Archiv für die Kategorie „Schach-Open“

Erfurter Schachfestival – Vergiftete Bauern

1. Tag des Amateurturniers in Erfurt. Das Schachkid ist die Nr. 1 der Setzliste. Nach unzähligen Versuchen bei den letzten Turnierteilnahmen scheint nun ein Turniersieg möglich, alles andere gar abstrus. Das Schachkid freut sich erstmal auf einen entspannten Tag. Zwei schnelle Siege sollten drin sein.

3,5 Stunden später… Das Schachid spielt immer noch. Der Schubi hat schon wieder remisiert und redet sich damit heraus, sein kleines Kampfkind, gegen das er spielen musste, habe viel besser gestanden. Zur Strafe darf Schubi in der nächsten Runde nicht im großen Turniersaal spielen.

Der Michael Müller spielt erst seit 1,5 Jahren Schach. Es mache ihm Spaß, sagt er. Und er spielt auch deutlich besser, als das seine 1190 vermuten lässt. Es wird Schottisch, der Blumenfeldt-Angriff. Das Schachkid kann sich nicht an die Variante erinnern. Stellt aber später erfreut fest, dass es die ganze eingeübte Variante korrekt gespielt hat.

Tragischer Held der Partie ist der Lc8, der nicht einmal zieht. 17. d6 wäre vermutlich der bessere Zug gewesen. Aber das Schachkid sieht ein gewonnes Endspiel mit Mehrbauern auf dem Brett. Und guckt nicht schlecht, als sich Schwarz den Mehrbauern sogleich wiederholt. 24. … Te5 ist dann sicher der entscheidende Fehler.Weiß gewinnt die Qualität. Schwarz gibt netterweise auf und quält sich nicht durch die folgenden Züge.

Man widmet sich nun dem Weihnachtsmarkt. Das Schachkid gibt dem Schubi bekannt, dieses Jahr keinesfalls ein Schachbuch zu kaufen. Es müsse noch die im letzten Jahr gekauften Bücher lesen.

Der Turnierdirektor verlost schon wieder Preise im Minutentakt. Ein Geburtstagskind erhält ein Jahresabo der Zeitschrift Schach64.  Die häufigste Turnierteilnahme wird belohnt (15 Mal). Wobei einige Schachfreunde noch häufiger teilgenommen haben, aber fairerweise nicht jedes Jahr abstauben sollen. EIn 1.000 € Gutschein für eine Schachkreuzfahrt mit Schacheisen Hickl wird auch noch verlost. Und jede Menge Schachmiezenkalender gibt es. Die Schachmiezen sind die am längsten spielenden Frauenbundesligamannschaft, wie der Turnierleiter preis gibt. Was den Nebenmann des Schachkids rausrutschen lässt, das müssten dann ja 90-jährige Jungfrauen sein.

Später am Tage

Der Rolf ist ein zäher Knochen und spielt gefühlt seit einem Jahrhundert Schach. Das Schachkid wundert sich und guckt. Nein, die Dame kann nicht gefangen werden. Und schlägt beherzt 10. … Dxb2. Ein Desaster… Rolf nutzt die Gelegenheit, in eine Stellungswiederholung überzuleiten und grinsend Remis anzubieten. Das Schachkid muss einwilligen, sonst ist die Dame weg. Wäre Sie auch nach 14. Sxc6 mit anschließenden Tf3.

Das Schachkid geht los und kauft beim anwesenden Schachhändler drei Schachbücher.

Der Schubi gewinnt und darf in der 3. Runde wieder vorne im Haupsaal spielen. Man ist schon um 17.15 Uhr fertig. Was macht man da mit dem angebrochenen Abend?

Man macht sich auf in den Schwarzburger Hof, der am 1.9.2018 dringend einen Nachfolger sucht. Überhaupt ist auffällig, dass in Erfurt viele Restaurants zugemacht haben, die Schubi und das Schachkid in den letzten Jahren besucht haben. Das Schachkid ist der Meinung, dass das Universum danach strebt, im Gleichgewicht zu bleiben. Vermutlich gleicht das Universum die Restaurantschließungen durch die Eröffnung von Dönerbuden und Nagelstudios von Asiaten wieder aus.

Sei es drum. Bei einem Bier sinnieren Schubi und das Schachkid über den Schachmiezenkalender. Ein Aktkalender mit schachspielenden Damen wäre mal was. Das Schachbrett könnte an strategisch wichtigen Stellen platziert werden. Vor den Kopf zum Beispiel, wie der Schubi meint.

Sauna und zwei Cocktails an der Bar beschließen den Abend.  Bleibt zu hoffen, dass es morgen besser läuft.

 

Erfurter Schachfestival – Her mit den Nüssen

Schon wieder ein Jahr rum, das Jahr wird im Erfurt beim Schachfestival beendet. Das Turnier hat schon wieder eine neue Rekordbeteiligung. Das Hotel platzt aus allen Nähten. Für das Schachkid lief das Jahr eher so lala, was man der DWZ auch ansieht. Zum Ausgleich darf das Schachkid das Armateuropen mitspielen. Dieses ist für Spieler für max. 1600 zugelassen. Könnte ein entspanntes Turnier werden.

Das Schachkid flaniert in die Hotellobby Der Turnierleiter Daniel Wanzek schaut sich nach Turnierteilnehmern um und wirkt im übrigen so smart wie immer. Der wird auch nicht älter.

Das Schachkid wohnt diesmal fast gahz oben in der 13. Etage mit Blick auf dem Dom. Schöner Blick, aber stümisch. Das Hotel ist offensichtlich wie das Schachkid der Meinung, dass Abnehmen im Dezember einfach keinen Sinn macht. Und stellt im Zimmer des Schachkids einen Teller mit Stollen und Lebkuchen hin.

teller_0

Das Programm für heute heißt Bar – Weihnachtsmarkt – Sauna – Bar. In der Bar sitzt tatsächlich die Sächsin vom letzten Jahr mit der furchtbar quäkenden Stimme und nervt das halbe Hotel. Das Schachkid bestellt Grünen Tee. Der Kellner bringt Pfefferminztee. Das Schachkid bestellt den grünen Tee nach. Das Schachkid, gastronomisch laienhaft geschult, checkt sogleich, das Hotel hat den Tee im Wasser versenkt. Das ist nicht schön, so kann der Gast nicht die Ziehzeit des Tees bestimmen. So schmeckt der Tee dann auch, er ist ungenießbar. Bitter und voller Gerbstoffe.

Das Schachkid begibt sich zum Weihnachtsmarkt. Der Stand mit Lebkuchen und Nüssen ist an Ort und Stelle, wo er hingehört. Das Schachkid guckt den Verkäufer schweigend an. Der guckt schweigend zurück und fängt an, Wasabinüsse einzupacken.  Nach 10 Jahren kennt man sich.

Das Schachkid wird sich nun an die Bar begeben und sich durch die Cocktailkarte trinken. Das Schachkid ist an Nr. 3 gesetzt, hat aber die höchste DWZ im C-Open. Da dürfte die erste Runde entspannt und der Turniersieg nur eine Frage von Taktik und Vermeidens von Einstellern sein.

 

25. Blickpunkt-Open in Frankfurt (Oder) – ein Desaster…

Text folgt!

 

25. Blickpunkt-Open in Frankfurt (Oder)

Das Schachkid machte sich auf, um von 15. bis 17. September das 25. Open in Frankfurt (Oder) mitzuspielen. Dieses Open ist recht klein und gemütlich und daher immer eine Reise wert. In diesem Jahr fehlen die ganz großen Spieler. Das Feld hat dafür eine angenehme Breite, wo jeder einen gleichwertigen Gegner findet.

Die 1. Runde lässt das Schachkid aus um fit in die zweite Runde einzusteigen. Es geht gegen Andreas Winkler, Der Preuße, er ist vom SC Preußen, hat mit dem Schachkid schon fünf Mal die Klingen gekreuzt. Mal ging es Remis, mal gewann der eine und mal der andere.

Das Schachkid kommt wie immer auf den letzten Pfiff, genauer gesagt zwei Minuten nach der Karenzzeit, was er Gegner dankenswerterweise toleriert. Er hätte durchaus auf den Gewinn bestehen können, ein feiner Zug vom Andreas.

Es kommt der klassische Najdorf auf Brett.  Mit 12.Lf3 setzt Weiß nicht konsequent fort. Im Najdorf gilt es, aggressiv zu spielen.  12.g4 wäre auf Angriff gepolt gewesen. 14. B4 begeistert nicht, denn es lässt einen Bauern stehen. Das Schachkid ist begeistert und hofft, langfristig noch den Bc3 zu gewinnen. 23. Tg3 hat das Schachkid völlig übersehen. Wenn noch 24. De5 kommt, muss Schwarz schon mit Txd4 die Qualität geben.

Die Partie entwickelt sich gut. Es gelingt Schwarz, den gegnerischen schwarzfeldrigen Läufer abzutauschen. Nun fix überlegt und durchgezählt. Der Bc3 ist dreimal angegriffen, aber nur zweimal verteidigt. Schwarz nimmt begeistert den Bauern, aber Weiß nimmt einfach mit den Turm zurück und Schwarz kann nicht wieder nehmen. Dumm gelaufen… Mit 29. …Te4 hätte Schwaz einen zweiten Bauern gewonnen und anschließend gutes Spiel gehabt.

Mittagspause, Zeit die rustikalen Köstlichkeiten der Sportlerkneipe auszutesten. Die Bar empfiehlt Potsdamer, Bier mit roter Fassbrause. Das kennt das Schachkid noch nicht findet es aber großartig. Die Frage nach etwas Süßen kontert der Barkeeper mit Eierlikör im Schokobecher. Zwei gehen mindestens.

Das Schachkid startet leicht beschwingt, um nicht zu sagen am schwankenden Brett in die 2. Runde gegen Cordelia Koppe aus dem schönen Rüdersdorf, was heute lange nicht mehr so staubig wie zu DDR-Zeiten ist.Mittlerweile sitzt man im Nebenzimmer, wo quasi die genullten Spieler hin müssen. Dafür sitzt man bequemer.

Schottisch, kleine Zugumstellung, Blumenfeldtangriff. So fühlt es sich also an, wenn man sich in einer Eröffnung auskennt und man ein gewisses Stellungsgefühl hat. Das muss der Schachwizard, des Schachkids Ex-Trainer wohl gemeint haben, als er gang verzweifelt predigte, das Schachkid solle sich Eröffnungen anschauen.

Die gegnerische Dame wird gegen drei Leichtfiguren eingetauscht. Das kann Schwarz durchaus noch spielen- Ständig muss Weiß auf seine Dame achten. Aber nach 20. H2 wird Schwarz wohl doch noch eine Leichtfigur einbüßen. Schwarz übersieht jedoch ein einzügiges Matt. Alte Männerweisheit, vor Damen aus dem Hiterhalt muss man sich hüten.

 

 

19. Briesener Open – Remis überall

3.  Tag beim Briesener Open. Der Tag beginnt um 6.30 Uhr im Hotelbett mit einem Anruf bei 1&1, wo erstmal klargestellt wird, dass diese Seite doch bestehen bleibt und die ausgesprochene Kündigung zu widerrufen ist. Ausnahmsweise gerät das Schachkid mal an einen kompetenten und freundlichen Mitarbeiter, was bei 1&1 normalerweise gar nicht so einfach ist.

Auf den Tag wird sich eingestimmt mit Witzen von Wolfgang von der Lippe und Dr. Eckard von Hirschhausen. Das Schachkid ist ein Fan.

Das Schachkid ist heute etwas früh dran und räumt erstmal Kugelschreiber und Pullover ans Schachbrett. Danach erstmal Kaffee trinken und mit Vereinskollegen palavern und zurück ans Brett. Der Pullover ist weg. Wer bitte schön klaut denn einen Pullover? Später findet ihn das Schachkid in der Küche aufgehängt. Eine besorgte Mutter hat ihn gefunden und weggeräumt. Vor besorgten Müttern ist offensichtlich nichts sicher.

Heute geht es gegen Paul Schmidt. Das Schachkid hat gegen den sympathischen Mecklenburger bereits beim Neubrandenburger Open die Klingen gekreuzt. Damals einigte man sich auf Remis. Heute spielt Paul einen Drachen, das Schachkid kontert mit Maroczy.

Nach 13. … b5 sieht sich das Schachkid genötigt, doch mal nachzudenken. Es scheint allerlei zu drohen. Ta1 steht in der Läuferdiagonalen rum, Sc3 scheint doppelt und dreifach durch Turm, Dame und Läufer angegriffen zu sein. Das Schachkid holt sich einen Kaffee und beklagt sich bei der Frau des Vereinschefs über das drohende Ungemach.

Nach Abtausch scheint aber alles in Butter. !5. … Sd7 versteht das Schachkid nicht, es hätte eher mit Sxe4 gerechnet. So spielt das Schachkid zügig 17. Tac1 und hat leider das folgende Lb2 nicht gesehen. Wieder ein Zug zu wenig gerechnet, die alte Schwäche. 17. Scd4 wäre es wohl gewesen. Der Mecklenburger hat auch keine Skrupel, sich die Qualität zu nehmen. Immerhin kann sich das Schachkid die Qualität sichern.

Das Schachkid ist verschreckt, bietet probehalber Remis und ärgert sich später darüber. Es fehlt wieder einmal der Ehrgeiz am Brett. Fehlende Qualität hin oder her, Weiß hat das Läuferpaar. Und die verbundenen Freibauern auf der a- und b-Linie muss Schwarz erstmal aufhalten. Die Stellung ist vermutlich für beide Seiten chancenreich und ausgeglichen. Der Mecklenburger sieht es ähnlich und willigt vorsichtshalber ins Remis ein.

Muss also wieder die letzte Runde entscheiden, ob es ein gutes oder schlechtes Turnier wird. Problem nur dabei, in der letzten Runde ist das Schachkid immer so demotiviert. Es fehlt der Biss, das Schachkid hat keine Lust, sich noch anzustrengen.

Christine Gebhardt vom SC  Friedrichshagen wirkt dagegen sehr motiviert. Dieser Schachclub spielt im äußersten Südosten von Berlin in der Nähe von Köpenick. Das Schachkid war da mal zum Punktspiel. Man fährt ewig durch Berlin und glaubt gar nicht, dass man immer noch in Berlin ist.

Geschlossener Sizilianer, das Schachkid hat keinen Plan. Die Gegnerin wirkt kampfeslustig und knallt die Züge in einem Affentempo aufs Brett. Sie scheint sich auszukennen. Das Schachkid hat nicht mal Gelegenheit, durch die Gegend zu laufen.

Das Schachkid bietet probehalber mal Remis an und Weiß willigt tatsächlich ein. Wobei die Stellung für Schwarz durchaus kämpfenswert ist. Schwarz steht zwar gedrückt. Der weiße König steht aber auch reichlich windig. Und Schwarz hat das Läuferpaar. Öffnet sich die Stellung und der weiße Angriff kann abgewehrt werden, dann wird die Partie für Schwarz ein Selbstläufer.

Der Rollmops hat ein nicht so gutes Turnier gespielt, will es aber in der letzten Runde wissen. Er gibt richtig Gas und wird die letzte Partie des Turniers. In der Zeitnot reißt er die Stellung herum und holt sich denn Punkt, wie die riesige Zuschauermenge um das Brett herum gebannt verfolgt.

Der Schachwizard war auch dabei und hat ein sehr gutes Turnier gespielt. Nur ein Verlust gegen den Favoriten, es reicht fürs Treppchen und einen Pokal. Die DWZ springt auf einen neuen Rekord und nährt sich der 2100. Das Schachkid ahnt, das wird immer schwieriger, den Wizard einzuholen und überholen. Man braucht ja Ziele.

Insgesamt ein sehr schönes Turnier. Es besteht schon Vorfreude auf das 20. Briesener Open 2018. Spielerisch war das Turnier keine Katastrophe. Zumindest hat das Schachkid keine taktischen Einsteller gebracht. Aber eben die Partien auch nicht ausgekämpft. Auch wenn der 6. Platz ok ist, vom Remis schieben wird man zugebenermaßen nicht besser…

19. Briesener Open – Blitz und Donner

Am Samstag Morgen nach dem enttäuschenden Frühstücksbuffet geht in Fürstenwalde erstmal nix. Lauter ausländische LKW sind unterwegs. Als erfahrener Fürstenwalder weiß das Schachkid, da muss was auf der Autobahn passiert sein. Ist es auch, ein Gefahrguttransporter ist umgekippt. Das Schachkid beglückwünscht sich zur Entscheidung, vor Ort zu schlafen. Auf dieser bekloppten A12 ist ja immer was.

Seit 12 Jahren fährt das Schachkid beruflich und privat zwischen Potsdam und Fürstenwalde hin und her, Und jedes Jahr wird auf dieser bekloppen Autobahn gebaut, In den letzten Jahren hat mman auf zig Kilometern den Standstreifen erneuert. Um jetzt auf die glorreiche Idee zu kommen, man könne da doch dreispurig ausbauen. Was die Benvölkerung übrigens seit zig Jahren fordert, Wie gut, dass man den teuer erbauten Standstreifen dabei platt machen kann…

Arno Behtke aus Neubrandenburg ist er Gegner der 2. Runde. Man hat schon dreimal die Klingen gekreuzt, dreimal wars remis. Das Schachkid bereitet sich ausnahmsweise mal vor und schaut sich die Tarrasch-Variante in der französischen Verteidigung an. Leider weicht Schwarz im 5. Zug ab, wieder umsonst vorbereitet.

Das Schachkid schreibt diesen Text und wird von einem Unbekannten angequatscht, dass man morgen zwei Züge nacheinander machen wolle, ohne dass dies der Gegner merke. Ob dies erlaubt sei… Sowas kann das Schachkid ja gar nicht leiden, blöd von der Seite angequatscht zu werden.

Der Neubrandenburger lässt ein paar Bauern stehen, das Schachkid stellt diese fasst wieder ein. Schwarz greift aber nicht zu, im 25 Zug zum Beispiel. Da haben beide Seiten nicht so optimal gespielt.

Das Blitzturnier droht ein Desaster zu werden. Nur sechs Mann haben sich angemeldet. Im Vorjahr waren es fast 20 Mann. Das Schachkid ist extra losgefahren und hat schöne Preise gekauft jetzt bangt es um die Teilnehmer, zu wenige und zu viele Preise.

Nicht mal auf der Toilette hat man seine Ruhe, wenn man eine Sitzung machen will. Zuerst kommt ein Kind und rüttelt an jeder Tür, wird aber vom Vater zurückgepfiffen. Offensichtlich ist jede Box besetzt.

5 Minuten später. Das Schachkid stellt gerade fest, dass auf dem Klo kein Handyempfang besteht. Wie auf der Toilette auf Arbeit, nirgendwo kann man in Ruhe Spiegel Online lesen. Das Kind kommt zurück und findet eine freie Box. Kurz danach panisches Rufen nach dem Papa. Der Kuli sei ins Klo gefallen. Muss ein Edelkuli gewesen sein. Der Papa merkt an, ein Kuli gehöre nicht in die Gesäßtasche und wirkt auch sonst verstört ob dieser schockierenden Nachricht.  Das Schachkid hört es zwar planschen, kann aber nicht beurteilen, ob der Kuli aus der Kloschüssel gerettet wurde.

Immerhin reicht es mit 1,5 Punkte für Brett 3, wo schon ein Kind und angehender Jugendlicher namens Niclas Sperling wartet. Bei Kindern weiß man ja immer nicht, ob die wirklich wie ihre Zahl oder doch wesentlich besser spielen. Das Nachwuchsfedervieh spielt mit und ein klassischer Najdorf kommt aufs Brett.

17. Sg5 von Weiß kann nicht gut sein, nun kommt Schwarz zum Angriff. Versäumt es aber dabei leider, gute Züge zu machen. 19. …Td8 bietet sich zum Beispiel an, um durch die Fesselung den Läufer zu gewinnen. 20. … e4 sieht noch besser aus. Oder 22. … Db6 . Das Schachkid findet aber zielrichtig die richtigen Züge, sodass der Knabe auf der anderen Tischseite zielstrebig in ein Dauerschach bzw. Stellungswiederholung einleitet, was er clever erkannt hat.

Nach 3 Runden stehen 2 Remis und ein Sieg gegen jeweils schwächere Gegner zu Buche. (Der Kerl am Tisch mit der dummen Frage klopft gerade immer noch dumme Sprüche).  Kein Traumergebnis, aber auch keine totale Pleite. Während einer Partie in Ruhe bei jeden Zug nachzudenken, bleibt ein Problem. Mehr Taktiktrainng ist nötig!

Zum Blitz haben sich nun doch 11 Teilnehmer erbarmt, und dass gar nicht mal so wenig. Das Schachkid würde ja eine Tabelle veröffentichen, wenn diese nicht auf einen anderen PC wäre. Der Berliner Nachwuchs Jonas Kreutz gewinnt relativ klar das Blitzturnier mit 7,5 Punkten aus 11. Wobei das Schachkid für sich in Angriff nehmen kann, gegen den Turniersieger gewonnen zu haben. Wenn auch nur, weil Jonas ein Schach seines Königs übersieht.

Gegen Rollmops wird zum ersten Mal der Blumfeld-Angriff im Schotten ausprobiert, den sich das Schachkid angeguckt hat. Tatsächlich entwickelt sich eine turbulente Partie, die der Rollmops gewinnt.  Aber das ist ausbaufähig.

Das Schachkid landet auf Platz 8 und muss den Bierbrauer Carl Jacob durch die Halle jagen, weil dieser den Eierlikör gemopst hat. Diesen liebt das Schachkid, also den Eierlikör und nicht den Carl, und will ihn wieder haben. Anwesende Hipster sind ratlos und verstehen nicht, wie man Eierlikör trinken kann. Da fehlt es einfach an Lebenserfahrung.

19. Briesener Open – Auftakt für die neue Saison

Das 19. Briesener Open steht an, in diesem Jahr sehr spät, fast zum Ende des Sommers. Das Schachkid hat 5 Wochen, abgesehen von einem kleinen Schnellschachturnier kein Schach mehr gespielt. Also dient das Open der Saisonvorbereitung, wo auch immer diese stattfinden wird. Da ist das Schachkid noch ein wenig unentschlossen.

Das Open ist mit 148 Mann gut besetzt. Es fehlt diesmal vorne an Klasse, dafür ist halt mehr Masse.

Immerhin, das Schachkid will seine 1700 wiederhaben. Schlimm genug, dass es nicht für die A-Gruppe reicht. Also wird seit einer Woche jeden Tag bei http://www.chesstempo.com täglich eine Stunde Schachtraining gemacht.

Ehemals jugendliche Vereinsmitglieder sehen nun aus wie jugendliche Hipster. Aus Kindern werden Leute und man selbst wird alt. Das Schachkid überlegt angestrengt, sich die neue Adresse schachman.guru zuzulegen.

Das Schachkid nächtigt im Kaiserhof in Fürstenwalde. Das hätte sich das Schachkid auch nicht träumen lassen, mal in Fürstenwalde, wo es 8 Jahre gewohnt hat, im Hotel zu schlafen. Im Kaiserhof hat das Schachkid vor 11 Jahren seine erste Nacht in Fürstenwalde zugebracht. Damals war es furchtbar laut. Das hat sich offensichtlich in den letzten Jahren auch nicht geändert. Nur das Frühstücksbuffet ist schlechter geworden.

Es ist Sommer und das Schachkid friert sich zu Tode. So kalt ist es draußen, von wegen Klimaerwärmung. Diverse Schachspieler haben tatsächlich knöchelhohe Winterschuhe an. Vermutlich wieder so ein Hipsterding.

Gehrke sen. ist auch nicht da, wieder ein potenzieller Punkt weniger. Irgendwas ist ja immer.

Die erste Runde läuft gegen Wolfgang Kerber. Der Fürstenwalder spielt seit Jahren in keinem Verein, hat aber nix verlernt. Königsindisch, die Türme tauschen sich ab. Die Stellung ist unklar, obwohl das Schachkid glaubt, leicht schlechter zu stehen. In der Endstellung können sich die schwarzen Läufer gar nicht richtig bewegen. Die weißen Springer sind vermutlich in der geschlossenen Stellung besser. Weiß bietet Remis. Das Schachkid schläft schon wieder fast am Brett ein und schlägt daher umgehend ein. Abends spielen ist ganz schwierig.

Der  Auftrakt hätte schlimmer sein können.

Ramada-Cup – Whisky unterm Kilt

Anja ratzt, das Schachkid ist schon wach und beäufgt das Handy im Dunkeln. Erster Tag in Köln, das Schachkid geht als Schottischer Edelmann zum Frühstück. Der Rest geht seriös. Offensichtlich spielen keine Rheinländer mit. Die Eröffnung wird abgekürzt. Der Bürgermeister von Brühl erläutert, er sei nur da, um den Zwischenraum der närrischen Regentschaft zwischen den 11.11. und Aschermittwoch zu überbrücken. Der Vorsitzende des Schachverbandes schafft es in seiner Rede, Yoko Ono, John Lennon und das Schachspiel zu verbinden. Später haut er dem Schachkid auf die Schulter und teilt strahlend mit, er freue sich, einen Schotten zu sehen.

Anja spielt gegen einen blinden Gegner, was sicher ungewohnt ist. Das Schachkid holt der Anja ein Getränk. Die Kellnerin fragt interessiert, ob es dem Schachkid nicht zu kühl unterm Rock sei.

Das Schachkid spielt gegen eine Düsseldorfer. Das der sich nach Köln traut… Läuft nicht gut. Das Schachkid geht an die frusche Luft und wird aus der Raucherecke kritisiert, das die Beine aber mal enthaart werden müssten.

Wieder drinnen befragt eine ältere Dame 20 Minuten lang den Mitarbeiter an der Rezeption, wie der Fernseher zu bedienen sei. Dieser erklärt geduldig, die Pfeiltasten auf der Fernbedienung seien der entscheidende Faktor. Die ältere Dame zieht wütend und fluchend ab. Im Hintergrund hält ein zweiter Mitarbeiter seinen Computerbildschirm fest und haut seinen Kopf dagegen.

Das Schachkid verliert die Qualität, Anja spielt immer noch. Das Schachkid wandelt durch den Saal und ernet lobende Kommentare ob seiner „schönen Waden“.

Anja spielt und spielt und spielt… Das Schachid gibt auf und begibt sich in den zweiten Turniersaal. Zwei weibliche Schiris schauen das Schachkid interessiert an und wollen das Schachkid unter dem Kilt greifen. Die Damen sehen Entsetzen und mutmaßen, das Schachkid habe Angst…

Anja spielt immer noch, das Schachkid geht einkaufen.

Ramada-Cup – Kölle Alaaf

Das Schachkid und die Grand Dame des Schachs in Briesen, Anja, spielen den Ramada-Cup in Brühl mit. Man startet entspannt in Berlin. Die deutsche Bahn stiftet Verwirrung und hängt die Waggons des Zuges durcheinander. Anja findet nicht zum Schachkid. Dieses schleppt seinen schweren Koffer die Treppe hoch, die Rolltreppe geht mal wieder nicht. Praktischwerweise hält der durcheinander gewürfelte Zug quasi mit dem richtigen Waggon direkt vor em Schachkid. So sitzt dieses schon 10 Minuten, ehe Anja den Zug durchpflügt hat.

Weiter geht es mit den Pannen. Das Schachkid hat Hunger. Wie immer in solchen Situationen sorgt sich die Bahn um dei Gesundheit der Passagiere. Und hat im Speisewaagen eine Panne, nicht mal einen Schokoriegel. Anja spendet den ausgehungerten Schachkid einen Muffin.

Um 21.15 ist man da und hat 20 Minuten Zeit am HbF Köln. Das Schachkid knipst begeistert Fotos. Jede Menge Wooling, hier is wat los. Karneval in Köln. Anja drängelt, ab zum Bahnsteig zum Regio nach Brühl. Dort steht ein ICE, der sich gerade teilt. So muss es sein, wenn sich ein ICE wie eine Zelle vermehrt. Eine Hälfte fährt nach links, die andere nach rechts. Vom Regio keine Spur.

Keine Ansage nix. Die Anzeige verschwindet. Vermutlich ist es ein Harry-Potter-Zug. Das Schachkid hat dieses Jahr mitgedacht und schon am Nachmittag ein Taxi zum Brühler Bahnhof bestellt. Nutzt nun nix, da man in Köln festhängt. Das Schachkid fotografiert erstmal den Dom.

Draußen keine Taxis in Sicht, nur eine lange Schlange am Taxistand. Man läuft zur anderen Seite, auch hier keine Taxis. Also zurück laufen, Anja will nicht durch den Bahnhof, sondern drumherum laufen. Gegenüber der Rückseite des Kölner Bahnhofs sieht die Rückseite des Bahnhofs Zoo in Berlin regelrecht seriös aus.

Also nun den Zug um 22.36 bekommen. Der fällt ersatzlos aus. Die Ansage empfiehlt die Straßenbahn nach Bonn. Anja und das Schachkid befragen einen Bahnmitarbeiter nach der Straßenbahn.. Dieser meine, hier gäbe es nur eine U-Bahn. Der nächste befragte Mitarbeiter hält die Straßenbahn für eine S-Bahn und ist sehr empört ob der Zweifel des Duos Infernale. Man steigt zum Gleis der S-Bahn empor, das Bonn fährt nix. Man steigt ersatzweise in den Zug nach Köln-Deutz in den Zug. Vielleicht findet sich dort ein Taxi.

Fehlanzeige, Anja und das Schachkid irren zum Taxistand, Massen an Wartenden und keine Taxen. Es ist kurz vor Mitternacht, es ist kalt, dunkel und ein Orkan zieht auf. Ein wartender Mercedes ruft dem Duo Infernale zu, ob man gerade eine Taxe suche. Er habe einen Mietwagen. Oh Wunder, der liebe Gott hat ein Einsehen. Der Rheinländer berichtet begeistert von seinem antiken Schachcomputer Mephisto. Und hat außerdem vor Jahrem Dieter Gorny durch die Gegend gefahen, dem Chef des Musiksenders Viva, als das noch ein guter Sender war.

Kurz nach Mitternacht an der Rezeption. Es gibt keine Schlüssel, sondern neuerdings Chipkarten für das Zimmer. Anja ist begeistert, der Mitarbeiter am Empfang nicht. 10 Minuten nach Mitternacht hebt dieser zu einem epochalen Vortrag über den Vorteilen von Zimmerschlüsseln an. Anja guckt verzweifelt.

Halb eins nachts – man schläft endlich im Zimmer ein.

26. Erfurter Schachfestival – 360 Tage warten

Nachdem am Vortag nichts lief, kann es heute ja nur besser werden. Ein Kampfkind wartet. Vorher gilt es aus dem Zimmer auszuschecken. Was nicht ganz einfach ist, da das alle machen wollen. Und alle vor den Fahrstühlen stehen. Lange, sehr lange…. Es scheint nur ein Aufzug zu fahren, zwei scheinen kaputt und stecken geblieben  zu sein. Tage später wird das Schachkid feststellen, dass es noch seine Zimmerkarte hat. Diese wird das Schachkid, wenn es kommenden Sonntag im Turnierhotel nächtigt, gleich zurück geben.

Der kleine Ben hat ebenfalls starke 3,5 aus 7. Und die hatte er gegen beachtliche, da stärkere Gegner geholt. Das Schachkid konnte also nicht auf einen schnellen Sieg hoffen. Im Gegenteil, eher auf eine schwere Partie. Und so kam es denn auch. Die Eröffnung war kein Problem, Ben kannte sich aus. Insgesamt dachte der Kleine bei jeden Zug gründlich nach. Was das Schachkid daran merkte, dass der Kleine jeden taktischen Kniff im Ansatz verhinderte. Letzlich gelang ein solcher doch mit mit 24. Lh4. Aber danach dauerte es eine ganze Weile, bis der Punkt eingefahren war. Das war ein talentierter 10-jähriger, von dem man sicher noch hören wird.

Kein Jahr ohne Hugendubel. Der ist in Erfurt direkt am Anger und hat drei Etagen. Es ist wunderbar entspannend, in einem Buchladen zu gehen und dorgt zu stöbern.  Das Drama ist dabei, die großen Buchketten haben eine riesige Auswahl, machen aber die kleinen Einzelläden damit kaputt. Spezialisierung scheint das Geheimrezept zu sein. In Schmalkalden gibt es die wunderbare Buchhandlung Lesezeichen. In Berlin gibt es einige Krimibuchhandlungen, z.B. Miss Marple oder den wunderbaren Laden Prinz Eisenherz.

Die Siegerehrung naht. Selten sieht man so eine schicke Schiedsrichterriege wie hier. Im schicken Zwirn stehen sie neben der Bühne aufgereiht. Das Schachopen war dieses Jahr nicht mit ganz so vielen Titelträgern besetzt, dafür wirkt es internationaler. Es gewinnt tatsächlich ein Däne, der IM Jens Ove Friese-Nielsen.

Zusammenfassend war es ein schönes Open. Spielerisch ist das Schachkid leicht unzufrieden. Es lief nicht so schlecht mit 4,5 Puntken aus 8 Partien, aber auch nicht überragend. Das Hotel hatte seine üblichen Schwächen, lahme Bar und Fahrstühle, auf die man ewig warten musste. Insgesamt bietet das Hotel jedoch hervorragende Spielbedingungen.   Von Daniel Wanzek und seinem Team wurde das 26. Erfurter Schachfestival hervorragend organisiert und geräuchlos durchgeführt. Nun heißt es leider wieder 360 Tage warten bis zum nächsten Jahr…