Archiv für August 2017

19. Briesener Open – Remis überall

3.  Tag beim Briesener Open. Der Tag beginnt um 6.30 Uhr im Hotelbett mit einem Anruf bei 1&1, wo erstmal klargestellt wird, dass diese Seite doch bestehen bleibt und die ausgesprochene Kündigung zu widerrufen ist. Ausnahmsweise gerät das Schachkid mal an einen kompetenten und freundlichen Mitarbeiter, was bei 1&1 normalerweise gar nicht so einfach ist.

Auf den Tag wird sich eingestimmt mit Witzen von Wolfgang von der Lippe und Dr. Eckard von Hirschhausen. Das Schachkid ist ein Fan.

Das Schachkid ist heute etwas früh dran und räumt erstmal Kugelschreiber und Pullover ans Schachbrett. Danach erstmal Kaffee trinken und mit Vereinskollegen palavern und zurück ans Brett. Der Pullover ist weg. Wer bitte schön klaut denn einen Pullover? Später findet ihn das Schachkid in der Küche aufgehängt. Eine besorgte Mutter hat ihn gefunden und weggeräumt. Vor besorgten Müttern ist offensichtlich nichts sicher.

Heute geht es gegen Paul Schmidt. Das Schachkid hat gegen den sympathischen Mecklenburger bereits beim Neubrandenburger Open die Klingen gekreuzt. Damals einigte man sich auf Remis. Heute spielt Paul einen Drachen, das Schachkid kontert mit Maroczy.

Nach 13. … b5 sieht sich das Schachkid genötigt, doch mal nachzudenken. Es scheint allerlei zu drohen. Ta1 steht in der Läuferdiagonalen rum, Sc3 scheint doppelt und dreifach durch Turm, Dame und Läufer angegriffen zu sein. Das Schachkid holt sich einen Kaffee und beklagt sich bei der Frau des Vereinschefs über das drohende Ungemach.

Nach Abtausch scheint aber alles in Butter. !5. … Sd7 versteht das Schachkid nicht, es hätte eher mit Sxe4 gerechnet. So spielt das Schachkid zügig 17. Tac1 und hat leider das folgende Lb2 nicht gesehen. Wieder ein Zug zu wenig gerechnet, die alte Schwäche. 17. Scd4 wäre es wohl gewesen. Der Mecklenburger hat auch keine Skrupel, sich die Qualität zu nehmen. Immerhin kann sich das Schachkid die Qualität sichern.

Das Schachkid ist verschreckt, bietet probehalber Remis und ärgert sich später darüber. Es fehlt wieder einmal der Ehrgeiz am Brett. Fehlende Qualität hin oder her, Weiß hat das Läuferpaar. Und die verbundenen Freibauern auf der a- und b-Linie muss Schwarz erstmal aufhalten. Die Stellung ist vermutlich für beide Seiten chancenreich und ausgeglichen. Der Mecklenburger sieht es ähnlich und willigt vorsichtshalber ins Remis ein.

Muss also wieder die letzte Runde entscheiden, ob es ein gutes oder schlechtes Turnier wird. Problem nur dabei, in der letzten Runde ist das Schachkid immer so demotiviert. Es fehlt der Biss, das Schachkid hat keine Lust, sich noch anzustrengen.

Christine Gebhardt vom SC  Friedrichshagen wirkt dagegen sehr motiviert. Dieser Schachclub spielt im äußersten Südosten von Berlin in der Nähe von Köpenick. Das Schachkid war da mal zum Punktspiel. Man fährt ewig durch Berlin und glaubt gar nicht, dass man immer noch in Berlin ist.

Geschlossener Sizilianer, das Schachkid hat keinen Plan. Die Gegnerin wirkt kampfeslustig und knallt die Züge in einem Affentempo aufs Brett. Sie scheint sich auszukennen. Das Schachkid hat nicht mal Gelegenheit, durch die Gegend zu laufen.

Das Schachkid bietet probehalber mal Remis an und Weiß willigt tatsächlich ein. Wobei die Stellung für Schwarz durchaus kämpfenswert ist. Schwarz steht zwar gedrückt. Der weiße König steht aber auch reichlich windig. Und Schwarz hat das Läuferpaar. Öffnet sich die Stellung und der weiße Angriff kann abgewehrt werden, dann wird die Partie für Schwarz ein Selbstläufer.

Der Rollmops hat ein nicht so gutes Turnier gespielt, will es aber in der letzten Runde wissen. Er gibt richtig Gas und wird die letzte Partie des Turniers. In der Zeitnot reißt er die Stellung herum und holt sich denn Punkt, wie die riesige Zuschauermenge um das Brett herum gebannt verfolgt.

Der Schachwizard war auch dabei und hat ein sehr gutes Turnier gespielt. Nur ein Verlust gegen den Favoriten, es reicht fürs Treppchen und einen Pokal. Die DWZ springt auf einen neuen Rekord und nährt sich der 2100. Das Schachkid ahnt, das wird immer schwieriger, den Wizard einzuholen und überholen. Man braucht ja Ziele.

Insgesamt ein sehr schönes Turnier. Es besteht schon Vorfreude auf das 20. Briesener Open 2018. Spielerisch war das Turnier keine Katastrophe. Zumindest hat das Schachkid keine taktischen Einsteller gebracht. Aber eben die Partien auch nicht ausgekämpft. Auch wenn der 6. Platz ok ist, vom Remis schieben wird man zugebenermaßen nicht besser…

19. Briesener Open – Blitz und Donner

Am Samstag Morgen nach dem enttäuschenden Frühstücksbuffet geht in Fürstenwalde erstmal nix. Lauter ausländische LKW sind unterwegs. Als erfahrener Fürstenwalder weiß das Schachkid, da muss was auf der Autobahn passiert sein. Ist es auch, ein Gefahrguttransporter ist umgekippt. Das Schachkid beglückwünscht sich zur Entscheidung, vor Ort zu schlafen. Auf dieser bekloppten A12 ist ja immer was.

Seit 12 Jahren fährt das Schachkid beruflich und privat zwischen Potsdam und Fürstenwalde hin und her, Und jedes Jahr wird auf dieser bekloppen Autobahn gebaut, In den letzten Jahren hat mman auf zig Kilometern den Standstreifen erneuert. Um jetzt auf die glorreiche Idee zu kommen, man könne da doch dreispurig ausbauen. Was die Benvölkerung übrigens seit zig Jahren fordert, Wie gut, dass man den teuer erbauten Standstreifen dabei platt machen kann…

Arno Behtke aus Neubrandenburg ist er Gegner der 2. Runde. Man hat schon dreimal die Klingen gekreuzt, dreimal wars remis. Das Schachkid bereitet sich ausnahmsweise mal vor und schaut sich die Tarrasch-Variante in der französischen Verteidigung an. Leider weicht Schwarz im 5. Zug ab, wieder umsonst vorbereitet.

Das Schachkid schreibt diesen Text und wird von einem Unbekannten angequatscht, dass man morgen zwei Züge nacheinander machen wolle, ohne dass dies der Gegner merke. Ob dies erlaubt sei… Sowas kann das Schachkid ja gar nicht leiden, blöd von der Seite angequatscht zu werden.

Der Neubrandenburger lässt ein paar Bauern stehen, das Schachkid stellt diese fasst wieder ein. Schwarz greift aber nicht zu, im 25 Zug zum Beispiel. Da haben beide Seiten nicht so optimal gespielt.

Das Blitzturnier droht ein Desaster zu werden. Nur sechs Mann haben sich angemeldet. Im Vorjahr waren es fast 20 Mann. Das Schachkid ist extra losgefahren und hat schöne Preise gekauft jetzt bangt es um die Teilnehmer, zu wenige und zu viele Preise.

Nicht mal auf der Toilette hat man seine Ruhe, wenn man eine Sitzung machen will. Zuerst kommt ein Kind und rüttelt an jeder Tür, wird aber vom Vater zurückgepfiffen. Offensichtlich ist jede Box besetzt.

5 Minuten später. Das Schachkid stellt gerade fest, dass auf dem Klo kein Handyempfang besteht. Wie auf der Toilette auf Arbeit, nirgendwo kann man in Ruhe Spiegel Online lesen. Das Kind kommt zurück und findet eine freie Box. Kurz danach panisches Rufen nach dem Papa. Der Kuli sei ins Klo gefallen. Muss ein Edelkuli gewesen sein. Der Papa merkt an, ein Kuli gehöre nicht in die Gesäßtasche und wirkt auch sonst verstört ob dieser schockierenden Nachricht.  Das Schachkid hört es zwar planschen, kann aber nicht beurteilen, ob der Kuli aus der Kloschüssel gerettet wurde.

Immerhin reicht es mit 1,5 Punkte für Brett 3, wo schon ein Kind und angehender Jugendlicher namens Niclas Sperling wartet. Bei Kindern weiß man ja immer nicht, ob die wirklich wie ihre Zahl oder doch wesentlich besser spielen. Das Nachwuchsfedervieh spielt mit und ein klassischer Najdorf kommt aufs Brett.

17. Sg5 von Weiß kann nicht gut sein, nun kommt Schwarz zum Angriff. Versäumt es aber dabei leider, gute Züge zu machen. 19. …Td8 bietet sich zum Beispiel an, um durch die Fesselung den Läufer zu gewinnen. 20. … e4 sieht noch besser aus. Oder 22. … Db6 . Das Schachkid findet aber zielrichtig die richtigen Züge, sodass der Knabe auf der anderen Tischseite zielstrebig in ein Dauerschach bzw. Stellungswiederholung einleitet, was er clever erkannt hat.

Nach 3 Runden stehen 2 Remis und ein Sieg gegen jeweils schwächere Gegner zu Buche. (Der Kerl am Tisch mit der dummen Frage klopft gerade immer noch dumme Sprüche).  Kein Traumergebnis, aber auch keine totale Pleite. Während einer Partie in Ruhe bei jeden Zug nachzudenken, bleibt ein Problem. Mehr Taktiktrainng ist nötig!

Zum Blitz haben sich nun doch 11 Teilnehmer erbarmt, und dass gar nicht mal so wenig. Das Schachkid würde ja eine Tabelle veröffentichen, wenn diese nicht auf einen anderen PC wäre. Der Berliner Nachwuchs Jonas Kreutz gewinnt relativ klar das Blitzturnier mit 7,5 Punkten aus 11. Wobei das Schachkid für sich in Angriff nehmen kann, gegen den Turniersieger gewonnen zu haben. Wenn auch nur, weil Jonas ein Schach seines Königs übersieht.

Gegen Rollmops wird zum ersten Mal der Blumfeld-Angriff im Schotten ausprobiert, den sich das Schachkid angeguckt hat. Tatsächlich entwickelt sich eine turbulente Partie, die der Rollmops gewinnt.  Aber das ist ausbaufähig.

Das Schachkid landet auf Platz 8 und muss den Bierbrauer Carl Jacob durch die Halle jagen, weil dieser den Eierlikör gemopst hat. Diesen liebt das Schachkid, also den Eierlikör und nicht den Carl, und will ihn wieder haben. Anwesende Hipster sind ratlos und verstehen nicht, wie man Eierlikör trinken kann. Da fehlt es einfach an Lebenserfahrung.

19. Briesener Open – Auftakt für die neue Saison

Das 19. Briesener Open steht an, in diesem Jahr sehr spät, fast zum Ende des Sommers. Das Schachkid hat 5 Wochen, abgesehen von einem kleinen Schnellschachturnier kein Schach mehr gespielt. Also dient das Open der Saisonvorbereitung, wo auch immer diese stattfinden wird. Da ist das Schachkid noch ein wenig unentschlossen.

Das Open ist mit 148 Mann gut besetzt. Es fehlt diesmal vorne an Klasse, dafür ist halt mehr Masse.

Immerhin, das Schachkid will seine 1700 wiederhaben. Schlimm genug, dass es nicht für die A-Gruppe reicht. Also wird seit einer Woche jeden Tag bei http://www.chesstempo.com täglich eine Stunde Schachtraining gemacht.

Ehemals jugendliche Vereinsmitglieder sehen nun aus wie jugendliche Hipster. Aus Kindern werden Leute und man selbst wird alt. Das Schachkid überlegt angestrengt, sich die neue Adresse schachman.guru zuzulegen.

Das Schachkid nächtigt im Kaiserhof in Fürstenwalde. Das hätte sich das Schachkid auch nicht träumen lassen, mal in Fürstenwalde, wo es 8 Jahre gewohnt hat, im Hotel zu schlafen. Im Kaiserhof hat das Schachkid vor 11 Jahren seine erste Nacht in Fürstenwalde zugebracht. Damals war es furchtbar laut. Das hat sich offensichtlich in den letzten Jahren auch nicht geändert. Nur das Frühstücksbuffet ist schlechter geworden.

Es ist Sommer und das Schachkid friert sich zu Tode. So kalt ist es draußen, von wegen Klimaerwärmung. Diverse Schachspieler haben tatsächlich knöchelhohe Winterschuhe an. Vermutlich wieder so ein Hipsterding.

Gehrke sen. ist auch nicht da, wieder ein potenzieller Punkt weniger. Irgendwas ist ja immer.

Die erste Runde läuft gegen Wolfgang Kerber. Der Fürstenwalder spielt seit Jahren in keinem Verein, hat aber nix verlernt. Königsindisch, die Türme tauschen sich ab. Die Stellung ist unklar, obwohl das Schachkid glaubt, leicht schlechter zu stehen. In der Endstellung können sich die schwarzen Läufer gar nicht richtig bewegen. Die weißen Springer sind vermutlich in der geschlossenen Stellung besser. Weiß bietet Remis. Das Schachkid schläft schon wieder fast am Brett ein und schlägt daher umgehend ein. Abends spielen ist ganz schwierig.

Der  Auftrakt hätte schlimmer sein können.