Alles Wurst in Prag

Kann man sich mit der Straßenbahn verfahren? Man kann offensichtlich, das Schachkid kann es. Und dabei kann man sich selbst auf Google Maps mit dem Smartphone verfolgen, wie man aber gerade sowas von in die falsche Richtung fährt.

Das Schachkid hat eine Fotoausstellung besichtigt und will nur noch zurück ins kühle Hotel, steht aber  stadtdessen nun mitten in der Pampa im Prager Nirgendwo. So muss es Touris in Berlin Mahrzahn gehen.

Also wieder ein Taxi beigewunken. Die haben alle Taxameter, nur das erste vom Anreisetag nicht. Schöner Touristennepp.

Auf zum Schachspielen. Die Gegner werden von Runde zu Runde besser, aber auch wieder jünger. Das Schachkid sieht sich schon wieder wie in Pardubice bei den kleinen Mädchen landen. Richad Urbanec ist 18 Jahre. Scheint ein netter Bursche zu sein, sieht nur völlig durch den Wind aus. Zauselbart, strähnige lange Haare und eine viel zu große Hose für das kleine Kerlchen.

Er spielt französisch. Das Schachkid erinnert sich an Sd2, traut dem Braten aber nicht. Der Zug sieht unnatürlich aus. Da die Variante aber vom Trainer ist, kann sie ja nicht schlecht sein. Manchmal muss man eben vertrauen.

Und Tatsache, das Schachkid erreicht nach 11 Zügen eine stabile Stellung. Das Schachkid hofft auf 10. … Sxd4. Danach käme 11. Lxh7+ und Tausch auf d4. Das Schachkid glaubt, dass es dann leichtg besser steht, da Schwarz gar nicht weiß,wohin es mit dem Läufer soll.

Der Gegner zweifelt und spielt b6. Da muss doch was gehen, denkt das Schachkid und gewinnt nach einigen Zügen einen Bauern.Der Plan ist nun abzutauschen und ins Endspiel zu gelangen. Das Schachkid glaubt aufgrund der Majorität am Damenflügel an seine Chancen.

Gesagt getan, der Bauernvorstoß d5 bringt es. Der Gegner spielt 28. … Txc6 und sieht, er hat beide Figuren noch in der Hand, dass es Matt wird. Das Gefühl kennt das Schachkid. Mit 3 aus 4 Punkten ist das Schachkid zufrieden.

Ungeheuerliches tut sich am 2. Brett. Der dem Schachkid bisher umbekanngte 11-jährige Vincent Keymer haut den GM Teske um. Da hat der Bundesbernd wohl recht, der Kleine scheint wirklich Talent zu haben.

Beim Schreiben dieser Zeilen sitzt das Schachkid beim Italiener und bestellt sich wieder einen Fahrer via Uber. Sehr praktisch. Ondrej kommt in 7 Minuten mit einem Peugeot 508. Wieso gibt es das nicht in Deutschland?

Was nun Abends tun? Zum Konzert gehen. Auf einer Insel ist das Gay Pride Festival. Das Schachkid geht hin. Eine dem Schachkid umbekannte Sängerin gibt sich die Ehre. Kurzes Googlen, aha, die tschechische DSDS-Gwinnerin Aneta Langerova.

Die geht ordentlich ab. Das Schachkid muss sich unbedingt die CD bestellen. Danach kommt der amerikanische Bootschafter und hält eine launige Rede. Er muss zwar dreimal mit „His Excellence“ anmoderiert werden, ehe er kommtt. Aber echt lockerer Typ, der hiesige amerikanische Botschafter.

Pause im Schreibfluss. Ondrej ist mit einem Riesenschiff da. 135,- € macht er am Tag mit Uber, erzählt er freudestahlend. Kein Wunder, dass in Deutschland die Taxibranche auf die Barrikaden geht. Ondrej legt Techno auf. Man gleitet zu Minimal durch Prag und lernt gleich noch die Tschechen kennen. Coole Sache.

Alles sehr politisch hier in Prag. Es ist nicht so ein großes Happening wie in Berlin, viel kleiner und eben politischer. Was auch sogleich Conchita Wurst bestätigt, die nun auf der Bühne einschwebt. Wie sie zu ihren Namen gekommen sei. Conchita sei der spanische Spitzname für die privaten Teile der Frau und Wurst der deutsche Spitzname der privaten Teile des Mannes. Das Publikum feiert.

Tolle Stadt!

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