Archiv für Mai 2015

Mission Bierfaß erfüllt – Pfingstschachturnier des TSV Plaue

Das Schachkid weilt Pfingsten 2015 in der Heimat und spielt das 23. Pfingstschnellschachturnier in Plaue mit. Das Schachkid spielt dieses Turnier schon seit gefühlt 100 Jahren mit. Das Schachkid verleugnet seine Briesener Herkunft und läuft als getarntes Mitglied des SV Schmalkalden 04 auf. Es ist zwar ein Einzelturnier, aber es gibt auch einen Manschaftspreis. Die Schmalkalder wollen das Bierfaß.

Wer glaubt, in Brandenburg oder Berlin seien die Schachturniere merkwürdig, war noch nie in Thüringen. 48 Spieler machen mit, alles sehr merkwürdige Gestalten, das Schachkid eingeschlossen. Dieses wird begleitet von Tommy, den besten Freund des Schachkids, und vom Himmel. Der heißt wirklich so, hat aber keinen Heiligenschein.

Man ist noch müde und donnert durch den Thüringer Wald. Das Schachkid hat sich zum Fahren freiwillig gemeldet. Denn es weiß, die Mitfahrer müssen dann zwangsweise Paddy Kelly hören. Das Album Human hat sich das Schachkid gerade zugelegt und hört es rauf und runter. Die Breitunger Gang ist auch schon da und hat schon den ersten Bierkasten geleert. Pycho meint, das Schachkid sehe komisch aus. Wo der Bauch sei? Den hat das Schachkid versteckt. Eine Bierflasche später tippt Psycho auf die langen Haaare. Von denen hat Psycho nur noch wenig.

Schach ist ein gefährlicher Sport. Man spielt in einer Halle des Schützenvereines. Halten sich mehr als 10 Personen auf, muss eine Brandwache bei sein. Folgerichtig bewacht eine Brandwache der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr das Schachturnier. Gelöscht wird der lokale Brand von den meisten Spielern dennoch mit Bier. Die Halle ist unbeheizt. Man spielt bei 14 Grad Außentemperatur. 47 Schachspieler und eine schachspielende Französin sind hart im Nehmen.

Wie in der Vorwoche beim Potsdamer Sommeropen ist die hiesige Landtagsabgeordnete der Linken hier. Mit wesentlichen Unterschieden. Sie fasst sich erfreulich kurz und ist wesentlich hübscher und ansehnlicher als der Potsdamer Abgeordnete. Die Thüringer haben es eben drauf.

In der ersten Runde geht es gegen Gerome du Maire. Das ist kein Franzose, sondern ein Neuhesse mit mehr als 2150 DWZ. Das Schachkid spielt wie der erste Mensch und stellt gleich die Dame in die Läuferfesselung. Normale Schachspieler machen es anderes herum. Sie fesseln mit dem Läufer eine Dame an. Aufgabe und Zeit für einen Kaffee.

Zweite Runde, das Schachkid bringt die Schottische Eöffnung. Der Gegner tauscht ab und bietet Remis. Das Schachkid lehnt ab , hat nix konkretes und schaltet um auf Psychologie und spielt auf Zeit. Bingo, der Gegner wird nervös und stellt den Turm ein. Punkt fürs Schachkid, draußen wird der Grill angeschmissen.

Dritte Runde gegen Steffen Krannich, ehemaliger Vereinskamerad des Schachkids. Nach 6 Zügen hat das Schachkid den Springer weniger. Skandinavisch mit g3 und Lg2 geht offensichtlich nicht. Das Schachkid verhandelt und bietet für das Remis Bier und Bratwurst an. Steffen bleibt standhaft. Draußen werden die Bratwürste aufgelegt.

Ah, in der vierten Runde ein Gegner, den das Schachkid nicht leiden kann. 1492 DWZ stellen kein Hindernis da. Das Schachkid hat zwei Leichtfiguren mehr. Der Gegner gibt nicht auf. Zwei Türme auf der 7. Reihe sind dann aber doch ein überzeugendes Argument. Der Turnierleiter genehmigt sich einen Klopfer, die Dame bei der Ergebnismeldung gnießt den Sekt. Thüringer sind trinkfreudig, das Schachkid geil auf Bratwurst.

Psycho kauft Striche, es scheint sich um Schnaps zu handeln. Das Schachkid findet Leute nicht gut, die sich besaufen und bereits Mittags in der Ecke liegen. Erst Recht, wenn Kinder bei einem Turnier mitspielen.

Franz Geisensetter aus Sonneberg, der Spielzeugstadt wartete nun. Der Gegner hat eine 2045 DWZ. Das Schachkid opfert trotzdem eine Leichtfigur in den Königflügel rein und gewinnt dafür vier Bauern. Dann den König einmal falsch gesetzt und der Turm ist weg. Mist!

Ronny Schloßer in der 6. Runde meint, dass e5 im Königsinder nicht geht. Das Schachkid denkt, dass es geht, hat nach e5 trotzdem die Qualität weniger. Vermutlich ging es nur in dieser konkreten Stellung nicht, sonst geht es aber.

An der Theke wird derweil geflirtet. Der Plauer Dialekt geht schon stark ins Sächsische. Das würde das Schachkid vom Flirten abhalten. Merkwürdig findet es das Schachkid auch, wenn Gegner vor der Partie jede Figur akribisch zurecht rücken müssen. Und dann mit gespreizten Fingern die Figuren ziehen. Und dann beim Hände schütteln die Hand geben, als trifft man auf Gummi. Sowas macht das Schachkid mißtrauisch.

In der 7. Runde meint der 12-jährige Gegner nach 2 Zügen, ihm sei die Eröffnung sehr vertraut. Nach dem 3. Zug des Schachkids ist der 12-jährige irritiert und denkt in seiner vertrauten Eröffnung lange nach. Nach 12 Zügen und einigen Abtausch verkündet der 12-jährige, er habe nun auf dem Bett aufgeräumt. Offensichtlich nicht genug, wie der wütende Ausruf „Kacke“ um den 20. Zug herum vermuten lässt. Das Schachkid hat den Turm mehr, der 12-jährige bietet Remis. 10 Züge später, das Schachkid hat neben dem Turm nun auch die Dame mehr, bietet der 12-jährige seine ganze Überredungskunnst auf, um ein Remis auszuhandeln. Für das Schachkid ginge es doch um nix. Aber für ihn, ja für ihn sei der halbe Punkt überlebenswichtig, für den Jugendpokal. Das Argument überzeugt, das Schachkid macht Remis.

Das spricht sich offensichtlich rum, der Gegner in der 8. Runde macht 1. e4 und bietet gleich Remis an. Man merkt, man nährt sich dem Turnierende, die Leute sind entspannt. Das Schachkid lehnt ab, der Gegner stellt mit den Worten „Jetzt weißt Du auch, warum ich gleich Remis angeboten habe.“, den Läufer hin. Ausgerechnet dann beginnt er, sich zu konzentrieren und macht dem Schachkid bis zum Punktgewinn das Leben schwer.

Noch vorsichtiger ist der 81-jährige Gegner in der 9. Runde. Er bietet gleich Remis, ohne den ersten Zug zu tun. Das Schachkid lehnt ab und will 4,5 aus 9 Punkten erzielen. Im Laufe der Partie folgen 5 weitere Remisangebote, trotz des starken gegnerischen Freibauern auf der 6. Reihe. Den schraubt das Schachkid mühevoll ab und gewinnt nun seinereits zwei Bauern. Senioren sollen im Alter ruhig und weise sein. Dieser ist es nicht, schmeißt wütend das Brett um und eilt wutschnaubend von dannen. 5 Minuten später, man trifft sich an der Theke wieder, der Senior entschuldigt sich. Davor hat das Schachkid dann Respekt, wenn jemand seinen Fehler einsieht und sich entschuldigt.

4,5 aus 9 Punkten, das beste Ergebnis, was das Schachkid bei diesem Turnier je erzielt hat. Auch wenn es einen halben Punkt verschenkt hat und manche Eröffnungg grottig gespielt hat. Tommy und Himmel haben sogar 5,5 Punkte. Der Krannich wurde überraschend vor Ort angetroffen und steuert ebenfalls 4,5 Punkte zur Vereinswertung bei. Das Bierfass fürs Vereinsfest in zwei Wochen kann gesichert werden.

Schablonenhaftes Spiel in Potsdam

Samstag 5.00 Uhr, wieso ist es so hell draußen? Wo ist das Schachkid? Ach ja im heimischen Bett, kurze Orientierungsschwierigkeiten. Nächstes Jahr nimmt sich das Schachkid ein Zimmer, ganz sicher.

Das Schachkid sitzt gerade im Zug, der Bahnstreik ist gerade beendet. Und das Schachkid hat tatsächlich einen Zug erwischt. Und das Schreiben geht besonders leicht von der Hand, wenn das Schachkid Musik hört. Besonders, wenn es geile Musik ist, von Michael Patrick Kelly zum Beispiel, dessen neues Album.

Zwei Sitze weiter vorne sitzt ein Fahrgast. Der behauptet, Afrikaner zu sein, Krokodile und Menschen zu essen. Ersteres glaubt das Schachkid sofort, der Mann ist schwarz. Zweiteres kann das Schachkid ausdrücklich aus eigener Erfahrung empfehlen, Krokodil ist extrem lecker.

Ach ja, das ist ja ein Schachblog. Vielleicht macht das Schachkid mal demnächst einen kulinarischen Blog auf, oder einen Blog über die Erlebnisse eines Zugfahrers. Der Afrikaner schwafelt lautstark vorr sich hin. Andere Fahrgäste blicken zunehmend genervt umher. Das Schachkid hört nix, denn es hört Paddy Kelly. Und spürt gerade einen Schreibflow. Der Afrikaner hat einen Lachanfall.

Mit 2 aus 4 Punkten startet das Schachkid zufrieden in den Samstag. Am Tag zuvor ging es gegen Erhard Bornhoeft. Mehr als 100 Spieler nehmen an den Turnier teil. Aber das Schachkid kriegt natürlich den Junior, Stefan Bornhoeft, mit einer starken 1868 ausgestattet, in der 5. Runde.

Es entwickelt sich eine sehr taktische Partie. Mal hat der eine einen Bauern mehr, mal der andere. Das Schachkid sieht nicht den Gewinnweg 25. … Tf7. Wie der Trainer später kritisch anmerkt. Das Schachkid hat einen Bauern mehr, tauscht ab und glaubt, gewinnen zu können. Aber im Grunde genommen ist es vermutlich Remis, wenn Weiß nicht einzügig die Partie einstellt, was Weiß erreulicherweise tut.

Das Schachkid ist zufrieden, überlegt, ob es das Ipad, was es seit einer Woche im Kofferraum spazieren fährt, zurück zu Saturn fahren soll. Das Schachkid entscheidet sich gegen Saturn und für den leckeren Käsekuchen, den es erfreulicherweise wieder gibt. Da das Schachkid offiziell das Amt des Käsekuchenbeauftragten des SV Briesen inne hat, kommt es nicht umhin festzustellen, die Potsdamer können den besseren Käsekuchen.

Schon wieder so ein starker Gegner, Sebastian Lawrenz mit einer 1846. Vor einem Jahr wäre das Schachkid noch bestürzt gewesen, heute hat es keine Angst mehr vor großen Tieren. Im 12. Zug steht das Schachkid schon wieder gedrückt. Das Schachkid müsse dringend an seinen Eröffnungen arbeiten, meint der Trainer.

Ein Fahrgast bittet den Afrikaner, ruhig zu sein, Dieser rät seinem Gegenübeer, die Fressse zu halten. Wilde Blicke werden ausgetauscht,

Im 21. Zug bietet das Schachkid seine Dame zum Tausch an, weil es einen Figurenverlust sieht. Nach dem Damentausch hat das Schachkid trotzdem einen Bauern weniger. Der Trainer kritisiert 23. Te1 und schlägt 23. Sc4 vor. Das Schachkid scheut sich vor dieser Stellung, sieht der Turm doch sehr eingeengt aus. Macht nix, meint der Trainer. Das Schachkid müsse immer genau gucken und dürfe nicht schablonenhaft spielen. Das muss es wohl sein, was Alexander Suetin in einen seiner Bücher mit schlechten automaischen Spiel meinte.

30. Sxb4 findet der Trainer ganz schrecklich, Das Schachkid solle doch lieber den Freibauern nehmen. Nein, wendet das Schachkid ein, lieber dem Gegner einen Einzelbauern verpassen. Gut, meint der Trainer, und zaubert eine Variangte aufs Brett, wo das Schachkid gar verliert.

Gleich gibts Prügel im Zug. Das Schachkid ist sich unschlüssig, wer die besseren Chancen hat.

Wenn ein junger Ende 20 im Anzug abends um 20.25 Uhr im Zug schon die zweite Flasche Bier kippt, kann das kein gutes Zug sein. Das Schachkid sitzt zur gleichen Zeit im Zug und entspannt sich beim Schreiben und Musik. Hat das Schachkid schon „Human“ von Paddy Kelly erwähnt? Der ist übrigens genauso alt wie das Schachkid.

Bei 43. Sxd3 ist es aber nun wirklich Remis. Allein, der Gegner siehts net ein und lehnt Remisgebote des Schachkids ab und guckt stundenlang auf die Partie. Das geht dem Schachkid auf den Keks. Draußen scheint die Sonne, das Schachkid hätte besseres zu tun als eine remisige Stellung zu beackern. Zum Beispiel einen gewissen anderen Spieler am Schal zu ziehen und ihn zum Singen aufzufordern. Er ist aber nicht willig. Das Schachkid ist eben omnipotent und kann wähend einer Partie verschiedene Dinge machen.

7 Züge später hat der Gegner ein Einsehen und bietet Remis. Das Schachkid überlegt 5 Minuten lang, ob es nun selbst aus reiner Bosheit ablehnt. Aber die Sonne scheint… Es erscheint daher dringend erforderlich, sich in selbige zu setzen. Das Schachkid ist zufrieden, 1,5 aus 2 an einen Tag gegen wesentlich stärkere Gegner. Da kann das Schachkid sein Glück kaum fassen.

Salat am Brett, Basketball zum Dessert

In der dritten Runde geht es gegen Gina Gehrke. Ein vermeintlich leichtes Spiel. Das Mädel hat knapp über 1000 DWZ, aber die Kleine verteidigt sich solide.Kein Wunder, spielt der Papa doch auch Schach und das nicht mal schlecht.

Das Schachkid weiß immer nicht, wie es gegen Kinder spielen soll. Auf der einen Seite der schachliche Ehrgeiz, auf der anderen Seite die väterlichen Gefühle, die dann für den kindlichen Gegner durchbrechen.

Nach 12 Zügen ist nicht wirklich ein Gewinnweg in Sicht. Das Schachkid beschließt daher, in den Königsflügel hinein zu opfern. Das Opfer ist nicht berechtigt. Gina gibt zwei Bauern für eine Leichtfigur. Das Schachkid kann den Angriff nicht fortsetzen, da der Sf3 alle Felder abdeckt und Schwarz nicht schnell genug nachsetzen kann.

Das Schachkid gibt zu, es macht einen auf Psychologie und hofft, dass der kleinen Gegnerin beim Unterschied der Spielstärke ein Fehler unterläuft. So kam es auch, mit 22. Lxe4. Folgt stattdessen Sxe4, hat Schwarz nichts in der Hand.

Um es klar zu sagen, auf Verdacht zu spielen und zu hoffen, dass der Gegner keinen Fehler macht, ist keine vernünftige Spielweise. Gerade die Kleinen sind nicht zu unterschätzen, da sie von ihrer Zahl her oft unterbewertet sind. Eine solide Spielweise zeichnet sich dadurch aus, den Gegner zu überspielen und Varianten konkret zu berechnen. Dazu gehören auch berechtigte Opfer.

Gina und das Schachkid saßen an einem Kuschelbrett. Ein Tisch mit vier Spielern, an dem es etwas eng zuging, was aber nicht wirklich schlimm war. Der Gegner am Nebenbrett schien seine Gewinnbestrebungen unterstreichen zu wollen. Jedenfalls haute er die Figuren aufs Brett und auf die Uhr, dass sich das Schachkid ab und an fragte, ob der Spieler neben Gina ein gewisses Geltungsbedürfnis hat.

Potsdam feiert sein Brückenfest. Die Humboldtbrücke ist gesperrt. Nach 9 Jahren Bauzeit ist sie fertig, das muss gefeiert werden. Auf einem Freitag, an einem Werktag. Eine von zwei Brücken, die Potdam mit der Außenwelt jenseits der Havel verbinden. Diese Brücke muss gesperrt werden, wegen des Brückenfestes. Zur Fertigstellung, auch wenn die Brücke streng genommen erst in vier Monaten fertig ist. Aber die Baustelle hat 9-jähriges Jubiläum.

Mit ähnlichen Unverständnis wie das Schachkid reagieren wohl auch tausende andere Autofahrer, die in Potsdam stundenlang im Stau stehen, weil die unfertige Brücke gesperrt ist. Weil einige 100 Leute und Politiker eine unfertige Brücke feiern, die nach 9 Jahren immer noch nicht fertig ist.

Das sprachlose Schachkid kommt von einer Wohnungsbesichtigung in Potsdam Babelsberg gefahren und will zur Nachmittagsrunde des Schachturniers. Da wird das Schachkid angesichts des Staues doch sehr unruhig.

Die Wohnung gefiel dem Schachkid. Daher überlegt das Schachkid, ob Babelsberg ein lohnende Ziel ist. Und was ist dann mit dem Schachverein? Den SV Briesen verlassen und in Potsdam einen Verein suchen? Aber welchen? Empor, PSV Mitte oder USV? Das Schachkid wird sich alle Vereine genau ansehen und auf seinen Schachblog berichten.

Mit Erhard Bornhöft wartet ein 82-jähriger Senior mit einer stolzen 1851 DWZ und jeder Menge Schacherfahrung in der vierten Runde auf das Schachkid. Da heißt es überlegen.Im 13. Zug hat das Schachkid keinen Plan, 13. Lg5 scheint noch attraktiv zu sein. Der Zug lässt für Weiß einen Doppelbauern zu. Deswegen gefällt der Zug dem Schachkid nicht. Die Engine zeigt in der späteren Analyse aber genau diesen Zug an und empfiehlt auch nichts besseres.

Stärkung muss her. Drei Tische weiter liegen drei Salatköpfe neben dem Brett. Das Schachkid ist neugierig und rückt näher. „Ja“, erklärt die fesche Mecklenburgerin am Schachbrett, das sei Ihr Snack. Das Schachkid kann es kaum glauben. Die Mecklenburgerin lässt Taten folgen, schnappt sich Salatkopf und das Schachkid. Man begibt sich vor das Spiellokal. De Salatkopf wird gerupft. Nebenan stehen Schachspieler in der Ecke und drehen sich Zigaretten. Das Schachkid steht herum und dreht sich ein Salatblatt. Verdammt, ist das lecker. Das muss sich das Schachkid merken.

Es folgt eine Stellung, in der das Schachkid überhaupt keine Möglichkeiten hat. Man schiebt hin und her auf der Suche nach einem kleinen Vorteil. Eine Spielweise, die dem Schachkid überhaupt nicht behagt.

Das Schachkid ist schlecht gelaunt. Der Schachwizard sieht es und empfiehlt zur Stimmungsaufhellung einen Besuch bei Alba Berlin, es sind die Playoffs. Das Schachid denkt nach. Eishockey und Fussball kennt das Schachkid schon, Basketball nicht. Also schnell gespielt und aufgeben. Bei längeren Nachdenken schien die Stellung verteidigungsfähig. Andererseits, war eh bald matt. Manchmal muss man auch abseits des Schachbretts nach Gelegenheiten Ausschau halten.

Also ab mit dem Schachwizard und dem Stader zum Basketball. Beide haben Tickets im Fanblock. Das Schachkid hat noch nix. Ab zur Kasse. Es gibt nur noch Tickets im Oberrang. Da sieht man nix, also werden 50 € in ein Premiumticket investiert. Ist jetz auch egal, wo das Schachkid schonmal da ist.

Das Schachkid schaut dem Basketballspiel zu und wundert sich, denn es hat vom Basketball keine Ahnung. Da tutet es alle 25 Sekunden und das Spiel stoppt. Taktiken erkennt das Schachkid nicht, nur ab und an clevere Dribblingeinlagen. Reihenweise werden Fouls gepfiffen, wo das Schachkid nix sieht. Der Albatrainer macht den Berlusconi und flippt total aus. Cooler Typ! Die Atmosphäre ist toll.

Das Spiel ist vorbei, ab zum Auto. Wo ist das Auto? Das Schachkid war clever und hat sich B78, den Stellplatz gemerkt. Gut,dieses Parkhaus ist es nicht, da stehen nur A’s. Also ab ins nächste Parkhaus.

Wo ist die Etage B? Ach, es gibt 6 Etagen mit der Bezeichnung B? Merde… Man ist Treppen gelaufen, also muss das Auto oben stehen. 4 Etage nix, 5. Etage auch nix… Soweit oben kann es nicht gewesen sein. 6. Etage ganz oben? B78 ist durch einen häßlichen Open belegt, kein schnuckeliger Kia in Sicht. Wo ist das Auto?

Das Schachkid hat eine Idee. Kia hat für schusselige Leute wie das Schachkid vorgesorgt. An der Fernbedienung des Autos ist ein roter Knopf. Drückt man diesen, blinkt, trötet und hupt das Auto ohenbetäubend vor sich hin. Das Schachkid steht in der 6. Etage des Parkhaues und drückt den roten Knopf. Tatsächlich, es hupt von unten aus der Ferne. Das Schachkid arbeitet sich zur 5. Etage vor und drückt erneut auf den roten Knopf. Das Hupen ist näher, aber immernoch von unten.

Ab in die 4. Etage… Es hupt und blinkt von unten, das Schachkid sieht Lichtspiele in orangenen Farben in der Glasfront des gegenüberliegenden Hochhaus. Auto ich komme! 3. Etage, man ist wieder vereint. Glücklich schaut das Auto das Schachkid an!

Doofe Wohnung, doofer Gegner

Zeit für eine Wohnungsbesichtigung, die potenzielle Wohnung liegt quasi neben dem Spiellokal. Schöne Wohnung, sogar preiswert für Potdamer Verhältnissse. Aber die Vormieter wollen die Wohnung unrenoviert übergeben. Darauf hat das Schachkid keine Lust.

Zeit fürs nächste Spiel in der zweiten Runde des Potsdamer Sommeropens, das Schachkid ist motiviert und nach der kurzen Vormittagsrunde gut erholt. Patrick Böhmer ist der nächste Gegner, nach dem Anpiff aber nirgends zu sehen. Das Schachkid zieht probehalber mal e4 und geht spazieren. Der Gegner taucht schließlich auf und versucht die skandinavische Eröffnung. Passive Bauernzüge wie a6 und h6 sind jedoch seiner Entwicklung nicht dienlich, während das Schachkid fröhlich vor sich hin rochiert.

Der Gegner entwickelt sich schließlich, aber nicht so korrekt. Das Schachkid spielt 16. Ld6 und freut sich auf die Qualität. Der Schwarz denkt fast 45 Minuten nach und beschließt überraschenderweise , nicht wiederzunehmen. Das Schachkid hat einen Turm mehr, der Gegner denkt nicht ans aufgeben.

Kurzer Schreck nach 23. …c5, hat das Schachkid den Turm eingestellt? Nein, hat es nicht. Alles gut, es wird abgetauscht, das Schachkid gewinnt weiter Bauern. Vier Stunden später, zwei Züge vor dem Matt. Schwarz gönnt es dem Schachkid nicht und verliert auf Zeit. Das Schachkid reklamiert extra nicht, weil das Matt so schön ist. Schwarz merkt es, guckt auf den Zeiger, schnappt seine Tasche und geht wort- und grußlos.

Das Schachkid baut auf und freut sich, dass es die Größe hat, bei verlorenen Partien den Gegner die Hand zu reichen.

Das Schachkid will nun nach Hause, ist aber ohne Auto da. Der Zug braucht ewig. Das Schachkid will jetzt und sofort ein Hotel. Merde…

Nicht der schon wieder – nette FMs

Fast 150 Spieler haben sich eingefunden. Im Nebenraum findet die Landesmeisterschaft statt. Potsdam wird zum Brandenburger Schachmekka in diesen Tagen. Der Landesschachbund Brandenburg wird 25 jahre alt, ein Grund zum Feiern.

Der hiesige Bundestagsabgeordnete der Linken ist da und hält eine kurze Rede. Relativ jung, Ende 20, mit Zopf und Zottelbart, sieht eher aus wie ein Pirat. Das Schachkid macht sich Hoffnungen. Offensichtlich muss man im Bundestag nicht unbedint seriös aussehen, kann aber trotzdem drin sein. Die Rede ist einen Tick zu lang, das Politsprech sitzt trotz des jungen Alters schon.

Das Schachkid ist ein Fan von launigen kurzen Reden. Der Brandenburger LSBB-Vize hält aus gegebenen Anlass die nächste Rede. Der Einbau von Dialekten als Gag in eine Rede mag lustig und Geschmacksache sein, dem Schach gefällt es an dieser Stelle nicht. Ein kurzer historischer Abriss der 25. Jahre Brandenburger Schach oder eine Anekdote hätte das Schachkid gut gefunden.

„Nicht schon wieder der.“ – denkt sich das Schachkid, möglicherweise auch der Gegner. FM Martin Brüdigam am 4. Brett wartete. Man hatte erst vor drei Wochen beim Tempelhofcup gegeneinander gespielt. Seinerzeit hatte sich das Schachkid verbissen gewehrt. Heuer ging es mit 13 Zügen bei vertauschten Zügen schneller. Sizilianisch kam aufs Brett, der FM hatte keine Lust auf Najdorf. Der FM baut ein starktes Zentrum auf, das Schachkid glaubt sich mit seinem Aufbau gut gerüstet. Trotzdem ist bal die Qualität weg, der Isolani auf e7 ist auch weg. Das muss sich das Schachkid dann nicht mehr zeigen lassen und gibt auf.

Man geht gemeinsam analysieren. Der FM ist eine Überraschung, ist sehr nett und gibt Tipps. Von wegen, Titelträger sind arrogant. Schon der zweite nette FM in diesem Tagen. An dieser Stelle fällt dem Schachkid auf, dass die Initialen seines Trainers FM sind. FM ist er auch noch, quasi FM FM. Das ist lustig.

Das Schachkid hört beim Schreiben ein schaurigs Lachen aus dem Hintergrund. Kenner wissen Bescheid.

Auf nach Potsdam zum V. Potsdamer Sommeropen

Himmlfahrt 2015, 6.40 Uhr am Bahnhof in Fürstenwalde – das Schachkid ist der einzige Mensch weit und breit. Die Sonne geht gerade auf, kühle Luft, eine ganz besondere Stimmung.

Die ruhige Stimmung setzt sich im Zug nicht fort. Hinter dem Schachkid sitzen fünf ponische Polinnen und Polen. Das Schachkid will hier niemanden diskriminieren und verwendet daher die männliche und weibliche Anrede. Es hat dies am Sonntag in der Tagesschau gesehen, als über die Bremer Landtagswahl berichet wurde und der SPD-Kandidat von Wählerinnen und Wählern sprach. Das Schachkid findet es extrem lächerlich, wenn sich jemand diskriminiert fühlt, weil die weibliche Anrede weggelassen wird. Einfach mal locker machen…

Zurück zu den Polen. Das Schachkid mag Polen, vor allem die polnische Küche. Aber in Zügen unterhalten sich Polen grundsätzlich sehr lautstark. Da ist das Schachkid genervt, denn es will im Zug seine Ruhe haben.

Das Schachkid will das Potsdamer Sommeropen mitspielen. Eigentlich wollte das Schachkid in Potsdam übernachten, hat aber zu spät reagiert. Potsdam ist schön, das wissen auch die Touristen, die Hotels sind voll. Das Schachkid hat keine Lust, 99 € pro Nacht zu zahlen und fährt mit Tageskarte für 8,20 € lieber hin und her.

Also heißt es früh aufstehen. Damit hat das Schachkid kein Problem. Dafür kann man mit dem Schachkid keine Partys am späten Abend feiern. Also um 6.00 Uhr gefrühstückt und via Netflix eine Folge des geliebten Dr. House geschaut.

Zug fahren nach Potsdam erscheint dem Schachkid wie eine Reise in die Vergangenheit, wie eine Heimkehr. Es gibt so Städte, da fühlt man sich spontan wohl, es fühlt sich richtig an. Köln zum Beispiel, oder Erfurt, oder eben auch Potsdam. München dagegen ist eher bäh. 1988 war das Schachkid das erste Mal in Potsdam Babelsberg in einem Ferienlager. So schließt sich der Kreis.

Der Schachwizard hat das Schachkid einst gefragt, warum das Schachkid unbedingt nach Berlin ziehen will, wo doch Potsdam so schön sei. Er hat recht. Nichts geschieht ohne Grund…

Das Schachkid fährt nun also vier Tage lang täglich mit dem Zug nach Potsdam. Es will sich Wohnungen anschauen, oder einfach nur im Cafe sitzen und lesen, Schach spielen und vielleicht auch den Leuten, darunter manch speziellen, auf den Keks gehen.

Das Schachkid verkneift sich ein Ziel a la die 1600 DWZ knacken oder 4 Punkte machen. Ziel ist es, die Bedenkzeit aufzuschreiben, langsam und geduldig zu spielen, die Stellung in Ruhe zu bewerten, einen Plan zu haben und damit den Gegner zu überspielen. Unabhängig von dessen Spielstärke, egal ob 800 DWZ oder 2200. Dies hat der Trainer dem Schachkid aufgetragen. Man wird sehen, wie es läuft…

Trainerblog

Der Trainer des Schachkids betreibt auch einen Blog und berichtet regelmäßig von seinem Schützling. Das Schachkid drückt für die Deutsche Jugendmeisterschaft die Daumen.

Liebesdiskussionen in Bad Freienwalde

Am 25. April 2015 bewegte das Schachkid sich und sein Auto nach Bad Freienwalde zum 1. Turnier dieser Art, was dort je veranstaltet werden sollte. Also ein Gruppenturnier mit langer Bedenkzeit. Leider war das Schachkid der einzige Briesener, was vor Ort von den Bad Freienwaldern sehr bedauert wurde.

Bad Freienwalde liegt fast im Nirgendwo an der polnischen Grenze, also hieß es früh aufstehen. Vor Ort fuhr man einmal scharf rechts in den Wald zum Offi, einem gemütlichen Veranstaltungs- und Kulturzentrum im Wald. Die Freienwalder ließen sich nicht lumpen, stellten ein großen Schild an die Straße, dass man auch die Einfahrt fand. Sodann wurde man von einem Parkplatzanweiser in Empfang genommen. Wie im Hotel, Wahnsinn.

Es scheinen immer die gleichen Leute zu sein, die genug Zeit haben, um durch die Geged zu reisen und Schach zu spielen. Das Schachkid ist offensichtlich einer davon und traf auch gleich auf viele alte Bekannte. Den Gangster, den Gefängniswärter, die Person, für die das Schachid gerade kein Pseudonym einfällt, nennen wir diese Person mal Mandy und einen Haufen Berliner.

Schöne Räumlichkeiten waren das, Sofas im Spielsaal, rustikale Holzbänke in der Sonne, gemütliche Kantine in der Nähe. Selbige wurde von netten Freienwaldern geschmissen. Das Schachkid stellt fest, wenn man in der Nähe des Oderbruchs wohnt, guckt man trotzdem nicht verbissen aus der Wäsche.

Erstmal Kaffee geholt und den Austausch mit dem Gangster gepflegt. Was gibt es neues in Liebesdingen?

Hans-Joachim Meienreis war der erste Gegner. Man spielte Königsindisch. Das Schachkid vergaß 6. e5. Die Variante sitzt noch nicht. Es wird kompliziert. Weiß droht allerlei. Das Schachkid will schon aufgeben, denkt 11 Minuten nach (Das Schachkid muss auf Anweisung seines Trainers die Zeit mitschreiben.) und findet 18. … Sc5. Der Zug hält alles. Das Schachkid blickt stolz umher. Weiß lässt nun die Qualität stehen. 26. … e5 veranlasst in der späteren Analyse den Trainer zur Frage, ob das Schachkid massochistisch veranlagt wäre, weil es immer so kompliziert spielt. Der Punkt wird eingefahren.

Zeit für Kaffee und Männergespräche. Der Gangster sitzt schon. Der Gefängniswärter kommt hinzu. Man tauscht sich über das Liebesunglück dieser Welt aus und beklagt ganz allgemein die Frauen, die den beiden Kameraden ein Rätsel zu sein scheinen, dem Schachkid sowieso.

Der nächste Gegner wartet, Manfred Lehmann sieht motiviert aus. Weiß spielt Caro-Kann. Das Schachid kann sich nicht an die Variante erinnern, die ihm der Trainer gezeigt hat. Egal, das Schachkid hat letztes Jahr ein Caro-Kann-Buch gelesen.

An 4. Ld3 zweifelt der Trainer und fragt nach, warum das Schachkid seinen guten Läufer gegen den schlechten Läufer des Gegners abtauscht. Das weiß das Schachkid auch nicht. 9. c4 gefällt dem Schachkid echt gut. 12. Sb3 gefällt dem Trainier nicht, e4 wäre das bessere Feld. Das Schachkid will angreifen. Schwarz hilft mit und will nicht rochieren. Nach dem taktischen Schlag 18. Txc6 ist die Partie schnell beendet.

Zurück auf die Holzbank mit Kaffee und selbstgemachten Nudelsalat. Männergespräche – wie flirtet man am besten mit Frauen? Man muss rote Kleidung tragen, findet der Gangster. Man muss auffallen. Der Gefängniswärter schaut skeptisch.

Nicht schon wieder Marie Wolf. Gegen selbige hatte das Schachkid erst eine Woche zuvor verloren. Das Schachkid hatte schon keine Lust mehr und beschloss, auf Krawall zu spielen. Das Schachkid opferte zwei Bauern, um Tempos zu gewinnen. Der Plan war, den gegnerischen Königsflügel zu öffnen. Der Trainer vermied es später, den Plan als Mist zu bezeichnen, blieb höflich und nannte den Plan als riskant. Punkt für die nette Gegnerin.

Wat nu? Auf die Siegerehrung warten. Ein Jungberliner trabte heran und fragt an, ob man blitzen wolle. Das Schachkid wollte. Der Jungberliner hatte tatsächlich eine Digitaluhr im Gepäck. Dessen Trainer gesellte sich dazu. Heftig wurde die Alapinvariante diskutiert. „Timo hat einen Plan.“ rief es und das Wesen wollte das Schachkid matt setzen. Das Schachkid hatte auch einen Plan und setzte den Jungberliner matt, der sich in der Folgepartie rächte.

Fazit: Ein schönes Turnier mit netten Leuten und mit einem im Grünen gelegenen Spiellokal. Da kann das Schachkid dem SV Bad Freienwalde huldvoll nachsehen, dass eben dieser den SV Briesen im Punktspiel vor einigen Monaten umgemacht hat.