Archiv für August 2015

Briesener Open – Immer diese Müncheberger

Dritter Tag nach einer kurzen Nacht – Der Gegner vom Vortag kommt an des Schachkids Brett vorbei. Das unschöne Wort „Schlampe“ ist erneut zu hören. Das Schachkid rückt eilig seine Figuren zurecht. „Kinderquäler“ wird nachgelegt. Nur weil das Schachkid gegen den talentierten Mecklenburger Jannis Lange spielt.

Der Schachwizard muss gegen den Neubriesener David Möwisch ran. Dieser hat Ostern das Open in Görlitz gewonnen und ist daher die neue Briesener Geheimwaffe. Man zieht und zieht und zieht – nach 14 Zügen ist die Stellung geschlossen. Wer diese zuerst öffnet, verliert, so scheint es. Also macht man Remis. Schwer zu sagen, wer von beiden zufrieden oder unzufrieden ist.

Dem Schachkid gehts ähnlich, es dauert nur länger. Der Kleine bekommt im 7. Zug eine Störung seiner Bauernstruktur verpasst. Was auch zum Erfolg geführt hätte, würde das Schachkid 13. e6 sehen. Der Sg4 hängt nun. Das zeigt mal wieder, man muss in jeder Stellung überlegen und nach guten Zügen suchen. So demoliert nun Jannis des Schachkids Königsflügel mit 15. … Lxg3. Das Schachkid legt mit 16. fxg3 nach. Le6 und Dd4+ verbunden mit dem Springer auf Sg4 sieht sehr gefährlich aus. Aber der Kleine sieht es nicht. Das nun folgende Endspiel ist Remis. Gerechtfertigt, wenn keine Seite die Gewinnzüge sieht.

Mittag essen, erneuter philosophischer Austausch mit der angehenden Försterin. Auf zur letzten Runde…

Jörg Nagler wird in Briesen nicht mehr eingelassen. Erst macht er das Schachkid in Berlin beim KRT-Open um. Dann macht er weiter bei der Briesenerin Vicky in der dritten Runde. Und den Schachwizard legt er auch noch um. Er verlor ganz unglücklich. Der Schachfreund Nagler nahm einfach einen Bauern weg und dann noch einen. Das geht so natülich nicht. Da müssen Maßnahmen ergriffen werden.

Und überhaupt, auch das Schachkid wird in der 5. Runde vom Müncheberger Jöhrn Gehrke zerfetzt, Revanche für des Schachkids Sieg gegen Gina Gehrke beim PSV-Open im Mai 2015. Ein Königsinder wird es wieder. Irgendwie engt Weiß den Schwarzen ein. Die schwarze Dame weiß bald nicht mehr, wohin. 18. Sa5 ist ein wirklich guter Zug, den man erstmal sehen muss. Danach bricht die schwarze Stellung am Damenflügel zusammen. Schwarz kann den Bauern nicht decken.

Schwarz unternimmt einen Verzweifelungsangriff am Königsflügel inclusive Opfer, der jedoch keine Substanz hat. Hätte aber klappen können, hat es zumindest beim Töchterchen. Aber der Papa hat einfach mehr Lebenserfahrung. Man reicht sich die Hand und analysiert mit einem Rüderdsdorfer FM. Taktisch sehr interessant wird es offensichtlich, wenn 22. …. Sf4 kommt.

Das Schachkid diskutiert während der Partie mit der Ehefrau seines Gegners, ob man Müncheberg nicht kurzerhand in die Luft sprengen könne. Nutzt nix, meint sie. Man wohne außerhalb. Kurz, Müncheberg wird eingezäunt und dann wird da keiner mehr raus gelassen. Hoffentlich wohnen die Müncheberger Schachspieler auch alle in Müncheberg.

Spielerisch leider kein gutes Open, die 1600 ist wieder mal dahin. Andererseits hatte das Schachkid keinen Ausssetzer, hat aber eben im entscheidenen Augenblick zweimal den Gewinnzug nicht gesehen. Wie immer in Briesen hat das Drumherum am Meisten Spaß gemacht. Sandwiches, gute Filme, gute Gespräche, Gute Freunde… Was will man mehr.

Spanferkel und siegessichere Recklinghäuser beim Briesener Open

Zweiter Tag, zweite Runde, zweiter Gegner – Uwe Seigerschmidt wird es heute. Man kennt sich, hat aber noch nie gegeneinander gespielt. Wieder mal ein Königsindisch, mit dem das Schachkid bekanntlich noch so seine Probleme hat. Hier ist der Casus Knacktus 8. …. e5 oder 8. … c5. Vermutlich macht c5 einfach mehr Sinn, wenn man den Springer auf a6 stellt. Das Schachkid übersieht den einfachen Spieß 20. Lb6, der Bauer a5 ist weg.

Das Schachkid grübelt und ist der Meinung, den Bauern wieder zu bekommen. 22. … Db5 ist die Lösung, Weiß überrascht mit Dd2. Das hat das Schachkid nicht gesehen und setzt nun falsch fort. Sc5 wäre es gewesen. Oder 24. … Txc1. Sehr ärgerlich.

Der Schachwizard hat ein schweres Los erwischt, die Nr. 2 des Feldes und späteren Turniersieger Stefan Wickenfeld. Der Recklinghäuser studiert in Frankfurt/Oder und wird so langsam zum Schrecken der Brandenburger Schachspieler. Schon das zweite Turnier, was er in Gegenwart des Schachkids gewann. Schlussfolgerung: Recklinghäuser werden in Brandenburg nicht mehr zugelassen. Leider verlor auch der Schachwizard einen Bauern und dann die Partie.

Das Schachkid tröstet sich mit einem Spanferkel. Also nicht einen ganzen Ferkel, nur ein Stück. Um anschließend tief philophische Gespräche mit der künftigen Försterin zu führen. Man ist sich einig, das Leben ist eine einzige Katastrophe.

Nun muss ein Punkt her, und zwar gegen Max Hülse. Die ganze Famile spielt mit, Mutter, Vater und drei Kinder. Der Jüngste ist 8 Jahre. Eine echte Schachfamilie eben, nett noch dazu. Doch nun herrscht Krieg auf dem Brett.

Diesmal spielt das Schachkid c5 im Königsinder, die Stellung wird nicht wesentlich besser. Macht 12. Lxf6 Sinn oder sollte Weiß den Läufer nicht lieber behalten? Nach dem nächsten Abtausch im 15. Zug hat das Schachkid das Läuferpaar, aber auch einen Doppelbauern. Max spielt engagiert weiter. Der D-Bauer hat alsbald schon eine leichte Brust. Das ist thüringerisch und meint, der Bauer könnte bald zur Dame werden.

Es folgt eine Zeitnotphase, der Bauer geht flöten.Max verliert noch eine Leichtfigur, Punkt für das Schachkid. Insgesamt eine sehr zähe Partie. Das Schachkid stand nur hinten drin und hat verteidigt. Ganz furchtbar ist es, so spielen zu müssen.

Der Schachwizard hat neue Kraft geschöpt und nietet Robert Jänsch um. Den zweiten Platz im Blitzturnier macht er auch noch. Da muss was im Spanferkel gewesen sein. Jedenfalls liegt er nun wieder im Plan.

Traditionell gibt es am Samstag Abend beim Briesener Open ein Skatturnier und ein Blitzzurnier. Bei letzteren gibt das Schachkid den Turnierleiter. Endlich hat es auch mal einen Titel. Leider vergißt das Schchkid, die Ergebnisstabelle zu sichern. Diese wird noch veröffentlicht. Die historische Siegerehrung wurde auch nicht dokumentiert. Ob es da nochmal zum Turrnierleiter reicht…

Das Blitzturnier gewinnt wieder Stefan Wickenfeld. Also entweder wird er aus Brandenburg ausquartiert oder er nimmt die Brandenburger Staatsbürgerschaft an und wird Mitglied des SV Briesen.

Feststellung des Tages – die Welt braucht mehr Sandwichmaker. Sagt das Schachkid, dass heute in Holland leckere Sandwiches aus einen Sandwichmaker gegessen hat. Und nun auch einen zu Hause hat. Und sich Sandwiches macht. Da muss doch auch was mit Honig gehen…

Schlampen und Großes Kino beim Briesener Open

Freitag Abend erste Runde. Der Schachwizard ist da und befragt das Schachkid, was dieses für Ziele habe. „Überleben“, denkt das Schachkid mit Schrecken an das letzte Briesener Open zurück. Der Schachwizard ist hoch gesetzt und fast zum Gewinnen verdammt. Das ist immer unschön. Als Underdog spielt es sich meist leichter.

Los geht es mit der ersten Runde. Gott sei Dank kein kleines Mädchen, sondern mit Jens Stegmann ein alter netter Bekannter. Das Schachkid spürt ein motivierendes Kribbeln in den Fingern, spielt aber nicht gerne Abendpartien. Jens verkündet, seine Bilanz gegen das Schachkid sei 0:3, daran kann sich das Schachkid gar nicht erinnern. Psychologischer Vorteil für das Schachkid.

Den der Gegner gleich ausgleicht und das Schachkid mal als Schlampe bezeichnet. Freundschaftlich gemeint, natürlich. Nur weil die Figuren etwas schief stehen. Also ziemlich schief. Das Genie beherrscht das Chaos.

Es wird was Sizilianisches. Das Schachkid kommt im 5. Zug ins Grübeln. Was nun spielen? Den Machotzky-Aufbau versuchen? Würde nur passen, wenn Schwarz einen Drachen spielt. Wonach es bisher nicht aussieht. F3 kann nicht falsch sein. Was aber dann nach 5. … Db6 tun? Der Punkt b22 ist potenziell bedroht. Und Weiß kann nicht mehr rochieren. Das muss wohl nochmal mit einem Trainer diskutiert werden. Gott sei Dank spielt Schwarz 5. … g6. Also doch ein Drachen.

12. b3 scheint wirklich zu gehen. Der Sc3 hängt zwar kurz. Aber Schwarz hat keinen Abzug für Sf6. Das Schachkid überlegt 14. Sb5. Was aber tun nach … Sb4? Sieht unangenehm aus.

Das kann nix werden, Beide Seiten spielen sehr passiv. An 15. Lf1 überlegt das Schachkid schon ewig herum. Nach 20. … Tb8 bietet Schwarz Remis. Es ist 20.30 Uhr, die Stellung gibt nix Greifbares her. Wer sich zuerst rührt, verliert, so scheint es. Also remis.

Der Schachwizard bekommt einen Eisenhüttenstädter, den er auch pflichtgemäß umlegt. Wenn das Schachkid aufs Brett sah, schien es kompliziert zu sein. Der Schachwizard hat einen Bauern weniger. Alles Theorie, erklärt er später dem Schachkid. Damen und Läufer bleiben übrig. Schwarz öffnet seinen Königsflügel. Weiß schlägt auf den langen Diagonalen zu.

Optimistisch fährt man zur Wohnung und beschließt zu gucken, was Netflix so zu bieten hat. Überraschend wenig, viele Filme fehlen einfach. Das Schachkid ist überrascht vom cineastischen Feingeist seines Gegenübers. „Ziemlich beste Freunde“ – Verdammt guter Film.

Briesen – Heimvorteil oder Heimnachteil? – Zukunft herrje…

Das Briesener Open 2015 steht vor der Tür, wortwörtlich gesehen. Denn es ist das Open des Heimatvereins des Schachkids, sozusagen viele bekannte Gesichter. Mit dem Briesener Open beim Schachkid ist es ein bißchen, wie wenn Carlsen in Norwegen spielt. Daheim läuft es immer schlecht, zumindest in den letzten Jahren.

Dieses Jahr fällt der Termin sehr ungünstig. Parallel steigt das Apolda-Open, was das Schachkid seit vielen Jahren mitspielt.

Außerdem sind am heutigen Freitag Romina und Albano Power in Berlin und geben nach 20 Jahren ihr erstes und einziges Deutschland-Konzert. Das Schachkid ist ein großer Fan.

Das Schachkid ist heuer in der B-Gruppe im unteren Mittelfeld angesiedelt. Gleich in der ersten Runde wird es einen stärkeren Gegner geben. Ziel ist es, alle Partien ruhig und sauber zu spielen und die 1600 zu halten und auszubauen. Ob der Spaß drumherum stimmt, wird sich zeigen. Das Schachkid schaut nach rechts und links und hat parallel einige Entscheidungen für die Zukunft in diesen Tagen zu treffen. Für den spielerischen Erfolg ist daher das Schlimmste zu befürchten.

Fritz-Hartung-Gedenkturnier – Irres Schnellschach in Stadtilm

Das Prager Schachopen ist absolviert. Ein Tag Pause, dann wird ein kleines Mannschaftsschnellschachturnier eingelegt. Das Fritz-Hartung-Gedenkturnurnier in Stadtilm ruft.

Wieso regnet es eigentlich immer, wenn das Schachkid in Thüringen weilt? Wer war Fritz Hartung? Keine Ahnung, das Schachkid befragt seinen Nachbarn auf dem Sofa. Dieser weiß es aber auch nicht und isst Kuchen. Kurzer Austausch auf dem Sofa in Stadtilm in Thüringen, warum Brandenburg nicht an der DLM teilnimmt. Kaum vorstellbar, dass es keine Spieler gibt. Irgendwas läuft in Brandenburg schief, was die Nachwuchsarbeit angeht.

Umfangreiche Recherchen ergeben später, dass Fritz Hartung einer der Gründer des Stadtilmer Schachvereins anno 1947 war. Bis ins hohe Alter hat er Schach gespielt. Sogar gestorben ist er am Schachbrett. Während einer Blitzpartie, nach Ablehnen des Remisangebotes des Gegners. Unglücklicherweise hat er durch seinen Tod auf Zeit verloren. Aber gibt es für einen Schachspieler eine schönere Art, zu sterben? Aber vielleicht sollte man im hohen Alter doch kein Blitz mehr spielen. Ist einfach zu stressig.

Das Turnier ist stark besetzt. Die Resterampe von Schmalkalden, Stadtilm und Briesen bildet eine Mixmanschaft. Der Stadtilmer Verein spielt in einem Einkaufszentrum neben einem Baumarkt und einen Möbelladen. Hier hat Stadtilm wohl etwas zu optimistisch geplant. Aber der Lehrstand wurde gut umgewidmet und dient nun der hiesigen Kultur. Sofern es derartiges auf dem platten Thüringer Land gibt.

Erste Runde, die Gurkentruppe hat spielfrei und führt gleichmal die Tabelle an.

Zweite Runde gegen Stadtilm. Man verliert. Drittes Brett. Der Schmalkalder hält die Hand in der Luft. Der Stadtilmer fragt hoffnungsvoll: „Willst aufgeben?“ Der Schmalkalder: „Bin noch unentschlossen.“ Man einigt sich auf Remis. Der Gegner des Schachkids brüllt Matt. Das Schachkid geht unbeeindruckt mit dem König zur Seite. Der Gegner ist verwirrt, allgemeine Heiterkeit drumherum. Drei Mehrbauern reichen auch so zum Sieg.

Dritte Runde gegen Suhl. Der Schmalkalder am dritten Brett operiert mit zwei weißfeldrigen Läufern. Der Gegner aus Suhl überlegt, wie das gehen kann und lässt vor Schreck die Dame stehen. Der Suhler Gegner des Schachkids macht gleiches mit dem Turm. Das Schachkid gibt den Springer. Man gibt sich dann wechselseitig Bauern und einigt sich auf Remis.

Vierte Runde gegen Weißenfels. Es sind keine Sachsen, sondern welche aus Sachsen-Anhalt. Weil man dort immer auf den Bus wartet, kalauert der Weißenfelser. Sprachs und nietet das Schachkid um.

Pause, Bratwürste und dann schon wieder Sachsen, die auf den Bus warten. Weißenfels 2 wartet, wird aber gleich mal, aus Gründen der Revanche bzgl. der vorherigen Runde, mit 4:0 umgemacht. Nun ist die Gurkentruppe offensichtlich warm gespielt.

6. Runde gegen den Turnierfavoriten Schott Jena. Vereinsnamen gibt es. Schott ist offensichtlich ein Zulieferer vom Jenoptik. Diese neue Erkenntnis erschüttert das Schachkid nicht in seinen Grundfesten. In einer wirklich spannenden Partie wird der Jenaer umgebügelt.Die Turnierleitung ist fassungslos, 2:2 der Gurkentruppe gegen den Turnierfavoriten. Man wird aufgefordert, eine Runde Bier auszugeben.

Ein Weißenfelder erklärt derweil dem Schachkid, er sei nicht hier, um zu gewinnen. Sondern um Anekdoten und Lustiges zu erleben. Dem kann das Schachkid nur beipflichten.

Letzte Runde gegen Sömmerda, ein starker Jugendlicher mit einer 1900 am Brett. Kommt den Schachkid bekannt vor. Dieses opfert zwei Springer in den gegnerischen König rein. Hilft nix, die Gurkentruppe verliert 4:0.

Was für ein spaßiges Turnier.

Der Skalp einer 2100

Zum Schluss nochmal ein schwerer Brocken, rein spielerisch versteht sich. Karsten Bertram aus Hagen mit einer stolzen 2125 Elo wollte besiegt werden. Das Schachkid machte sich wenig Hoffnungen, vielleicht ein Remis. Und das zu einer unchristlichen Uhrzeit, um 9.00 Uhr morgens.

O.B., nein nicht die bekannte Marke, forderte Aktivitäten und empfahl, taktisch klug Remis anzubieten. M.H. steuerte bei, dass der Gegner sehr arrogant sei. Womit sie recht behalten sollte.

Bertram kam zu spät und setzte sich erstmal ans falsche Brett. Was dem dortigen Gegner sichtlich missfiel. Am richtigen Brett angekommen legte er los, Hände geben war nicht. Es ging ja auch nur gegen eine 1600.

Das Schachkid findet es sehr ungezogen, wenn die Gegner durch die Gegend latschen, dann kommen, kurz gucken, im Stehen einen Zug machen und dann weiter latschen. Respektlos ist es auch, wenn man grundsätzlich in der Zeit des Gegners die Züge aufschreibt. Na ja, ist ja nur eine 1600, macht man mit links um.

Das Schachkid hatte sich vorbereitet und erwartete 1. e4. Bertram zog jedoch 1. d4. Nein, dachte das Schachkid, nur kein Königsindisch spielen. Paul Laubrock, gegen das Schachkid so jämmerlich eingegangen war, ist ein Vereinskamerad von Bertram. Letzterer hat sich bestimmt die Partie angeschaut. Also improvsiert das Schachkid was zusammen.

Schon wieder entwickelt sich des Schachkids Stellung so passiv. Aso erinnerte sich das Schachkid an O.B. und entfaltete Aktiviät mit 8. … Da5. Der Gegner denkt nach. 12. … Ld6, das Schachkid bietet Remis an. Bertram hält es nicht für nötig, eine Rückmeldung zu geben.

Gut, denkt das Schachkid, so sei es, und hat 10 Minuten später zwei Bauern mehr. Mit 14. .. e5 legt man los. 16. Sb5 sieht gut aus, es scheint ja nun einiges zu hängen und zu drohen, was mitnichten so ist. Also tauscht das Schachkid hat, muss erstmal 10 Minuten lang Luft holen, nachdem es die Bauern durchgezählt hat. Ok, also kein Remis, jetzt könnte man es ja auch gewinnen.

Der Plan heißt nun abtauschen, was auch sogleich gelingt. Mit den Bauern ist es derweil wie mit den Negerlein, sie fallen einer nach dem anderen. 26. … Txb2 ist kaum zu verhindern. Mit 32. … Le6 wird der nächste Bauer ins Visier genommen. Wo hat der eigentlich seine Elo her?

Bertram gibt nicht auf, eine 1600 mit vier Mehrbauern könnte ja noch einen Fehler machen. Na gut, holt sich das Schachkid mit 39. … Sxh5 einen fünften Mehrbauern. Schaden kann es ja nicht. Der Gegner versucht noch was. Das Schachkid sieht ein mögliches Matt. Also lieber gegensteuern. Aber vermutlich reicht es auch, einfach die Bauern laufen zu lassen.

Bertram ist fassungslos. Er verkündet gegenüber seinen Vereinskameraden, er könne sich nicht erinnern, je gegen eine 1600 verloren zu haben. Vermutlich kam er bereits als fertig gebaclene 2000 Elo aus dem Mutterbauch und hat noch im Kreissaal das Schachbrett ausgepackt. Dem Schachkid ist es ein Genuss, Bertram mittzuteilen, dass er nicht gegen eine 1600 verloren hat, sondern tatsächlich gegen eine 1500. Auch wenn dieses natürlich nur ein temporärer Zustand ist, hofft das Schachkid zumindest.

So, nun noch mit einem anderen Schachspieler ins U Fleku gehen. Der Mann ist Psychologe im Gefängnis, Berufe gibts. Das U Fleku soll ja die Kneipe sein, wo der typische Tscheche so hingeht. Das älteste Wirtshaus in Prag. Sagt man… Sieht aber eher nach Touristenattraktion aus. Rustikale Holzbänke, der Kellner stellt unaufgefordert Bier hin. Es folgt der nächste Kellner unaufgefordert mit Honigschnaps. Dies sei Medizin, so der Kellner…

Es folgt eine Bar an der Moldau, ein Nachtclub, … Prag hat echt viel zu bieten, definitiv mehr als Berlin.

Mit dem Open ist das Schachkid sehr zufrieden, Das Wetter ein Traum, die Stadt sowieso. Das Schachkid versteht nicht, wieso die ganzen Massen nach Pardubice fahren. Spielerisch wurde es Platz 29, das Schachkid war an 48 gesetzt. 14 Elo mehr und ca.60 DWZ mehr, passt schon. Regelmäßiges Training macht sich offensichtlich bezahlt. Das Schachkid kann das Prager Sommeropen rundum empfehlen.

Wo sind all die T-Shirts hin…

Es ist Sommer in Prag. Ein heißer Sommer. Das Schachkid hat keine T-Shirts mehr, da zu wenig eingepackt. Also heißt es im Palladium nachkaufen, einer der größten Einkaufszentren am Platz der Republik in Prag. Im Grunde genommen ist es wie in Berlin. Das Einkaufszentrum könnte überall stehen. Hier ist der Sozialismus überwunden. Die Preise sind selbst für deutsche Verhältnisse teuer. Man fragt sich, wie die Tschechen das machen. Neben Designershops gibt es auch die üblichen Ketten a la H&M. Zum Einkaufen muss man offensichtlich nicht nach Prag fahren.

Die tschechischen Männer scheinen alle recht klein zu sein. In vielen Geschäften gibt es max. die Größe L. Das Schachkid ist ja recht zierlich gebaut, aber die L würde nun doch ein wenig spannen.

Das Schachkid sitzt in der Hotellobbby und guckt nach rechts. zwei 10-jährige Schachminis aus Hagen, die je in einem riesigen Massagesessel sitzen und sich durchwalken lassen, sind ein wirklich komischer Anblick. Vor allem,wenn sie fast im Sessel verschwinden. Es soll ja Massagesessel geben, die kleine Kinder fressen…

Zum Turnierende werden die Gegner plötzlich stark. Mit Klaus Thalhammer wird es ein Österreicher. Wiener Schmäh zum Turnierende, irgendwie niedlich. Wenn Österreicher was erzählen, verzeiht man ihnen sogar, wenn man mattgesetzt wird.

Was hier nicht der Fall war. Man spielt eine obskure sizilianische Variante. Zu 4. … Db6 fällt dem Schachkid gar nix ein. Offensichtlich sind die folgenden Züge aber richtig. Denn nach 15. … g6 bietet der Wiener Remis an. Er spiele diese Variante zum ersten Mal und habe keinen Plan. Und das Schachkid habe ja nun so einen starken Königsangriff. Wenn der durchdringe… Also das Schachkid hat auch keinen Plan, sagt das lieber nicht und nimmt das Remis freudig an.

Was spielt man jetzt, f5? Das gibt aber die weiße Kontrolle über das Feld e5 auf. Oder Tad1? Schwarz rochiert, stellt den Läufer auf g7 und seinen Turm nach d8. Sieht auch ausgeglichen aus. Vielleicht h4, wenn Schwarz kurz rochiert? Dann steht der weiße König aber auch luftig.

Mit 4,5 aus 7 kann das Schachkid aber gut leben. Zumal es morgen ein ganz dicker Brocken wird. Karsten Bertram hat 2125 Elo und ist an Nr. 2 gesetzt. Was hat das Schachkid nur angestellt, solche Gegner  zu kriegen…

Only Chess Today…

Der Mittwoch war so ein Tag in Prag, wo nur Schach gespielt wurde. Da normale Schachspieler ja nicht mit einem Open zufrieden sind, wurde noch ein Blitzschachturnier angeboten. Das Schachkid spielt natürlich mit, sieht aber keinen Stich. Ein bescheidener 32. Platz von, ähem 34 Spielern, sprang heraus. Da muss das Schachkid ein wenig üben, angesichts der vielen Einsteller.

Nachmittag geht es dann gegen einen Norweger. Der erste Norweger, gegen den das Schachkid je spielte. Das Schachkid vermutet, dass der Norweger ohne Wikingerhelm und Bart kommt. Obwohl, der Bart war dran.

Der Gegner bevorzugt offensichtlich die skandinavische Verteidigung mit Dd6. Das Schachkid guckt sich ein Video bei chess24 an. Wirklich praktisch, diese Videos. Man kann schnell mal in eine Eröffnung rein schauen.

Hilft aber nix, der Gegner Ole Endress spielt lieber Caro-Kann. Wie ging das jetzt, da gab es so eine Variante vom Trainer, wo der Springer zurück auf die Grundreihe geht und man mit g4 angreift. Das Unfassbare geschieht. Das Schachkid erinnert sich tatsächlich mal an eine gelernte Eröffnung.

Die nun folgende Partie ist sehr wechselhaft und wird durch das Schachkid unverdient gewonnen. Selbiges sieht nix. 20. h7+ kann warten, Sg4 ist besser. Statt 22. Txd2 sollte 22. Dxd2 kommen und das Schachkid kriegt den Bauern auf g5 wieder.

Turbulent wird es ab dem 25. Zug. Das Schachkid sieht ein Opfer. Txd7 und Sxg5, anschließend De5+ und der Turm auf h8 ist weg. Leider übersieht das Schachkid das mögliche einfache f6 und guckt mit einem Springer weniger ziemlich blöd aus der Wäsche.

Aufgeben wäre nun angesagt. Also war sonst angesagt. Aber der Trainer sagt ja, nicht aufgeben, wenn es nicht total sinnlos ist. Und da die Schwerfiguren noch auf dem Brett sind, spielt das Schachkid planlos weiter, stellt Drohungen auf und hofft, das was passiert.

Und es passiert was, der Gegner beginnt zu denken und denkt lange nach. Zu lange… 1:30 Stunde sind schnell um, trotz 30 Sekunden Inkrement. Das Schachkid gewinnt zwei Bauern. Schachkid und Ole schauen nun auf die Uhr, die gerade auf 0 springt. Das Schachkid brüllt Time, der Gegner macht einen Zug. Egal, die schwarze Stellung ist nun hin, der Gegner gibt auf und schaut traurig drein. Verständlich, der smarte Wikinger hat gut gespielt und die Partie in 5 Minuten weggeworfen.

4 aus 6, könnte schlimmer sein. Auf zur Bar. Die Mongolen, alles Kids, spielen mittlerweile im B-Open vorne mit. Gefährlich, diese Rasselbande.

Druschba – Freundschaft

Wieso sind eigentlich alle Matrosen Schwarze? Lauter Schwarze, bzw. farbige Mitbürger, in Matosenanzügen sind so ungefär das Letzte, was man an der Karlsbrücke erwartet. Seis drum, das Schachkid lässt sich breit schlagen.

Unter der Brücke liegen nicht gerade solide aussehende Holzbarkassen. Edles venezianisches Design, wie betont wird. Das passt zu den schwarzen Matrosen.

Das Schachkid besteigt ein deutsch-russisch gemischtes Boot. Die Ansagen vom Ipad kommen in beiden Sprachen. Deutsch-sowjetische Freundschaft auf einem venezianischen Holzboot mit schwarzen Matrosen unter der Karlsbrücke 25 Jahre nach der Wende, wer hätte das gedacht.

Zum Schiff ist das Schachkid mit Uber gekommen. Die in Deutschland ins Verbot geklagte App scheint in Tschechien erlaubt zu sein. Jedenfalls klickt das Schachkid zweimal auf sein Handy. Nach 5 Minuten hält eine blonde Ukrainerin in einem riesigen Skoda Superb. Das wird das Schachkid nochmal testen.

Das Boot fährt die nächsten 45 Minuten dreimal unter der Karlsbrücke durch. Gereicht wird Eis. Das Schachkid greift zu und erwischt natürlich einen Lebkuchen, bei 40 Grad Hitze. Auch egal…

Auf dem Rückweg kehrt das Schachkid auf der Suche nach Wasser im Supermakt ein. Wasser zu kaufen, ist ein Problem. Die Tschechen mixen ins Wasser alles Mögliche hinein. Geschmacksneutrales Wasser zu finden, fast ein Ding der Unmöglichkeit. Kurzerhand fragt das Schachkid einen Verkäufer. Dieser fragt zurück, ob das Schachkid auf englisch fragen könne. Das Schachkid ist irritiert, denn es hat auf Englisch gefragt. Da kam wohl wieder der fränkische Akzent durch.

Das Schachkid hat sich heute das erste Mal auf den Gegner vorbereitet. Mit Paul Laubrock wartet ein 14-jähriger mit einer respektablen 1885 DWZ. Die Sämisch-Variante in der königsindischen Verteidugung scheint der Kleine gerne zu spielen. Das Schachkid meldet sich flugs bei chess24.de an, wird Premiummitglied und zieht sich den Königsindischkurs von Melanie Ohme rein. Hoffentlich kann sich das Schachkid noch während der Partie an die Details erinnern.

Und tatsächlich, es kommt die Sämisch-Variante. Also fast, der Kleine vergißt c4. Dann wird er aber giftig. Dem Königsangriff hat das Schachkid nichts entgegenzusetzen. Der Gegner ist viel schneller mit seinem Angriff als das Schachkid. Wie aber gegen den Angriff wehren? Das Schachkid ist hilflos und fühlt sich wie eine Schildkröte, die hilflos auf dem Rücken liegt.

Schnell war die Partie vorbei. Paul hat dem Schachkid ganz klar seine Grenzen aufgezeigt. Da muss noch einiges gelernt werden.

Was nun tun mit den angebrochenen Abend? Essen gehen, zu einem Konzert gehen und dann noch in eine Bar. Mist, wieso ist es auf einmal zwei Uhr frühs? Es waren doch nur 3 Bier. Oder was war da noch…Erinnerungslücke…

Alles Wurst in Prag

Kann man sich mit der Straßenbahn verfahren? Man kann offensichtlich, das Schachkid kann es. Und dabei kann man sich selbst auf Google Maps mit dem Smartphone verfolgen, wie man aber gerade sowas von in die falsche Richtung fährt.

Das Schachkid hat eine Fotoausstellung besichtigt und will nur noch zurück ins kühle Hotel, steht aber  stadtdessen nun mitten in der Pampa im Prager Nirgendwo. So muss es Touris in Berlin Mahrzahn gehen.

Also wieder ein Taxi beigewunken. Die haben alle Taxameter, nur das erste vom Anreisetag nicht. Schöner Touristennepp.

Auf zum Schachspielen. Die Gegner werden von Runde zu Runde besser, aber auch wieder jünger. Das Schachkid sieht sich schon wieder wie in Pardubice bei den kleinen Mädchen landen. Richad Urbanec ist 18 Jahre. Scheint ein netter Bursche zu sein, sieht nur völlig durch den Wind aus. Zauselbart, strähnige lange Haare und eine viel zu große Hose für das kleine Kerlchen.

Er spielt französisch. Das Schachkid erinnert sich an Sd2, traut dem Braten aber nicht. Der Zug sieht unnatürlich aus. Da die Variante aber vom Trainer ist, kann sie ja nicht schlecht sein. Manchmal muss man eben vertrauen.

Und Tatsache, das Schachkid erreicht nach 11 Zügen eine stabile Stellung. Das Schachkid hofft auf 10. … Sxd4. Danach käme 11. Lxh7+ und Tausch auf d4. Das Schachkid glaubt, dass es dann leichtg besser steht, da Schwarz gar nicht weiß,wohin es mit dem Läufer soll.

Der Gegner zweifelt und spielt b6. Da muss doch was gehen, denkt das Schachkid und gewinnt nach einigen Zügen einen Bauern.Der Plan ist nun abzutauschen und ins Endspiel zu gelangen. Das Schachkid glaubt aufgrund der Majorität am Damenflügel an seine Chancen.

Gesagt getan, der Bauernvorstoß d5 bringt es. Der Gegner spielt 28. … Txc6 und sieht, er hat beide Figuren noch in der Hand, dass es Matt wird. Das Gefühl kennt das Schachkid. Mit 3 aus 4 Punkten ist das Schachkid zufrieden.

Ungeheuerliches tut sich am 2. Brett. Der dem Schachkid bisher umbekanngte 11-jährige Vincent Keymer haut den GM Teske um. Da hat der Bundesbernd wohl recht, der Kleine scheint wirklich Talent zu haben.

Beim Schreiben dieser Zeilen sitzt das Schachkid beim Italiener und bestellt sich wieder einen Fahrer via Uber. Sehr praktisch. Ondrej kommt in 7 Minuten mit einem Peugeot 508. Wieso gibt es das nicht in Deutschland?

Was nun Abends tun? Zum Konzert gehen. Auf einer Insel ist das Gay Pride Festival. Das Schachkid geht hin. Eine dem Schachkid umbekannte Sängerin gibt sich die Ehre. Kurzes Googlen, aha, die tschechische DSDS-Gwinnerin Aneta Langerova.

Die geht ordentlich ab. Das Schachkid muss sich unbedingt die CD bestellen. Danach kommt der amerikanische Bootschafter und hält eine launige Rede. Er muss zwar dreimal mit „His Excellence“ anmoderiert werden, ehe er kommtt. Aber echt lockerer Typ, der hiesige amerikanische Botschafter.

Pause im Schreibfluss. Ondrej ist mit einem Riesenschiff da. 135,- € macht er am Tag mit Uber, erzählt er freudestahlend. Kein Wunder, dass in Deutschland die Taxibranche auf die Barrikaden geht. Ondrej legt Techno auf. Man gleitet zu Minimal durch Prag und lernt gleich noch die Tschechen kennen. Coole Sache.

Alles sehr politisch hier in Prag. Es ist nicht so ein großes Happening wie in Berlin, viel kleiner und eben politischer. Was auch sogleich Conchita Wurst bestätigt, die nun auf der Bühne einschwebt. Wie sie zu ihren Namen gekommen sei. Conchita sei der spanische Spitzname für die privaten Teile der Frau und Wurst der deutsche Spitzname der privaten Teile des Mannes. Das Publikum feiert.

Tolle Stadt!