26. Erfurter Schachfestival – Prost!

Das Schachkid ist in Erfurt angekommen.Das Schachhotel hat eine Macke. Es wird im nächsten Leben Hoteltester werden. Denn es meckert immer am Hotel rum, obwohl es im Grunde genommen total ok ist. So auch hier. Das Schachkid findet es im Grunde genommen sehr angenehm, meckert aber erstmal wieder rum.

Diesmal ein Zimmer in der 4. Etage. Das Schachkid will höher hinaus, wozu hat das Hotel schließlich 17. Etagen. Der Rezeptionist entgegnet, das Schachkid sei ein treuer Kunde und habe deshalb ein Zimmer einer höheren Kategorie erhalten. Da ist das Schachkid ja mal gespannt. Und in der Tat… Hatte in den einfachen Zimmern Dusche und WC eine gemeinsame Tür eines Bades mit 1,5 m² hat das Bad nun gefühlt 2 m² und für Dusche und WC eine separate Tür. Eine Kofferablage ist nirgends zu sehen. Das Kingsizebett rettet das Zimmer.  Im Grunde genommen, ganz nett… Die Ruhe und die Aussicht auf dem Dom.

Das Schachkid begibt sich in  die Bar, um entspannt zu lesen. Das Hotel und eine nervende Erfurterin wissen das zu verhindern. Das Hotel hat umgeräumt. Die gemütliche Ecke mit den Sesseln an der Bar gibt es nicht mehr. Die steht jetzt fast in der Lobby. Dort hat sich eine feiernde Erfurter Runde breit gemacht. Dort brüllt eine angeheiterte Mitdreißigerin das Foyer zusammen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn sie nicht extrem sächseln würde und eine derart quitische Stimmlage hätte, dass im Vergleich Verona Feldbusch als Opernsängerin durchgehen würde.

Das Schachkid setzt sich zu einer Omi und bestellt einen Pot Kaffee (=große Tasse) mit Stollen. Die Omi beschwert sich beim Schachkid über die geringe Größe des Apfelkuchens, die dem Preis absolut nicht angemesssen sei. Der Kellner bringt eine kleine Tasse Kaffee. Der Schubi informiert aus der Ferne, dass das Schachkid bereits zum 10. Mal vor Ort sein.

Die Omi geht, eine neue Omi kommt zum Tisch des Schachkids. Das Schachkid hofft, dass sich der Kellner nur verhört hat und bestellt nun explizit eine große Tasse Kaffee. Die Omi ist genervt, verdreht erst die Augen und dann sich zur sächselnden und quitschenden Erfurterin am Tisch 5 m weiter. Der Kellner bringt erneut eine kleine Tasse Kaffee. Das Schachkid fragt nach. Eine große Tasse gäbe es nicht, auch keine Alternative, sagt der Kellner. Das Schachkid ist verwundert. Ein Hotel mit vier Sternen, dass es nicht fertig bringt, eine große Tasse Kaffee zu servieren. Genau die hat das Schachkid die letzten 9 Jahre am gleichen Ort getrunken. Am Nebentisch bestellt jemand ein Kännchen Kaffee.

Die Omi geht, zwei ältere Herren kommen. Diese beschließen, sich vor der Runde vorzubereiten, am besten mit zwei Bier. Das Schachid schließt sich mit einem böhmischen Schwarzbier an. Der Kellner braucht bei drei besetzten Tischen 20 Minuten, das Bier zu bringen. Das Schachkid nutzt die Wartezeit und bestellt ein Probeabo der Men’s Health, der Lifesstyle-Zeitschrift für den Mann von heute.

Die Eröffnung verläuft in gewohnter Weise. Musik von „Herr der Ringe“ oder was ähnlich epochales zum Auftakt. Das Schachkid muss sich dringend nach dem Soundtrack erkundigen. Der Hoteldirektor fasst sich kurz und launig. Der smarte Turnierorganisator Daniel Wanzek haut gleich wieder Preise raus und wirkt auch sonst wie ein Typ, den sich jede Schwiegermutter sofort daheim unters Sofa legen würde oder gleich selber der Schwiegertochter ausspannnen würde. Er stellt sein buntes Schiriteam vor. Michael Nagler aus Sachsen ist da. Den trifft das Schachkid alle zwei Monate auf einem Open. Exilbrandenburger müssen zusammen halten. Der Bundesbernd (aka Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler) ist auch da. Bundesbernd ist ein Spitzname, der dem armen Nachwuchstrainer von U.W. aus B. verpasst wurde. Dieser ist neuerdings Gastwirt und betreibt in den Thüringer Bergen eine Bergbaude, wie das Schachkid aus sicherer Quelle erfuhr.

Raphael Petri ist der Meinung, er habe schon mal gegen das Schachkid gespielt. Er hatte recht, beim Ramada-Cup in Köln-Brühl hatte das das Schachkid 2015 verloren. Seitdem hat sich das Schachkid stark verbessert, Raphael allerdings auch. Diese Partie ist merkwürdig. Weiß eröffnet mit g3, das Schachkid versucht, ins Königsindische zu lenken. Und unterschätzt dann doch den weißen Angriff am Damenflügel. 12. … Sb6 darf angezweifelt werden, 12. … Sc5 wäre es gewesen. Nach 15. … b6 spielen Springer und Turm von Schwarz erstmal nicht mehr mit. Ab dem 26. Zug hat das Schachkid nun Qualität und zwei Bauern mehr. Aber wie würde Niclas Huschenbeth in einen seiner tollen Videos auf Youtube sagen, Weiß hat genug Kompensation. Hier das Läuferpaar und Angriff auf den schwachen weißen König. Das Schachkid hilft mit 27. … Te7 noch tatkräftig mit. Danach kann Schwarz aufgeben.

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