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Blindpartien treiben in den Wahnsinn

Blindpartien treiben in den Wahnsinn – Diese kühne These verkündet die Tageszeitung Die Welt in einem heute veröffentlichten Artikel „Warum Schach erfolgreich und gesund macht“. Leider ist der Artikel nicht online verfügbar. Anlass ist eine Buchveröffentlichung „Damenopfer“ von Christian Hesse.

Schachspieler würrden eine besondere Ästhetik in dem Spiel sehen Kraftfelder spüren, die den Figuren abgehen. Über das Vertiefen in den König sei schon so mancher verrückt geworden. Insbesondere das Spielen von Blindpartien sei sehr kritisch. In Russland sei das daher teilweise schon verboten.

Diese These kann das Schachkid bestätigen, wenn es so manch schräge Gestalten bei Schachturnieren sieht. Und beglückwünscht sich dabei innerlich, dass es keine Blindpartien spielt.

Das Schachkid beim Vereins-Check in Potsdam

Des Schachkids vermutliche neue Wohnung in Potsdam ist noch nicht bezugsfertig. Sie wird noch gebaut. Immerhin, die Fenster wurden letzte Woche installiert. Zeit, sich mal in der Potsdamer Schachszene umzusehen.

Das Schachkid hat recherchiert und stellt fest, es gibt in Potsdam den USV Potsdam, Empor Potsdam und den PSV Potsdam. Alle Vereine betreiben eine mehr oder weniger optisch ansprechende Internetseite. Im Grunde genommen trifft auf alle das Attribut „“weniger“ zu. Es müsste doch ein leichtes sein, die Trainingszeiten zu recherchieren. Die Schachvereine wollen doch bestimmt neue Spieler anlocken.

Marketing geht anders. Beim USV sucht sich das Schachkid einen Wolf und wird dann durch Zufall unter „Kontakte“ fündig. Aber immerhin… Empor veröffentlicht den Trainingsort, aber keinen Wochentag oder eine Uhrzeit. Also schreibt das Schachkid eine Email, hat aber nach zwei Wochen immer noch keine Antwort. Hier ist man offensichtlich lieber unter sich. Bleibt der PSV,  auch hier sind keine Trainingszeiten zu finden, Aber nach 24h ist die Antwortemail da. Punkt für den PSV.

Am 7. Juli 2015 schlug das Schachkid beim Training des USV auf. Von 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr sollte selbiges sein, um 19.15 Uhr war das Schachkid da. Immerhin drei Mann waren anwesend. Der Verein hat mehr als 60 Mitglieder. Was sagt die geringe Beteiligung am Training über den Verein aus? Der USV spielt in einem Seminarraum an der FH Potsdam, die schon merklich bessere Tage gesehen hat. Kurz, ein Ort zum Gruseln.

Das Schachkid schaut zwei Senioren beim Blitzen zu, ein Jugendlicher mit einem Go-Spiel ist noch da. Dieser entschwindet wort- und grußlos aber sogleich. Da fragt sich das Schachkid schon, was es von so Unhöflichkeiten halten soll. Nun darf das Schachkid mal ran und blitzt, der andere Spieler geht nun auch heim. Nach zwei Spielen und Anschweigen hat das Schachkid die Nase voll und geht auch.

Das Schachkid fragt sich schon, was da los ist, wenn ein Verein mit 60 Mitgliedern einen so lauen Trainingsabend ohne Beteiligung hat. Komisch findet das Schachkid auch, wenn es als neuer Besucher kaum angesprochen oder gefragt wird, was es eigentlich vor Ort will. Sicher, dieser eine Augenblick war nur eine Momentaufnahme und erscheint kaum geeignet, einen Verein zu beurteilen. Und eine gute Jugendarbeit scheint auch zu laufen, was grundsätzlich für jeden Verein spricht, der Jugendarbeit macht. Allein, das Schachkid bleibt mißtrauisch und schaut sich weiter um.

Zwei Schachvereine – zwei Welten und die erste Liebe

5. bis 7. Juni 2015, ein Wochenende, zwei Schachvereine, zwei Hauptversammlunngen incl. Vereinsfest oder Minifest, zwei Welten. So scheint es dem Schachkid. Wobei sich das Schachkid nicht ganz sicher ist, ob wirklich eine der beiden Welten, ergo einer der beiden Schachvereine, besser ist. Eine sehr subjektiv geprägte Sicht.

Hier der SV Briesen, der zweite Verein des Schachkids, in dem es in seinen Leben Mitglied war. Man trifft sich in der Bahnhofskneipe, die im Grunde genommen ein sehr schickes Restaurant und schön saniert ist. Dazu steht im krassen Gegensatz die Küche. Egal, was die anwesenden Vereinsmitglieder bestellen (Schnitzel, Fisch, Hühnchen), es ist alles fritiert und sieht gleich aus und kommt vermutlich aus der gleichen Friteuse.

Der SV Schmalkalden 04 bevorzugt das Modell handgemacht. Hier hat das Schachkid das Schachspiel erlernt und wurde sozialisiert. Man trifft sich im Garten eines Vereinsmitgliedes. Es gibt Torte vom Bäcker, Gehacktesbrötchen (Schachkid hat keines bekommen), Bier vom Fass und Bratwürste sowie Rostbrätl vom Grill. 1:0 für Schmalkalden.

Briesen hat 35 Mitglieder, ungefähr 10 Mann sind da. Schmalkalden hat 22 Mitglieder, und es sind 24 Mann da. Wofür spricht das? Entweder liegt es daran, dass Briesen Freitags und Schmalkalden Samstags feiert. Oder in Schmalkalden ist der Zusammenhalt besser, 2:0 für Schmalkalden.

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Der glorreiche SV Schmalkalden 04

In Briesen sitzen zwei Jugendliche am Tisch, in Schmalkalden einer, wenn man die drei Studenten mal nicht als Nachwuchs mitzählt. Briesen hat Nachwuchs in der Hinterhand, Schmalkalden konnte faktisch in den letzten 10 Jahren keinen Nachwuchs binden und lebt gewissermaßen von der Substanz. Punkt für Briesen, 2:1 für Schmalkalden.

Briesen feiert 25-jähriges Jubiläum, der SV Schmalkalden ist schon 111 Jahre alt. Klar Sieg für Schmalkalden, 3:1.

Der SV Briesen har einen mittelalten Vorstand, der soverän und mit Humor arbeitet. Hier hat es schon vor Jahren mit dem Generationswechsel geklappt. Schmalkalden hat ein Vorstandsduo, beide seit 40 Jahren im Amt. Das sorgte für konstante Arbeit. Aber nun muss der Staffelstab übergeben werden. Dies ist am 6.6.2015 erfolgt. Die mittelalte Jugend ist motiviert, ein bißchen ängstlich. Bei dem einen oder anderen muss man noch etwas Motivationshilfe leisten. Aber der erste Schritt ist getan. Den Rest wird die Zukunft zeigen. Punkt für Beide, es steht 4:2 für Schmalkalden.

Beim SV Briesen geht es zügig durch die Tagesordnung, es gibbt auch wenig Diskussionsbedarf. Man ist harmonisch miteinander. Mein SV Schmalkalden 04 gibt das Schachkid den Versammlungsleiter und muss mehrmals Ruhe brüllen. Zwischendurch muss fast ein eine kleine Schlägerei verhindert werden. Man ist sich uneins wegen der Schachuhren. Später trinkt man Bier zusammen. Die Tagesordnung ist lang. Schmalkalden übernimmt von Briesen die Idee, dass der das Protokoll schreibt, der als letztes kommt. Steht sogar in der Tagesordnung. Punkt für Beide, 5:3 für Schmalkalden.

Beim SV Briesen fängt man um 18.00 Uhr an, um 20.30 Uhr ist schon alles in Auflösung begriffen. Beim SV Schmalkalden 04 geht es um 14.00 Uhr los. Um 22.30 Uhr sitzt immer noch die Hälfte der Anwesenden rum und pflegt die Thüringer Traditionen: Bier trinken, Bratwurst essen und Skat und Doppelkopf spielen. Das Schachkid verliert, 1,20 €. Ganz klar ein Punkt für Schmalkalden, wegen des Skatspiels gibt es noch einen Bonuspunkt.

Klarer Sieg für Schmalkalden mit 7:4, aber etwas anderes wäre auch undenkbar. Mit dem ersten Schachverein ist es wie mit der ersten Liebe. Man vergisst sie nie.

Trainerblog

Der Trainer des Schachkids betreibt auch einen Blog und berichtet regelmäßig von seinem Schützling. Das Schachkid drückt für die Deutsche Jugendmeisterschaft die Daumen.

Gute Aktionen, nackte Tatsachen und anderes Tolles

Diese Woche stieß das Schachkid auf eine tolle Aktion der Deutschen Schachjugend „15 Titelträger für 15 Jahre“. Die Deutsche Schachjugend koopertiert seit 15 Jahren mit dem Kinderhilfswerk terre des hommes. Aus diesem Anlass gibt es eine ganz besondere Idee. Es stellen sich 15 starke Spieler für Simultanveranstaltungen zur Verfügung. Schachvereine können sich bewerben. Das erhobene Startgeld der Spieler spendet die Deutsche Schachjugend an das Kinderhilfswerk. Die Titelträger verzichten auf ein Antrittsgeld. Nur die Reisekosten trägt der einladende Verein. Eine tolle Sache findet das Schachkid. Man tut Gutes, veranstaltet als Verein einen Schachevent mit breiter Öffentlichkeitswirkung und  kommt nie wieder so günstig an einen starken Spieler für ein Simultan heran.

Das Schachkid erinnert sich auch an abenteuerliche Kooperationen der Deutschen Schachjugend. So gab es eine enge Zusammenarbeit mit der FKK-Jugend. Seminare wurden beispielsweise veranstaltet. Die Deutsche Schützenjugend war auch dabei. Das Schachkid findet es gut, wenn verbandsübergreifend derartiges statt findet. Dennoch ist das Schachkid sehr amüsiert. Es stellt sich nackte Schachspieler am Schachbrett vor, die nach jedem Schachgebot einen Böllerschuss abgeben. Dies ist ein ernsthaftes Problem. Schließlich ist Schach ein sehr stiller Sport. Auch ist sich das Schachkid nicht sicher, ob es FKK-Schachspieler sehen mag. Immerhin ist Schach ein geistreicher, aber nicht sehr körperbetonter Sport. Die Aussichten könnten daher nicht so optimal sein.

Ausprobieren könnte dies, wer es mag, vielleicht in Frankeich. Die Internationalen Meister Rike Wohlers-Armas und Luilus Armas betreiben einen Schach-Campingplatz „La Rochade„. Auf dem Medoc gelegen, eine Halbinsel im Südwesten Frankreichs, findet der geneigte Schachspieler Ruhe und Erholung. Im Camp selber werden Schachaktivitäten wie kleine Turniere und Weinverkostungen angeboten. Die schöne Atlantikküste ist nicht weit weg. Das Schachkid überlegt ernsthaft, ob es dort in diesem Jahr Urlaub macht.

Auch Training hat das Schachkid gemacht und sich seine Partien angeschaut. Zwei Exoten waren dabei. Einmal hat der weiße Spieler mit f4 eröffnet, ein anderes Mal mit Sc3. Das Schachkid hat sich daher erstmal zwei Bücher bestellt und harrt der Dinge, die da nun via Post kommen.

 

Rochade Europa am Scheideweg?

Das Schachkid hat seit vielen Jahren die Rochade Europa im Abo. Das Schachkid ist mit der Rochade aufgewachsen. Der ehemalige Öffentlichkeitsreferent des Thüringer Schachbundes war einst Mitarbeiter der Rochade. Diese residierte viele Jahre in Sömmerda in Thüringen, dem heimatlichen Bundesland des Schachkids. 2002 hatte das Schachkid sogar ein Vorstellungsgespräch bei der Rochade samt Besichtigung der Druckerei. Das Schachkid wäre sogar eingestellt worden. Aber das Schachkid hatte beschlossen, sich beruflich dem Datenschutz zu widmen. Aber schon interessant, wie das Leben des Schachkids als Mitarbeiter einer Schachzeitung verlaufen wäre…

Seit jeher wird die Rochade Europa von der Schachgemeinde kontrovers diskutiert. Leser mögen den umfangreichen Turnierkalender. Viele Landesverbände publizieren ihre Neuigkeiten. Die thematische Vielfalt suchte ihresgleichen. Nicht zuletzt der günstige Preis machte die Rochade beliebt.

Auf der anderen Seite stehen viele journalistische Schwächen, die die Leser manchmal zweifeln ließen. Das Papier war dünn, die Seiten nur in Schwarz-Weiß. Das farbige Cover vor einigen Jahren war schon eine kleine Revolution.

Legendär ist ein Cover eines Spielers bei einer Siegerehrung mit feuchten Flecken auf der Hose. Dafür gab es 2013 eine Rüge des Deutschen Presserates. Sowas schafft sonst eher die Bildzeitung.

Manche Inhalte hatten wenig mit Schach zu tun. Es werden seitenlange Tipps gegeben, welche Browser oder Antivirenprogramme genutzt werden sollen. Nicht unbedingt Kernthemen einer Schachzeitung.

Internetseiten werden vorgestellt, die zwar schachlichen Charakter haben, aber den geneigten Leser wenig interessieren. Und zwar dann, wenn es um die Seite eines regionalen Schachvereins geht. Das Schachkid selber hatte mal auf der Seite der Thüringer Schachjugend eine Rubrik „Schachseite des Monats“.  Hier hatte ein freier Autor der Rochade vom Schachkid ganz frech abgeschrieben und vom Schachkid schamlos kopiert.

Legendär sind die Ausflüge und Bilderstrecken des Schachmodels Regina. Geschmack ist ja sehr indiduell und Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Aber das Schachkid fand die Beschreibung Schachmodel schon gewagt.

Die Artikel des Autors Peter Krystufek ließen das Schachkid manchmal zweifeln. Der Autor berichtete von Turnieren, beschrieb aber auf drei Seiten zunächst mal seine Anreise und das Wetter. Belangloses, was den  Leser nicht interessiert.

Ein Highlight war immer die Computerschachschule von Carsten …, der regelmäßig Schachprogramme zerlegte und die Partien stolz präsentierte. Manche Leser halten diesen Spieler für einen Gott, andere für einen Komiker. Unterhaltsam war es allemal.

Die Internetseite der Rochade war, nun ja, was war sie eigentlich? Es waren die Ausgaben der Rochade darauf gelistet, mehr aber nicht.

All diese Absurditäten und Kuriositäten machten die Schachzeitung schon wieder zu etwas Besonderen. Keine durchgestylte Zeitschrift war die Rochade, sondern eine liebevoll gemachte Zeitung mit Macken. Als Leser fühlte man sich wie in einer Ehe. Man geht sich auf den Keks, hat sich aber doch aneinander gewöhnt.

Seit 1.1.2015 wird die Rochade Europa nun von der Sensei Handels GmbH herausgegeben. Dieser kleine Verlag hat eher Bücher aus dem Sparten Gesundheit und Kampfsport im Programm. Titel wie „Bandscheibengeflüster“ und „Bruce Lee’s Nunchaku in Action“ lassen aufhorchen. Aber es gibt mit „Die Königsindisch Bibel“ auch ein Schachbuch im Verlagsprogramm.

Wie im Internet hier und da zu lesen ist, soll sich die Rochade nun stark verändern. Die Seite sollen bunter, die Inhalte straffer (mehr Text und weniger seitenlange Tabellen?) und die Regionalteile eingestampft bzw. zu einem Deutschlandteil zusammen gefasst werden?

Schon liest man im Internet wieder viele Kommentare, die die geplanten Änderungen sehr kritisch sehen. Das Schachkid glaubt aber, dass man dieser neuen Rochade eine Chance geben sollte. Möglicherweise kämpft die Zeitung gar ums wirtschaftliche Überleben.

Fakt ist, dass die  Zeitungsbranche einem starken Wandel unterworfen ist. Verkäufe von Zeitungen gehen zurück. Der Leser hat sich an kostenlose Inhalte im Internet gewöhnt. Das wirkt sich auf Zeitungen und Zeitschriften negativ aus, erst Recht auf Nischenblätter wie eine Schachzeitung.

Die Rochade hatte ihre Schwächen und war nicht mehr zeitgemäß. Möchte eine Schachzeitung überleben, ist Qualität und die Konzentration auf ihre Kernthemen gefragt. Das Geschäftsmodell, die billigste Schachzeitung am Markt zu sein und durch eine große Anzahl von Verkäufen zu leben, scheint fragwürdig. Zumindest in anderen Branchen sieht man, dass derartige Geschäftsmodelle bei einem eng begrenzten Absatzmarkt schwierig durchzusetzen sind.

Ein Relaunch der Rochade, eine inhaltliche Straffung und vielleicht die Entwicklung einer lebendigen Internetseite sind Schritte, die der Rochade gut tun werden. Das Schachkid ist jedenfalls gespannt auf die neue Rochade und hat daher heute sein Jahresabo verlängert.

Quo Vadis Schachvereine?

Das Vereinssterben ist ein Phänomen, was im Schachsport erschreckend um sich greift. Das Schachkid ist in den 90er Jahren aufgewachsen. In Thüringen gab es viele kleine Schachvereine. Dies hatte sicherlich historische Gründe. Möglicherweise war in der ehemaligen DDR das Vereinsleben sehr ausgeprägt. Man konnte nicht weg und schuf sich eine kleine Heimat.

Viele dieser kleinen Vereine retteten sich über die Wende, und nun begann die unterschiedliche Entwicklung der Schachvereine. Einige begannen, Nachwuchsarbeit zu leisten und entwickelten sich zu Zentren des Schachsports. Viele Vereine machten jedoch keine Nachwuchsarbeit. Mitglieder starben oder zogen um. Schließlich lösten sich viele Vereine in Südthüringen auf. Das Schachkid denkt mit Bedauern daran, dass das noch nicht das Ende ist.

1996 reiste das Schachkid nach Franken zu einem Turnier und fand sich in einer anderen Schachwelt wieder. Hier gab es nur wenige Vereine in mittelgroßen Städten. Diese hatten aber eine beachtliche Größe. Als Bewohner Frankens musste man unter Umständen aber schon einmal 25 km zum nächsten Verein fahren. Hatte hier schon die Vereinskonzentration statt gefunden, die Thüringen gerade lief?

Eine ganz andere Kultur erlebte das Schachkid 1999/2000 in Bonn und später auch in Berlin. Hier gab es Betriebssportvereine, die sich jedoch auch betriebsfremden Mitgliedern offen zeigten. So spielte das Schachkid einige Monate bei der Betriebssportgemeinschaft des Deutschen Bundestages mit, der seinerzeit noch in Bonn saß. Einmal bekam das Schachkid eine Privatführung durch den Bundestag und nahm auf den Stuhl des Kanzlers Platz.

Die Kultur der Betriebssportvereine ist offensichtlich vornehmlich eine Erscheinung der alten Bundesländer. Aber das Schachkid hat auch hier den Eindruck, dass diese Vereine langsam überaltern und aussterben. Auch in der DDR schien es Betriebsschach gegeben zu haben. Die Betriebe machten dicht, die Vereine retten sich über die Wende. Manche, wie Gaselan Fürstenwalde, lösten sich auf. Andere wie der SV Briesen überlebten.

Geradezu eine apokalyptische Situation fand das Schachkid in Brandenburg vor, Hier gibt es Landkreise, wo nur einen oder gar keinen Schachverein gibt. Andererseits gibt es Neugründungen wie den SV Leegebruch, der in diesem Jahr 10-jähriges Jubiläum feiert.

Doch woran liegt es? Lässt die Gesellschaft, der Druck durch Job und Familie, kein Engagement im Verein mehr zu? Oder sind Vereine einfach out und haben sich überlebt? Selbst in seiner Heimat erlebte das Schachkid dramatisches.

Das Schachkid nutzte seinen Heimaturlaub, um bei seinem alten Schachverein vorbei zuschauen. Hier hatte das Schachkid anno 1991 begonnen, Schach  zu lernen.

Der Verein wurde 1904 gegründet und feierte heuer sein 110-jähriges Jubiläum. Der größte Sportverein in der Heimat des Schachkids deckt viele Sportarten ab, darunter neben dem sehr populären Judo auch Exotisches wie Orientierungslauf und eben Schach.

In den 90er Jahren hatte die Schachabteilung eine hohe Blüte erreicht, was nicht zuletzt Verdienst des Abteilungsleiters war. Dieser war viele Jahre als Lehrer tätig und hat viele Kinder und Jugendliche für Schach begeistert, u.a. auch das Schachkid. Seinerzeit hatte der Verein eine sehr starke Jugendabteilung und hohe Mitgliederanzahl. Heute hat der Verein noch beachtliche 30 Mitglieder.

Das Schachkid war erschüttert, als es nun auf seinen Verein und die laufende Diskussion traf. Der Schatzmeister ist 80 Jahre alt, der Vorsitzende 70 Jahre, beide gesundheitlich angeschlagen. An beiden Personen hängt jedoch die gesamte Vereinsarbeit. Beide wollen verständlicherweise ihre Ämter abgeben. Allein, es findet sich keiner, der es machen will.

Das ist umso unverständlicher, da der Verein über eine durchaus gesunde Mitgliederstruktur verfügt. Zwar fehlt es an Nachwuchs. Aber vor allem die Generation der 30-50-jährigen ist stark vertreten. Viele wohnen und arbeiten in der Umgebung. Nicht alle haben Familie. Beste Voraussetzungen, die Vorstandsarbeit auf breite Schultern zu verteilen. Allein es fehlt die Bereitschaft, ein Amt zu übernehmen oder gar Nachwuchsarbeit zu leisten.

Wie kann es soweit kommen? Über mehrere Jahrzehnte haben die gleichen Personen ehrenamtlich die Vorstandsarbeit geleistet und viel für den Schachverein getan. Haben Sie so gut gearbeitet, dass andere Vereinsmitglieder sich nicht berufen fühlten, mitzuarbeiten? Oder haben die handelnden Personen es versäumt, Arbeit abzugeben, die Arbeit in Teilaufgaben auf einen größeren Personenkreis zu verteilen? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Der Leser wird aber die Situation aus seinem eigenen Verein kennen. Oftmals hängt das Vereinsleben am Engagement einzelner Personen.

Das Schachkid sieht dies mit Trauer. Schließlich hat es bei seinem ehemaligen Verein das Schachspiel erlernt, hatte viele fröhliche Stunden und traf hier auch eine große Liebe. Aber das Schachkid prophezeit, dass es diesen Verein in zwei Jahren nicht mehr geben wird, wenn manche Vereinsmitglieder nicht bald aufwachen und etwas Biss und Engagement zeigen. Bei Einzelnen ist zu erkennen, dass sie wollen, aber sich nicht recht trauen, die Dinge beherzt in die Hand zu nehmen. Das Schachkid drückt die Daumen und wünscht sich inständig, dass sich seine Prophezeiung nicht erfüllt.

Liebenswerte Verrückte bei Schacharena-Treffen

Am 15.11.2014 fuhr das Schachkid zum Berliner Usertreffen der Internetseite Schacharena. Diese Seite bietet verschiedene Möglichkeiten des Schachspieles. Das Schachkid wird die Seite in einen anderen Artikel ausführlich vorstellen. Neben Vereinsspielern tummeln sich hier in der Mehrheit Freizeitspieler, die nicht an einen Verein gebunden sind und Schach Just for Fun spielen. Entsprechend locker und unverkrampft geht es hier zu, während Vereinsspieler oft ehrgeizig und etwas verbissen sind. Um die Schacharena herum hat sich eine Community gebildet, die sich bundesweit zum Stammtisch trifft.

Heuer traf man sich im Brauhaus Lemke gegenüber dem schönen Schloss Chalottenburg. Das Brauhaus Lemke glänzt durch eine gewisse Rustikalität, leckere Steackteller und hausgemachtes Bier. Sowas mag das Schachkid.

Beim Usertreffen findet sich alles ein, Männlein wie Weiblein, von 14 bis 70 Jahren. Nach gemeinsamen Essen ging es zum Spaziergang und Führung durch den schönen Schlosspark des Schlosses Charlottenburg. Nur schade, dass der Weihnachtsmarkt noch nicht offen war. Das Schachkid und die Märchenfee, Organisatorin des Usertreffens und meistgeklicktes Profil 2014 bei Schacharena, versuchten, ein gemeinsames Selfie zu machen.  10 Fotos, 10 mal Bäume fotografiert. Passanten eilten zu Hilfe.

Nun ging es hoch her im Brauhaus Lemke. Ein Schnellschachturnier wurde veranstaltet. Anwesende Gäste schauten erstaunt zu. Herrlich ungewzungen lief das Turnier ab. So ganz anders als von Vereinen organisierte Schachturniere. Das Schachkid landete im Mittelfeld und gewann eine Wasserwaage. Darauf ist das Schachkid sehr stolz, denn es besaß noch keine Wasserwaage.

Zwischenzeitlich tauchte auch der Schachwizard auf und komplettierte die Runde. Gutes Timing, denn man wechselte zum Skat über. Der Schachwizard hat sich zu einem passablen Skatspieler entwickelt, aber hier hat das Schachkid mal die Nase vorne. Denn das Schachkid kommt aus Thüringen, dem Mutterland des Skats, wo man selbiges mit der Muttermilch aufsaugt.

Das Schachspieler ehrliche und nette Menschen sind, zeigte sich hinterher. Das Schachkid hatte sein geliebtes Schachbrett vergessen. Dieses hat es vor 25 Jahren von seiner Oma geschenkt bekommen. Damit hat das Schachkid das Schachspiel erlernt. Das Schachbrett besitzt einen gewissen ideellen Wert. Prompt meldete sich am nächsten Tag ein Spieler beim Schachkid und verkündete, er habe das Schachbrett mitgenommen. Wenige Tage später bekam das Schachkid sein Brett zugeschickt.

Das Schachkid freut sich schon auf das nächste Usertreffen und möchte jeden Interessierten die Schacharena samt Usertreffen empfehlen.

Gedanken zum Jahreswechsel 2014/15

Silvester steht an. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Das Schachkid führt diesen Blog seit nun 3 Monaten. Anlass war ein Besuch des Schachkids beim Open in Pardubice im Sommer 2014. Dort traf das Schachkid auf den Schachwizard. Dieser inspirierte und motivierte das Schachkid, nach Jahren des Stillstands, Schach zu trainieren.

Nach dem Desaster von Pardubice war das Schachkid bei 1507 DWZ gelandet. Beim Forchheimer Sparkassenopen Ende September 2014 ging es noch mal runter auf 1497. Zeit, zum Jahreswechsel Bilanz zu ziehen.

Das Schachkid hat drei erfolgreiche Turniere in Falkensee, Magdeburg und Erfurt gespielt und sich bis Jahresende auf 1584 DWZ hochgearbeitet. Von seinen Ziel, auf die 1700 zuzusteuern, ist das Schachkid aber weit entfernt. Im Gegenteil musste das Schachkid feststellen, dass das Vorhaben, sich im Schach zu verbessern, eine sehr zähe Angelegenheit ist und lange dauert. Je mehr Bücher das Schachkid anschaut, desto mehr Themen offenbaren sich, die bearbeitet werden wollen. Das ist manchmal etwas frustierend.

Der Schachwizard schwebt mittlerweile in ganz anderen Regionen. Dieser hat zwischen den Tagen bei einem Turnier sagenhafte 5 aus 7 Punkten erbeutet und steuert vermutlich auf 2000 DWZ zu. Das Schachkid fragt sich manchmal, wie der Schachwizard das macht. Viel zu trainieren scheint er in letzter Zeit nicht. Auf jeden Fall hat das Schachkid Respekt vor dieser Leistung.

Das Schachkid hat diesen Schachblog eröffnet, um sich selbst beim Training zu motivieren. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Im Grunde genommen schreibt das Schachkid einfach gerne Texte und möchte auf dieser Seite einfach mal das eine oder andere ausprobieren. Parallel ist das Schachkid an der Freien Journalistenschule Berlin angemeldet und nutzt diesen Blog, um Texte schreiben zu üben. Neulich hat sich das Schachkid gar bei dem Gedanken erwischt, nur an einem Schachturnier teilzunehmen, um Stoff zum Schreiben zu haben.

Im Grunde genommen spielt das Schachkid auch nicht Schach um des Schachwillens. Das Schachkid reist einfach gerne herum, lernt nette Leute mit dem gleichen Hobby kennen und mag die Geselligkeit bei Schachturnieren. Wenn es aber nicht Schach, sondern Skat oder Go wäre, wäre die Welt auch in Ordnung.

Das Schachkid hat in den letzten Monaten viel investiert. Neben diversen Eröffnungsbüchern sind vor allem die Anschaffung von Chessbase 13 und ein Abonnent des Chessbasemagazins zu nennen. Man liest im Internet viel kritisches zur Firma Chessbase . Aber unbestritten ist, dass es sich bei Chessbase um dem Marktführer handelt und sicherlich auch viel für das Thema „Schach lernen am Computer“ getan hat, wenn nicht sogar revolutioniert hat.

Vom Chessbasemagazin ist das Schachkid sehr angetan. Es wird eine Fülle von Nachrichten und Trainingsmaterial geliefert. Das Schachkid hat gar nicht die Zeit, alles zu sichten und lagert daher die gelieferten Magazine im Schrank ein. Nur die Eröffnungen studiert es ausführlich.

Chessbase13 ist eine mächtige Datenbank, deren Funktionen und Nützlichkeit für das Training sich erst nach umfangreicher Einarbeitung erschließen.  Hier bräuchte das Schachkid ein Seminar oder ein Handbuch. Das Schachkid steht hier noch am Anfang.

Das Schachkid hat in den letzten Monaten seinen Trainingsschwerpunkt auf den Aufbau eines Eröffnungsrepertoires gelegt.Dazu hat es einige Bücher gelesen bzw. liest diese immer noch. Das Schachkid schaut sich seine eigenen Partien an und schaut, wie es seine Eröffnungen verbessern kann. Kritische Varianten pflegt das Schachkid in eine Datenbank ein. Insgesamt ein müheseliger und aufwändiger Prozess, der viel länger dauert, als das Schachkid dachte. Aber das Schachkid hat das Gefühl, so langsam in die Eröffnungen hinein zu kommen, auch wenn noch viel Arbeit wartet…

In den nächsten drei Monaten bis Ende März 2015 wird das Schachkid genau so weiter machen. Auch das eine oder andere Turnier ist geplant.

Gleichwohl fragt sich das Schachkid, ob ein Trainer nicht nützlich wäre. Man muss das Rad nicht neu erfinden. Als Autodidakt geht man Umwege, die man nicht gehen bräuchte. Das Schachkid hat aber keine Ahnung, wie man einen guten Trainer findet. Im Internet hat es jedenfalls noch nichts brauchbares dazu gefunden.

Das Schachkid wird in drei Monaten erneut Bilanz ziehen und schauen, was sich in den letzten drei Monaten getan hat und was es in den kommenden drei Monaten vor hat. Regelmäßiges Innehalten und Ziele zu justieren und Maßnahmen auf seine Wirksamkeit zu untersuchen, sind wichtige Instrumente der Ziellerreichung, die das Schachkid aus seinem Beruf kennt. Also auf zu den nächsten drei Monaten voller Abenteuer!

Feiernde Rentner und verpaffte Lebkuchen in Erfurt

Das Schachkid kam frühzeitig in Erfurt an und machte sich umgehend, auf der Suche nach Lebkuchen und Nüssen, auf zum Weihnachtsmarkt auf dem Wenigemarkt. Dort angekommen fand es den gesuchten Stand, den Händler paffend mit einem anderen Mann paffend beide vor der Theke. Das Schachkid suchte seine Nüsse zusammen, als der paffende Mann zum Schachkid meinte: „Das duftet gut hier, wah?“. Was das Schachkid zur Bemerkung trieb: „Besonders, wenn Sie hier direkt neben dem Stand rumpaffen.“ Große Augen von dem Händler und seinem Kumpel waren die Antwort. Immerhin gab es neun Lebkuchen zum Preis für acht.

Das Schachkid machte es sich nun in der Bar bequem auf der Suche nach Ruhe und Besinnung. Schließlich sind solche ruhigen Momente am Jahresende eine gute Zeit, um Pläne für das kommende Jahr zu schmieden, Leider hatte es sich am Nebentisch eine sechsköpfige Rentnergang niedergelassen, die Weihnachten mit sechs Bier und zwei Flaschen Schampus nachfeierte. Also zurück in die Lobby, in der es mächtig zog. Also doch wieder ab in die Bar.

Das Schachkid hatte Lampenfieber, wurde immer nervöser und wollte schon ins Amateurturnier wechseln. Eine ermutigende SMS seines Kumpels Schubi hielt es davon ab. Also auf ins offene Messer.

Um 18.30 Uhr ging es zügig mit der Eröffnung los. 411 Spieler haben sich eingefunden, um Schach zu spielen, ein neuer Teilnehmerrekord. Das Schachkid trifft sogleich auf Brandenburger, Familie Oberling aus Falkensee ist da. An dieser Stelle sei auf das Falkenseer Open verwiesen, dass die nette Familie Oberling organisiert.

Der Turnierleiter Daniel Wanzek beginnt sogleich, es ist noch nicht ein Zug getan, Preise zu verlosen. Das gastgebende Hotel spendiert ein Verwöhnwochenende. Die mit beeindruckenden 88 Jahren älteste Teilnehmerin Marianne Hartlaub gewann eine riesige Flasche Sekt. Für die meisten Teilnahmen gab es Schachkalender. Der sympathische Turnierleiter, der stets etwas lausbubenhaft und verschüchtert wirkt, wird begleitet von einer Crew aus erfahrenen Schiris und einer ganzen Reihe junger Schiriassistenzen, darunter der Pseudobreitunger Christian Böhm. Toll, dass hier eine junge Generation von Ehrenamtlern heran wächst.

Mit Götz Giering bekam das Schachkid gleich einen starken Gegner aus Lauf bei Nürnberg. Der sympathische Franke war erstaunt, das das Schachkid den Ort Lauf kannte, wusste aber dafür mit Briesen nichts anzufangen. Götz ist ein fast fertiger Student, der sein Wirtschaftsstudium u.a. in China und Korea absolviert hat. Da kann man Briesen auf der Weltkarte schon mal übersehen.

Der Franke gab bekannt, lange kein Turnier mehr gespielt zu haben. Das merkte man auch, der Franke wirkte sichtlich nervös. Das Schachkid packte mal wieder sein c4 aus, lustigerweise wurde dies auch direkt am Nachbarbrett gespielt. Das Schachkid ist immer wieder erstaunt, dass viele starke Spieler als Schwarzer wenig mit c4 und der Englichen Eröffnung anfangen können und lange bei jeden Zug grübeln müssen, so auch hier.

Die Partie entwickelte sich für den Franken gut. Das Schachkid stand positionell schlecht und konnte sich kaum rühren. Der Franke errichtete ein starkes Zentrum. Insbesondere 9. Db3 schien ein Fehler zu sein. Besser ist es wohl, gleich das Zentrum mit d3 anzugreifen. So zieht sich der weiße Springer nach h3 zurück und hat nach g5 keine Felder, während Schwarz glänzend dasteht. Dieser lässt sich auf diverse Abtausche ein, glaubt dann, einen Bauern zu gewinnen, verliert diesen wieder und landet in einer remislichen Endstellung.

Sicherlich eine gerechte Punkteteilung mit etwas Glück für das Schachkid. Wenn Schwarz mit mehr Nachdruck spielt (10. … d4) und Abtausch meidet (11. … Ld7), hat es Weiß schwerer.