Archiv für September 2017

25. Blickpunkt-Open in Frankfurt (Oder) – ein Desaster…

Text folgt!

 

25. Blickpunkt-Open in Frankfurt (Oder)

Das Schachkid machte sich auf, um von 15. bis 17. September das 25. Open in Frankfurt (Oder) mitzuspielen. Dieses Open ist recht klein und gemütlich und daher immer eine Reise wert. In diesem Jahr fehlen die ganz großen Spieler. Das Feld hat dafür eine angenehme Breite, wo jeder einen gleichwertigen Gegner findet.

Die 1. Runde lässt das Schachkid aus um fit in die zweite Runde einzusteigen. Es geht gegen Andreas Winkler, Der Preuße, er ist vom SC Preußen, hat mit dem Schachkid schon fünf Mal die Klingen gekreuzt. Mal ging es Remis, mal gewann der eine und mal der andere.

Das Schachkid kommt wie immer auf den letzten Pfiff, genauer gesagt zwei Minuten nach der Karenzzeit, was er Gegner dankenswerterweise toleriert. Er hätte durchaus auf den Gewinn bestehen können, ein feiner Zug vom Andreas.

Es kommt der klassische Najdorf auf Brett.  Mit 12.Lf3 setzt Weiß nicht konsequent fort. Im Najdorf gilt es, aggressiv zu spielen.  12.g4 wäre auf Angriff gepolt gewesen. 14. B4 begeistert nicht, denn es lässt einen Bauern stehen. Das Schachkid ist begeistert und hofft, langfristig noch den Bc3 zu gewinnen. 23. Tg3 hat das Schachkid völlig übersehen. Wenn noch 24. De5 kommt, muss Schwarz schon mit Txd4 die Qualität geben.

Die Partie entwickelt sich gut. Es gelingt Schwarz, den gegnerischen schwarzfeldrigen Läufer abzutauschen. Nun fix überlegt und durchgezählt. Der Bc3 ist dreimal angegriffen, aber nur zweimal verteidigt. Schwarz nimmt begeistert den Bauern, aber Weiß nimmt einfach mit den Turm zurück und Schwarz kann nicht wieder nehmen. Dumm gelaufen… Mit 29. …Te4 hätte Schwaz einen zweiten Bauern gewonnen und anschließend gutes Spiel gehabt.

Mittagspause, Zeit die rustikalen Köstlichkeiten der Sportlerkneipe auszutesten. Die Bar empfiehlt Potsdamer, Bier mit roter Fassbrause. Das kennt das Schachkid noch nicht findet es aber großartig. Die Frage nach etwas Süßen kontert der Barkeeper mit Eierlikör im Schokobecher. Zwei gehen mindestens.

Das Schachkid startet leicht beschwingt, um nicht zu sagen am schwankenden Brett in die 2. Runde gegen Cordelia Koppe aus dem schönen Rüdersdorf, was heute lange nicht mehr so staubig wie zu DDR-Zeiten ist.Mittlerweile sitzt man im Nebenzimmer, wo quasi die genullten Spieler hin müssen. Dafür sitzt man bequemer.

Schottisch, kleine Zugumstellung, Blumenfeldtangriff. So fühlt es sich also an, wenn man sich in einer Eröffnung auskennt und man ein gewisses Stellungsgefühl hat. Das muss der Schachwizard, des Schachkids Ex-Trainer wohl gemeint haben, als er gang verzweifelt predigte, das Schachkid solle sich Eröffnungen anschauen.

Die gegnerische Dame wird gegen drei Leichtfiguren eingetauscht. Das kann Schwarz durchaus noch spielen- Ständig muss Weiß auf seine Dame achten. Aber nach 20. H2 wird Schwarz wohl doch noch eine Leichtfigur einbüßen. Schwarz übersieht jedoch ein einzügiges Matt. Alte Männerweisheit, vor Damen aus dem Hiterhalt muss man sich hüten.

 

 

5. Amateurcup in Berlin

Amateurcup in Berlin. 55 Voranmeldungen gab es, weiter 35 Spieler kamen spontan, also 80 insgesamt. Getuschel in der Küche. Essen für so viele Leute ist nicht geplant. Lucky will ja eh einen Döner essen gehen. Wollte er schon Frühstück um neun in der U-Bahn.

Jörg Schulz, Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend ist auch da, steht aber nur draußen und raucht Zigarillos. Wieso? Sollte er der Jugend nicht hier ein Vorbild sein?

In der ersten Runde gleich an Brett eins, da kommt das Schachkid nie wieder hin. Weiß spielt das Morra-Gambit. Nach 5 Zügen ist Weiß verwirrt und setzt sich erstmal eine Brille auf, um die Scharfsicht herzustellen. Das Schachkid gibt vorsichtshalber nach 10 Zügen auf und geht an die frische Luft, um einen Terrier mit Schleifchen und den Aufdruck VIP zu bewundern. Allein das Hundevieh flüchtet beim Anblick des Schachkids. Immerhin Lucky gewinnt.

1.Runde gegen Bekim…, das Schachkid ist zu faul, sich nach vorne zu begeben und den korrekten Namen zu lesen. Der Gegner spielt nur in seiner Freizeit Schach, das aber sehr gut. Gott sei Dank übersieht er die taktischen Einsteller des Schachkids, sodass es gerade so zum Punkt reicht. Lucky hat sich komischerweise an Brett 3 platziert, und gewinnt auch noch.

2. Runde gegen Philipp Geiß. Das Schachkid gewinnt gegen den Nachwuchs die Qualität, um dann diese und dann noch einen Läufer einzustellen. Das Turnier geht so los, wie das gestrige aufgehört hat, nur schlimmer.

In der vierten Runde nun gegen eine kleine Dame. Die neu Gelernte Eröffnung macht sich bezahlt. Und bums, ist durch einen kleinen taktischen Kniff der gegnerische Läufer eingesackt und dann der Punkt. Auch wenn das Schachkid wieder bis zum Matt spielen muss. Lucky am ersten Brett gegen Veit Godoij hat es schwer, gewinnt aber schon wieder. Vier aus vier, nicht dass er noch das Turnier gewinnt.

Am Nebenbrett spielt Schwarz mit zwei schwarzfeldrigen Läufern. Ist halt ein Amateurturnier. Des Schachkids Gegnerin wünscht einen Jungen eine fiese Partie. Ja, was sich liebt, das neckt sich.

Die fünfte Runde hat das Schachkid vergessen, zu schlimm war das. Lucky muss gegen Henry Oelmann am ersten Brett ran. Es reicht zum Remis, aber der Abstieg zum zweiten Brett beginnt. Wo er schon wieder gewinnt. Lucky spielt das Turnier seines Lebens.

Nach dem Mittag hat das Schachkid Energie getankt und  Falko Maxim wird umgehauen. Bei diesem Turnier sind die Gegner alle nett. Sind ja auch Amateure.

Frank Kiesewalter ist in der 7. Runde schwächer als das Schachkid, verliert folgerichtig einen Bauern und bietet Remis. Das Schachkid will gewinnen, lehnt ab und lässt sich zwei Züge später einzügig mattsetzen. Das Teeniemädchen am Nachbarbrett das Gesicht. Die ist auch noch fällig. Lucky spielt gegen den an Nr. 1 gesetzten Spieler. Und muss einsehen, dass dieser zu Recht die Nummer 1 ist.

Der Samy Hamdad spielt nur in der Schule ein wenig Schach. Das Schachkid hat trotzdem große Mühe zu gewinnen. Entweder wird das Schachkid immer schlechter oder die Amateure immer besser. Belastend.

An die letzte Runde kann sich das Schachkid gar nicht mehr erinnern. Es ging aber verlustig.

Der Amateurcup ist ein sehr gemütliches Turnier. Da es doch sehr ungezwungen einher geht. Und eine prima Werbemaßnahme für den gastgebenden Verein. Das Turnier richtet sich ausdrücklich an Amateure und nicht im Verein gemeldete Spieler. Was prompt dazu führt, dass sich nach dem Turnier etliche Spieler beim Gastgeber anmelden.

Das Schachkid hat nur Käse gespielt und landet verdient weit hinten im Feld. Lucky hat lange ganz vorne mitgespielt und musste gegen die Plätze 1-4 spielen. Nach einer kleinen Schwächephase reicht es für einen stolzen 6. Platz.  Das kann wiederholt werden.

15. Schlacht zu Dennewitz

Das Schachkid machte am 9. September 2017 sich auf, die Schlacht zu Dennewitz zu schlagen. Nicht die Originalschlacht. Am 6. Semptember 1813 schlug hier eine zahlenmäßig unterlegene preußische Armee Napoleon in die Flucht.

Das Schachkid hat Dennewitz kurz hinter Potsdam vermutet, ist aber doch fast eine Stunde unterwegs. Das Wirtshaus zum Grafen Bülow scheint im nirgendwo zu liegen. Das Turnier findet in einem rustikalen Dorfsaal statt, wo es einfach nur kalt ist.

Hier muss in den letzten Jahrzehnten Dorfleben gefeiert worden sein, wie man es sich klischeehaft vorstellt. Ein Einheimischer hat hier wohl seine Taufe gehabt, dann die Jugendweihe, dann die erste Liebe kennengelernt, diese geheiratet, zwischendurch mal Fasching und diverse runde Geburtstage und Hochzeitstage, um dann als Geist den eignen Leichenschmaus zu verfolgen. Alles im gleichen Dorfsaal. Man atmet Geschichte.

Staatliche vier Großmeister haben den Weg ins beschauliche Dennewitz gefunden, sogar ein GM aus Solingen ist dabei namens Naumannn, Deutscher Vizemeister im Schnellschach. Dazu ein paar niedere Titelträger, die üblichen Berliner sind auch da, die wie das Schachkid auch alles mitspielen, was nicht bei drei auf dem Baum hockt. Ansonsten eine breite Brandenburger Seniorenmischung mit ein paar wenigen irritiert schauenden Berliner Jugendlichen. Spieler im mittleren Alter fehlen fast völlig. Man sieht es ganz deutlich, die Brandenburger Schachszene ist überaltert und hat ein riesiges Nachwuchsproblem.

Die erste Runde geht es mit Weiß gegen Walter Günter von Lok Brandenburg. Besonders anstrengen muss er sich nicht. Er gewinnt relativ einfach zwei Bauern. Der Rest ist Endspieltechnik.

Das Schachkid stellt fest, dass es auf Platz 35 von 42 gesetzt ist. Da wird es wohl heute nicht viel zu holen geben. Besser als Platz 35 ist dann wohl auch das Turnierziel.

Zweite Runde, diesmal keine Einsteller.  Nadine Naumann, die einzige Dame im Feld, kann mit ihrer 1877 DWZ trotzdem besser Endspiele als das Schachkid und bringt ihren Freibauern mittels Turmopfer eher durch.

In der dritten Runde ist das Schachkid schon am vorletzten Brett angekommen. Mit Richard Biller gibt es einheimischen Nachwuchs. Der Kleine ist ca. 12 und hat einen überraschend kräftigen Händedruck. Das Kind hat vermutlich mehr Muskeln als das Schachkid. Nach einem schnellen Sieg recherchiert das Schachkid zu smarten Körperwaagen. Ab 40 muss man dringend was für die Gesundheit tun, hat das Schachkid im aktuellen Focus gelesen.

In der vierten Runde schaut der Günter Idcazek doch sehr irritiert, als da Schachkid hoffnungsvoll seinen Läufer in den schwarzen Königsflügel hinein opfert. Fünf später war zwar die eigene Dame weg. Zum großen Rechnen hat das Schachkid heute aber keine Lust.

Alle kriegen Mittag, nur das Schachkid nichts. Jemand hat sich des Schachkids Rostbrätl geschnappt, der es nicht bestellt hatte. Die Küche liefert nach. Die drei Rentner, die beim Schachkid Platz nehmen, zeigen sich jedoch beeindruckt und ordern Rostbrätl. Zwei der Senioren haben 1961 rüber gemacht, berührende Lebensgeschichte.

Nach dem Essen sieht das Schachkid gar nix mehr und glaubt, gegen Maximilian Diekmann einen Turm stehengelassen zu haben. Der Gegner nimmt erstaunt die Aufgabe zur Kenntnis und zeigt dem Schachkid, wie der Turm einzügig gedeckt werden kann. Das Schachkid hat dann wohl böse geguckt. Jedenfalls entschuldigt sich Maximilian eilig.

Konstantin Boje beweist in der 6. Runde den Trend zu Doppelnamen, indem er keinen hat und spielt auch besser als seine Zahl, übersieht aber eine Springergabel. So richtig glücklich ist das Schachkid mit dem Punkt gegen einen wehrlosen Jugendlichen nicht. Neben dem Schachkid sitzt der Schachfreund Schlittermann aus Berlin, der heute anscheinend auch keinen guten Tag erwischt hat und unter gewohnten Niveau spielt.

7, Runde, das Schachkid begibt sich zum Brett und friert sich fast zu Tode. In Briesen wird zu Schachturnieren wenigstens geheizt. Allerdings ist das Schachkid auch eine Mutti und hat es gerne molllig.  Mit Alexander Luis Naumann hat das Schachkid nun auch den letzten einheimischen Nachwuchs durchgenudelt. Nervig, wenn die Kinder immer mit drei Figuren weniger bis zum Matt spielen.

Nun geht es gegen Klaus Müller von Lok Brandenburg in Runde 8. Der Mann hat entweder keinen Humor oder ist total auf die Partie fokussiert. Nur beim Handschlag schaut man sich kurz an, sonst kein Blick nix. Das Schachkid hat die Qualität und zwei Bauern mehr sowie die Türme auf der 7. Reihe. Der Senior gibt nicht auf und legt das Schachkid tatsächlich mit dem Freibauern rein. Das Schachkid weiß wirklich nicht, was nerviger ist. Kinder oder Senioren, die nicht aufgeben. Oder man selber, der den Gewinn nicht auf die Reihe bekommt.

Schnellschachturniere sind gut geeignet, um frisch erlernte Eröffnungen auszutesten. Frank Stemmler macht in der letzten Runde beim Schotten mit. Es wird der Blumfeldt-Angriff. Irgendwo geht es dann doch schief. Schwarz hat irgendwann zwei Leichtfiguren mehr. Aber die Eröffnung scheint wirklich sehr scharf zu sein.

Dem Schachkid hat es nicht so gefallen. Was einerseits am Teilnehmerfeld lag, was sehr ehrgeizig und stark wahr. Und nicht viel hergab. Der Spielsaal war dem Schachkid zu kalt und düster, es fehlte an Gemütlichkeit. Aber das ist ja immer eine Frage des Geschmacks.