31. Dezember 2019

29. Erfurter Schachfestival – Die Tücken der Fahrstühle

Drei Fahrstühle hat der Hoteldirektor in seiner Eröffnungsrede versprochen. Nun, er konnte das Versprechen nicht ganz halten. Am letzten Tag waren es nur zwei Fahrstühle. Diese leuchten hübsch, rauschen aber fleißig an der Etage vorbei, wenn man gedrückt hat. Mit etwas Geduld ginge das alles. Wenn nur die anderen Menschen nicht wären, die am Fahrstuhl offenbar das Hirn in den Pausenmodus versetzen und zu Idioten werden. Besonders dicke Männer mit großen Hartschalenkoffern um die 50 Jahre, mit Halbglatze und Brille, die vermutlich einen dicken SUV fahren.

Spezies Nr. 1 – Wir drücken mal fleißig alle Knöpfe und nehmen dann doch die Treppe. Und die Passagiere im Fahrstuhl wundern sich, wieso der Fahrstuhl auf jeder Etage hält. Und keiner da ist, um einzusteigen.

Spezies Nr. 2 – Wir sind im Erdgeschoss, jung und gut zu Fuß- Drücken mal alle Knöpfe, jammern dann lautstark rum, und steigen in der 1. Etage aus. Und rufen  – „Hach ja, da ist ja die Teppe.“ Ohne Worte.

Spezies Nr. 3 – Wir sind ein großer dicker Mann, restliche Beschreibung siehe oben, drücken mal alle Knöpfe. Vor allem dem Knopf für „nach oben“, wenn man nach unten will. Der volle Fahrstuhl kommt von unten und muss halten. Da nehmen wir dann unseren dicken Bauch und unseren großen Koffer und quetschen uns irgendwie noch rein und fahren dann mal mit nach oben. Und wieder wundert sich der Rest, wo die Fahrstühle bleiben, die unnötig halten und die Passagiere im Fahrstuhl, was dieser dicke Mann mit seinem dicken Koffer da oben in der 17. Etage will.

Spezies Nr. 4 – Das Schachkid drückt den Knopf „nach unten“ und wartet geduldig und freut sich über den halbleeren Fahrstuhl, der von oben kommt. Drinnen steht ein dicker Mann mit einem großen Koffer, der gleich zu seinem dicken SUV läuft. Das Schachkid hat gute Lust, dem dicken Mann ein paar Takte zu sagen, beherrscht sich aber mühevoll. Der große N.W. und der nicht ganz so große D.M. wissen, wie schwer sowas dem Schachkid fällt.

Zur Partie – Wieder ein Nachwuchsmensch aus Leipzig, diesmal ein netter. Das Schachkid spielt kontinuierlich, kontinuierlich schlecht.

Der Gegner warnt schon mal, dass er lange nachdenke. Vermutlich hat er vorab diesen Blog gelesen, wo bisweilen steht, dass das Schachkid genervt ist, wenn der Gegner lange denkt. Das Schachkid nutzt die Denkerei des Gegners, um den anwesenden Buchhändler eine Besuch abzustatten und entgegen jeder guten Vorsätze drei Bücher zu erwerben. Die machen sich gut neben all den anderen ungelesenen Schachbüchern. Von dem neuen Schachhändler Chessware, der das erste Mal in Erfurt weilt, ist das Schachkid nicht so begeistert. Er hat eine große Auswahl an Büchern mit, davon gefühlt aber 80 % auf Englisch. Auf die Nachfrage nach deutschen Eröffnungsbüchern zuckt der Schachhändler hilflos mit den Achseln.

Der Gegner ist derweil fertig mit Denken und pariert die schöne schottische Eröffnung des Schachkids. Das sich wieder einmal nicht erinnern kann, wie es weiter geht. Das Schachkid denkt diesmal wirklich lange und lässt daher erst im 15. Zug einen Läufer stehen, den der Nikolaus aus Leipzig mit einem Damenschach gewinnt. Hat er sich verdient, den Punkt.

Der Ralf braucht mal wieder ewig, hält aber ein starkes Remis gegen seine deutlich stärkere Gegnerin. Überhaupt hat der Ralf ein sehr starkes Turnier gespielt mit seinen 3,5 Punkten gegen starke Gegner, während das Schachkid sich von Taktikflop zu Taktikflop hangelte.

Traditionell beschließt man das Turnier im Louisana in der Futterstraße um die Ecke. Der Turnierdirektor, diesmal mit sehr kleidsamer schwarzer dezenter Krawatte zu schwarzen Hemd – so geht Understatement,  wickelt seine Siegerehrung mit einer gewissen Routine ab. Wirkt aber trotzdem ein wenig nervös. Hat er gar nicht nötig. So reibungslos, wie das Turnier lief. Die Pokale sind auch dieses Jahr wieder ausgesprochen hübsch und sehr schwer. Der Ralf und das Schachkid heben beim Sören Peters, der erfreulicherweise das Amateurturnier gewonnen und in der letzten Runde noch einen ziemlich meckernden Münchner aus dem Weg geräumt hat, zur Probe mal hoch.

Spielerisch war es dieses Jahr ein echter Flop. Aber schön wars trotzdem. Nette Leute, schöne Stadt, schönes Turnier mit einem Hotel, dass von der Bar über gutes Essen bis hin zur Sauna alles bietet, sodass man gar nicht vor die Tür muss. Da kommen der Ralf und das Schachkid zum 30. Jubiläum wieder, dass es hoffentlich gibt.

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