13. Juli 2020

39. St. Veit Schachopen – Auf den Punkt!

Um 9.00 Uhr soll es im Bamberg los gehen. Um 9.03 ruft da Schachkid erst den Dr. Dave an, dann den künftigen FM. Keiner geht ran. Schlafen vermutlich noch. Das Schachkid tankt an einer sehr ranzigen Tankstelle, wo das Benzin unfassbar billig ist.

Dr. Dave ist mittlerweile aufgewacht und teilt dem Schachkid mit, ob man rauskommen solle. Das Schachkid fragt sich erneut, wieso der Dr. Dave eigentlich einen Dr. hat, wenn er das offensichtliche feststellt. Die beiden benötigen noch 10 Minuten. Die kriegt das Schachkid gut rum, da es vor einer Metzgerei parkt. Und sich daher mit Würstchen für den langen Weg eindeckt. Im „Läderla“ nebenan, einer winzigen Bäckerei, erbeutet das Schachkid noch eine saftige Mohnschnecke.

Nun geht’s aber los. Bamberg konnte beim künftigen FM immer noch nicht punkten, dabei residiert hier einer der ältesten Schachclubs. Das Navi verkündet schonmal, dass man erst um 16.00 Uhr da sei. Die Crew am Board glaubt noch an pünktliches Ankommen. Da schwant dem Schachkid schon übles.

Das Navi glaubt, der Weg durch München sei der schnellste. Der Dr. Dave glaubt das nicht. Aber wer ist schon Dr. Dave, wenn man Google hat… Man steht im Stau. Dann aber geht’s voran auf der A8 – im Schneckentempo. Wohnwagen an Wohnwagen. Offenbar hat ganz Deutschland Angst vor Corona und nimmt sich daher einen Wohnwagen mit in den Urlaub. 100 km im Schneckentempo. Das Navi arbeitet sich langsam zu einer Ankunftszeit kurz nach 17.00 Uhr vor. Um 17.00 Uhr ist Anmeldeschluss. Im Auto bricht so langsam sachte Nervosität aus.

Das Schachkid merkt an, dass trotzdem noch ein Tankstopp sein muss. Man komme sonst nicht mehr ans Ziel. Der künftige FM denkt nach und hat eine gescheite Idee. Er schlägt vor, am Zielort zu tanken. Kurze Stille im Auto. Dr. Dave ist gebildet und erklärt dem künftigen Schachgenie die Situation nochmal detailliert.

Nun wird getankt. Der Dr. Dave ist den Hamster auswringen. Der künftige FM macht Gymnastik. Das Schachkid hat Schwierigkeiten an der Kasse beim Bezahlen. Der Verkäufer fragt nach der Tanksäule. Das Schachkid äußert eine Nummer. Der Verkäufer schlägt mit „Maybe English is better for you.“ Vor, es mal in englischer Sprache zu versuchen. Auf Deutschen Boden möchte das Schachkid nun wirklich kein Englisch sprechen, sondern bitte schön einfach nur abkassiert werden.

Nun muss sich das Schachkid um seinen Hamster kümmern. Nach getaner Flüssigkeitsabfuhr kommt das Schachkid zum Auto und sieht dieses nicht mehr. Ein riesiges Wohnwagengespann hat das Schachkid zugeparkt. Das Schachkid schreitet sofort zur Tat und verlangt vom Fahrer, dass dieser gefälligst umgehend das Gelände räumen soll. Dieser ist rothaarig und weist das Schachkid wütend daraufhin, das das Schachkid auf einem Parkplatz für Wohnmobile parke. Das stimmt allerdings. Die Raststätte kann die vielen Autos gar nicht aufnehmen, die unterwegs sind. Das ist für das Schachkid noch lange kein Grund, zugeparkt zu werden.  Der Rotschopf murmelt nur, dass dauere jetzt 15 Minuten und geht von dannen. Das Schachkid nimmt sich ersatzweise die Ehefrau des Fahrers vor und droht mit der Polizei.

Am Auto angekommen erläutert der Dr. Dave, er habe bereits Verhandlungen mit dem Fahrer geführt. Dieser benötige nur 5 Minuten. Das Schachkid brauche sich nicht aufzuplustern. Was das Schachkid natürlich schon gemacht hat. Wenn das Schachkid wütend ist, ist eine gerade Körperhaltung kein Problem. Da wirkt es schonmal bedrohlich, dünne Ärmchen hin oder her.

Endlich kann es weitergehen. Die Mitfahrer pennen oder versuchen selbiges. Für die Passage eines Tunnels wollen die Ösis nochmal 12,50 € extra zur Maut haben. Dazu Regen, Regen, nichts als Regen. Um 16.58 Uhr ist man da. Kurz vor Schluss zu erscheinen, das hat das Schachkid wirklich drauf. Selbst auf 1.000 km Entfernung.

Auch ohne Anmeldung vor Ort ist man schon ausgelost. Das Hotel ist gleich nebenan, hat wegen Corona eigentlich zu, macht aber wegen Schach auf und ist auch voll belegt.  Die Sauna ist dicht. Da haben der künftige FM und der Dr. Dave nochmal Glück gehabt. Die Minibars im Zimmer sind leer. Aber es gibt eine Hotelbar.

In der Turnierhalle selber ist 1m Abstand vorgeschrieben. Das ist ein bisschen surreal. Vermutlich ist die Schwerkraft in Österreich stärker. Da fliegt der Corona-Virus nicht ganz so weit wie in Deutschland, wo man 1,5m Abstand für nötig befindet. An Brett herrscht Maskenpflicht. Der Veranstalter desinfiziert nach jeder Runde 125 Bretter nebst Figuren.  Der Schiri hält eine Rede zur Eröffnung. Das Schachkid versteht überhaupt nix. Strenger Dialekt bei den Ösis.

1. Runde – das Schachkid sieht nur die Augen eines Jugendlichen, der unter einer Raubtiermaske steckt. Dieser hat eine 1202 Elo und sollte leichte Beute sein.

Das Schachkid sitzt schwitzend unter der Maske am Brett und fragt sich, ob es nicht gerade einen Riesenfehler macht. Eine geschlossene Turnhalle mit 250 Teilnehmern nebst Klimaanlage. Offiziell 1m Abstand – na ja. Man sitzt zu zweit an einem Tisch. Besucher laufen herum. Im Foyer der Spielhalle stehen die Leute zusammen. Die Schiris trinken Bier und machen nicht den Eindruck, dass sie auf Abstands-Patrouille gehen. Manche Teilnehmer haben das Thema Mund-Nasen-Schutz offenbar nicht verstanden und lassen die Nase frei. Das Schachkid will mit dem Dr. Dave wetten, ob das Turnier eher abgebrochen wird, sollte das Amt kontrollieren. Das Schachkid wünschte sich schon, dass die Schiris hier die Teilnehmer strenger mahnen würden.

Troll allem ist es eine schöne Turnieratmosphäre. Aber es fällt dem Schachkid zugebenermaßen etwas schwer, sich zu entspannen, die alte Leichtigkeit wieder zu finden. Die Partie läuft so lala. Wieder lässt das Schachkid im Caro-Cann den gegnerischen Springer nach e5. Dann wird noch eine Gabel übersehen. Das Schachkid hat auch nur 20 Minuten Bedenkzeit verbraucht.

Egal, die Hotelbar ist heute das Ziel. Das Hotel hat ein eigenes Weingut. Das Schachkid nimmt sich vor, jeden Tag einen anderen Wein zu verkosten. Und beginnt heute mal mit einem Zweigelt, einen leichten Rotwein. Von dem wird das Schachkid auf jeden Fall eine Flasche mitnehmen.

Der Dr. Dave und der künftige FM starten derweil stark ins Turnier und punkten im A-Turnier, Sieg für den künftigen FM und ein Remis für den Dr. Dave. Das Schachkid genießt den Wein und nimmt sich für den nächsten Tag zwei Punkte vor.

 

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