Archiv für April 2015

Briesener Frühlingsturnier

Am 18. April 2015 fuhr das Schachkid zum Briesener Frühlingsturnier. Es war nicht ganz so voll wie beim letzten Turnier, aber 60 Mann fanden den Weg in die Mensa der Grundschule.

Das Schachkid freute sich auf ein entspanntes Turnier, wähnte es sich doch an der Spitze der B-Gruppe. Groß war das Entsetzen, als der Schiri O. losstapfte und gleich die erste Partie der A-Gruppe Lenz-Kellner verkündete.

An dieser Stelle möchte das Schachkid einfügen, dass es wirklich schlimmeres gibt, als am Sonntag in der Sonne zu sitzen und diese Zeilen zu schreiben.

Das Schachkid war als Schwächster in die A-Gruppe gerutscht, weil ein M.P. aus R. nicht kam. Da konnte das Schachkid heute gar nicht gegen den Robert Richter spielen, wo es doch sonst immer gegen diesen bei Turnieren dieser Art spielt.

Das Schachkid versucht gegen Lenz ein Königsindisch. Der Gegner macht nicht mit und so muss der Springer im 4. Zug wieder zurück nach g8. Weiß spielt gleich darauf h4 und h5. Das Schachkid kennt diese Form des Angriffs nicht. Das muss dann wohl die Spielweise der besseren Spieler sein. Na ja, da kommt das Schachkid auch noch hin.

Die Partie war das spannendste Spiel des Tages. Die Qualität verloren, wieder gewonnen, Läufereinschläge am Königsflügel und Bauernopfer, alles war dabei. Gleichwohl behagt der Spielstil von Tobias dem Schachkid nicht. Er spielt erfolgreich, aber sehr still, sehr positionell geprägt. Stille Züge, die die Stellung immer ein klein wenig verbessern. Das Schachkid schläfert so ein Spielstil ein.

Nach der Runde tippt das Schachkid vor dem Tresen der Küche auf dem Handy rum. Ein Freund begehert zu wissen, was man dem Vorsitzenden des SV Schmalkalden 04 und dem Schatzmeister für dessen langjährige Tätigkeit schenken könne. Das Schachkid tippt gerade „Fresskorb“ ein. Da kommt der Schiri O. herbeigeeilt, genauer gesagt stand er gerade neben dem Schachkid, und weist das Schachkid darauf hin, dass gem. Fideregel Artikel 11.3 b Handys im kompletten Spiellokal verboten seien.

Das Schachkid kann es kaum glauben, denn es ist außerhalb des Turniersaals und hat Pause. Doch es scheint zu stimmen. Liebe FIDE, dass ist eine doofe Regel und völlig lebensfern. Das Schachkid wird sich bei nächster Gelegenheit in die FIDE wählen lassen und diese dumme Regel abschaffen. Der Schiri O. spendiert dem genervten Schachkid als Entschädigung ein Stückchen Kuchen. Das Schachkid ist käuflich und ist nun bereit, sich weitere Vorträge gegen Kuchenentschädigung anzuhören. Der Schiri O. zieht jedoch von dannen und das Schachkid bleibt hungrig zurück.

Marie-Antoinette Wolff hieß die nächste jugendliche Gegnerin. Diese ging nicht diplomatisch subversiv auf das Schachkid zu wie einstmals die berühmte französische Kaiserin. Sonder aggressiv und stürmisch.

Das Schachkid erinnerte sich daran, dass der Trainer was von entgegengesetzten Rochaden im Sizilianisch erzählt hatte. Gesagt, getan… Anschließend erinnerte sich das Schachkid dunkel, mal was vom Jugoslawischen Angriff gehört zu haben. Und zauberte sowas ähnliches auf Brett, nur zu langsam. Durch unnötige Zwischenzüge wie 7. Le2. Dieser hat auf dem Feld riesige Perspektiven, wenn 8. f3 kommt. Marie griff ihrerseits beherzt an, blockierte ihrerseits mit .16. … Sh5 den Anriff des Schachkids und freute sich nach einem taktischen Fehlgriff des Schachkids über eine Mehrfigur.

In der nun folgenden Pause belas sich das Schachkid, am Preisbuffet. Der Schiri O. hatte jede Menge Bücher besorgt. Von Vampiren über ermittelnde Mönche bis hin zu obskuren Fantasygestalten war alles vertreten. Da kriegt das Schachkid doch glatt wieder Lust aufs lesen und steht Abends vor seinen vollen Bücherregal voller ungelesener Bücher, die es auf Flohmärkten zusammengesammelt hat.

Die Reihen im Spielaal lichteten sich schon beträchtlich, da fing die A-Gruppe erst mit der 3. Runde an. Axel Roeser hatte schon zwei Punkte, ein halber Punkt reichte zum Gruppensieg. Folgerichtig gab es im 12. Zug ein Remisangebot an das Schachkid, was dieses mit Verweis auf einen Trainer („Du sollst nicht annehmen das Remisgebot.“) ablehnte. Im Saal wurde es noch leerer, draußen schon dämmrig. Was solls, Trainingssprinzipien sind dazu da, um sie über den Haufen zu schmeißen. Also bot das Schachkid remis, was Weiß umgehend annahm. Zwar sah die Stellung für Weiß leicht besser aus, aber der Gegner muss noch lange bis zum Sieg würfeln, wenn Schwarz keinen kapitalen Fehler macht.

Ein gelungenes Turnier in schönen Räumlichkeiten mit tollen Preisen für Jedermann. Besonders positiv fiel der Schiri O. auf, der es verstand, das Turnier incl. Erläuterung der Regeln binnen weniger Minuten zu eröffnen und nicht eine halbe Stunde lang herum schwafelte.

Tempelhofcup 2015 – Ich war dabei!

Das Schachkid reiste am 19 April nach Berlin zum Tempelhofcup und stand erstmal in der Schlange. Mehr als 100 Schachfreunde haben sich im Lichtenrader Gemeindezentrum eingefunden, um die Klingen zu kreuzen. Vor der Anmeldung steht eine lange Schlange schachhungriger Spieler, die nur eines wollen, den Gegner vernichten. Ah, noch ein Fürstenwalder in der Schlange, David Georgi ist auch da.

„Ich hab ma durchgekiekt“, sagt einer. Man merkt, man ist in Berlin.

Ein launiger Vorsitzender des SK Tempelhof begrüßt die Schachspieler, im weißen Anzug sieht er aus, als käme er frisch vom Buesta Vista Social Club. Neben ihm agiert der jüngste Schiedsrichter, den das Schachkid je gesehen hat, kaum 18 Jahre scheint er alt zu sein. Was im übrigen auch für den zweiten Schiri gilt. Aufgrund seiner Brandenburger Erfahrungen hat das Schachkid bisher geglaubt, ein Schiri müsse ein Mindestalter von 70 Jahren besitzen, ähnlich wie der Bundespräsident.

Für die Herfahrt hat sich das Schachkid zur Unterhaltung fix ein Höhrbuch besorgt. Die Wahl fiel auf „Achtung ich komme – in 80 Orgasmen um die Welt“

Wie soll das Schachkid jetzt Schach spielen, wenn es als an weibliche Orgasmen am Sonntag morgen um 9.30 Uhr denken muss? Eine Frau beschreibt ihre Mühen, einen Orgasmus zu erlangen und die Unfähigkeit der deutschen Männer, dies zu akzeptieren. Sie beschließt, um die Welt zu reisen und in jeden Land einen Mann zu testen. Vielleicht wissen die ja, wie es um den weiblichen Orgasmus bestellt ist. Also genau das richtige, um sich auf ein Schachturnier einzustimmen.

Die erste Runde bringtden kleinen Berliner Miron Koch. Der Kleine lässt Figuren stehen. So haben wir alle mal angefangen. Das Schachkids freuts, setzt sich raus in die Sonne und überlegt, ob es im August nach Wien zum Schachopen fahren soll. Was dann aber das Aus fürs Briesener Open bedeuten würde. Und das Schmalkalder Stadtfest ist auch noch am gleichen Wochenende. Das Leben ist ein Drama.

In der langen Tischreihe sitzt eine sehr attraktive Frau, alte Herren, ein kleiner Lockenkopf…. Schach ist für alle Leute und Altersgruppen ein Sport, das ist ganz wunderbr. Der junge Schriri erläutert von der Bühne herab die Regeln. Senioren brüllen zurück: „Laaaaaaaauter bitte, und langsamer.“

Gespräch am Brett neben an: „Wie lange spielen Sie schon Schach?“ „Seit 30 Jahren.“ kommt es zurück. „Oh Gott“, macht die Gegnerin. „Das muss nix bedeuten.“, tönt es von der Seite. „Stimmt, meinen Höhepunkt hatte ich mit 17 Jahren.“ – womit wir wieder beim Höhrbuch am Anfang wären.

Das Schachkid hat einen Punkt, sitzt aber ganz hinten. Zweite Runde, das Schachkid lässt zwei Bauern stehen, der Gegner Dietmar Scholz gewinnt noch einen dazu. Lässt dann aber seinerseits einen Turm stehen. Ein Schachkid im Glück mit 2 aus 2. Was kommt jetzt, nachdem normal ausgelost wird? Ein Titelträger?

„Es war schwieriger als erwartet.“ – sprach der FM Martin Brüdigam, als er blitzenderweise eine Gabel entdeckte und dem Schachkid seinen Läufer entwand. Dieses hatte eine obskure Nebenvariante in der Schottischen Eröffnung seines Trainers, ebenfalls FM, aufgetischt. Dies kannte der FM Brüdigam nicht und verbriet viel Zeit, um dann, mit zwei Mehrbauern, in Zeitnot zu geraten. Das Schachkid freut sich, hält mit seinem Läufer gegen und genießt die Luft am 5. Brett.

Ist der FM net willig, legt das Schachkid halt in der nächsten Runde Prof. Dr. Hans Jung mit 2000 Elo um. Das Schachkid hat es heute nicht so mit Bauern und stelt im zweiten Zug mit e5 gleich einen hin. Der Gegner ist sichtlich irritiert, denkt lange über das vorgebliche Opfer nach und nimmt nach langen Zögern. Die Irritiation weicht nicht mehr. Der Gegner lässt den Turm stehen, das Schachkid selbigen mit. 3 aus 4 Punkten, das Schachkid hat einen Lauf.

Am Nachbarbrett weist Schwarz seinen Gegner zurecht: „Nun quäl Dich nicht. Nimm den Bauern da , dann isses bei mir zweizügig matt.“. Der Gegner folgt den Hinweis und setzt Matt.

Das Schachkid übelegt kurz, ob man einen Schiri vernaschen könnte,, spielt dann aber doch erstmal gegen den Fürstenwalder Rainer Püschel. Beleidigungen am Nebenbrett: „Bistb Du ein Tegeler? Du siehst aus wie ein Tegeler.“ donnert es.

Das Schachkid lässt aus Gewohnheit einen Bauern stehen. Das reicht dem Püschel ohne Puschel zum Gewinn.

Auf zum Mittag essen. Das kostet nix. Ex wird nur um eine Spende gebeten. Das Schachkid fragt sich, ob sich das für den gastgebenden Verein rechnet. Einige werden sich bestimmt umsonst durchfressen Aber die meisten werden sicherlich ein wenig mehr zahlen, als dass sie müßten. Oder wie es ein Spieler formulierte. Wenn er nix zahle, habe er ein schlechtes Gewissen.

In der 6. Runde kam Sebastian Schrodt. Das Schachkid fragt sich, ob das der Sohn vom Horst Schrodt aus Wildau ist. Beide haben jedenfalls die gleiche lustige Lausbubenart drauf. Der Junior spielt auch schnell und gut. Das Schachkid gab auf und sich dann zum Kuchenbuffet.

Sowas kann das Schachkid gar nicht leiden. Die Runde ist freigegeben, der Gegner nirgends zu sehen. Alles spielt, das Schachkid ist höflich und drückt nicht die Uhr. Der Gegner kommt angerannt, steht noch, hat dem Schachkid noch nicht die Hand gegeben und drückt schon die Uhr. Sowas mag das Schachkid gar nicht. Vor lauter Mißmutigkeit hat das Schchkid gleich einen Bauern stehen lassen und dann noch einen. Wenn das Schachkid erst Mitglied der FIDE ist, wird es die Regel einführen, dass künftig ohne Bauern gespielt wird.

Achte Runde, das Schachkid hat keine Lust mehr. Sieben Runden würden auch reichen. Vladyslav Kozusenok wartet. Es wird eine wechselhafte Partie. Dem Schachkid fehlt noch ein Zug, um den Gegner matt zu setzen. Leider greift dieser an und will nun seinerseits matt setzen. Statt Dauerschach frisst er einen Bauern. Das Schachkid kriegt Oberwasser, droht Matt, der Gegner opfern die Dame. Das Schachkid nimmt falsch zurück, der Gegner kriegt einen Bauern durch, hat aber eine miese Zeit. Verzweiflung auf beiden Seiten, man macht Remis.

Höchste Zeit für einen Kaffee. Gegner der neunten Runde ist Quan Nguyen Duc. Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, ob er Name so richtig rum geschrieben wird. Aber der Gegner ist ein netter Kerl, nur zu langsam. Schnellschach heißt so, weil man es schnell spielt. Diesmal lässt das Schachkid keinen Bauern stehen, sondern einen Springer. Der liebe Gott hat ein Einsehen, der Gegner sieht es nicht. Also Punkt für das Schachkid.

4,5 Punkte von 9, macht 50 Prozent. Platz 61 in der Startrangliste, Platz XX in der Endtabelle. Das Schachkid ist zufrieden, wenn es auch spielerisch vor allem daran haperte, dass das Schachkid in jeder Partie Bauern stehen ließ.

Frust in Eberswalde

Am 15. März 2015 begab sich das Schachkid nach Eberswalde zum Punktspiel, noch müde vom Besuch der Leipziger Buchmesse am Tag zuvor. Das Schachkid fragt sich an dieser Stelle, warum die Mannschaft eigentlich immer mit 5 Autos fährt, wo man doch auch gemeinsam fahren könnte. Manchmal kommt der SV Briesen dem Schachkid sonderbar vor.

Eberswalde ist kein gutes Pflaster für das Schachkid. Beim letzten Punktspiel saß das Schachkid in so einen komischen ganz engen Keller direkt neben einen Ofen, der natürlich voll beheizt war, und musste sein Punktspiel absolvieren. Natürlich ging das Spiel verloren.

Aus Eberswalde kommen merkwürdige Leute. Ein Schachprinz zum Beispiel mit einem sehr rabiaten Vater. Obwohl das Schachkid auch sehr nette Leute aus Eberswalde kennt, das Schlitzohr etwa.

Eberswalde muss nach der Wende massiv an Einwohnern verloren haben. Viele Häuser sind verfallen. Es gibt große Industriebrachen. Die Einwohner scheinen immer mit einem gewissen frustrierten Gesicht herumzulaufen. Das Schachkid ist ab und an dienstlich hier und ist dann immer ganz frustriert und froh, wenn es wieder weg fahren kann.

Das Schachkid fährt also nach Eberswalde, fährt zum Spiellokal, geht in selbiges, ist schon bedient und will am liebsten gleich wieder nach Hause. Das Spiellokal ist supereng, man sitzt fast aufeinander. Rumlaufen geht nicht. Kaffee ist nirgends zu bekommen, zur Toilette muss man aus dem Haus ums Gebäude herum durch die Kälte.

Die Mannschaft ist eine reine Seniorentruppe. Geballte Erfahrung wartet da auf die Briesener.

Das Drama ging mit der Partie weiter. Das Schachkid bekommt es mit Uwe Strien zu tun. Der Eberswalder spielt ausgerechnet Englisch. In dieser Eröffnung kennt sich das Schachkid nur mit Weiß aus, aber nicht mit Schwarz.

Das Schachkid versucht einen holländischen Aufbau, da hat es gute Erfahrungen gemacht. Nach 7. Lg5 sieht die Stellung schon komisch aus. Der Bauer auf d5 hängt nach Abtausch des Springers. Das Schachkid denkt 10 Minuten nach, rechnet alle möglichen Varianten durch, sieht den einzigen Zug d4 und spielt Le7. Das Schachkid lässt die Figur los und schlägt fassungslos die Hände vor das Gesicht. Das Gehirn realisiert gerade, dass die rechte Hand einen Zug gemacht hat, den sie erst im übernächsten Zug machen sollte.

Der Eberswalder sieht es auch, tauscht und gewinnt den Bauern. Das Schachkid ist nun endgültig bedient. Nicht mal Kaffee oder was Süßes zum Trösten ,weder optischer noch geschmacklicher Natur, ist in Sicht. Einzig die blonde Vicky sitzt nebenan, die jedoch zum Trösten ungeeignet ist. Das Schachkid spielt schnell ohne Nachdenken einige unmotivierte Züge. Die Stellung wird nicht besser. Der Eberswalder denkt nach, findet gute Züge und gewinnt zu recht. Die einzige Partie, die das Schachkid in der Saison verloren hat.

Eberswalde ist so eine große Stadt. Ist es denn da nicht möglich, ein vernünftiges Spiellokal zu finden? Das Schachkid muss faiererweise anmerken, dass auch der SV Briesen in einem ähnlich beengten Raum spielt. Es gibt zwar Kaffee, aber nur eine Toilette, um diesen zu entsorgen, Kann schon mal eng werden bei 16 Spielern. Manchmal kommt der SB Briesen dem Schachkid sonderbar vor.

Das Punktspiel ist beendet. Allgemeiner Konsens ist, man wolle als Mannschaft nach dem Spiel noch essen gehen. Los geht es. Und plötzlich sind es nur noch drei Mann, die vor dem Restaurant stehen. Chefpapa und Chefsohn nebst Schachkid, das findet das Schachkid komisch.

Manchmal findet das Schachkid den SV Briesen komisch. Da das Schachkid bekanntlich auch so seine Macken hat, ist es folglich beim SB Briesen gut aufgehoben.

Görlitz ade, Thüringen juche

Drei Dinge sprechen gegen das Apotheker-Open in Görlitz, die vielen Treppen in der Pension und der Berg, auf dem das Spiellokal liegt. Möglicherweise muss das Schachkid auch nur etwas Sport treiben. Im Spielsaal des A-Open ist die Luft dauermies.

Das Schachkid will heute noch zwei Punkte holen und ist daher ganz wild darauf, gleich in der 6. Runde den Berliner Timo Boldt umzulegen. Dieser hat aber was dagegen und wehrt sich energisch. Das Schachkid kommt wieder schlecht aus der Eröffnung raus. Timo spielt sehr aktiv und fesselt mit seinen Läufern die Springer des Schachkids. Dieses verliert schon im 8. Zug ein Tempo, um die Fesselung aufzuheben. Im 12. Zug hat das Schachkid schon ein unschönen Doppelbauern.

Zeit für das Schachkid, Gegenspiel am Damenflügel aufzuziehen. Das gelingt, aber das Schachkid verliert zwei Bauern. Zeit für Gegenspiel am Königsflügel. Das gelingt, das Schachkid gewinnt den Springer und gibt ihn zurück. Leider sieht das Schachkid 29. Lxf7 nicht. Bzw. das Schachkid sieht keine vernünfige Fortsetzung. Timo hat starke Freibauern am Damenflügel. Jede Seite hat schon jeweils dreimal Remis angeboten und abgelehnt.

Das Schachkid muss den Läufer für den Bauern geben. Timo hat nun Springer und einen entfernten Freibauern, spielt aber zu passiv. Das Schachkid geht auf den König los. Die zwei Trainer des Berliner Gegners schauen gespannt zu. Das Schachkid setzt matt. Der Trainer kommt herbeigeeilt und meint zu seinen Schützling „Der aktive Spieler lehnt Remis ab!“. Das war die spannendste Partie des ganzen Turniers.

Das Schachkid ist empört. Die Vereinskameraden gehen essen, ohne auf das Schachkid zu warten, Und das, obwohl das Schachkid in den letzten Tagen auf selbige zum Essen gewartet hat. Da hat der Nachwuchs wohl noch was an sozialen Umgangsformen nachzuholen. Zur Entschädigung gibt es angeblich Original Thüringer Bratwürste an einer Görlitzer Bude. Wie immer ein billiges Plagiat. Das Schachkid muss es wissen. Es kommt aus Südthüringen und weiß, wie Thüringer Bratwürste schmecken. Regelmäßig ist das Schachkid im Ausland, hier Sachsen-Anhalt, entsetzt, welch geschmackliche Verirrungen sich erdreisten, sich Thüringer Bratwurst zu nennen.

Schon wieder ein Jugendlicher in der 7. Runde. Die sind immer so schrecklich ambitioniert und schwer einzuschätzen. So auch Lucas Rößler. Dieser öffnet früh seine Königsstellung. Das Schachkid nutzt dies zum Angriff, dringt aber nicht recht durch. Lucas verteidigt sich geschickt. Das Schachkid hat seinerseit noch Glück. Übersieht der Gegner doch den Einschlag 18. Lxh7 mit Bauerngewinn.

Der Gegner tauscht ab und bekommt Angriff, Freibauern noch dazu. Das Schachkid hält diese mühevoll auf. Im Endspiel hat das Schachkid zwei Bauern mehr. Es sieht den Gewinnweg, gibt den Springer und schafft sich zwei verbundene Freibauern. Und vergeigt die Partie noch irgendwie zum Remis. Spannende Partie mit ärgerlichen Ausgang.

Was tun nach dem Schachopen? Weiter ging es mit der Unentschlossenheit. Das Schachkid ist sonst sehr entscheidungsfreudig. Aber bei diesem Open ist der Wurm drin. In Görlitz bleiben? Das Wetter ist zu schlecht für Besichtigungstouren? Nach Hause fahren? Das Schachkid ist urlaubsreif. Nach Thüringen fahren? Zu weit weg. Also wird nach der letzten Runde die Chefmama ins Auto gepackt. Man fährt zur Pension und lädt das Gepäck aus dem Auto der Philosophenmama um. Das Schachkid hört derweil die Mailbox an und beginnt, verschämt die Chefmama anzugrinsen. Erfreuliche Nachrichten sind auf der Mailbox. Das Schachkid schwankt, was tun? Die schlaue Chefmama, gestählt durch mehrere Jahrzehnte der Ehe und dem Dasein als Mutter rät, bis 10 zu zählen und dann zu entscheiden. Das Schachkid entscheidet also, man lädt das Gepäck wieder um. Die Chefmama wird am Spiellokal abgesetzt. Die Philosophenmama ist überrascht.

Fazit des Opens: Gut organisiert, nette Leute da. Görlitz ist eine schöne Stadt, ideal für einen Kurzurlaub. Aber manchmal sind es eben andere Dinge, die einen treiben und für jeden persönlich von Bedeutung sind. Jemanden zu vermissen, ist qualvoll. Jemanden zu Hassen, ist leicht. Jemanden zu vergessen, dauert das ganze Leben.

Beobachtungen in Görlitz beim Apotheker-Open

Manchmal stellt sich das Schachkid so Fragen. Das Schachkid sitzt im Pausenraum des Spiellokals und beobachtet Mutter und Tochter. Erstere postet fleißig bei Facebook, als das Schachkid ging. Das Schachkid ist  zwei Stunden durch das schöne Görlitz und das polnische Pendant gelaufen. Als das Schachkid wieder kam, sass die Mutter immer noch bei Facebook. Das Schachkid fragt sich, ob die erwähnte Mutter das Spiellokal überhaupt verlassen hat.

Dialog zwischen Mutter und Tochter. Tochter :“ Nu rutsche ich wieder hinter meine Platzierung“. Mutter: „Ziel ist es ja nicht, Deine Plazierung zu verbessern, sondern DWZ-Punkte zu gewinnen.“ Tochter: „Gnarf“.

Da stellt sich das Schachkid schon Fragen… Das Schachkid hat Spaß und freut sich, Dank der Hinweise seines Trainers wieder unterhaltsames Angriffsschach zu spielen. Auch wenn es in der ersten Runde gegen den ca. 8-jährigen Emil Paul verloren hat. Dieser hat immerhin den 11. Platz belegt. Die DWZ ist dem Schachkid schnurz.

Das Schachkid schreibt diese Zeilen und schaut wieder zum Mutter-Tochter-Gespann. Erstere tippt schon wieder bei Facebook herum, zweitere schaut depressig-trotzig in der Gegend herum. Mit einem Blick, den nur weibliche Teenager drauf haben.

In der Mittagspause ist das Schachkid durch das schöne Görtlitz gewandert und wohnte der Osterprozession bei. Immerhin die größte in Mitteldeutschland, aber auch erschreckend unspekatakulär. Das Schachkid hat mal im katholischen Franken gewohnt, da ist der Maßstab für prächtige Prozessionen ein anderer. Das muss man den Katholiken lassen. Protzen können sie.

Aber in Görlitz – Ein Gläubiger in Normalo-Kleidung trägt ein schlichtes Kreuz. Pfarrer im schwarzen Talar laufen singend hinterher. Die Meute der Gläubigen tut es gleich. Man bleibt stehen, guckt gen Himmel, singend und betend. Dem Schachkid wird es zuviel der Scheinheiligkeit. Es läuft durch den Ochsenzwinger, einer schönen historischen Parkanlage, davon.

Auf der polnischen Seite sieht aus wie auf deutschen Boden. Schöne Häuser, auch viel Leerstand. Das Stadtzentrum von Zgorzelec hat das Schachkid nicht gefunden. Aber dennoch hat das Schachkid das Gefühl, dass hier Europa zusammen wächst.

Das Schachkid schaut wieder durch den Aufenhaltsraum und bedauert, keine Fotos machen zu dürfen. Es sieht einen schlafenden Spieler auf einen Stuhl. Vor sich hat er ein geöffnetes Bier. Es ist Karfreitag um 14.30 Uhr. Das wievielte Bier mag es sein? Manchmal stellt sich das Schachkid so Fragen…

Abends zog das Schachkid mit den Eberswaldern um die Häuser. Schöne Bars und Kneipen gibt es. Man landete im Kino-Cafe „Klappe die Zweite„. Ein Haufen Brettspiele wartete darauf, gespielt zu werden. Man spielte etwas mit Kugeln, was dem Schachkid noch komplizierter als Schach erschien. Man erzählte sich lustige Geschichten. Und Eberswalder Kids können dreckiger lachen als Al Capone und sind lustig drauf. Wobei es hier auch große Kinder gibt…

Um 23.00 Uhr fand sich das Schachkid wieder in der Pension ein auf der Suche nach Rotwein. Die Damen machten net auf. Der Nachwuchs, 18 Jahre alt, schlief schon. Hier gabs also auch kein Rotwein. Was ist nur heute mit dem Nachwuchs los, hält einfach nix mehr aus.

 Schach gespielt wurde heute auch…

Der kleine Areg, vielleicht 7 Jahre alt, dachte bei seinen Zügen lange nach. Von wegen, Kinder spielen schnell. Gegen Sizilianisch hat das Schachkid nicht so recht ein Rezept. Der kleine Areg spielte etwas unsauber 10. … Lh6, aber 10. f4 vom Schachkid scheint auch nicht gut zu sein.  Mit 13. … Db6 beseitigt Areg geschickt einen Einzelbauern.Anschließend hat er auf dem Damenflügel gutes Spiel. Weißer Läufer und Springer können sich kaum bewegen. Auch schön die Turmmanöver ab dem 34. Zug von Areg. So einfach kann das Schachkid nicht die gegnerischen Bauern gewinnen. Leider bricht der Kleine zum Ende hin ein. Fünf Stunden sind eben doch eine lange Spielzeit für die Kleinen. Aber gut gespielt, Areg.

Bei diesem Turnier kriegt das Schachkid anscheinend nur jugendliche Gegner.  Johannes will einen Bauern gewinnen, lässt sich aber den Läufer fessseln und bekommt für die Dame Turm und Läufer. Schweres Spiel für beide Seiten. Letztendlich schlägt der Angriff des Schachkids auf dem König aber durch. Endlich wieder Angriffsschach.

Taktische Fehlgriffe beim Apotheker-Open in Görlitz

Der neue Tag geht so los, wie der alte aufgehört hat. Mit der Zimmersuche… Eilig rief das Schachkid bei HRS an, ob man die zweite Nacht im Hotel nicht stormieren könne. Man konnte. Nächster Anruf bei der Pension, in der die Vereinsgenossen nächtigten. Das Einzelzimmer war frei. Also Koffer ins Auto geworfen, hin gefahren, Zimmer gebucht und bezogen und ab zum Turnier. Nebenbei stornierte das Schachkid noch eine Reifenbestellung im Autohaus. Stornieren ist das neue Lieblingswort des Schachkids.

Nun wartete mit dem Eberswalder Felix Karstedt ein bekanntes Gesicht. Man lernte sich im letzten Jahr in Padubice kennen und machte dort in größerer Gruppe die Gegend unsicher.

Das Schachkid probierte gemäß Anweisung seines Trainers e4 aus, Felix antwortete mit Skandinavisch. Beide Spieler kannten die Eröffnung anscheinend nicht, jedenfalls laut der Eröffnungsdatei von Fritz. Das Schachkid macht 3. d4? ? Felix antwortet 3. … c6?. Das Schachkid lässt sich nicht beirren und setzt munter mit 5. Ld2? fort. Felix ist irritiert, lässt die Theorie sein und spielt nach eigenn Gutdünken.

Felix macht 11. Kd7, die Engine sieht großen Vorteil für das Schachkid. Letzteres sieht den Vorteil nicht und gleicht mit seiner Spielweise langsam wieder zum Remis aus. Den schönen Zug 21. Db6 sieht das Schachkid nicht, dafür aber 19. Dc5+. Der scharze König muss zurück auf die Grundreihe und der Turm auf h8 schaut erstmal nur zu. Felix verteidigt und will den Turm durch h5 aktivieren. Aber der Druck auf der Grundlinie gegen den König ist schon zu groß. Punkt für das Schachkid.

Auf zum Mittag Essen. Die Entscheidung fällt schwer. Die Görlitzer bieten einen Imbiss zu wirklich moderaten Preisen an, nebenan ist eine öffentliche Kantine.

Nach dem Essen geht das Schachkid mit der Chefmama und der Lehrermama aus Postdam in die Stadt, um selbige zu besichtigen. Die Lehrermama beigleitet ihren Sohn, den Philosophen, der auch mitspielt. Man landet vor einem Uhrenladen. Zielstrebig geht das Schachkid hinein. Wie es eben Männer so tun, schaut es sich zielgerichtet um, sieht, es gbt nix, geht wieder und sieht nebenan einen Delikatessenladen. Freudig winkt das Schachkid die Damen heran. Diese denken, sie sollen beim Uhrenkauf beraten und verlustieren sich die nächsten 20 Minuten zwischen Wein und Süßigkeiten. Das Schachkid steht derweil auf der Straße und nimmt Witterung zum nachen Wochenmarkt auf. Die Damen schwenken derweil zu einem Cafe um.

Görlitz ist eine schöne Stadt. Der Krieg hat hier nie gewütet. Viel alte sanierte Bausubstanz ist vorhanden. Aber auch viel Leerstand. Görlitz hat nach der Wende massiv an Einwohnern verloren. Es gibt viele Kirchen zu besichtigen. Viele kleine Cafes und Restaurants locken Gäste an.

In der dritten Runde geht es gegen Heiko Kucher. Das Schachkid probiert sein neues Königsindisch aus und landet in einer sehr gedrückten Stellung. Das Schachkid befreit sich daraus und lässt im 25. Zug einen Bauern stehen. Getreu den Hinweisen seines Trainers greift das Schachkid auf der Suche nach Gegenspiel nun am Königsflügel an. Ein toller Angriff entsteht. Beide Spieler haben nur noch wenig Zeit. Das Schachkid nimmt mit 43. … Txb2 den Bauern zurück, der Gegner gewinnt im nächsten Zug durch Schach und Doppelangriff den Turm.

Frustessen in Polen. Europa ist fantastisch, man geht über eine Brücke und steht in einem anderen Land, hier den alten Ostteil von Görlitz  heute Zgorzelec. Preislich hat man sich auf beiden Seiten angeglichen, aber die polnische Küche ist sehr zu empfehlen. Abends in der Pension wundern sich die Damen, warum keiner zum Rotwein trinken kommt.

Zimmerchaos und Weibeslaunen beim Schachopen

Auf nach Görlitz. Die Chefmama wurde ins Auto gepackt. Die CD von Zucherro läuft in Dauerschleife. Diesen ialienischen Sänger mag das Schachkid sehr. Los gehts.

Das Schachkid hatte vorher den Routenplaner gefragt und hatte eine kurze Strecke über Land ausgemacht. Über die Autobahn war es fast 80 km länger, aber nicht wesentlich schneller. Da wähnte sich das Schachkid clever. Glaubte das Schachkid.

Drei Stunden später. Man war in Cottbus trotz Navi falsch abgebogen. Die Chefmana funkt den Genossen an, auf das dieser das Schachkid schon mal anmelden möge.

Das Schachkid machte sich derweil so seine Gedanken. Es zeigte sich heute von seiner sehr chaotischen Seite. Im Vorfeld hatte das Schachkid die Zimmer gecheckt. Es wollte gerne mit seinen Vereinsgenossen in der Pension Picobello schlafen. Leider gab es nur noch ein Dreibettzimmer. Also wurde dieses im Februar gebucht.

Mhhh, dachte sich das Schachkid, ob das gut geht? Also wieder storniert. Zwei Wochen später überlegte es sich das Schachkid anders und fragte bei der Pension an, ob es wieder dazu stoßen könnte. Nein, sagte die Pension, man sei voll. Unmöglich, aus dem nun Zweibettzimmer wieder ein Dreibettzimmer zu machen. Um so überraschter war das Schachkid, als es vor Ort feststellte, dass sich seine beiden Vereingenossen in einem Zimmer mit drei Betten befanden. Und dass man wenige Tage voher sogar ein Einzelzimmer reservieren konnte, was das Schachkid selbstredend wieder storniert hatte.

Liebenswerter Weise buchte ein befreundeter Verein in einer anderen Pension. Das Schachkid sollte sich ein Zimmer mit einem Bekannten teilen. Normalerweise kein Problem. Aber manchmal hat das Schachkid so seine launischen Phasen. Leidgeplagte Ehemänner kennen das von Ihren Frauen. Also stornierte das Schachkid, rservierte erneut, stornierte und reservierte erneut. Der arme leidgeprüfte Zimmergenossse.

Nun war es soweit, das Schachkid reiste samt Chefmama zum Ziel. Die Pension, die für die nächsten Tage die Heimat des Schachkids werden sollte, war das Ziel. Das Schachkid kam, sah und stornierte. Genau genommen wurde das Schachkid von der Pensionswirtin ins Zimmer geführt, bekam seinen Zimmerschlüssel und überlegte, dass man am nächsten Tag auch in die Thüringer Heimat fahren könnte. Also gab das Schachkid der verblüfften Pensionswirtin den Schlüssel zurück.

Das Schachkid fuhr mit der Chefmama zum Picobelllo. Sollte doch dort noch ein Zimmer frei sein. War es aber nicht. Groß war das Entsetzen. Stand das Schachkid doch um 17.00 Uhr ohne Zimmer da. Und die 1. Runde des Turnieres lief schon. Ein Zimmer mit Etagendusche war noch frei. Das Schachkid drückte der Chefmama seinen Peronalausweis in die Hand. Diese liebe Frau lief los und buchte. Wenn die Frau nicht schon verheiratet wäre, würde das Schachkid doch glatt zuschlagen.

Mit Paul Emil Gutewort wartete auf das Schachkid ein ganz kleines Schachkid aus Berlin. Dieser spielte aber nicht wie aus Berlin, sondern wie von einen anderen Planeten. Das Schachkid freute sich auf eine kurze und schnelle Partie. Emil hatte andere Pläne und zauberte eine strategische feste Stellung auf Brett. Nach der Eröffnung stand sas Schachkid sehr gedrückt. Das Nehmen des Springers im 12. Zug scheint nicht so gut. Zwar kriegt Weiß einen Doppelbauern auf der b-Linie. Aber die offene A-Linie mit Angriff auf a7 verspricht wohl doch Kompensation. Und den problematischen Bauern wird Weiß mit 23. b4 eleganz wieder los.

Dreimal bot Emil remis an, dreimal lehnte das Schachkid ab. Kein Remis hatte der Trainer gesagt.Nur doof, wenn das Schachkid Turm und Dame im 25. Zug in eine Diagonale stellt und Emil nur den Läufer auf die Diagonale stellen muss. Die Qualität war weg, Emil tauscht ab. Soll man ja so machen, wenn man was mehr hat. Im letzten Zug stellt das Schachkid noch einen Läufer vor den gegnerischen Turm. Aufgabe und Punkt für den kleinen Emil, der eine wirklich saubere Partie spielte. Respekt für den kleinen Mann.

21.30 Uhr – Zeit, um in die Pension zu fahren. Das Zimmer ist in der vierten Etage. Kein Fahrstuhl. Also alles hochschleppen. Das Schachkid kommt in den Flur und sieht, nicht nur die Dusche, auch die Toilette ist auf dem Flur. Das Zimmer ist groß, aber voll extremer Dachschrägen. Die Decke ist 1,4 m hoch, das Schachkid 2 m.

Also schleppt das Schachkid wieder alles runter und will auschecken. Der freundliche Mitarbeiter am Empfang guckt und tut und macht und sieht, ab morgen könnte ein Einzelzimmer frei sein. Gut, denkt das Schachkid, diese eine Nacht wird es schon gehen. Also alles wieder hoch in die vierte Etage geschleppt. Ein Jugendlicher kommt mit und betritt das Nachbarzimmer. Kaum angelangt, beginnt nebenan die Party. Nein, denkt das Schachkid, Ruhe muss sein. Alles wieder runtergeschleppt. Der Mitarbeiter am Empfang ist fassungslos, das das Schachkid schon wieder da ist und auscheckt.

22.00 Uhr, das Schachkid hat kein Zimmer, aber ein Auto und ein Smartphone mit gespeicherterer Telefonnummer von HRS. Auf der polnischen Seite ist was frei, aber ewig fahren will das Schachkid net. Also nur fast reserviert.

22.15 Uhr, das Schachkid zückt die App von HRS: Von 1.4. – 4.4. gibt es nur Zimmer ab 100,. € /Nacht. Aber für die nächsten 3 Nächte sind im zentralen 3-Sterne-Hotel die Zimmer von 100,- € auf 47 € runter gesetzt. Das Schachkid schlägt zu und navigiert hin.

22.25 Uhr, das Schachkid steht vor dem Hotel, kalter Wind pfeift. Das Hotel ist zu und alles ist dunkel. An der Klingel reagiert niemand. Das Schachkid ruft den Nachtportier an, der ist gar nicht da und braucht 5 Minuten zum Hotel.

22.30 Uhr, das Schachkid steht in der Kälte. Ein Jeep kommt angebraust. Der Eigentümer des Hotels erscheint. Das Schachkid fühlt sich spontan an Mario Adorf erinnert und den Film Rossini von Helmut Dietl.

22.35 Uhr, man steht an der Rezeption. Der Eigentümer wundert sich und telefoniert mit seiner Frau. Man sei gar nicht bei HRS, wie das Schachkid denn gebucht habe. Mist, das Schachkid ist im falschen Hotel.

22.30 Uhr – Die Chefmama lädt via SMS zum Rotwein ein und wundert sich, wo das Schachkid bleibt.

22.45 Uhr, der Eigentümer stellt fest, das gesuchte Hotel ist um die Ecke. Der Eigentümer meint, kommse mal mit. Ich zeige ihnen mal, was Ihnen entgeht. Man fährt in die 3. Etage. Die schöne Suite mit Himmelbett für 62,- € hätte das Schachkid haben können. Das andere Hotel ist leider gebucht.

22.50 Uhr – Man hält in der 1. Etage an. Kommse mal mit. Der Hotelchef klopf an eine Tür und öffnet diese. Im Bett liegt ein älterer Mann und schaut fern. Der Hotelchef stellt einander vor und meint, zwei Schachspieler sollten sich kennenlernen und mal miteinander spielen. Tatsache, der Mann hat im Bett ein Schachbrett und zig Schachbücher liegen. Später meint der Hotelchef, der Gast lebe das ganze Jahr im Hotel, sei 75 Jahre alt und habe mal in der Bundesliga Schach gespielt. Das Schachkid staunt.

22.55 Uhr, das Schachkid ist nun im richtigen Hotelzimmer angelangt und fragt sich, warum der ganze Stress. Eigentlich könnte man morgen auch nach Thüringen fahren.

Vorbereitung zum Apotheker – Open in Görlitz

Das Schachkid hatte beschlossen, Ostern ein Turnier zu spielen. Die Wahl fiel auf das Apotheker-Turnier in Görlitz. Erste Wahl deshalb, weil geographisch am dichtesten dran an Brandenburg.  Un die  Vereinskollegen spielen mit. Das Schachkid spielt Schach nicht nur um des Schachs wegen. Sondern das Schachkid mag das gesesellige Beisammensein drumherum und das Sightseeing unbekannter Städte.

Etwas unglücklich findet das Schachkid den Umstand, dass das Turnier von Mittwoch bis Ostersamstag geht. Da muss das Schachkid zwei Tage Urlaub nehmen und hat nach hinten zwei Tage Luft. Zwei Feiertage sind für einen Kurzurlaub zu kurz.

Görlitz soll eine schöne Stadt sein. Das Schachkid war hier noch nie. Der Film „Hotel Budapest“ wurde hier gedreht. Görlitz soll aber auch ein Eldorado für Rentner sein, sozusagen das Florida Deutschlands.

Der Trainer gab dem Schachkid Hausaufgaben auf. Kein Remis bieten, kein Remis annehmen, immer die Partie ausspielen. Und zur Turniervorbereitung Taktiktraining machen. Quasi zum wam werden. Das Schachkid nutzt dazu die Seite Chesstempo. Und die neuen Eröffnungen ausprobieren, auch wenn die noch nicht sitzen. Keine Angst davor haben, wenn die DWZ in den Keller geht. Die kommt, wenn das Training wirkt, von ganz alleine wieder.

Na gut, das Schachkid wird sich dran halten.