Archiv für August 2018

20. Briesener Open – Trainerfrust und Trainerlust

 

20. Briesener Open – Verflixte Endspiele

Abends um 23.00 Uhr aufs Handy geschaut. Prima, die Auslosung ist da. Bett 1, der nächste Briesener. Auch wenn Sebastian Lischke ein Eisenhüttenstädter ist und somit Neubriesener. Zuletzt spielte man in Jacobsdorf gegeneinander, damals mit Sieg für das Schachkid.  Der Trainer gibt um Mitternacht ein spontanes Mentaltraining und hilfreiche Tipps. Psychologie ist alles.

Tatsächlich, die Trainertipps funktionieren. Die Angriffsfiguren sind schnell abgetauscht, die Stellung lange ausgeglichen.

Trotz des verkorksten Endspiels ist das Schachkid zufrieden mit der Partie. Gründlich nachgedacht und keine schnellen Züge heben die Qualität der eigenen Züge deutlich an.

20. Briesener Open – Alle weg

140 Spieler haben sich im beschaulichen Briesen zum 20. Briesener Open eingefunden. Das ist umso erstaunlicher, da Briesen in Richtung Berlin von der Autobahn abgeschnitten ist. Seit 12 Jahren ist das Schachkid in der Gegend. Und jedes Jahr wird ewig an der A12 gebaut. So eine Autobahn muss doch mal fertig werden. Wenn Unternehmen so „effizient“ arbeiten würden wie Behörden, die Autobahnbaustellen planen…

140 Spieler, aber erstaunlich viele Stammspieler fehlen. Viele Briesener, aber auch sonstige Spieler, die eigentlich zum Inventar gehören.

Das Startgeld ist in diesem Jahr für Erwachsene um 10 € aufgrund gestiegener Kosten höher. U.a. prüft die Gemeinde eine Erhöhung der Hallenmiete. Was gar zum Haus des beliebten Opens führen könnte, wie es am 18.4.2018 in der Märkischen Oderzeitung zu lesen war.

Das Wetter hat dafür ein Einsehen und unterbricht für drei Tage pünktlich zum Freitag die seit Wochen andauernde Hitzewelle, um diese erst nach dem Briesener Open am Montag fortzusetzen.

Natürlich gleich in der 1. Runde trifft das Schachkid mit Lothar Bindernagel auf einen ehemaligen Mannschaftskameraden.

In der Eröffnung geht es gemählich zu. Mit 9. Sxe7 kann Weiß das Läuferpaar von Schwarz spalten. 11. Lxf6 sollte Schwarz nict zulassen, da der Königsflügel dann schon fast strukturell in Trümmern liegt. Aber Schwarz verteidigt hartnäckig. Weiß wird ungeduldig, denkt nicht nach und zieht schnell 21. e5. Schwarz gewinnt den Bauern f5 und der weiße Angrff ist Geschichte.

Nun entwickelt sich ein Manövrieren auf beiden Seiten. Es wird abgetauscht. Letzentlich bringt die Entscheidung die Besetzung der e-Linie durch Weiß und den Gewinn eines Bauern mit 38. Txa7, den Schwarz gar nicht recht verhindern kann. 47. … d4 ist dann noch ein Fehler, wie sie  am Ende von Partien eben häifig passieren.

Der Auftakt hätte auch schief gehen können. Schön, mit dem ehemaligen netten Schuldirektor mal wieder die Klingen gekreuzt zu haben.

GM Jan Gustafsson in Briesen

Was mag sich der Großmeister Jan Gustafsson wohl gedacht haben, als er in das kleine Briesen fuhr… Man weiß es nicht, aber er ist gut drauf und zeigt sich gut gelaunt. Der SV Briesen hat es geschafft, zum 25. jährigen Jubiläum einen der stärksten deutschen Spieler zum Simultan einzuladen. 24 Schachspieler von 8 – 80 nutzen die Chance, mit dem GM die Klingen zu kreuzen. 21:3 geh es am späten Abend aus. Der Großmeister verliert zwei Partien, ausgerechnet gegen den Nachwuchs, unter anderem dem einheimischen Briesener Daniel Woithe. Zwei  Remis gehen gegen Lokalmatadoren weg. Sebastian Schroth und Jens Schneider erzielen den halben Punkt.

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Das Bild zeigt Gustafsson mit dem sehr unvorteilhaft forigrafierten Schachkid (Danke Moritz 🙂 ).

Der Großmeister hat inn allen Partien Weiß. Ein Trick, wie er am nächsten morgen sagt, um auf Angriff spielen zu können. An jedem Brett eröffnet Gustafsson anders. Keine Chance, beim Brettnachbarn  zu lunsen, wie man am besten spielt.

Das Schachkid erwischt einen Königsinder. Lustigerweise weicht Weiß mit 9. Sd2 vom Buch ab. Ein stiller Zug. In den umliegenden Brettern beobachtet das Schachkid, wie Gustafsson so spielt. Gleich angreifen und drauf hauen scheint nicht sein Stil zu sein. Es wird viel manövriert und die Figurenaufstellung immer wieder ein wenig verbessert, ehe zugeschlagen wird.

Auch ein Tipp aus der Trainingssession. Wenn man Züge wiederholen kann, solle man das tun, um mit dem Gefühlen des Gegners zu spielen. Durch Abweichen könne der Gegner einen Fehler machen. Aber nicht verzählen wegen der Stellungswiederholung.

Schwarz kann sich nicht so recht entscheiden, ob am Damen- oder Königsflügel gespielt werden soll. Nach 17. … b5 scheint die schwarze Stellung ok. Man hat Platz. 18. b4 hatte das Schachkid nicht auf der Rechnung. Man tauscht ab und das Schachkid freut sich nach 24, … Lf6 einen Mehrbauern. Aber nun packt der Großmeister seine Endspielkenntnisse und Stellungsgefühl aus. Der Bauer auf a6 wird zum Angriffsprojekt und erbeutet. Schwarz spielt nunehmend unkonzentriert und lässt sogar noch einen Bauern mit 33. Dxb5 spielen. Der weiße Bauern wandert auf b7 und Schwarz hat kaum vernünftige Züge. Weiß sollte langfristig dank des Bauern auf b7 und der  schlecht positionierten Figuren gewinnen. Soviel Aufwand ist gar nicht nötig. Seit vier Stunden läuft das Simultan. Viele Gegner haben schon die Waffen gestreckt. Der Großmeister dreht routiniert seine Runden und greift beim Schachkid den Punkt b6 an.  Das Schachkid verteidigt und lässt vor Schreck die Dame stehen. Den GM freuts, er grinst.

Am folgenden Tag gibt der Schachguru noch ein Training. Partien des gestrigen Simultans werden besprochen. Hier ein lockerer Spruch, dort ein wenig Selbstkritik, da ein verschmitztes Grinsen. Der Mann trinkt Kaffee und ist ein Entertainer. „Geschwätzblitz“ von Chess24 live in Briesen. Jan Gustafsson ist ein auf dem Boden gebliebener Großmeister mit zweifellos großen Unterhaltungswert.

24. Rehberge – Open 2018

Der Tiarks und das Schachkid sind beim 24.Rehberge-Open in Berlin. Hier war das Schachkid noch nie.

Das Turnier eröffnet den Turnierreigen des Berliner Schnellschach-Grand-Prix. Es ist Ferienzeit, es ist sehr warm. Es geht erst um 13.00 Uhr los bis 21.00 mit 11 Runden. An diesen Umständen mag es liegen, dass es für Berliner Verhältnisse wenig Teilnehmer und wenig Titelträger sind. Trotzdem ist es stark besetzt. Der Tiarks ist auf 11, das Schachkid auf 38 gesetzt.

Das Spiellokal liegt in einem sehr rustikalen Bezirk. Ebenso rustikal ist die Wirtin mit dem Charme eines Flintenweibs. Im Spiellokal stehen Schilder, die den Verzehr von mitgebrachten Speisen und Getränken verbieten. Die Wirtin hat sich gleich jemanden erspäht, der eigenes Wasser trinkt und droht mit Rausschmiss.

Tiarks und Schachkid bestellen Brötchen. Die Zubereitung dauert stolze 15 Minuten. Das Schachkid guckt die Wirtin kritisch an. Diese rennt in die Küche und meint dann, die Brötchen hätten erst gebacken werden müssen. Komischerweise sind sie kalt. Merkwürdige schnoddrige Vereinsgastronomie, typisch Berlin. Aber es ist natürlich top und Luxus, als Schachverein ein durchaus schönes Spiellokal mit vielen Räumen und Bewirtung zu haben.

Mit den Brötchen überbrückt man die Wartezeit. 13.00 Uhr soll Beginn sein, 13.20 Uhr geht es los. Schachturniere sind wie Konzerte, gehen nie pünktlich los.

Erste Runde, das Schachkid muss fast gegen den Tiarks spielen. Aber man sitzt dann doch nebeneinander. Die Uhren findet der Tiarks nicht gut. Er punktet trotzdem. Die Uhren sind analog und tatsächlich sehr niedlich, nix für dicke Finger. Was aber keine Ausrede für das Schachkid sein soll, der beim abtauschen den Überblick und dann einen Bauern verliert. Dann im Endspiel keine Tempi mehr, ein sicherer Punkt für den Gegner.

Zweite Runde, ein kleines Nachwuchstalent von Zugzwang zieht die Bauern noch rückwärts, was sich sicher bald ändern wird. Punkt, das Schachkid gönnt sich einen Streuselkuchen.

Der Tiarks kommt und ist sehr empört. Zwei Bauern mehr aber die Leichtfigur stehen lassen. Die Wärme setzt ihn zu. Die heutige Jugend ist nicht sehr robust. An Tagen wie diesen ist alles möglich.

Der Tiarks schleppt ein Glas Wasser an und hat eine Zitronenscheibe drin. Das Schachkid hat in sein Wasser keine Scheibe bekommen. Vermutlich liest die Wirtin diesen Blog und übt so Rache.

Dritte Runde, eine 1980. Das Schachkid kennt den Gegner schon. Der mufft immer etwas und wäscht sich nach dem Toilettengang nicht die Hände, wie das Schachkid bei anderen Turnieren beobachtet hat. Dem mag das Schachkid gar nicht die Hand geben. Der Gegner gewinnt schnell die Qualität. Das Schachkid gibt auf und geht sich im Keller die Hände waschen.

Tiarks grummelt vor sich hin. Er hat gegen eine 1700 verloren und wirkt nun ein wenig angespannt.

Die Wirtin führt ein strenges Regiment. Der Koch wird in der Küche zusammengefaltet, weil das abgewaschene Besteck rumsteht. Der Turnierveranstalter, ein Senior ca. Mitte 70, wird angeblafft, dass er den Raum nebenan in Ordnung bringen solle. Das müsse man doch nicht erst um 22.00 Uhr Ordnung schaffen. Und er habe doch tausend junge Leute da. Der Senior schlürft und baut die Schachbretter ab. Frank Hoppe schaut betroffen drein.

Der Tjarks hat endlich mal gewonnen. Er spielt gegen Mann mit Hund. Zitat „Für 1600 reicht es gerade noch.“ und atmet schwer. Das Schachkid hat nun eine 1000, der übliche Fahrstuhleffekt in so einem Turner. Ein Punkt und gleichauf mit Tiarks.

Auslosung der fünften Runde. Zwei Senioren am Aushang. Senior 1: „Ich krieg nur starke Gegner, Sauerei.“ Senior 2: „Die sind alle stärker als Du.“ Senior 1: „Außer Du.“

Nun macht das Schachkid kurzen Prozess mit der 1900, und gibt nach 2 Minuten auf. Es ist zu warm und das Schachkid stellt alles hin. An der Bar angekommen ordert das Schachkid Eis. Ein zweiter Spieler will Bier und tut kund, dass er 18 Kilo abgenommen hat. Das Schachkid fragt interessiert nach, ob die Haut denn mitgegangen ist. Der Kollege knöpft das Hemd auf und demonstriert seine Brüste. Tatsächlich alles straff.

Der Tiarks kommt schnaufend und hat gewonnen. Ansonsten schwitzt er still vor sich hin.

Das Schachkid überrennt gerade seinen Gegner, den Mann mit dem straffen Busen von eben. Der Tiarks kommt angeschlurft und schaut das Schachkid hungrig an. Das Schachkid stellt den Läufer hin. Der Gegner, eingeschüchtert ob der Überlegenheit der beiden Potsdamer am Brett, bietet Remis.

Der Tiarks hat gegen des Schachkids Gegner aus der dritten Runde gewonnen. Das Schachkid gibt einen Hinweis. Der Tiarks eilt in den Keller zur Toilette und desinfiziert sich die Hände.

Pause nach der 6. Runde. Der Tiarks geht sich Döner suchen. Schlange an der Theke des Spiellokals. Die Wirtin schnauzt die Gäste an. Fünf Spieler in der Schlange entscheiden sich spontan, woanders zu essen.

15 Minuten später. Die Gäste müssen lange auf Ihr Essen warten. Die Wirtin lamentiert, sie habe nix von der Pause gewusst. Zitat „wenn die Vollpfosten da drinnen ihr nix sagen.“ Gemeint ist damit die Turnierleitung. Das Schachkid möchte an dieser Stelle dem Schachverein Rehberge empfehlen, sich ein anderes Spiellokal zu suchen.

Die Wirtin kommt aus der Küche. Der Hund vom Senior flüchtet. Die Wirtin schaut sich suchend um und keift „Der Hund muss mal aus dem Weg.“

Siebte Runde. Der Tiarks hat es endlich den oberen Raum der achten Bretter geschafft, schiebt aber Remis. Nächste Runde hockt er wieder beim Pöbel, quasi in des Schachkids Nähe. Dieses hat endlich mal einen Gegner schön überrannt, der sogar ein wenig stärker war.

Es ist zu warm. Das Schachkid hat keine Lust, über die Runde zu schreiben. Der Tiarks saß zwar nochmals oben, stellt aber den Turm ein. Nächste Runde also wieder Pöbel. Das Schachkid stellt den Bauern ein, gewinnt ihn wieder und noch einen Läufer. Leider sind keine Bauern mehr da, also Remis.

Neunte Runde, Erschöpfung macht sich breit. Der Tiarks sorgt für ein sehenswertes Matt und darf in der nächsten Runde wieder oben bei den Großen spielen. Am Brett 16 angekommen wartet eine 1990 auf das Schachkid. Er denkt lange nach, aber die Denkpausen lohnen sich. Er hat ganz klar das bessere positionelle Verständnis und schiebt das Schachkid langsam Zug um Zug zusammen.

Der Senior mit dem Hund hat offenbar eine Figur eingestellt. Jedenfalls verkündet er lauthals, dass er nun die Nase voll hat und nach Hause geht. Tatsächlich ist er in der nächsten Runde nicht mehr da. Die Wirtin lärmt wieder im Hintergrund rum. Offenbar geht ein Gast vor der Bar auf und ab. Die Wirtin pfeift ihn zusammen. Es sei ihr Laden. Entweder setze er sich hin oder sie würde ihn rausschmeißen. Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, ob diese dralle Gastronomin ihren Beruf richtig verstanden hat.

In der 10. Runde spielt das Schachkid gegen einen Indianer. Langsame und bedächtige Bewegungen, man merkt ihm seine Überlegenheit an. Der Tiarks hat gewonnen, freut sich, kommt langsam in Fahrt und darf auch in der letzten Runde oben spielen.

Das Losglück meint es gut mit dem Schachkid. Ein Jugendlicher mit einer zarten 1200 leistet keinen Widerstand und wird schnell umgehauen. Nächstes Jahr wird er sich bestimmt rächen. Der Tjarks bekommt mit einer 2145 nochmal einen dicken Brocken vorgesetzt. Aber er hat sich nach 10 Runden warm gespielt und gewinnt das Ding. Dumm nur, dass das Turnier jetzt zu Ende ist. Ein versöhnliches Ende.

5 aus 11 sind für die Wärme und die relativ starke Besetzung Gang in Ordnung, wenn die Partien auch qualitativ nicht doll waren. Der Tiarks hatte in den letzten Runden einen Lauf und gewinnt auf Platz 7 noch einen Preis, ein versöhnliches Ende.

Das Turnier war gut organisiert, der gastgebende Verein eine nette Truppe. Und die ungastliche Wirtin bot einen hohen Unterhaltungswert.