerischen Läuferpaar und der Dame umgeben. Nach langer und zäher Verteidigung musste Belling die Waffen strecken, Führung für Müncheberg.

Rene Kellner am fünften Brett hatte es mit Jürgen Winter zu tun, einen zäh verteidigenden Müncheberger Spieler. Kellner probierte die englische Eröffnung und versuchte, den schwarzen Damenflügel zu demontieren. Winter lavierte sorgsam mit seinem Figuren und hielt seine Bauern zusammen. Nicht hilfreich war, dass Kellner einen Bauerngewinn übersah. Nach langen Hin- und Hergeschiebe musste der Müncheberger sein Läuferpaar gegen die weißen Springer geben. Der Briesener wickelte ins Endspiel ab, öffnete Linien und brachte sein Läuferpaar zur Geltung. Gleichwohl bot sich für den Schwarzen die Möglichkeit, mit einem starken Schach und anschließenden Springeropfer auszugleichen. Doch die Chance wurde durch Winter vertan. Kellner konnte mit seinem König in die gegnerische Stellung eindringen und Bauern gewinnen. Ausgleich für Briesen.

Auf die Partie Nagler-Budach kam es nun an. Der Müncheberger Jörg Nagler ist in Briesener Kreisen als Angriffspieler gefürchtet. Doch mit dem Briesener Olaf Budach saß ihm ein kaltblütig agierender Gegner gegenüber. Beide Spieler schenkten sich nichts. Der Müncheberger drohte auf der h-Linie mit dem Turm einzubrechen. Doch der Briesener hielt seine Stellung zusammen und verteidigte zäh. Sorge bereitete die Bendekzeit von Budach. 10 Minuten für die komplizierte Stellung und den Rest der Partie standen mehr als eine Stunde Bedenkzeit des Münchebergers gegenüber. Der Zeitnotkrimi löste sich überraschend nach vier Stunden Spielzeit auf – Dreimalige Stellungswiederholung und somit Remis am zweiten Brett.

Das Schachkid ist mit seiner Partie halbwegs zufrieden. Im 21. Zug hat es einen Bauerngewinn übersehen. Der Gegner hatte im 34. Zug eine schöne Kombination mit einem scheinbaren Springeropfer drin, was aber die Qualität gewinnt. Das Schachkid ist froh, dass es der Gegner nicht gesehen hat.

Am Ende wurde es ein für beide Mannschaften ein verdientes 4:4, also kein Fest in Briesen? Aber vielleicht ein Festchen, also ein Fässchen? Das Schachkid wird berichten, wie sich der Vereinsschef aus der Affäire zieht.