Archiv für September 2015

Desaster in Frankfurt Oder

Oh, der Italiener am Vortag war nicht so günstig. Das Schachkid ist müde. Aber das Schachkid weigert sich, sein Wochenende nur auf ein Turnier auszurichten und früh ins Bett zu gehen. Das Leben ist schließlich da, um Spaß zu haben.

Das Schachkid spielt gegen Andrejz Legowski. Der Spieler aus Slubice soll eine 1050 haben, hat aber schon gegen Siegfried Preuß remisiert und gegen eine 1580 gewonnen. Schlecht kann er net sein. Der Slubicer sieht aus, wie an sich einen Klischeepolen vorstellt. Mittleres Alter, kräftig gebaut und der typische Schnauzer incl. Lech Walesa-Gedächtnisfrisur. Es könnten Zwillinge sein.

Der nette Gegner will anscheinend Caro-Kann spielen, entscheidet sich aber um. Es wird irgend was passives mit dem Damenbauern. Das Schachkid kann gar nicht sagen, wo in den nächsten Zügen die Partie so brutal kippt. Das das Schachkid im 5. Zug einen Bauern stehen lässt, sehen beide nicht.

Bei 18. c4 schlägt die Engine leicht aus. Aber der Zug sieht so logisch aus. Danach gehts brutal abwärts. Der weißfeldrige Läufer gerät ins Abseits. Der weißfeldrige schwarze Läufer kann sich befreien und demoliert im Alleingang nebenbei noch den weißen Königsflügel. Ein einsamer Springer und die schwarze Dame aus dem Hintergrund erledigen den Rest. Eine unfassbare Partie, wo das Schachkid überrascht ist, wie plötzlich die Stellung so zusammen fällt.

Und der symphatische Andrejz meint in der Analyse noch, er spiele für keinen Verein, sondern sei Amateur. Da ist er aber ein guter Amateur.

Nach verkorkter Vormittagsrunde sitzt das Schachkid am Sportplatz neben dem Spiellokal und schaut der C-Jugend (13 Jahre = C?) beim Punktpiel zu. Frankfurt/Oder spielt gegen Eisenhüttenstadt. Am Spielfeldrand sitzen die Wuchtbrummen. Die Mütter der Spieler, 4 Stück an der Zahl. Zwei rauchen, drei sind blondiert. Alle wiegen geschätzt über 100 kg. Man regt ich über die vielen Asylanten auf. Sieht so die Zukunft eines Ehemannes aus, mit einer solchen Matrone bestraft zu sein? Das Schachkid kann sich ein solches Leben nicht vorstellen und würde schnurstracks die Flucht ergreifen.

Die Mütter unterhalten sich nun über medizinische Wunder. Offenschtlich ist jemand operiert wurden, ihm wurde der Arm verlängert. Dazu habe man ihm Muskeln aus dem „Arsch“ entnommen. Ob er jetzt noch „kacken“ kann?

Das Schachkid lauscht gebannt und sinniert nebenbei, ob der USV Potsdam wirklich der richtige Verein ist und ob es nicht spontan bei Briesen wieder eintreten solle. Wenn man in Brandenburg vor dem Start der Liga für 2 Stunden aus dem Verein austritt, ist man raus. Tritt man nach 2 Stunden wieder ein, knnn man nur noch als Ersatzmann spielen, sofern überhaupt noch ein Platz frei ist. Auch wenn man nur eine Minute aus dem Verein ist, man kann nicht zurück. Das Schachkid hat gewusst, dass vieles im Brandenburger Schach bürokratisch und sinnlos ist. Aber das ist einfach nur sinnlos. So kann man auch die Leute demotivieren. Die dickste Matrone dreht sich derweil behende im Kreis und flüchtet vor einer Biene.

Die letzte Partie ist ein frustrierendes Beispiel dafür, wie man ein Remis mit einem Zug nach drei Stunden wegschmeißt. Der Fürstenwalder Tobias Lenz hatte am Morgen gegen den Neubriesener Nachwuchs Daniel Woithe verloren und bekam jetzt schon wieder einen Briesener vorgesetzt. Daniel spielte derweil eines seiner ersten Turniere, erzielte 3 Punkte und verbreitete Angst und Schrecken. In der letzten Runde ging es gegen Rollmops, der nacch Auskunft des Opas mit Hut saß und stöhnte und prustete.

1. … Sf6. Sehr schön, das erste Mal, dass das Schachkid den Vier-Bauern-Angriff im Aljechin spielen kann. Oder sowas ähnliches, die Variante sitzt noch nicht ganz. So richtig kämperisch agiert keine Seite. Man tauscht so vor sich hin. So kann auch keiner gewinnen.

Erst mit 33. … b4 kommt Leben ins Endspiel. Der Bauer darf wegen der Gabel nicht geschlagen werden, Man tauscht und das Schachkid verliert plötzlich den a-Bauern. Mit f5 findet das Schachkid eine Alternative. Und plötzlich ist jede Menge los auf dem Brett.

Es läuft auf ein remises Endspiel raus. Schwarz gewinnt einen Bauern. Kein Problem, denkt sich das Schachkid. Dafür gibt es halt den Springer. Leider übersieht das Schachkid in der Zeitnot 52. … Sc4. Der Springer muss getauscht werden und der Bauer ist nicht mehr aufzuhalten.

Insgesamt ein recht lauschiges Open, bei dem vor allem der Nachwuchs stark gespielt hat. Daniel Woithe aus Briesen, Moritz Kammer aus Fürstenwalde oder Jonas Kreutz aus Berlin. Da wächst eine neue Generation heran.

Die Hausaufgaben hat das Schachkid erledigt. Letze Partie ausgekämpft und in der Eröffnung Zeit genommen. Vom Ergebnis her ein Desaster, in der ersten Partie wurde der Gewinnzug nicht gesehen. Das dritte Spiel gegen Siegfride Preuß ging gar nicht. Und der Schnitzer in der letzten Runde…

Frankfurter Open in der Frankfurter Steppe

Nach der gestrigen Schmach muss nun ein Punkt her. Kurze Nacht – 0.30 Uhr gibt das Schachkid seine Partie ein. Oder versucht es, der Tag fordert seinen Tribut. Weiter als bis zum 32. Zug kommt das Schachkid net. Frühs um sechs Uhr geht es schon wieder aus dem Bett.

ie Fürstenwalder und Briesener werden ins Auto geladen. Auf ins beschauliche Frankfurt/Oder. Die Besatzung des Autos ist sich einig. Hier kann man nix machen. Die Mutter des kleinen Schachtigers ist entsetzt ob der Einsamkeit des Spiellokals in den Brandenburger Weiten an der polnischen Grenze. Rundherum nur Wüste, und Büsche. Wie in der argentinischen Steppe.

Uwe Hankel wird der Gegner. Leicht wird es nicht, der Gegner sieht motiviert aus. Und kaut auf einem Bonbon rum. Das Schachkid ist genervt. Extrem genervt, wenn es ständig auf der anderen Seite des Bretts schmatzt.

Sizilianisch, das Schachkid weiß wieder nicht, was es nach 4. … Sf6 spielen soll. Also wieder f3, wo das Schachkid letztens rasiert wurde. Das Schachkid schaut in die Datenbank vom Trainer. Oh, f3 stimmt… Trotzdem komischer Zug.

Man entwickelt sich harmonisch. Nach dem 15. Zug sind beide Seiten startklar fürs Mittelspiel, aber was nun? Wo ansetzen und was tun? Man rangiert hin und her. Das mag das Schachkid nicht. Der Zug 18. … Lxa4 überrascht das Schachkid. Die schöne Bauernstruktur ist hin. Egal! Der Trainer meinte neulich in einer Partienalyse, das Schachkid müsse keine Angst vor Doppelbauern haben. Dafür habe man ja die offene Linie und aktives Spiel.

Das setzt das Schachkid sogleich in die Tat um. Es wird auf dem Damenflügel Druck gemacht. Irgendwann geht 28. c5 und es wird ein Bauer gewonnen.

Der Gegner bietet Remis und erklärt, mit ungleichfarbigen Läufern sei es immer Remis. Nein ist se nicht, hat das Schachkid seinen Trainer von der letzten Session im Ohr. Ab und an hört das Schachkid ja auch mal zu.

Mit dem König wird in die gegnerische Stellung eingedrungen. Der Gegner seinersetis ist teils das Aufhalten des Freibauern auf der a-Linie gebunden. Fertig ist der Sieg.

Frühs im Auto, einer der Fürstenwalder freut sich auf seine Partie gegen Rollmops. Viermal habe man schon gespielt, viermal war es Remis. Der Fürstenwalder meint, es sei nun endlich an der Zeit, mal zu gewinnen. Rückfahrt nach Fürstenwalde. Der Fürstenwalder strahlt über alle Backen. Offensichtlich hat er den Rollmops platt gemacht.

Die Vertreter des USC Viadrina laufen mit neuen grünen Vereinsshirts auf. Schöne Farbe. Spruch darauf: „Was für den Bauern das Ende der Welt ist, ist für den Dame der Start ins Leben.“ So ähnlich wars, das Schachkid muss noch mal schauen. Wieso hat das Schachkid eigentlich bis heute kein Shirt seines Vereins bekommen?

Dritte Runde im Spielsaal – es quietscht. 15 Spieler gucken genervt in die Runde und versuchen, die Ursache des Geräuschs zu ergründen. Spieler Nr. 16 ist es, der nervös mit den Schuhen zuckt und reibt. Er wird angestoßen. Spieler Nr. 16 nimmt die Ohrenstöpsel aus den Ohren, wundert sich und fragt „Wat is?“.

Das Schachkid spielt derweil eine Kurzpartie gegen Siegfried Preuß. Pirc ist es, kein Königsindisch. E5 geht ja gar nicht, c5 muss gespielt werden 30 Minuten später sind die Qualität und zwei Bauern weg.

Was für eine grottige Partie. Das Schachkid beschließt, es muss was passieren. Also zwei Kumpels antelefoniert und auf zum Italiener. Vielleicht gibt es ja Grappa.

In Frankfurt unter neuer Flagge

11. September 2015 – im Jahr 2001 saß das Schachkid im heimischen Kinderzimmer auf dem Sofa und ließ vor Schreck die Kaffeetasse fallen, als es Nachrichten sah. 14 Jahre später, das Schachkid sitzt wieder auf einem Sofa und bereitet sich geistig und moralisch auf das Frankfurter Schachopen vor. Vermutlich sitzt in 14 Jahren das Schachkid wieder auf einem Sofa.  Streng genommen sitzt das Schachkid zu oft auf einem Sofa. Sportliche Betätigung muss her.

Das Schachkid ist  anno 2008 nach Fürstenwalde gezogen. Das Frankfurter Open war tatsächlich das erste Open, dass das Schachkid, damals noch vereinslos, in Brandenbzrg mitgespielt hat. 7 Jahre später, das Schachkid ist wieder vereinslos,  spielt das Schachkid wieder mit. Seinerzeit begann hier eine neue Lebensphase, nun endet sie hier. Schon verrückt, wie sich die Dinge wiederholen. Und Zeit, die Dinge zu korrigieren. Beim Schreiben wird das Schachkid philosopisch.

Heuer sind 25 Mann gemeldet. Das Schachkid ist auf Platz 6 gesetzt und ist hochmotiviert, diesen zu toppen. Der Trainer hat als Ziel auszugeben, 40 DWZ zu gewinnen. Das wäre ein Allzeithoch. Außerdem hat das Schachkid Hausaufgaben aufbekommen. Es soll sich für die ersten 5 Züge 10 Minuten Zeit nehmen und auch die letzte Runde auskämpfen. Eröffnungen sind der Schwachpunkt des Schachkids. Hier herrscht Handlungsbedarf.

In der 1. Runde wartet ein schwacher Gegner.  Der umgenietet werden muss, langer Arbeitstag hin oder her…

26 Leute spielen mit, 10 mehr als 2014. Sehr erfreulich. Der Recklinghäuser ist wieder da und der Favorit. Viel Nachwuchs ist auch da, die Zukunft des Schachs scheint gesichert. Und ansonsten die üblichen Verdächtigen. Ein Rollmops zum Beispiel, der sicch in der 1. Runde sehr schwer tut, eine verworrene Stellung auf dem Brett hat, zeitweise mal mit einer Leichtfigur weniger, aber dann doch kurz vor 22.00 Uhr gewinnt.

Das Schachkid stellt fest, dass es als vereinslos geführt wird. Ohhh, es gibt einen Preis für den besten vereinslosen Spieler. Den hat das Schachkid schon 2008 gewonnen, als es gerade von Fürstenwalde nach Briesen wechselte. Rollmops überlegt, ob man das Schachkid wirklich als vereinslos werten kann. Na ja, sportlich fair wäre es nicht, muss das Schachkid zugeben.

Wo ist der leichte Gegner? Vor der Auslosung meint das Schachkid zu Robert Schulze, dass es keinesfalls gegen diesen spielen will. Böse Erfahrungen bei Blitzpartien… Und natürlich – es wird Robert Schulze. Da kann das Schachkid gleich mal einen neuen Vereinskameraden umhauen. Was nicht gelingt, da der Robert deutlich stärker spielt als 1100.

Es sieht aber auch keine Seite den Gewinnzug. Das Schachkid spielt nicht 35. … Tb8. Robert sieht 45. Lf7 nicht, wo dreizügig matt droht. Da ist das Remis wohl gerechtfertigt. 11. … Sd7 seitens des Schachkids scheint auch etwas zweifelhaft.

Kein Einstieg nach Maß ins Schachturnier. Lange gespielt und den einzigen Gewinnzug nicht gesehen, auch wenn die Partie sonst ausgekämpft war.