Starke Rüdersdorfer in Briesen

Der SV Glück Rüdersdorf III reiste am 22. Februar 2015 in unerwartet starker Besetzung zum fälligen Punktspiel der Regionalliga Ost nach Briesen. Die in dieser Saison bärenstarken Briesener hofften auf einen Sieg. Hatte man sich zu Beginn der Saison noch den Klassenerhalt als Ziel gesetzt, schien jetzt sogar der 2. oder 3. Platz der Liga möglich zu sein. Mit Rüdersdorf III sah man sich mit einer bunten und motivierten Mannschaft gegenüber, die auf reichlich Nachwuchs und drei Damen setzte. Die Briesener hielten mit alternativen Spiellokal und den Resten des Buffets vom Turnier vom Vortag gegen.

Volker Heinrich am vierten Brett spielte seine Lieblingseröffnung, einen klassischen Italiener. Das bekannte scheinbare Läuferopfer auf f7 kam aufs Brett. Der Rüdersdorfer Tino Fremberg ließ sich vom scharfen Briesener Spiel nicht schrecken und tat das einzig richtige. Er ging mit seinem König nach vorne auf den Gegner zu. Der König wird im Mittelspiel zur Angriffsfigur. Heinrich griff verbissen an, verkalkulierte sich, lief mit rollenden Augen durch das Spiellokal und verlor einen Springer. Emotionen pur! Der Rüdersdorfer ging nun seinerseits zum Angriff über und drohte nach wenigen Zügen matt. Das war es wohl mit der Lieblingseröffnung. Nächste Saison muss was neues her. Rüdersdorf ging in Führung. Die ersten beiden Briesener Brett schauen ungläubig Richtung Briesener Vereinschef.

Vicky Eue und Klaus Dworatzek am dritten Brett gaben Gas und waren nach 30 Minuten schon beim 18. Zug. Dworatzek stürmt mutig mit den Bauern am Königsflügel vor, und öffnete dabei seine Königsstellung. Eue vom SV Briesen erkennt nach kurzzeitigen Bauernverlust die Gelegenheit, stürmt mit den Figuren voran, gewinnt denn Bauern zurück, verpasst Dworatzek einen isolierten Doppelbauern auf der e-Linie und bildet einen Freibauern auf der a-Linie. Eue gewinnt zwei weitere Bauern und wickelt ins Endspiel ab. Ausgleich für Briesen.

Marco Belling am fünften Brett bekam es mit den Rüdersdorfer Nachwuchs Vinzenz Dworatzek zu tun. Der Briesener Schatzmeister als Führer der schwarzen Steine hat seinen ganz eigenen Spielstil. Ruhig und passiv erscheinen die Züge, doch Zug um Zug verbessert sich die Stellung minimal. Schließlich kippt die Stellung plötzlich um, so auch diesmal. Erst hat Belling das Läuferpaar, dann einen Bauern mehr. Dworatzek hat plötzlich einen Springer weniger, Punkt und Führung für Briesen.

Der Briesener Neuzugang Carlo Borchardt am achten Brett bestritt sein zweites Punktspiel. Mit Alexander Lakowski lief auch hier ein Nachwuchstalent auf, der sich von der geballten Lebenserfahrung seines Gegners nicht abschrecken ließ. Wild schwankten die Waagschalen. Borchardt kreiste mit Springer, Läufer und Turm die gegnerische Dame ein. Dann gabelte Borchardt Dame und Turm mit dem Springer auf und gewann die Qualität. Macht nichts, dachte sich wohl Lakowski, und gewann die Qualität kurzerhand wenige Züge später zurück. Borchardt kam ins Schwitzen, pfiff auf schönes Spiel und begann, mit seinem zweiten Springer zu lavieren. Ein Mehrbauer sprang heraus. Der Kampf verlagerte sich zum Damenflügel. Borchardt sperrte den gegnerischen Läufer ein und gewann diesen. Lakowski versuchte, Aktivitäten zu entfalten, musste aber bald mangels Angriffsfiguren die Waffen strecken. Trotzdem eine starke Partie des jungen Rüdersdorfers gegen den neuen Briesener Nestor. 3-1 für Briesen.

Ein weibliches Duell gab es am siebten Brett zwischen der Rüdersdorferin Laura Friedrich und Anja Braun. Die grippegeschwächte Briesenerin dopte sich mit Hustenbonbons und zauberte eine tolle Angriffsstellung am Damenflügel aufs Brett. Weit vorgerückte Bauern auf b4 und c5 versprachen Raumgewinn und ließen auf den Sieg hoffen.. Friedrich suchte nach Gegenspiel und fand es am Königsflügel. Die Rüdersdorferin drängte die weißen Figuren Richtung Grundreihe zurück. Braun kämpfte, musste aber Zug um Zug den Rückzug antreten. Die Briesnerin muss die Dame gegen den gegnerischen Turm tauschen. Friedrich gibt alles. Der Stand nun 3-2, Rüdersdorf holt auf.

Kellner am sechsten Brett spielte einmal mehr die englische Eröffnung. Carolin Wolf kam bereits nach wenigen Zügen ins Grübeln und benötigte viel Bedenkzeit, um die richtigen Züge zu finden. Doch die Rüdersdorferin fand immer besser ins Spiel und spielte den Briesener Zug um Zug an die Wand. Wolf gelang es, mit der Dame in die weiße Stellung einzubringen. Kellner musste forciert die Damen tauschen und konnte den folgenden Doppelangriff auf seine Bauern nicht abwehren. Ein Bauer fiel, die Stellung wackelte. Nun fehlte die Bedenkzeit aus der Eröffnung, Kellner nahm das unverdiente Remisangebot an, 3,5 – 2,5 für Briesen, es bleibt spannend.

Ein sehr dynamisches Spiel demonstrierte Philipp Heinrich am ersten Bett gegen den Rüdersdorfer Nachwuchs Tobias Gohlke. Heinrich stürmte mit den Bauern am Königsflügel vor, trotz eigener kurzer Rochade. Problem dabei, der gegnerische König stand noch in der Mitte und war noch unentschieden, wohin er rochieren will. Es wurde die lange Rochade, also kein Königsangriff durch den Briesener. Der Preis für die Rüdersdorfer Königsflucht, ein Bauer weniger und und ein Isolani auf g3. Doch Gohlke bewies Kampfgeist, kam zurück und holte sich denn Bauern wieder. Eine unklare Stellung mit Chancen für beide Seiten entstand. Die Entscheidung fiel überraschend. Heinrich legte Coolness an den Tag und verkündete süffisant, die gegnerische Uhr sei abgelaufen. Der überraschte Rüdersdorfer schaute verdattert, nahm die Niederlage aber wie ein Mann. Der Briesener Youngster am ersten Brett hat in der laufenden Saison bereits beeindruckende 5 aus 7 Punkten geholt. 4,5 – 2,5, Sieg für Briesen.

Zäh gestaltete sich die Partie am zweiten Brett zwischen Olaf Budach und Katharina Schmid. Alles deutete auf ein positionelles Bauernendspiel hin. Die Rüdersdorferin hatte einen Isolani auf der a-Linie, ein lohnendes Angriffsziel für Budach. Mit einem starken Bauernpaar auf c5 und d5 auf beiden offenen Linien hatte Schmid aber mehr als Kompensation. Nach Abtausch entspann sich ein Kampf um die zentralen Felder. Wird der d-Bauer durchkommen, war die zentrale Frage. Nein, kam er nicht, auf d3 war Schluss für den schwarzen Bauern von Schmid. Der Briesener Endspielkünstler Budach belagerte den Bauern mit zwei Türmen und einen Läufer, Schmid hielt mit gleichen Figuren Gegnern. Budach schnitt den e-Bauern auf e5 von der Verteidigung des d-Bauern ab und holte den König ran. Der Bauer fiel, aber nicht die gegnerische Stellung. Schmid verteidigte zäh und hielt Remis. Ein gerechtes Remis für Beide, ein starker Briesener am zweiten Brett und der Endstand 5-3.

Das Überraschungsteam der Liga ist nach diesem Kontersieg hoch motiviert und hofft auf weitere Siege gegen Eberswalde und Fürstenwalde

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