Archiv für Juni 2015

Wismar – Es wird nicht besser

Der neue Turniertag fing so an, wie der alte aufhörte, mit katastrophalen Partien. Gestern ist das Schachkid fast verglüht. Heute ist es eiskalt. Wie soll man bei so instabilen Wetter nur stabil Schach spielen.

Zuerst stand das Frühstück an, frühes um 7.00 Uhr. Warum um Himmels Willen muss bei einem Schachopen die Runde um 8.00 Uhrr losgehen? Und warum in Gottes Namen tut sich das Schachkid nur sowas an? Das Hotel lässt sich nicht lumpen und bietet ein sattes Buffet auf. An der Bar trohnt ein Azubi und blickt sich suchend um. Kaum hat man seinen Teller leer gegessen, eilt er herbei und räumt ab. Kaffee bringt er unaufgefordert. Das Schachkid ist beeindruckend.

Das Schachkid weiß, dass es gegen Daniel Schulz spielen wird. Gegen den hat das Schachkid wenige Monate vorher beim Eintracht Open gewonnen. Das Schachkid ist daher optimistisch und hofft auf einen schnellen Punkt.

Weiß spielt Alapin. Der Trainer hat d5 empfohlen. Das Schachkid erinnert sich ausnahmsweise mal daran, vergewaltigt aber dann die Eröffnung. Weiß übersieht 9. e5 und der Springer des Schachkids ist weg. Dieses hilft nun aber kröftig mit, die Partie schnell zu beenden. Wenn man den König in der Mitte stehen lässt, wird das schnell bestraft, so auch hier. Nach 14. Lb5+ ist eine Leichtfigur weg. (14. … Kd7. 15. Td7+ Ke8. 16. Sxe4 Lex4 17. Td4+

Nach dieser desaströsen Erfahrung setzt sich das Schachkkid in den Analyseraum und surft deprimiert im Internet herum. Das Schachkid hat seine Multimediaausrüstung immer dabei.

Irrgendwann ist aber auch genug mit Trübsaal blasen. Es sind noch vier Stunden. Zeit, was zu unternehmen. Wismar feiert an diesem Wochenende sein Hafenfest. Zeit, um sich in die Menge zu werfen. Kutter locken mit leckeren frischen Fisch. Große Koggen segeln gerade davon. Das Schachkid fährt auf einem Schiff hinterher, Zeit für eine Hafenrundfahrt.

Diese dauert eine Stunde, ist im Prinzip aber bereits nach 10 Minuten beendet. Der Wismarer Hafen ist einfach zu klein. Und da das Schiff nicht eine Stunde im Kreis fahren möchte, fährt das Schiff 25 Minuten immer gerade aus Richtung Ostsee und dann 25 Minuten die gleiche Strecke zurück. Links snd grüne Bojen, rechts blaue Bojen, ja, sehr sehenswert diese Bojen.

Im Hafen zurück stellt das Schachkid fest, dass der weibliche Teenager-Shanti-Chor auf der Bühne eine Katastrophe ist. Und überhaupt, an Santiano kommt keiner ran.

Auf dem Rückweg wohnt das Schachkid der Verfilmung eines Tatortes bei. Eine Straße ist gesperrt, ein Hotel wird zum inszenierten Tatort. Dinge schleppen und durch die Gegend tragen ist offensichtlich der wichtigte Job beim Film. Eine Menge Helfer wuseln durch die Straße, immer etwas von A nach B tragend. Die Schauspieler wirken derweil sehr enspannt.

Gegen Richard Barth gelingt nochmal eine flotte Partie. Die Erröffnung mißlingt in gewohnter Weise. Dann schafft das Schachkid aber einenn schönen Königsangriff.

Das war ein hartes Turnier. Das Schachkid hat ungeduldig gespielt und die Eröffnungen verhunzt. Hier besteht offensichtlich ernsthafter Trainingsbedarf. Fast 20 DWZ-Punkte hat das Schachkkid verloren.

Wismar als Stadt ist wunderschön. Karstadt wurde hier geründet, das Stammhaus ist noch heute zu bewundern. Manchmal zählt eben mehr als Schach…

Hitzeschlacht in Wismar – 2. Tag 12. Stadtmeisterschaft Wismar

Mit einem Punkt und die 1700 DWZ fest im Blick startete das Schachkid in den zweiten Turniertag. Mit Herman Beaten wartete ein schaffbarer Gegner. Hinderlich war der Sonnenschein und die große Hitze. Es ist Sommer und 70 Mann spielen in einem Hörsaal Schach.

Weiß eröffnet mit 1. Sf3. Das Schachkid glaubt, das ist eine Eröffnung für Leute, die gerne pokern oder für Leute, die sich nicht entscheiden können. Das Schachkid schenkt ins vom Trainer empfohlene Königsindisch. Über. Aber auf 7. d5 hat das Schachkid noch keine Antwort. 7. … c6 scheint es nicht zu sein, sondern a5.

Nach 12. … Sc5 scheint die Stellung schon dahin, Weiß übernimmt mit 13. Le3 die Initiative und fesselt die Dame. Das Schachkid glaubt die Partie schon verloren. Dann noch eine schöne Kombination. Weiß gewinnt die Qualität. Und das Schachkid glaubt endgültig, Brei im Kopf zu haben. Es ist zu warm. Immerhin kriegt das Schachkid noch ein paar Bauern.

Dann aber ein paar Ungenauigkeiten, 19. … Lxe8 statt Sxe8, die Stellung wird nicht besser. Zum Finale lässt das Schachkid noch den Turm stehen. Eine Partie zum vergessen.

Das Schachkid beschließt, sich die Stadt anzugucken. Oh, mitten im Zentrum eine Thaimassage. Da geht das Schachkid gleich mal rein. Es gibt kaum was besseres gegen verspannte Büromuskeln. Die anwesende Dame will für 60 Minuten 100 € sehen. In Berlin kostet das 37,- €. Oh, das Schachkid hat die rote Lampe im Fenter übersehen, schnell wieder raus hier.

Das Schachkid wackelt zum Markt und kommt zufällig an einen Bus vorbei, der gerade zu einer Stadtrundfahrt startet. Vorher noch eine Thüriinger Bratwurst gegessen, die wie immer eine Katastrophe ist. Sogar Kümmel ist drin, das geht gar nicht.

Der Busfahrer erklärt, dass die Straße, die man gerade befährt, früher ein Schiffkanal war. Genauso schwankt auch der Bus, der sich über das Kopfsteinpflaster müht. Seegang ohne See! Wismar ist eine schöne Stadt, viel Backstein und viele Kirchen. Der Busfahrer erzählt, wie wenig in der DDR saniert wurde oder dass gar Kirchen gesprengt wurden. Schlimm, Kulturverbrecher, diese Kommunisten. Seit 1990 baut man viel wieder auf, Wismar ist eine schöne und stolze Stadt.

Es ist brütend heiß, das Schachkid kommt abgekämpft im Spiellokal an. Der nun wartende Gegner Kevin Zwerg ist ein Riese, fast so groß wie das Schachkid, aber erst 18 Jahre alt. Er scheint auch geschwitzt zu haben. Das Schachkid ist sich sicher, dass er vormittag was anders an hatte.

Schon wieder so eine blöde sizilianische Eröffnung. Das Schachkid erinnert sich nun an den jugoslawischen Angriff, bringt ihn aber nicht zu Stande. 8. d5 passt nicht, was soll das Schachkid nun spielen? Es droht ein Einzelbauer auf e4. Unn der Lg7 leuchtet auf des Schachkids Damenflügel.

Das Schachkid tauscht und verpasst dem Gegner zwei Einzelbauern. Die lange Rochade ist passe, das Schachkid macht sie trotzdem und weiß hinterher gar nicht, wieso. Mittlerweile sind es 29 Grad. 15. Le2 verliert dann noch einen Bauern. Die Stellung bessert sich dann wieder. Schwarz setzt nicht kraftvoll mit seinen Angriff nach. Das Schachkid beschließt, wegen des Bauern weniger, am Königsflügel anzugreifen.

Beide Seiten kommen in Zeitnot. Das Schachkid bereitet mit 30. Tf1 den Zug Txf4 vor, es droht matt. Das Schachkid sieht nicht, dass es auch gleich hätte 30. Dxf4 spielen können. Es folgt 30. … ef 31. Lxf6+ Tg7 32. Txh7+ Kxh7. Th1 matt. Die Partie wäre für das Schachkid gewonnen gewesen.

Der Gegner ist höflich und übersieht im Gegenzug 37. … Td1+. Dann wäre das Schachkid die Dame los gewesen. Nach der Zeitnot einigt man sich auf Remis.

Ein warmer Tag war das mit Partien zum Vergessen. Das Schachkid latscht ins Hotel zum 3-Gänge-Menü, was es aus Versehen zum Zimmer gebucht hat. Dieses dauert geschlagene zwei Stunden, die Küche ist unterbesetzt. Na ja, gibt schlimmeres, als Samstag Abend in Wismar in der Sonne zu sitzen und auf eine geeiste Gurkensuppe zu warten…

Stress zur 12. Wismarer Stadtmeisterschaft

Seit 2006 will das Schachkid die Wismarer Stadtmeisterschaft mitspielen. Immer war etwas anderes los, so auch diesmal. Das Schachfest im Berliner Hautbahnhof ist eine sehr spannende Veranstaltung. Aber das Schachkid hatte sich ja Silvester 2014 vorgenommen, all die Dinge im Jahr 2015 zu tun, die es schon immer mal machen wollte. Also am 12. Juni 2015 auf nach Wismar.

So war jedenfalls der Plan. Um 13.00 Uhr aus dem Büro nach Hause gehen, in Ruhe Koffer packen. Um 14.00 Uhr los fahren, um 17.00 Uhr im Hotel einchecken und dann um 18.00 Uhr mit dem Turnier los machen.

Nun Murphy von Murphys Gesetz hatte offensichtlich andere Pläne. Der oberste Chef setzte um 13.00 Uhr noch einen Termin an, der sich verschob und verschob und verschob… Erfreulicherweise wurde das Schachkid von seinen Chef um 14.00 Uhr aus dem Dienst entlassen, er musste weiter ausharren. Also um 14.30 Uhr daheim gewesen, aus den Anzug geschält, die Sachen in den Koffer und selbigen ins Auto geworfen und los gehts.

Nach Wismar sind es drei Stunden, bleibt also eine halbe Stunde Puffer. Wenn auf der A19 der LKW sich nicht auf der linken 2m-breiten Spur gedacht hätte, dass er da locker drauf passt. Passte er aber nicht. Auch die Baubrücke, unter der der LKW feststeckte, half nicht wirklich. Der LKW-Fahrer wollte es an diesen Tag offensichtlich wissen, wie hoch und breit sein Fahrzeug war. Stau, das Schachkid ist genervt.

Um 17.55. Uhr endlich angekommen, fürs Hotel war keine Zeit mehr. Seit dem Mittag hatte das Schachkid nichts mehr getrunken und gegessen. Das Schachkid hoffte auf einen Imbiss im Spiellokal.

Das Navi führt das Schachkid zum Campus der Hochschule Wismar. Im Haus 1 soll das Turnier sein. Auf dem Campus sind 25 Häuser. Nirgendswo ein Schild. In 5 Minuten soll es losgehen. Das Schachkid befragt eine Putzfrau. Die weiß nix vom Schachopen, kennt aber Haus 1. Unterwegs zum selbigen trifft das Schachkid auf weitere suchende Schachspieler. Gemeinsam irrt man orentierungslos über den Campus. Ein rauchender Sicherheitsmann hält die Wanderer an. Er hat sofort gesehen, das können nur Schachspieler sein. Er bringt Licht in die Finsternis, weist den Weg.

Kurz nach 18.00 Uhr kommt man an, es ist noch nicht viel passiert. Also fix angemeldet und dann das Hotel angerufen. Das Schachkid könne nicht vor 22.00 Uhr anreisen. Die Schachpartie könne so lange dauern. Schlecht, meint die Rezeptionistin. Sie habe um 21.00 Uhr Feierabend. Komme das Schachkid danach, müsse das Schachkid wohl im Auto schlafen. Ok, dennkt das Schachkid. Um 20.30 Uhr muss die Partie also gewonnen sein oder aufgegeben werden,.

Der Hunger wird nun zum Top-Problem. Das Schachkid schaut sich nach Essbaren um. In einer Abstellkammer sitzt ein Schachfreund vor einer Kaffeekanne. Ja, das Schachkid sei schon der sechste, der nach Essen frage. Aber er sei net eingewiesen, Essen gäbe es frühstens in einer Stunde. Das Schachkid taxiert sein Gegenüber, ob der wohl essbar sein könnte.

Planänderung, die Anmeldung scheint sich noch ewig hinzuziehen. Das Schachkid beschließt, zum Hotel mit der Adresse „An der B 105“ zu fahren. Laut Navi ist es nur 5 Minuten weg. Das Schachkid fährt hin, gelangt zum Ziel (laut Navi) und sieht nix. Nur Felder, und Wiesen und eine Bundesstraße, sonst nix. Es wird ein anderes Navi konsultiert. Das krisenerfahrene Schachkid hat stets mehrere Navis im Autos. Das Hotel liegt 20 km weg. Das Schachkid ruft an, storniert und fährt zum Rewe. Brötchen kaufen und den Hunger stillen.

19.00 Uhr, das Schachkid ist zurück am Spiellokal. Es gibt immer noch nix zu essen. Die Runde sollte um 18.00 Uhr los gehen. Seit 18.50 Uhr läuft die Partie. Irgendwie schlecht organisiert, findet das Schachkid. Die Briesener fangen mit ihrem Open pünktlich an und haben meist schon ein Buffet aufgebaut.

Das Schachkid hat einen Gegner, aber kein Hotelzimmer. Egal, das kennt das Schachkid ja schon aus Görlitz. Dieter Warnecke aus Parchim spielt einen sizilianischen Drachen. Der Trainer hat dem Schachkid gesagt, wie es hier spielen soll. Das Schachid hat aber zwei Wochen lang kein Eröffnunsgtraining gemacht, sondern vor allem Taktiktraining, und erinnert sich daher nicht an die richtigen Züge.

Im 24. Zug bietet der Gegner Remis und erlaubt sich den Hinweis, dass es für das Schachkid sonst sehr schwer werde. Es ist 21.00 Uhr. Das findet das Schachkid überhaupt nicht und glaubt, dass es wesentlich besser steht. Der aktive schwarze Springer auf f5 wird abgetauscht, Dann geht der eigene Springer nach d6 und blockiert das schwarze Lager. Die schwarzen Figuren spielen überhaupt nicht miteinander. Der Bauer d7 ist ein Angriffsziel. Das Schachkid lag mit seiner Einschätzung richtig, um 21.30 Uhr ist die Partie gewonnen.

Zeit, ein Hotel zu buchen. Das Steigenberger am Wismarer Altmarkt ist auf der Hotelseite 30 € billiger als auf einschlägigen Buchungsportalen. Da schau an… Es ist noch hell. Die Altstadt von Wismar macht einen wunderschönen Eindruck. Der Rezeptionist begrüßt das Schachkid, dass es ein Arrangement gebucht habe. Mit Frühstück (kostet sonst 22 € extra) und Abendbrot (sonst 30 €) extra, und freien Eintritt in den Wellnessbereich. Und Eintritt zu einem Weltkulturerbehaus. Ui… Das Schachkid wollte nur ein Zimmer. Das Arrangment ist billiger als sonst das Zimmer. Da hat das Schachkid wohl ein Schnäppchen geschlagen.

Fazit des Tages: Beim nächsten Open nimmt das Schachkid Freitags frei.

Zwei Schachvereine – zwei Welten und die erste Liebe

5. bis 7. Juni 2015, ein Wochenende, zwei Schachvereine, zwei Hauptversammlunngen incl. Vereinsfest oder Minifest, zwei Welten. So scheint es dem Schachkid. Wobei sich das Schachkid nicht ganz sicher ist, ob wirklich eine der beiden Welten, ergo einer der beiden Schachvereine, besser ist. Eine sehr subjektiv geprägte Sicht.

Hier der SV Briesen, der zweite Verein des Schachkids, in dem es in seinen Leben Mitglied war. Man trifft sich in der Bahnhofskneipe, die im Grunde genommen ein sehr schickes Restaurant und schön saniert ist. Dazu steht im krassen Gegensatz die Küche. Egal, was die anwesenden Vereinsmitglieder bestellen (Schnitzel, Fisch, Hühnchen), es ist alles fritiert und sieht gleich aus und kommt vermutlich aus der gleichen Friteuse.

Der SV Schmalkalden 04 bevorzugt das Modell handgemacht. Hier hat das Schachkid das Schachspiel erlernt und wurde sozialisiert. Man trifft sich im Garten eines Vereinsmitgliedes. Es gibt Torte vom Bäcker, Gehacktesbrötchen (Schachkid hat keines bekommen), Bier vom Fass und Bratwürste sowie Rostbrätl vom Grill. 1:0 für Schmalkalden.

Briesen hat 35 Mitglieder, ungefähr 10 Mann sind da. Schmalkalden hat 22 Mitglieder, und es sind 24 Mann da. Wofür spricht das? Entweder liegt es daran, dass Briesen Freitags und Schmalkalden Samstags feiert. Oder in Schmalkalden ist der Zusammenhalt besser, 2:0 für Schmalkalden.

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Der glorreiche SV Schmalkalden 04

In Briesen sitzen zwei Jugendliche am Tisch, in Schmalkalden einer, wenn man die drei Studenten mal nicht als Nachwuchs mitzählt. Briesen hat Nachwuchs in der Hinterhand, Schmalkalden konnte faktisch in den letzten 10 Jahren keinen Nachwuchs binden und lebt gewissermaßen von der Substanz. Punkt für Briesen, 2:1 für Schmalkalden.

Briesen feiert 25-jähriges Jubiläum, der SV Schmalkalden ist schon 111 Jahre alt. Klar Sieg für Schmalkalden, 3:1.

Der SV Briesen har einen mittelalten Vorstand, der soverän und mit Humor arbeitet. Hier hat es schon vor Jahren mit dem Generationswechsel geklappt. Schmalkalden hat ein Vorstandsduo, beide seit 40 Jahren im Amt. Das sorgte für konstante Arbeit. Aber nun muss der Staffelstab übergeben werden. Dies ist am 6.6.2015 erfolgt. Die mittelalte Jugend ist motiviert, ein bißchen ängstlich. Bei dem einen oder anderen muss man noch etwas Motivationshilfe leisten. Aber der erste Schritt ist getan. Den Rest wird die Zukunft zeigen. Punkt für Beide, es steht 4:2 für Schmalkalden.

Beim SV Briesen geht es zügig durch die Tagesordnung, es gibbt auch wenig Diskussionsbedarf. Man ist harmonisch miteinander. Mein SV Schmalkalden 04 gibt das Schachkid den Versammlungsleiter und muss mehrmals Ruhe brüllen. Zwischendurch muss fast ein eine kleine Schlägerei verhindert werden. Man ist sich uneins wegen der Schachuhren. Später trinkt man Bier zusammen. Die Tagesordnung ist lang. Schmalkalden übernimmt von Briesen die Idee, dass der das Protokoll schreibt, der als letztes kommt. Steht sogar in der Tagesordnung. Punkt für Beide, 5:3 für Schmalkalden.

Beim SV Briesen fängt man um 18.00 Uhr an, um 20.30 Uhr ist schon alles in Auflösung begriffen. Beim SV Schmalkalden 04 geht es um 14.00 Uhr los. Um 22.30 Uhr sitzt immer noch die Hälfte der Anwesenden rum und pflegt die Thüringer Traditionen: Bier trinken, Bratwurst essen und Skat und Doppelkopf spielen. Das Schachkid verliert, 1,20 €. Ganz klar ein Punkt für Schmalkalden, wegen des Skatspiels gibt es noch einen Bonuspunkt.

Klarer Sieg für Schmalkalden mit 7:4, aber etwas anderes wäre auch undenkbar. Mit dem ersten Schachverein ist es wie mit der ersten Liebe. Man vergisst sie nie.

Schach am Strassenstrich

Das Schachkid fährt am 31. Mai 2015 zum Schnellschachturnier nach Berlin. Eigentlich hat das Schachkid keine Lust und fühlt sich erholungsreif. Am Vorabend war es in Berlin mit Freunden zur Show Briefs und war erst um halb zwei im Bett.

Briefs Second Coming from browndog on Vimeo.

Nachmittags wäre noch eine Wohnungsbesichtigung. Und überhaupt müsste sich das Schachkid erholen. Das Schachturnier im schönen Schöneberg ist stark besetzt. Nur 10 Mann unter 1700 spielen mit. Das Schachkid ist auf der Setzliste 10. von hinten, es wird wohl spielerisch nicht viel zu holen sein.

Das Schachkid weiß daher gar nicht, wieso es gerade offensichtlich im Zug sitzt und wie es dahin gekommen ist. Der DWZ-Preis U1700 könnte schuld sein. 50 € und nur 10 Mann spielen um den Preis mit? Mhhhh…. Die Sonne scheint? Mhhhh….. Daheim sterben die meisten Leute, sagte Oma immer? Mhhh….. Schwupps, schon saß das Schachkid im Zug.

Die Schachfreunde Berlin haben übrigens ein Einsehen, das Turnier geht erst um 11.00 Uhr los, sehr löblich. Das Spiellokal liegt zentral im kiezigen Schöneberg. Der Straßenstrich ist in der Nebenstraße. Aber ob die Damen auf frustrierte Schachspieler warten, so vertrocknet, wie letztere aussehen.

Das Schachkid hat sich angemeldet und will eigentlich gleich wieder gehen. Platz 55 von 66 auf der Setzliste. Platz 1 bis Platz 22 nur Titelträger, normale Berliner Verhältnisse. Spruch gleich zur Begrüßung eines Schachfreundes zu zwei anderen. „Ah, Großmeister unter sich.“ Man sieht es den Leuten nicht an , dass sie Großmeister sind. Entweder sehen sie total verlottert aus oder wie ein Lausbub.

Das Schachkid pielt in der ersten Runde gegen FM Martin Schulz von Empor Potsdam. Es sieht nicht schlecht aus. Dem Schachkid gelingt sogar ein kleiner Angriff, lässt dann aber einen Turm stehen.Immerhin beweist der FM Geschmack. Er hat die gleiche Armbanduhr wie das Schachkid.

Pause, der Schiri gibt den Anwesenden von der Bühne herab einen Schnellkurs zum Thema: „Wie stellt man eine diitale Schachuhr?“

Neben dem Schachkid sitzt ein Double von Walter Steinmeier. Volker Schmalzried in der zweiten Runde ist vereinslos, aber kein Anfänger. Der Königsinder geht schief. Was ist das nur immer mit dem Bauern auf e5 da, den das Schachkid verliert? Eine wenige Züge gehen noch ein Bauer und der Springer verlustig. Das Schachkid beschleicht das Gefühl, dass es zu Hause hätte bleiben sollen.

Ein neuer Spieler erwartet das Schachkid in der 3. Runde. Er ist Asiate und sieht mit seinem Dutt aus wie ein Samurai. Gott sei Dank zieht er kein Schwert, sondern lässt sich die Dame fangen. Als Ausgleich lässt das Schachkid später fast die Dame stehen, aber eben nur fast.

Nach errungenen Punkt ist das Schachkid ein Brötchen mit Bauchfleisch, es schmeckt nicht.

Ein Dr. ist der Gegner in der vierten Runde Spielerisch stark, aber kein Händedruck. Das Schachkid schläft am Brett fast ein und stört sich auch nicht weiter daran, dass der Gegner auf die 7. Reihe eindringt und alles abräumt. Das Schachkid hat inzwischen eine mentale Entspannung wie nach Dope erreicht, nur ohne Dope. Verdammt war die Nacht kurz

Partie weg, das Schachkid ißt ein Brötchen mit Leberkäse. Es schmekct nicht. Essen können die Berliner einfach nicht. Mit Wehmut erinnert sich das Schachkid an die Bratwürste beim Schachturnier eine Woche zuvor.

Nun geht es gegen Jens Kutschke. Das Schachkid hat eben verloren, kriegt aber trotzdem einen stärkeren Gegner. Das Schachkid sieht den Zug, den es nicht machen darf. Denn danach kommt eine Gabel. Das Schachkid macht den Zug trotzdem und versucht, den Gegner mit dreimaligen Niesen zu erschrecken. Funktioniert nicht, die Gabel kommt. Egal, das Schachkid hat das Turnier eh abgeschrieben und konzentriert sich im wesentlichen darauf, seine Partien schnell aufzugeben, um sich in die Sonne zu setzen. Das Schachkid findet das sehr erholsam.

Zuvor geht das Schachkid vor die Tür, um mal auf die Straße zu schauen, nach den leichten Mädchen gucken. Die Tür fällt ins Schloss, das Schachkid steht vor dem Spiellkoal und kommt nicht mehr rein. Also einmal drumherum gelauefn und ans Fenster geklopft. Es kommt keiner. Es dauert 10 Minuten, bis das Schachkid die Klingel entdeckt und wieder Einlass findet. Zeit für einen Kaffee.

Selbiger wirkt sogleich. NikolaTipic wartrt, mit einer zarten 1680 DWZ. Das Schachkid, nun wach, gewinnt eine Leichtfigur. Der Gegner pielt trickreich und dreht die Stellung so, dass es fast noch Patt wird. Aber das Schachkid passt ganz genau auf und freut sich über den zweiten Punkt.

Den Apfelkuchen hätte das Schachkid lieber mal nicht gegessen. Der nun wartende Gegner kauerte sich wie eine Schlange vors Brett, auf Augenhöhe mit dem König. Diese Perspektive half. Der Gegner sah mehr als das Schachkid und wurde mir reichlich Material belohnt.

Das Schachkid ist vermutlich der einzige Schachspieler, der mit Laptop, Tablet und Handy zu einem Schachturnier anreiset. Irgendwie muss man ja Verbindung zur Außenwelt halten.

Das Motto des Schachkids lautet: „Gegner bis 1700 DWZ stellen kein Hindernis dar.“ – so wird mit dem nächsten Gegner, er hat glatt 1700, kurzer Pozess gemacht und im Mittelspiel eine Dame gewonnen. Das hat das Schachkid bewerkstelligt, indem es einen Bauern zur Dame umwandelte. Die Dame musste sich das Schachkid am Nebenbrett borgen, das die Dame freundlicherweise verlieh.

Nach 7 Runden ist das Schachkid eingespielt. Es läuft. Also lief. Schachfreund Schlittermnn überspielt das Schachkid wie immer in der Eröffnung und gewinnt einen Bauern. Mühevoll muss das Schachkid seinen König in Sicherheit bringen. Der gGegner übersieht den Läufereinschlag auf h7. Das Schachkid gewinnt den Bauern zurück und dazu die Qualität. Schlittermann lässt sich nicht lumpen, greift nun seinerseits an und gewinnt die Qualität zurück. Problem dabei, sein Läufer und der andere Turm stehen n ch auf der Grundreihe und spielen nicht mit. Schlittermann frisst den nächsten Bauern, das Schachkid setzt matt. Eine spannende Partie war das.

Da ist das Schachkid aber sehr zufrieden mit 4 aus 9 Punkten bei dem starken Feld. Sonnenschein, schön draußen sitzen, Erholung pur. Nur am Essen müssen die Berliner noch arbeiten. Dah haben es die Thüringer einfach drauf.