3. Hellersdorfer Blitzturnier – Wenn ein Rollmops eine Reise tut

Am 1. Mai gehen gescheite Menschen demonstrieren. Schachspieler gehen Schach spielen, in diesem Fall zum 3. Hellersdorfer Blitzturnier.  Zu diesem hatte Sebastian Schroth das Schachkid samt Trainer und einen Rollmops tags zuvor beim Briesener Frühlingsturnier überredet. Wesentliches Argument – Sebastian ist die Küchenfee.

Gesagt getan, man quält sich am Sonntag morgen um 8.00 Uhr aus dem Bett – um Schach zu spielen. Wie irre muss man sein, besonders wenn man erst tags zuvor ein Turnier gespielt hat. Trainer und Rollmops ins Auto gepackt. Man diskutiert über die Musikauswahl und landet irgendwo zwischen Haftbefehl, Santiano und Albano & Romina Power. Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Das Turnier ist stark besetzt. Man hofft auf ein paar Punkte und einen freien Nachmittag.

Man landet im belebten Marzahn in einem etwas obskuren Vereinsheim, die Boxabteilung des ehemals größten Berliner Verein SV Marzana residiert auch hier. Es sieht aus wie in einem Hinterhof in New York. Allein es fehlt die brennende Mülltonne. Der Rollmops weiß von NoGo-Areas in Marzahn zu berichten.

Mit dem freien Nachmittag wird es nix. Die Anwesenden beschließen eine Finalrunde. Das Schachkid versucht den Rollmops zu überreden, nach Hause zu fahren. Der will nicht.

Das Schachkid hat schon lange nicht mehr so viele obskure Gestalten bei einem Turnier gesehen. Es gilt der Grundsatz, je besser der Spieler, desto merkwürdiger. Des Schachkids Trainer natürlich ausgenommen. Die hiesige Mischung schwankt zwischen Berliner Originalen und schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn.

Da ist der Spieler, der sich erstmal lautstark über die Art der Ansetzung im Rundensystem erregt. Der Turnierleiter Horst Schroth hat einfach die Liste per DWZ sortiert und die Leute platziert. Das Schachkid versteht die Aufregung nicht, es spielt doch eh jeder gegen jeden.

En rot gewandeter Schachfreund sticht ins Auge. Auf dem Shirt sind Marx & Engels zu sehen. Auf dem Silberring prangen Hammer und Sichel. Das Schachkid glaubt an einen modischen Gag aufgrund des 1. Mai. Der Schachfreund verkündet bierschwenkend, er sei in der DKB, die es wirklich noch gibt. Das wahre Problem sei aber ganz offensichtlich die KPD, die es anscheinend auch wieder gibt. Das Schachkid ist ja sehr tolerant, aber manchmal…

Richtig nett sind die Schachfreunde, die nach jeder Runde rauchen gehen und noch das eine oder andere Bier zischen. Man sitzt in jeder Runde Seite an Seite dicht an dicht. Der eine oder andere rauchende Schachfreund kommt weit nach Rundenbeginn angewackelt, atmet heftig aus und nebelt das Schachkid mit der lieblichen Duftmischung aus Bier und kalten Rauch ein. Das Schachkid hält den Atem an, schafft auch zwei Minuten – die Bedenkzeit ist leider 10 Minuten.

Der Schachwizard legt los und legt in den ersten Runden alles um. Erstaunte Blicke und Tuscheln rundherum.  Drei Schachspieler fragen einander, wer ist das nur…

Das Schachkid nullt erstmal durch, hat dann aber einen Lauf und macht 4 Punkte in Folge. Der Schiri Horst Schroth droht mit Hausverbot und beklagt  sich außerdem, dass er sich das erste Mal beim Briesener Open habe anmelden müssen. Das ist in der Tat unverständlich, gehört er in Briesen doch zum Inventar.

Der Rollmops spielt konstant unterirdisch, bahnt sich aber einen Weg durchs Mittelfeld.

Die Vorrunde mit 18 Partien ist vorbei. Das Schachkid versucht erneut den Rollmops zur Heimfahrt zu überreden. Der will nicht. Der Schachwizard hat sich im starken Teilnehmerfeld auf Platz 5 vorgearbeitet und spielt A-Gruppe. Der Rollmops und das Schachkid finden sich in der B-Gruppe wieder.

Die Finalrunde beginnt. Das Schachkid verliert die ersten zwei Runden auf unmögliche Art und Weise und beschließt, zu streiken. Erstes Streikopfer ist der Rollmops. Das Schachkid setzt seinen Streik aus, hier könnte es ja punkten. Das Schachkid spielt Kindergartenschach, der Rollmops braucht zum Sieg nur eine Minute. Das Schachkid streikt jetzt erst recht.

Es ist Freirunde. Der Schachwizard, dem im Finale auch nicht so viel zu gelingen scheint, motiviert sich mit Eierkuchen, den die freundliche Küchenfee bereitstellt.  Diese hatte dem Schachkid bereits einen Erdbeerjoghurt angerührt.  Das gerührte Schachkid antwortet der Küchenfee mit einem Heiratsantrag, den dieser aber überhört.

Rollmops holt den Sieg der B-Gruppe und sichert sich 15,- € als Preisgeld. Das Schachkid holt zum Schluss noch zwei Punkte und ist so halbwegs zufrieden, gingen doch einige Partien wegen nix weg. Zweimal hat das Schachkid im Königsinder den Zug a5 vergessen. Der Schachwizard spielt noch relativ konstant und platziert sich im vorderen Drittel.

Schachkid und Trainer fahren nach Hause. Der Rollmops hofft auf einen Zug. Selbiger steht mit einer Panne irgendwo herum, nur nicht im Bahnhof. Zugausfall auf unbestimmte Zeit. Die Deutsche Bahn lässt grüßen.

Fazit des Tages: War ok, aber auch irgendwie strange. Nächstes Jahr wird bei Sonnenschein der 1. Mai woanders verbracht. Wahlweise draußen im Biergarten mit einer Bratwurst.

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