Archiv für Juli 2016

22. Emanuel-Lasker-Gedenkturnier – nix zu holen

Die Nacht war kurz, zu holen gibt es heute beim 22. Emanuel-Lasker-Gedenkturnier am 19.6.2016 nix. Das Schachkid ist spät dran, gibt Gas und wird prompt zweimal geblitzt. Business als Usual. Angekommen, der Rollmops ist auch schon da, sieht aber nicht allzu gut aus. Hinten in die Schlange bei Familie Röhr eingereiht. Das Schachkid wird kurzerhand dazu gewunken. Siehe an, es gibt Vereinsrabatt.

Kurzes Inne halten. Die verzweifelte Suche nach Kaffee beginnt.

Überraschung bei der Eröffnung. Die kaffeeausschenkende Thekenkraft ist die Bürgermeisterin von Thyrow mit beeindruckendendem Haarvolumen. Das Geburtshaus von Lasker zerfällt zusehends, verkündet die Bürgermeisterin. Die Gemeinde will es nun loswerden. Falls ein Schachfreunde Interesse hat…

Erste Runde, das Schachkid findet sich am vierten Brett unter lauter Titelträgern wieder. Da gehört das Schachkid auch hin, in ein paar Jahren mit Titel. Man braucht ja Visionen. Der Machotzky-Aufbau gegen Raphael Rehberg funktioniert nicht. Er spielt ja auch keinen Drachen. Die Dame wird schließlich durch den gegnerischen Läufer an den König angefesselt. Am Nebenbrett legt FM Schulz Oliver Röhr um.

Zweite Runde. Der Gegner hat Weiß, drückt die Uhr und schaut das Schachkid fragend an. Dieses drückt ebenfalls die Uhr und guckt fragend zurück. Weiß macht den ersten Zug. 30 Züge später wie in der Vorpartie. Dame an den König gefesselt. Punkt für das Schachkid.

Am Nebenbrett ist der Gegner durch den Wind und drückt laufend die falsche Uhr. Sein Gegner Oliver Röhr empfiehlt, eine Tasse Kaffee zu trinken. Der Kleine hat Ahnung, das Schachkid ist schon bei Nr. 2.

Neben dem Spiellokal macht eine Gruppe Damen rhythmische Sportgymnastik mit Hanteln. Das Schachkid hat einen Kater und fragt sich, wie man sich nur so quälen kann am Sonntag um halb elf. Mit Sport und Hanteln…

Dritte Runde gegen Rollmops. Mit der schottischen Eröffnung hat dieser so seine Schwierigkeiten. Kein Wunder, das Schachkid wird ja auch auf Schottisch trainiert. Interessante sehr taktische Partie mit Chancen für beide Seiten. Beide haben nur noch 50 Sekunden auf der Uhr. Das Schachkid übersieht ein Schach. Verflixte neue Schnellschachregeln.

Vierte Runde gegen den Nachwuchs. Nun muss ein Punkt her. Das Schachkid opfert eine Figur. Der Kleine kann den Damenabtausch erzwingen. Das wars mit dem Angriff.

Fünfte Runde, das Schachkid hat Hunger und Durst. Seit drei Runden versucht das Schachkid, ein Wasser zu kriegen. Allein die barkeepende Bürgermeisterin ist nirgends zu sehen. Nach der Runde soll es was vom Grill geben, der noch nicht mal steht. Das wird nie was, weiß das Schachkid als Thüringer und erfahrener Griller einzuschätzen. Das Schachkid gewinnt. Der Gegner ist sehr redselig, vor allem mit sich selbst. Zum Gegenschlag will er ausholen. Und Pferde ma eg er anscheinend nicht. Jedenfalls schimpft er ständig auf das „Scheiß Sprungvieh“.

Die sechste Runde wird vorgezogen, der Grill braucht noch. Am selbigen ist das Schachkid schnell angelangt, da gegen den unterirdischen Gegner extrem schlecht gespielt wird. Der Griller weigert sich, mehr als eine Hand voll Würste aufzulegen. Er hat Angst, dass sie nicht alle werden. Die 80 hungrigen Schachspieler, die ihn gleich überrollen werden, hat er wohl übersehen.

Siebte Runde, das Schachkid spielt gegen eine junge und sehr attraktive Dame aus Brandenburg. 14.00 Uhr -Mittagstief. Das Schachkid nickt alle paar Minuten am Brett ein. Und schreckt hoch, um festzustellen, dass es schon wieder dran ist. Es ist ein Rätsel, wie diese Partie gewonnen wurde.

Achte Runde, das Schachkid ist definitiv zu müde und übersieht ein Doppelschach. Auch egal, heute hat das Schachkid keinen Ehrgeiz. Der vorherige Abend war lustig und der heutige wird es zweifellos auch werden.

Letzte Runde. Wieder ein Kleiner aus Potsdam, der schüchtern Remis anbietet. Das lehnt das Schachkid natürlich ab. Was der Kleine zum Anlass nimmt, die taktischen Zähne auszufahren und das Schachkid umzunieten.

Haken an das Turnier. Das nächste Mal bleibt das Schachkid im Bett und macht sich einen gechillten Sonntag.

Tabelle

 

18. Offenenes Schnellschachturnier der Schachfreunde Berlin

Das Schachkid machte sich am 19.6.2016 auf, um die legendären Helden Lucky aus Eberswalde und den ehrenwerten Schachtommy aus Schmalkalden, den Vorsitzenden des SV Schmalkalden 04, in Berlin zu treffen. Die Schachfreunde Berlin hatten zum stark besetzten Schnellschachturnier geladen.

Das Spiellokal ist in der Bülowstrasse gelegen. Drinnen stehen die Damen auf dem Brett, draußen auf dem Strich.

Der Schachtommy ist es gewohnt, bei Schnellschachturnieren in Thüringen mit seiner 1850 DWZ unter den Top 5 zu sein. Angekommen im Alltag des Schachkids ist er nur im hinteren Mittelfeld bei den starken Berlinern platziert. Eine ganz neue Erfahrung für ihn.

Das Schachkid war am Vortag joggen und hat nun Knie. Daher wird mit dem Rad zum Bahnhof gefahren. Das Schachkid probiert eine neue Strecke. Rote Ampeln, Lucky, der das Schachkid anruft, ein unerwartet steiler Berg -das Schachkid kommt schnaufend am Bahnhof an, der Zug ist weg.

Lucky wird telefonisch zum Bahnhof Zoo delegiert, der Schachtommy hat auch seinen Zug verpasst. Ist jetzt auch egal. Im Zug trifft das Schachkid FM Martin Brüdigam. Das Schachkid grüßt freundlich, der murmelt verdrießlich was zurück. Offensichtlich ist der FM ein Morgenmuffel. Er klappt sogleich sein Laptop auf. Ob er sich auf das Turnier vorbereitet?

Das Schachkid hat nun 1699 DWZ und spekuliert daher auf den U1700 Preis. Die Nacht davor erst um 2.00 Uhr ins Bett zu gehen, war möglicherweise nicht so förderlich. Die ersten 10 Züge werden mitgeschrieben zwecks Eröffnungstraining.

Die Röhrs sind auch da. Macht ja nix.

Die erste Runde, das Schachkid hat gegen seinen Gegner mit 2095 einen Turm mehr. Der Gegner hat ein Dauerschach. Sehr ärgerlich. Aber das Schachkid liegt vor Lucky und dem Schachtommy. Die beiden müssen zur zweiten Runde in den Nebenraum.

Die zweite Partie gegen eine 2100. Das Schachkid hat zwei Damen, der Gegner auch, aber das entscheidende Tempo mehr. Läuft trotz der kurzen Nacht sehr gut. Am Nebenbrett wird lautstark darauf hingewiesen, dass man mit der Zughand auf die Uhr drücken muss. Schachtommy wird vom kleinen Röhr ungenietet. Mama Röhr beklagt sich beim Schachkid, dass dieses auf ihren Stuhl sitze.

Lucky gewinnt gegen eine 1995. Sein Motto: Alles unter 2000 hole ich mir. Sprachs und lässt in der nächsten Runde gegen eine 2000 eine Figur stehen. Das Schachkid schließt sich an und verzichtet auf den Läufer. Werden eh überbewertet. Der Schachtommy sitzt fast am letzten Brett und gewinnt endlich mal.

Vierte Runde, das Schachkid ist mit einer Bulette gestärkt und gewinnt sogleich einen Springer und zwei Bauern. Um den Springer nach zehn Zügen wieder einzustellen, einen Turm noch dazu. Mit dem Ratingpreis könnte es wohl doch schwer werden. Der Schachtommy kann derweil wieder grinsen und hat zwei Punkte vorzuweisen. Lucky spielt auf Kontinuität. Er lässt wieder eine Figur stehen.

Der Schachtommy kriegt sich nach der fünften Runde gar nicht mehr ein. Er hat einen Lauf. Zitat: So fühlt es sich also an, wenn man gegen eine 2000 gewinnt. Das Schachkid nickt am Brett kurz ein, kommt aber durch das Klacken der Uhr wieder zu sich. Gott sei Dank sieht der Gegner nicht das im Najdorf so typische Opfer auf e6. Endlich ein Punkt, das Schachkid schaut sich nach Kaffee um.

Es wird nicht besser. Das Schachkid stellt gleich die Qualität ein. Immerhin, der Gegner sieht noch weniger. Wieder ein Punkt. Der Schachtommy kommt herangewankt und erzählt was von gemachten Klöpsen. Vermutlich hat er Mist gespielt.

Die nächsten Runden läuft gar nix mehr.

Man verlässt den Turniersaal vorzeitig, verzichtet auf die Siegerehrung und bewundert die Anwesenden Bordsteinschwalben. Trotzdem ein schönes Turnier.

Ergebnisse stehen hier.