Archiv für Dezember 2017

Erfurter Schachfestival – Neuauflage des Finales 2012

7.00 Uhr, der Tag beginnt. Das Schachkid löst seine 10 üblichen Schachaufgaben bei Chesstempo. Des Schachkids Trainer hat beim Schachkid eklatante Taktikschwächen festgestellt und Tatiktraining verordnet. So ist seit 8 Tagen der Vorsatz, bis 31. März 2018 jeden Tag 10 Aufgaben zu lösen. Mal gucken, ob es was bringt.

Gestern fiel dem Schachkid im Augustiner fast das Handy aus der Hand. Als es feststelllte, dass das Erfurter Schachfestival auf diesen Blog verlinkt hat, worüber sich das Schachkid sehr gefreut hat. Kaum zu glauben, dass dies hier wirklich jemand liest.Vermutlich wird irgendwann mal ein schachlicher Gegner des Schachkids selbiges verklagen.

8.00 Uhr, das Schachkid fährt zur Sauna. Nachdem es gestern mitbekommen hat, dass man sich an der Rezeption Latschen und einen Bademantel bestellen kann. Und das sogleich prompt aufs Zimmer geliefert bekommt. Im Wellnessbereich angekommen schaut eine sportelnde Dame das Schachkid fragend an nach dem Motto, was will der denn hier und begibt sich aufs Laufband. Das wird das Schachkid nie verstehen, auch wenn es Sport nötig hätte. Warum quälen sich Menschen freiwillig vor dem Frühstück im Urlaub im Hotel auf dem Laufband?

Die Sauna wirkt nun ja, lauwarm. Das Schachkid setzt sich probehalber mal rein. Minuten später flammen Lichter in der Sauna auf. Ist das ein Zeichen? Oder ist das Hotel irritiert, dass da jemand rumsitzt? Das Schachkid trollt sich zum Frühstück.

Heute geht es in der 5. Runde gegen Ivica Braskin. Der Erfurter gehört zum Urgestein de Amateurturnier. Man hatte bereits 2012 in der 7. Runde das Vergnügen. Seinerzeit ging es um den 1. Platz. Das Schachkid hatte die Qualität mehr, Ivica mit seiner unabwendbaren Mattdrohung die besseren Argumente. Heute ist der Tag der Revanche.

Um 11.00 Uhr ereilt das Schachkid immer so ein kleiner Hunger am Brett, was das Spielen doch sehr beeinträchtigt. Heute sorgt das Schachkid vor und nimmt sich Nüsse vom Weihnachtsmarkt mit. Die kann man zur Not auch auf den Gegner werfen, wenn dieser mit schachlichen Ungemach droht.

Erfurter Schachfestival – Unverdiente Siege

Morgens um 8.00 Uhr fahren Schachspieler im Fahrstuhl im Bademantel durch die Gegend. Vor dem Frühstück in die Sauna, das wird das Schachkid morgen auch mal ausprobieren. Vielleicht stimuliert das ja die Gehirnzellen.

Nach dem Frühstück drapiert sich das Schachkid in der Lobby. Der Schubi kommt hereinspaziert und blickt sich suchend um. Das Schachkid winkt im fröhlich zu. Der Schubi guckt und geht davon. Manchmal ist er blind. Oder wird alt und braucht dringend eine Seehilfe.

Oh ein schöner Kuli auf dem Brett. Das Schachkid spielt nun wirklich viele Turniere mit und dürfte im DSB bald die meisten Auswertungen haben. Aber dem Schachkid ist kein anderes Turnier bekannt, wo jeder Spieler einen Kuli mit seinem Namen darauf erhält. Daheim hat das Schachkid bereits eine stattliche Sammlung.

In der dritten Runde gibt es mit Jens Grönke-Reimann mit 1294 DWZ immerhin den bisher nominell stärksten Gegner. Der Gegner ist erstmal sympathisch, wird dies aber noch verspielen. Das Schachkid kann es gar nicht leiden, wenn der Gegner nach der Partie angefressen davon rennt, die Figuren nicht richtig aufbaut, die Partieformular nicht unterschreibt und sich gar auf seinem Formular noch einen nicht vorhandenen Sieg einträgt. Gut, dass das Schachkid aufpasst. Dazu kaut der Gegner noch Cantuccini in einer Lautstärke, dass es kracht. Das Schachkid liebt dies Gebäck sehr, kaut es aber am Brett nicht dem Gegner vor. Am benachbarten achten Brett nervt Schwarz mit Remisangeboten im 15-Minutentakt.

Die Eröffnung ist verhunzt, die Partie gewinnt das Schachkid völlig unverdient. 6. e5 muss kommen, eigentlich sollte das Schachkid die Theorie kennen. 8. f3 erschwert die Rochade. Gott sei Dank sieht der Gegner den Einschlag 10. … Sxe4 nicht. Im Hauptturnier wäre die Partie wohl jetzt schon beendet.

Nach 12. 0-0 ist für das Schachkid die Welt erstmal wieder in Ordnung. 12… d5 hilft eigentlich nur Weiß, da es die Stellung öffnet, was dem Läuferpaar dienlich ist. 19. Lxh7 sieht das Schachkid leider nicht. Zum Ausgleich nimmt Schwarz mit 24. … Lxc4 einen Bauern und übersieht die deckende Dame. Danach geht nix mehr, Schwarz gibt auf.

Das Hotel zeigt dieses Jahr keine Schwächen. Der Tee kam bei den nächsten Bestellungen lose und nicht schon ertränkt im Wasser. Die Bar reagiert flott, man wartet nicht mehr stundenlang. In der Happy Hour gibt es leckere Cocktails. Und auch das Servicepersonal beim Frühstück hat die Lage gut im Griff. Da hat wohl die Kritik der letzten Jahre gefruchtet.

Zum Mittag essen mus trotzdem der Weihnachtsmarkt her halten. Thüringer Bratwurst muss es sein, denn das gibt es in der tweiten Heimat des Schachkids in Brandenburg nicht. Schubi, ein Thüringer Ureinwohner, spricht das undenkbare aus. Er will zum Inder oder Griechen. Das sagt ein Thüringer in thüringens Landeshauptstadt. Kulinarischer Frevel.

wein

Zurück geht noch ein „Eierlikör to Go“ auf der Krämerbrücke.

Das Schachkid hat es an Brett 1 zurück geschafft und bekommt einen Jugendlichen vorgesetzt, der schon 3 aus 3 hat. Gleiche Eröffnung wie heute früh mit dem Unterschied, das Schachkid kann sich nun an die Theorie erinnern.

Alsbald hat Schwarz einen beeindruckenden Trippelbauern und den König in der Mitte. Das Schachkid spielt allerdings ungenau. 13. 0-0-0 wäre die bessere Alternative gewesen. 21. h3 hält den Königsflügel zusammen. So gewinnt Weiß zwar zwei Bauern. Die laufen aber nicht weg. Mit dem Bauerntausch am Königsflügel auf g3 und dem Schlagen des Springes kommt Schwarz auf einmal ins Spiel und droht allerlei. nach 27. c5 bietet Schwarz Remis an, hätte aber sicher seinen vierten Punkt machen können. Schwarz gewinnt beide Bauern zurück und steht auch sonst sehr gut. Unfassbar, wie das Schachkid diese gewonnene partie versiebt hat. Der Eddi kämpfte mit viel Biss und wird sicher in diesem Turnier weit vorne landen. Das Schachkid verabschiedet sich derweil vom angestrebten Turniersieg und versucht es mal mit einer Top10-Platzierung.

Der Schubi kämpfe an des Schachkids Seite am Brett 2 gegen die Nummer 2 des Turniere. Zahlen passen hier gut zusammen. Das Schachkid trug dem Schachfreund Krebs noch auf, ja gegen Schubi zu verlieren, damit dieser keine schlechte Laune bekommt. Da spielt der Schubi aber nicht mit und lässt sich einzügig matt setzen.

Man tröstet sich im schönen Augustiner mit einem Bier und einen kleinen Rostbrätl und hofft auf die morgigen Partien.

 

Erfurter Schachfestival – Vergiftete Bauern

1. Tag des Amateurturniers in Erfurt. Das Schachkid ist die Nr. 1 der Setzliste. Nach unzähligen Versuchen bei den letzten Turnierteilnahmen scheint nun ein Turniersieg möglich, alles andere gar abstrus. Das Schachkid freut sich erstmal auf einen entspannten Tag. Zwei schnelle Siege sollten drin sein.

3,5 Stunden später… Das Schachid spielt immer noch. Der Schubi hat schon wieder remisiert und redet sich damit heraus, sein kleines Kampfkind, gegen das er spielen musste, habe viel besser gestanden. Zur Strafe darf Schubi in der nächsten Runde nicht im großen Turniersaal spielen.

Der Michael Müller spielt erst seit 1,5 Jahren Schach. Es mache ihm Spaß, sagt er. Und er spielt auch deutlich besser, als das seine 1190 vermuten lässt. Es wird Schottisch, der Blumenfeldt-Angriff. Das Schachkid kann sich nicht an die Variante erinnern. Stellt aber später erfreut fest, dass es die ganze eingeübte Variante korrekt gespielt hat.

Tragischer Held der Partie ist der Lc8, der nicht einmal zieht. 17. d6 wäre vermutlich der bessere Zug gewesen. Aber das Schachkid sieht ein gewonnes Endspiel mit Mehrbauern auf dem Brett. Und guckt nicht schlecht, als sich Schwarz den Mehrbauern sogleich wiederholt. 24. … Te5 ist dann sicher der entscheidende Fehler.Weiß gewinnt die Qualität. Schwarz gibt netterweise auf und quält sich nicht durch die folgenden Züge.

Man widmet sich nun dem Weihnachtsmarkt. Das Schachkid gibt dem Schubi bekannt, dieses Jahr keinesfalls ein Schachbuch zu kaufen. Es müsse noch die im letzten Jahr gekauften Bücher lesen.

Der Turnierdirektor verlost schon wieder Preise im Minutentakt. Ein Geburtstagskind erhält ein Jahresabo der Zeitschrift Schach64.  Die häufigste Turnierteilnahme wird belohnt (15 Mal). Wobei einige Schachfreunde noch häufiger teilgenommen haben, aber fairerweise nicht jedes Jahr abstauben sollen. EIn 1.000 € Gutschein für eine Schachkreuzfahrt mit Schacheisen Hickl wird auch noch verlost. Und jede Menge Schachmiezenkalender gibt es. Die Schachmiezen sind die am längsten spielenden Frauenbundesligamannschaft, wie der Turnierleiter preis gibt. Was den Nebenmann des Schachkids rausrutschen lässt, das müssten dann ja 90-jährige Jungfrauen sein.

Später am Tage

Der Rolf ist ein zäher Knochen und spielt gefühlt seit einem Jahrhundert Schach. Das Schachkid wundert sich und guckt. Nein, die Dame kann nicht gefangen werden. Und schlägt beherzt 10. … Dxb2. Ein Desaster… Rolf nutzt die Gelegenheit, in eine Stellungswiederholung überzuleiten und grinsend Remis anzubieten. Das Schachkid muss einwilligen, sonst ist die Dame weg. Wäre Sie auch nach 14. Sxc6 mit anschließenden Tf3.

Das Schachkid geht los und kauft beim anwesenden Schachhändler drei Schachbücher.

Der Schubi gewinnt und darf in der 3. Runde wieder vorne im Haupsaal spielen. Man ist schon um 17.15 Uhr fertig. Was macht man da mit dem angebrochenen Abend?

Man macht sich auf in den Schwarzburger Hof, der am 1.9.2018 dringend einen Nachfolger sucht. Überhaupt ist auffällig, dass in Erfurt viele Restaurants zugemacht haben, die Schubi und das Schachkid in den letzten Jahren besucht haben. Das Schachkid ist der Meinung, dass das Universum danach strebt, im Gleichgewicht zu bleiben. Vermutlich gleicht das Universum die Restaurantschließungen durch die Eröffnung von Dönerbuden und Nagelstudios von Asiaten wieder aus.

Sei es drum. Bei einem Bier sinnieren Schubi und das Schachkid über den Schachmiezenkalender. Ein Aktkalender mit schachspielenden Damen wäre mal was. Das Schachbrett könnte an strategisch wichtigen Stellen platziert werden. Vor den Kopf zum Beispiel, wie der Schubi meint.

Sauna und zwei Cocktails an der Bar beschließen den Abend.  Bleibt zu hoffen, dass es morgen besser läuft.

 

Erfurter Schachfestival – Her mit den Nüssen

Schon wieder ein Jahr rum, das Jahr wird im Erfurt beim Schachfestival beendet. Das Turnier hat schon wieder eine neue Rekordbeteiligung. Das Hotel platzt aus allen Nähten. Für das Schachkid lief das Jahr eher so lala, was man der DWZ auch ansieht. Zum Ausgleich darf das Schachkid das Armateuropen mitspielen. Dieses ist für Spieler für max. 1600 zugelassen. Könnte ein entspanntes Turnier werden.

Das Schachkid flaniert in die Hotellobby Der Turnierleiter Daniel Wanzek schaut sich nach Turnierteilnehmern um und wirkt im übrigen so smart wie immer. Der wird auch nicht älter.

Das Schachkid wohnt diesmal fast gahz oben in der 13. Etage mit Blick auf dem Dom. Schöner Blick, aber stümisch. Das Hotel ist offensichtlich wie das Schachkid der Meinung, dass Abnehmen im Dezember einfach keinen Sinn macht. Und stellt im Zimmer des Schachkids einen Teller mit Stollen und Lebkuchen hin.

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Das Programm für heute heißt Bar – Weihnachtsmarkt – Sauna – Bar. In der Bar sitzt tatsächlich die Sächsin vom letzten Jahr mit der furchtbar quäkenden Stimme und nervt das halbe Hotel. Das Schachkid bestellt Grünen Tee. Der Kellner bringt Pfefferminztee. Das Schachkid bestellt den grünen Tee nach. Das Schachkid, gastronomisch laienhaft geschult, checkt sogleich, das Hotel hat den Tee im Wasser versenkt. Das ist nicht schön, so kann der Gast nicht die Ziehzeit des Tees bestimmen. So schmeckt der Tee dann auch, er ist ungenießbar. Bitter und voller Gerbstoffe.

Das Schachkid begibt sich zum Weihnachtsmarkt. Der Stand mit Lebkuchen und Nüssen ist an Ort und Stelle, wo er hingehört. Das Schachkid guckt den Verkäufer schweigend an. Der guckt schweigend zurück und fängt an, Wasabinüsse einzupacken.  Nach 10 Jahren kennt man sich.

Das Schachkid wird sich nun an die Bar begeben und sich durch die Cocktailkarte trinken. Das Schachkid ist an Nr. 3 gesetzt, hat aber die höchste DWZ im C-Open. Da dürfte die erste Runde entspannt und der Turniersieg nur eine Frage von Taktik und Vermeidens von Einstellern sein.