Archiv für Juli 2015

Feierbister und Schachmiezen in Pardubice

Der Abend war jung, die Nacht kurz – Pardubice hat, lustige Begleitung mit Ortskenntnis vorrausgesetzt, viel im Nachtleben zu bieten. Ein gewiser Schachverein scheint ganz cool drauf zu sein und des Schachkids würdig. Die Frage ist, ob die so einen Typen wie das Schachkid wollen.

Das Schachkid denkt über die Erweiterung seines „Trainerstabes“ nach und hat bei einem renomierten Eröffnungsexperten angefragt. Hier hakt es beim Schachkid an allen Ecken und Enden. Da muss man noch den Preis aushandeln.

Das Schachkid meldet sich morgends beim Blitzturnier an, erfährt, dass dieses bis um 13.30 Uhr geht, und meldet sich wieder ab.

Das Cafe mit Musik von Antenne Bayern im Hintergrund und einen Virgin Mojito auf dem Tisch ist bei Sonnenschein eindeutig die bessere Alternative. Der Mojito ist jungfräulich, weil er ohne Alkohol ist.

Spruch des Tages: „Dream as if you ‚ll live forever. Live as if you ‚ll die today.“ (Quelle: P.H.) Richtige Einstelllung!

Zur gestrigen Partie…

Kleine Kinder sind gefährlich. Vor allem kleine Mädchen. Erst recht die russischen kleinen Mädchen. Die die russische Schachschule durchlaufen und hochmotiviert sind. Darya Cheklekstova jedenfalls spielte die Eröffnung und das Mittelspiel so gut wie fehlerfrei.

Das Schachkid versuchte, den neu erlernten Machotzky-Aufbau im Sizilianisch aufs Brett zu bringen. Genau genommen ist es dass nicht, weil die Gegnerin eine andere Variante wöhlt. Es sieht aber so aus. Unfassbar ist aber, dass es die kelien Russin bis zum 17. Zug versteht, ruhig herum zu lavieren und stetig ihr Stellung zu verbessern.

Nach 19. … d5 seitens der kleinen Spielerin geht es munter weiter. Ständig droht irgendwas taktisches, das Schachkid hat überhaupt keinen Durchblick mehr. So geht das bis zum 36. Zug f5. 36. … gxf5 scheint ein Fehler zu sein. Nach diversen Abtausch schafft es das Schachkid, seine Bauern auf die richtige Farbe zu stellen. Der Rest ist erlernte Endspieltechnik.

Das kleine Mädel drückt sich zwei Tränchen weg. Das ist gar nicht nötig, hat sie doch wirklich gut gespielt. Ein paar Jahre noch und die kleine Russin spielt in der A-Gruppe.

Was nun? Feiern, siehe oben… Im Hotel liegt schon alles im Bett, also zurück zur Straße.

Schlecht gelaunt in Pardubice

Wie macht man aus einem schlechten Urlaub einen guten Urlaub? Das Schachkid weiß es nicht. Es ist mieses Wetter. Baden gehen kann man nicht. Parducbice als Stadt hat nicht soviel zu bieten, auch wenn das Stadtzentrum durch Sanierunngen zunehmend hübscher wird. Die zunehmende Verwestlichung der tschechischen Republik lässt einen in einer x-beliebigen deutschen Großstadt wähnen. Andererseits, vielleicht wächst hier Europa tatsächlich zusammen und gleicht sich an.

Was den Urlaub nicht besser macht. Schlechtes Essen in schlechten Kneipen, Reisebegleitung vorhanden und doch passt es irgendwie nicht. Da wird es wohl noch eine lange Woche.

Die Runde geht erst um 15.00 Uhr los. Bis dahin ist schlicht Langeweile angesagt. Das Lasertek fällt aus. Mangels Energie der Beteiligten.

Die Schachpartien bleiben ein Drama, als hätte das Schachkid nie trainiert.

Mit Rihard Bekasous kommt bereits das dritte Kind. Der Lette bringt immerhin beeindruckende 1893 Elo mit. Was das Schachkid nicht stört, es hat den Gegner in Griff. Und das trotz der unchristlichen Uhrzeit, früh Morgens um 8.00 Uhr.

Die Partie ist spannend, aber das Schachkid scheint besser zu stehen. 1. Sf3 sagt dem Schachkid nix. Vielleicht kann man ins Königsindisch umschwenken. Wird nix, man spielt Freestyle.

Hinter dem Schachkid diskutieren 14- und 15-jährige, wo man am besten Wodka her bekomme. Man wolle heute Abend saufen. Vermutlich haben sie auch verloren und machen Frustbewältigung.

Das Schachkid weiß nicht so recht, was es von manchen Anwesenden halten soll. Bzw. wo es selber steht. Manche Typen verstehen es, dass Leben zu genießen und eien große Sause zu machen. Das Schachkid ist echt zu kopflastig unterwegs udn ist ein wenig neidisch.

Aber zurück zur Partie. Ab 18. … Sg4 wird es spannend. Nun muss bald eine Entscheidung fallen. Beide Seiten suchen die Konfrontation. Der weiße Läufer auf b2 ist ungedeckt und droht, geschlagen zu werden, Schwarz muss dafür aufpassen, nicht auf einer sich öffnenden f-Linie zu verunglücken.

Das Wagnis klappt, das Schachkid gewinnt eine Leichtfigur. Sieht aber dann nicht den einfachen Gewinnzug 25. … Sf3+, was den Läufer b2 schnappt, das Läuferpaar und die Mehrfigur sichert.

Mit 31. Db4 macht der kleine Lette einen rafinierten Zug, es droht Matt. Mit 31. … Lxh3 gewinnt das Schachkid nicht mal einen Bauern. In der nun eintretenden Zeitnot für beide Spieler hat der Lette den besseren Überblick und schaut ungläubig, wie das Schachkid einen miesen Zug nach den anderen macht und die Partie weg wirft.

Man geht essen. Das Schachkid ist durch Zufall auf die Potsdamer getroffen. Die Eberwalder essen wahlweise Eis zum Mittag, Fast Food oder gar nix. Das geht dem Schachkid auf die Nerven. Die Potsdamer sind abenteuerlustig und schwenken in unbekannte Seitengassen. Man versteht die Karte nicht. Egal, dem Schachkid schmeckts, der Rest meckert rum. Das geht dem Schachkid noch mehr auf die Nerven.

Der Nachmittag bringt keine Besserung. Endlich mal kein Kind, sondern ein 35-jähriger Niederländer. Das Schachkid kommt am Brett an. Auf der Gegenseite sitzt ein 8-jähriger. Häh? Der kleine Isareli sitzt falsch. Kurzer Schreck.

Der Niederländer Daan Schanick hat offensichtlich keine Elo und ist Anfänger. Dafür spielt er aber ganz passabel und entpuppt sich auf Nachfrage als starker Gegner mit einer 1786 Elo. Das Gewinnen fällt ihm leicht, das Schachkid stellt sich aber auch an wie der erste Mensch. Zur Bauerngabel 12. g4 fällt einem nichts mehr ein. Das Schachkid hat die Bauerngabel wohl gesehen. So doof ist es ja nicht. Es glaubt, nach dem Tausch auf g4 durch Dxg4+, den Lf4 zu erbeuten. Das Schachkid ist aber doof genug, um Lg3 zu übersehen.

Der Abend will am Abend feiern, weiß aber net wo. Irgendwas läuft da falsch.

Komische Typen in Pardubice

In der 2. Runde spielt das Schachkid gegen Lena van Jan. Das Schachkid hat gestern irgendwohin das Partieformular gesteckt und findet es heute nicht mehr. Jedenfalls hat das Schachkid gwonnen, Vielleicht findet sich die Partie ja noch an.

Mrkwürdige Leute springen hier rum. Die Gegnerin des Schachkids ist mal wieder ein Teenager. Der Wechsel in die C-Gruppe hat also nicht wirklich was gebracht. Das Schachkid schlägt die gegnerische Dame. Die Gegnerin hat nur einen möglichen Zug, nämlich des Schachkids Dame zu schlagen. Was mach die Gegnerin? Schaut 10 Minuten durch die Luft. Sehr merkwürdig. Teenager scheinen immer irgendwie gefrustet zu sein.

Schräg gegenüber vom Schachkid hockt ein Gegner, der alle paar Minuten seinen Bizepts begutachtet, Erst spannt er den rechten Bizeps an, dann den linken Bizeps. Und guckt begeistert, wenn sich der Bezips sich bewegt. Das wiederholt sich alle halbe Stunde. Die Angelegenheit schien jedoch einen ernsten Hintergrund zu haben Der rechte Arm schien einmal operiert zu sein, jedenfalls zeugten Narben von einem Drama. Fast schien es, als hätte der junge Mann Angst, dass der Bizeps nicht mehr funktioniert und er ihn testen müsse.

Ganz anders geht ein blonder Tscheche zu Werke. Er zückt die Kamera und fotografiert die Stellungen auf dem Brett, aber ausnahmslos bei weiblichen Spielerinnen. Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, ob da nicht im Focus eher das Dekoiltee denn das Schachbrett stand.

Abends ist nix los.  Es ist zum Mäuse melken…

Katastrophen in Pardubice

Das Schachkid weiß es einfach nicht und denkt über seine Abreise nach.

Vielleicht ist es der monatelange Bürostreß, der seinen Tribut fordert. Oder es sind die Emotionen, die gewaltig und mächtig über einen browsen wie ein Orkan.

Das Schachkid fragt sich, wie wichtig kann einen Schach sein? Vor einem Jahr noch schien es nichts anderes zu geben. Nun scheint der Alkohol an dessen Stelle getreten zu sein. Dahin gegangen scheint all die Leichtigkeit. Und wohin wird diese Reise führen? Ins Verderben zweifellos, ins eigene.

Drei Masken hat der Mensch? Eine nach außen für Fremde, eine für Freunde und eine zu sich selbst – und alle scheinen sie unterschiedlich? Wie wahr. Wie gern wüsste das Schachkid, was hinter der Maske steckt.

Der Tag fängt an mit einem Schwimmbadbesuch, der nicht statt findet. Das Schwimmbad ist wegen einer technischen Störung geschlossen. Was für eine Störung? Das Wasser ist doch im Becken? Man möchte schreien.

Man spielt Skat – Das Schachkid fühlt sich wohl, wer braucht schon ein Schwimmbad, wenn man Skat spielen kann.

Mittag – man trinkt ein Bier. Das erste an diesem Tag, an dem noch viele weitere folgen werden. Die Potsdamer stoßen dazu. Allesamt schräge Typen, aber symphatisch. Schachspieler scheinen auch positive Macken haben zu können.

Das Schachkid betritt die Arena. 3. Platz der Gruppe D – die Bretter sind abseits zwischen Arenafläche und Zuschauertribüne im Nichts platziert. Es ist so eng, man kommt kaum ans Brett. Das Schachkid hat schon keine Lust mehr. Der 10-jährige Gegner ist hochmotiviert, was die Sache nicht besser macht. Entsprechend läuft die Partie.

Das Schachkid will nach Hause. Nicht nach Brandenburg nach Fürstenwalde, da ist Arbeit. Nach Thüringen, da wo Heimat ist.

Das Schachkid wechselt zurück in die C-Gruppe. Hier sitzt man wenigstens mitten im Geschehen. Was sagt der USV zur Mitgliedsanfrage?

Party im Schwimmbad oder Trinken mit dem Potsdamern? Das Schachkid ist gefrustet, geht mit den Potsdamern und steht sich mit dem Frust selber im Weg und streicht früh die Segel. Zu wenig Action.

Nachts – dem Schachkid ist ein wenig übel. Es war zu viel Bier. Das Leben geht weiter. Irgendwie, mit irgendwem.

Auf nach Pardubice

Das Schachkid hat lange überlegt, ob es nach Pardubice fahren soll. Das Schachkid hat gute Erinnerungen, hat es hier doch seine Freude am Schach wiederentdeckt. Der Schachwizard sei an dieser Stelle gegrüßt. Andererseits hat der Aufenthalt in Pardubice turbulente Entwicklungen ausgelöst, die bis heute anhalten. Entscheidungen, die ins Ungewisse führen. Manchmal braucht es einen Katalysator, um die Dinge in Gang zu setzen.

Der Leser fragt sich jetzt, was solll das Geschwafel? Manchmal ist Schreiben auch Selbstreflektion. Und der tiefere Sinn erschließt sich nur Ausgewählten.

Genug der Philospohie – das Schachkid hat beschlossen, von der C-Gruppe zur leichteren D-Gruppe zu wechseln. Das wird wieder DWZ kosten, wenn sich das Schachkid wieder die üblichen Aussetzer erlaubt. Aber was solls, das Schachkid hat Urlaub und freut sich auf entspannnte Partien.Und hofft insgeheim, die D-Gruppe zu gewinnen.

Die Wochen zuvor waren stressig. Das Schachtraining hat kein Training gemacht, da wird der Trainer schimpfen. Dieser spielt mit seinen Kumpel Niclas das Sankt-Pauli-Open und ist nun doch nicht anwesend. Schade, man wird sich schon nochmal persönlich über den Weg laufen.

Das Schachkid fragt sich, ob es so lustig wie im letzten Jahr sein wird. Lucky ist nicht dabei, der Zimmergenosse vom letzten Jahr schläft anderweitig. Es bleiben drei Frauen und vier Teenager in der Reisegruppe. Na das kann was werden. Obwohl das Schachkid nun der Mann, quasi der Leitbulle, der Gruppe ist.

Trotz Planung, die Anreise ist gewohnt chaotisch. Das Schachkid packt früh um sechs Uhr seine Koffer und ruft ein Taxi. Bei drei Fürsternwalder Taxen geht keiner ran. Unverständlich für das Schachkid, will man keine Kunde ? Das vierte Taxi ruft zurück, die Fahrt zum Bahnhof ist gesichert, der puls des Schachkid auf 180. Der Regio ist pünktlich da, beschließt aber, unterwegs mal anzuhalten. Praktisch, dass das Schachkid in Berlin nur 9 Minuten Umsteigezeit hat. Das Schachkid hetzt zum Bahnsteig 1, der Zug nach Pardubbice fährt gerade los. Drinnen hockt die 5-köpfige Reisegruppe, mit der das Schachkid fahren wollte.

Das Schachkid beschwert sich bei der Bahn, bekomt den halben Fahrpreis wieder, hat nun zwei Stunden Zeit und nutzt selbige, um Wetten auf die heute startende 2. Bundesliga zu platzieren, Wieso ist eigentlich der Handyakku schon wieder leer?

Nach Dresden sollte man sich in den Speisewagen begeben, oder besser gesagt durchkämpfen und über schlafende Laiber hinweg steigen und schwere Koffer zur Seite schieben. Im Speisewagen sind die Fenster größer. Man hat einen wunderbaren Panoaramablick durch die Fluss- und Felsenlandschaft um Bad Schandau, die sich Dresden anschließt.

Oh, wie schön, der Speisewagen ist leer. Aber das Schachkid hat erstmal dringendere Probleme zu lösen. Kaum von der Problemlösung zurück, ist es voll. Das Schachkid nimmt bei zwei Damen Platz, offensichtlich Mutter und Tochter, die das Schachkid nur missmutig am Tisch tolerieren und am liebsten per Todesblick verdampfen wollen.

Die Mutter- und Tochter-Beziehungscheint nicht sehr tiefschürfend zu sein. Ab und an schweigt man sich an. Der Enkel will zu Winnetou. Im Leben der Tochter scheint ein Absonderling, ein gewisser Alex, ohne IT-Kenntnisse und wenig Freunden, eine besondere Rolle zu spielen. Die Ökotante hat sich völlig überraschend als Chirurgin entpuppt. Ah, unter diesen Umständen könne man den Ökotussi glatt tolerieren. Das Schachkid denkt sich seinen Teil von der Oberflächlichkeit der sächselnden Sächsinnen und schaut zum Nebentisch, wo das Schachkid den Schauspieler XXX zu erkennen glaubt.Die Tochter gibt derweil der Mutter den heßen Tipp, dem Vater unbedingt Servus TV am Fernseher einzustellen. Der habe eine Kooperation mit der Zeitschrift Landlust und sende so schöne Bergaufnahmen.

Das Leben ist manchmal so banal, dass es weh tut.

Das Schachkid sitzt am Tisch und widmet sich seinem Entenfleisch. Die Tür öffnet sich. Zwei schwer gepanzerte Polizisten treten ein. Sie werfen finstere Blicke um sich, als suchten sie jemanden. Verbrechen an der Grenze? Ein Kameramann wackelt hinterher, mit einem Logo des mdr. Auch der öffentliche Rundfunk neigt offensichtlich zu reißerischen Reportagen.

Der Kellner glaubt, er sei witzig und erzählt dem Schachkid in vier Sprachen, was er zahlen soll. Das Schachkid gibt vor, nix zu verstehen. Der Kellner legt mit zwei weiteren Sprachen nach. Ok, der Kellner ist witzig.

Der Zug ist voll. Auf der deutschen Seite kommt kein Schaffner, um sich durch die Massen zu kämpfen und Tickets zu kontrollieren Kaum ist man auf der tschechischen Seite, kommt die Schaffnerin. Da kennen die Tschechen nix, unbeirrt schieben sie die Massen zur Seite. Routiniert wickelt die Schafferrin die Ticketkontrolle ab und knöpft den Engländern, die dem Schachkid gegenüber sitzen, gleich noch 30 Euros ab, Optisch sind die tschechischen Zugbegleiterinnen eine Augenweide, da hat die Deutsche Bahn noch Nachholbedarf.

In Pardubice angekommen fragt sich das Schachkid, wieso es sich wieder im Hotel Labe einquartiert hat. Zu sozialistischen Zeiten war dies das erste Haus am Platz. Seitdem scheint aber nicht mehr passiert zu sein. Ikea baut bessere Möbel. Klimaanlagen sind ein Fremdwort. Im Zimmer sind es 40 Grad. Es gibt nur Raucherzimmer. Anlässlich des Schachopens verdoppelt das Hotel die Zimmerpreise. 50 €\Nacht für das Niveu einer Jugendherberge. Die Tschechen haben den Kapitallismus schnell erlernt.

Blindpartien treiben in den Wahnsinn

Blindpartien treiben in den Wahnsinn – Diese kühne These verkündet die Tageszeitung Die Welt in einem heute veröffentlichten Artikel „Warum Schach erfolgreich und gesund macht“. Leider ist der Artikel nicht online verfügbar. Anlass ist eine Buchveröffentlichung „Damenopfer“ von Christian Hesse.

Schachspieler würrden eine besondere Ästhetik in dem Spiel sehen Kraftfelder spüren, die den Figuren abgehen. Über das Vertiefen in den König sei schon so mancher verrückt geworden. Insbesondere das Spielen von Blindpartien sei sehr kritisch. In Russland sei das daher teilweise schon verboten.

Diese These kann das Schachkid bestätigen, wenn es so manch schräge Gestalten bei Schachturnieren sieht. Und beglückwünscht sich dabei innerlich, dass es keine Blindpartien spielt.

Endlich ein Aussetzer

Endlich Wolken am Himmel, es hat sich merklich abgekühlt. Ideales Wetter zum Schach spielen. Verdammt, was ist das nur für ein Sommer. Kann nicht einmal die Sonne scheinen? Mit 1,5 aus 3 ist das Schachkid nicht zufrieden. Es müssen zwei Punkte her.

Gegen den deutlich stärkeren Sebastian Bender war dies allerdings nicht möglich. Im Gegenteil war man schnell fertig. Wieder der Najdorf, der scharfe Najdorf. Nach 11. … Db6 war es vorbei. 11. … Se8 hätte die Stellung wohl gerettet. Man paluscht net und analysiert. Schachspieler unter sich.

Die Partie ist vorüber, es regnet in Strömen. Zwangsaufenthalt im Spiellokal. Wie gut, dass das Schachkid nicht am Strand liegt, aber wohin jetzt? Es fehlt ein Analyseraum. Die Schachspieler drücken sich auf der Treppe und im Flur herum. Auf jeden Fall muss jetzt noch ein Punkt her.

Gegen Harris Baytelman scheint das auch möglich zu sein. Der Endzwanziger hat keine Wertzahl, dafür aber amerikanische Coolness – ein Ami in Berlin. Warum er ausgerechnet Schach spielt, weiß der Himmel.

Der Plan ist klar. Im 7. Zug bekommt Schwarz einen Einzelbauern verpasst. Nun wird abgetauscht und auf die Bauernstruktur gespielt. Im 13. Zug verschlechtert sich die schwarze Bauernstruktur wieder. Das Schachkid ist siegesgewiß. Aber es hatte ja noch nicht seinen berühmten Aussetzer. Das Schachkid spielt flott auf und lässt sich in einen Zug matt setzen. Harris ist begeistert.

Das Schachkid ist sehr unzufrieden. 1,5 Punke aus 5 Runden sind zu wenig. Und immer sind es die Eröffnungen oder zu schnelles Spiel. Es ist zum Mäuse melken. Oder ist es doch zu vel Schach? Mal gucken, wie es kommende Woche in Pardubice läuft.

Das Kurt-Richter-Gedenkturnier ist ein kleines herrlich unverkrampftes Turnier. Man nimmt wenig Startgeld. Das Spiellokal ist in einem netten alternativen Kiez gelegen, wo es einiges zu entdecken gibt. Und die Leute sind nett  – kann man also spielen.

Schach im alternativen Kiez

Verdammt, wo sind die Gewitter? Die Sonne brennt. Auf die Wetterapp ist kein Verlass. Das Schachkid muss mit Schwarz gegen Jörg Nagel spielen. Das Schachkid verortet diesen in Berlin. Später outet er sich jedoch als Müncheberger, der Überweisungsträger mit Kommentaren versieht. Und diesen Blog liest er auch. Da kann das Schachkid natürlich nix böses über die Müncheberger schreiben. Warum der andere anwesende kleine Müncheberger den anwesenden großen Müncheberger ständig knutschen will, bleibt wohl deren Geheimnis. Beide werden demnächst beim Briesener Open mitspielen. Da wird das Schachkid investigativ ermitteln.

Die Partie war ein Drama. Mit dem Königsindisch kommt das Schachkid einfach nicht richtig zurecht. Es fehlt ein Stellungsgefühl, wann nun welcher Zug sinnvoll ist. Das Schachkid weiß nie, wohin es den schwarzen weißfeldrigen Läufer stellen soll oder was gegen Lg5 zu tun ist, der unangenehm den Springer gegen die Dame fesselt. Da wird ein gewisser Felix M. wohl nochmal Nachhilfe geben müssen.

Der Müncheberger findet eine schöne Kombination. Lg5xSf6 sieht so harmlos aus. Gut, denkt das Schachkid. Jetzt hat es das Läuferpaar und nimmt zurrück. Mit dem nächsten Springerzug sind plötzlich zwei Bauern weg, die Dame hängt und es droht auch noch ein Gabelschach. Das Schachkid gibt auf, wirklich gut gesehen von dem Müncheberger. Das Schachkid wird ihn Jörgi taufen.

 Das Spiellokal liegt in Friedrichshain. Das Schachkid kennt sich in Berlin ja einigermaßen aus. Aber hier staunt das Schachkid. In den Nebenstraßen ist Berlin so urban und alternativ wie einst. Hier glaubt man, noch die Stimmung der Nachwendezeit zu erspüren. Sanierte Häuser wechseln sich mit bewohnten Ruinen ab. Viel junges Volk ist auf der Straße, die alle etwas abgedreht wirken. 30 Grad Hitze und junge Männer laufen mit Wollmütze herum. Einer trägt einen Anzug und geht barfuß dazu.

In alten Fabrikhallen haben Clubs und eine Boulderhalle eine Heimat gefunden, Mittendrin ein alternativer Flohmarkt. Farbige Menschen stehen betont unauffällig in der Gegend herum und mustern jeden Passanten. Mustert man zurück, bekommt man gleich ein Angebot für diverse, nun ja, Entspannungsmittel.

Auf dem alternativen Flohmarkt verkufen allerlei Rasta-Typen Schmuck und andere hüsche Dinge. Zwischen den Ständen riecht es verdächtig süßlich. Ein Obststand verkauft Melonenbecher. Das Schachkid will zugreifen, sieht aber die schmierigen Verkäufer, die sich gerade eine Kippe anstecken und nimmt lieber Abstand. Wer weiß, was die noch alles angefasst haben und was man sich da so einfängt.

Das Schachkid geht lieber zum Italiener, der laut der App Yelp superhipp sein soll, was das Schachkid nicht bestätigen kann. Das Essen ist Durchschnitt, das Schachkid muss ewig warten. Das das Schachkid dann noch Trinkgeld gibt, ist um so ärgerlicher. Immerhin die unfreundlichen Kellnerinnen glänzen durch enganliegende Kleider und stellen ihre Reize zur Schau. Warum die Damen kellnern und nicht Filme drehen vorzugsweise in horizontaler Lage, weiß das Schachkid auch nicht. Das Gehalt wäre sicherlich höher. Das Schachkid ist anders geeeicht und von der Optik nicht überzeugt. Immerhin, fürs Trinkgeld war es ausreichend.

Mit Manfred Lenhardt wartete die Nummer 4 der Setzliste auf das Schachkid. Man hat sich schon auf vielen Turnieren gesehen, aber noch nie gegeneinander gespielt. Heute war Premiere. Das Schachkid rechnet sich keine Chancen aus, aber es wurde eine lange und spannende Partie mit Chancen für beide Seiten.

Schwarz spielt 1. … g6. Das Schachkid hat noch keinen Plan für diesen Zug, hofft, auf den gerade erlernten Macotzky-Aufbau umzuleiten, beschließt dann aber, sich normal zu entwickeln. In der Analyse merkt das Schachkid, dass ihm der Trainer schon Pirc erklärt hat.

Die erste Frage stellt sich schon im 5. Zug. Ist 5. e5 wirklich am stärksten? Ähnlich im 9. Zug, exf6 ist dr beste Zug?

9. … Txf6 erscheint dem Schachkid ungenau, denn nun kommt Weiß gut ins Spiel. Der Punkt e7 scheint für Schwarz schwach. Das Schachkid weiß nicht genau, ob 12. Dxb2 gut ist. Die weiße Bauernstruktur am Damenflügel ist zerstört. Aber die schwarze Dame operiert dort alleine, weit weg vom eigenen König.

Das Schachkid bringt seinen Turm auf die 7. Reihe und übersieht dann 20. Sb7 oder das schöne Opfer 28. Lxg6.

Beide Spieler kommen nun in Zeitnot, erst Schwarz dann Weiß. Weiß gleicht die Stellung aus und spielt mit 33. Kg2 so richtig Mist. Schwarz finden in den wenigen Sekunden, die ihm bleiben, nicht den Gewinnweg und leitet ins Dauerschach über.

Bei so einer Partie ist im Grunde genommen das Ergebnis sekundär. Es war eine spannende Partie, die Kraft gekostet hat, aber eben auch sehr unterhaltsam war. Dafür spielt das Schachkid Schach.

Ein halber Punkt aus zwei möglichen Punkten gegen deutlich bessere Gegner, 1,5 aus 3 gesamt, das Schachkid ist zufrieden.

Zugfahrt nach Hause – „Meine Haare sind so gestresst.“ meint die aufgebrezelte blonde Tussi zu ihrer ebenso aufgebrezelten Freundin, beide kaum 18 Jahre alt. Beide sind blondiert, überschminkt, haben lackierte Nägel und verbringen die Zugfahrt damit, sich die neuesten Feuchtigkeitscremes zu zeigen, die sie offensichtich gerade beim Shopping erbeutet haben. Die eine hat Hotpants an und sitzt so breitbeinig da, dass man bis in die Gebärmutter gucken kann.

Na, denkt das Schachkid. Wie arm dran muss ein junges Mädchen sein, wenn es sein Selbstwertgefühl nur aus seinen überschminkten erotisch betonten Körper zieht.

Kurt Richter Gedenkturnier in Berlin

Manchmal fragt sich das Schachkid, ob es die Sache mit dem Schach nicht etwas übertreibt. Kommende Woche beginnt das Schach-Open in Pardubice. Das Schachkid sitzt am Freitag bis 16.30 Uhr im Büro und brettert von dort aus am 17. Juni 2015 direkt zur 1. Runde zum Kurt-Richter-Gedenkturnier nach Berlin. Es sind 30 Grad, die Sonne knallt. Eigentlich das passende Wetter, um sich an den Helenesee in Frankfurt (Oder) zu legen. Aber es soll ja eh das ganze Wochenende regnen.

Muss es da wirklich noch diese Woche ein Schach-Open sein? Die Antwort ist ein klares Ja. Es ist eine innerliche Leidenschaft wie ein Feuer, die das Schachkid antreibt. Ist es falsch, wenn man mit Begeisterung sein Hobby intensiv ausübt? Vermutlich muss man aufpassen, dass man nebenher das reale Leben nicht. vergisst oder irgendwelche Macken entwickelt. Oder das Schachkid hat diese schon und merkt es nur nicht. Wer findet, dass das Schachkid Macken hat, möge es ihm sagen.

Das Schachkid fährt zum Spiellokal nahe der O2-World.Wohin nur mit dem Auto… Großstädte und Autos sind ein Widerspruch. Das Schachkid sucht sich einen Wolf, erst nach dem Parkplatz, dann nach dem Spiellokal. Die Pforte des Begegnungszentrums des Kiezes ist extrem unscheinbar.

Drinnen warten nette Leute. Narva Berlin ist der Ausrichter. Das Kurt-Richter-Gedenkurnier hat eine lange und sonderbare Geschichte hinter sich. Benannt nach dem Berliner Spieler Kurt Richter fand anno 1985 das erste Turnier statt, dann noch ein oder zwei Mal. Dann passierte 30 Jahre lang nichts. 2011 gab es eine Neuauflage, dan wieder nichts. 2014 fing man wieder an. Erstaunlicherweise wird das Turnier seit Beginn von der gleichen Person, heute 78 Jahre alt, organisiert. Und es gibt Spieler, die tatsächlich jeden Jahrgang des Turnieres mitgespielt haben, was einen Sonderpreis verdient.

Das Schachkid ist nun 37 Jahre alt. Es droht das 40. Lebensjahr und die Mitte des Lebens. Da wird dem Schachkid ganz bang und es fragt sich, kommt da noch was? Vermutlich der Beginn der Midlife Crisis. Da ist das Schachkid ein wenig neidisch auf seinen Trainer und den Schachwizard. Die genießen beide das Leben und haben noch alles vor sich. Ersteres macht das Schachkid auch, aber manche Erfahrung möchte das Schachkid nun auch nicht missen.

Ein nettes Spiellokal, nette Leute, selbst gemachte Gulaschsuppe. Was will man mehr? Einen Strand! Die Sonne brennt vom blauen Himmel, von wegen Gewitter. Die unverwüstliche Mandy ist auch da, mit zwei Jungs im Schlepptau und einer Mama dazu. Irgendwie fühlt sich das Schachkid beim Anblick der Mama an die 80er Jahre erinnert, das hat was.

Das Schachkid freut sich auf eine kurze Partie. Im Vorfeld hat es die Teilnehmerliste gesichtet und fand sich mittig wieder. Also würde es ein total starker Gegner oder ein sehr schwacher Gegner werden. So oder so, eine schnelle Partie winkte.

Mit Duc No Dgoc wurde es ein schwacher Gegner, dachte das Schachkid. Der Gegner hatte keine DWZ, war aber ein schachspielender Papi, der Sohn spielte eine Etage tiefer, der seit 20 Jahren kein Turnier gespielt hatte. Der Papi spielte gut und hat sich mindestens eine 1500 verdient. Etwas Turniererfahrung und der Umgang mit der Zeit als auch der taktische Blick wird besser.

Die Eröffnung läuft mal wieder schlecht. 7. Se3 muss es sein, nicht Le3. Resultat: Ein demolierter Damenflügel. Das Schachkid beschließt, hier anzugreifen. Der König beabsichtigt gleiches am Königsflügel. Das macht aber wenig Sinn, da der weiße König gut geschützt ist. Die schwarze Dame steht igendwie isoliert am weißen Königsflügel herum. Der weißfeldrige schwarze Läufer hat kaum Felder. Weiß hat dafür eine miese Bauernstruktur am Damenflügel, aber das Läuferpaar.

[Event "Kurt-Richter-Gedenkturnier 2015"]
[Date "2015.07.18"]
[Round "1"]
[White "Kellner, Rene"]
[Black "Ngoc, Duc No"]
[Result "1-0"]
[ECO "C45"]
[WhiteElo "1608"]
[PlyCount "59"]

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. d4 exd4 4. Nxd4 Bc5 5. Nf5 Qf6 6. Nc3 Nge7 7. Be3 Bb4 8.
Nxe7 Qxe7 9. Bd3 O-O 10. O-O Bxc3 11. bxc3 d6 12. a4 Ne5 13. Be2 Qh4 14. f3 Re8
15. a5 Re6 16. c4 Rg6 17. Bf2 Qg5 18. Bg3 h5 19. f4 Qe7 20. fxe5 h4 21. Bf4
dxe5 22. Be3 Bh3 23. Rf2 Rd8 24. Qe1 Be6 25. Bh5 Rf6 26. Bg5 Qc5 27. Bxf6 gxf6
28. Kh1 Kg7 29. Rd2 Rxd2 30. Qxd2 1-0

[/]

Letztendlich entschied die Bauerngabel mit ... Sonst wäre es wohl ein ausgewogener positioneller Kampf im Endspiel Springer gegen Läufer geworden. Das Schachkid fährt zufrieden heim.

Das Schachkid beim Vereins-Check in Potsdam

Des Schachkids vermutliche neue Wohnung in Potsdam ist noch nicht bezugsfertig. Sie wird noch gebaut. Immerhin, die Fenster wurden letzte Woche installiert. Zeit, sich mal in der Potsdamer Schachszene umzusehen.

Das Schachkid hat recherchiert und stellt fest, es gibt in Potsdam den USV Potsdam, Empor Potsdam und den PSV Potsdam. Alle Vereine betreiben eine mehr oder weniger optisch ansprechende Internetseite. Im Grunde genommen trifft auf alle das Attribut „“weniger“ zu. Es müsste doch ein leichtes sein, die Trainingszeiten zu recherchieren. Die Schachvereine wollen doch bestimmt neue Spieler anlocken.

Marketing geht anders. Beim USV sucht sich das Schachkid einen Wolf und wird dann durch Zufall unter „Kontakte“ fündig. Aber immerhin… Empor veröffentlicht den Trainingsort, aber keinen Wochentag oder eine Uhrzeit. Also schreibt das Schachkid eine Email, hat aber nach zwei Wochen immer noch keine Antwort. Hier ist man offensichtlich lieber unter sich. Bleibt der PSV,  auch hier sind keine Trainingszeiten zu finden, Aber nach 24h ist die Antwortemail da. Punkt für den PSV.

Am 7. Juli 2015 schlug das Schachkid beim Training des USV auf. Von 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr sollte selbiges sein, um 19.15 Uhr war das Schachkid da. Immerhin drei Mann waren anwesend. Der Verein hat mehr als 60 Mitglieder. Was sagt die geringe Beteiligung am Training über den Verein aus? Der USV spielt in einem Seminarraum an der FH Potsdam, die schon merklich bessere Tage gesehen hat. Kurz, ein Ort zum Gruseln.

Das Schachkid schaut zwei Senioren beim Blitzen zu, ein Jugendlicher mit einem Go-Spiel ist noch da. Dieser entschwindet wort- und grußlos aber sogleich. Da fragt sich das Schachkid schon, was es von so Unhöflichkeiten halten soll. Nun darf das Schachkid mal ran und blitzt, der andere Spieler geht nun auch heim. Nach zwei Spielen und Anschweigen hat das Schachkid die Nase voll und geht auch.

Das Schachkid fragt sich schon, was da los ist, wenn ein Verein mit 60 Mitgliedern einen so lauen Trainingsabend ohne Beteiligung hat. Komisch findet das Schachkid auch, wenn es als neuer Besucher kaum angesprochen oder gefragt wird, was es eigentlich vor Ort will. Sicher, dieser eine Augenblick war nur eine Momentaufnahme und erscheint kaum geeignet, einen Verein zu beurteilen. Und eine gute Jugendarbeit scheint auch zu laufen, was grundsätzlich für jeden Verein spricht, der Jugendarbeit macht. Allein, das Schachkid bleibt mißtrauisch und schaut sich weiter um.