Archiv für März 2015

Joachim-Kolbe-Gedenkturnier in Fürstenwalde

Die Briesener machten sich am 21. März auf, um beim Joachim Kolbe Gedenkturnier die Klingen zu kreuzen. Joachim Kolbe war ein beliebter Landtagsabgeordneter der SPD, den das Schachkid aber nicht mehr kannte, obwohl es ein Gastgenosse ist. Das Turnier war wie in den letzten Jahren auch stark besetzt. Die Briesener haben Außenseiterchancen und machten sich Hoffnungen auf die Ratingpreise.

Die Oderstädter waren auch da, aber ohne die beste Trainerin der Welt. Rollmops wollte vorne mitspielen und saß zwischenzeitlich sogar mal in der ersten Reihe.

Das Schachkid mag dieses Turnier sehr. In Fürstenwalde gibt es im Grunde genommen nix schönes, außer das Schachkid natürlich und die Turnierlokalität eben. Idyllisch an der Spree gelegen schaffen sich die ersten Sonnenstrahlen Bahn. Es grünt und blüht. Das Turnier findet immer kurz vor Ostern statt. Heuer sogar genau am Frühlingsanfang.

Die Briesener sind wie immer geistig nur halb anwesend und mit unterschiedlichen Zielen vor Ort. Der Genosse hatte am Vorabend eine stressige Freizeitgestaltung und musste sich mit einer Tablette auf Vordermann bringen. Brauni ist gedanklich schon bei der Abendgestaltung und plant taktische Manöver, um die Tochter unterzubringen und ins Kino zu gehen. Das Schachkid will eigentlich nur seine neuen eingeübten Eröffnungen testen. Der kleine Schachtiger schweigt sich aus und guckt zielstrebig in der Gegend herum. Vermutlich taxierte er die Gegner.

Die erste Runde brachte Robert Kreyssig. Das Schachkid nutzte die Gelegenheit, um sein neues Königsindisch auszutesten. Die Partie ging verloren. Aber das Schachkid ist sehr zufrieden. Die Eröffnung fühlt sich sehr dynamisch an.

Bei den anderen Briesenern ging es auch verloren. Zwei Bauern mehr und der Genosse rennt in eine Gabel rein.Der noch benommene Genosse ließ sich ächzend auf der Treppe nieder. Diese sollte er auch im Laufe des Tages nicht mehr oft verlassen. Das Schachkid entdeckte später eine Sesselecke. Genosse und Schachkid quartierten sich daher bald zu den Sesseln um. Die Mittagskarte bot derweil gesunde Salate an, ließ aber eine Mahlzeit mit ordentlich Fleisch vermissen. Ob man davon satt wird, spekulierten die Briesener.

Die zweite Runde loste dem Schachkid Brauni zu. Vereinsinternen muss man sich net bekriegen. Man machte Remis, genoss die Sonne und ging spazieren. Der Genosse gewann derweil souverän. Der kleine Schachtiger hielt sich wacker. Der Genosse ist nun der erfolgreichste Briesener, wie die dieser freudig kund tat.

In der dritten Runde spielte das Schachkid gegen den Einheimischen Zupke, einen lustigen Fürstenwalder. Das Schachkid hat zwar verloren, kann aber die Meinung seines Trainers bestätigen. Nach 1.e4 wird es viel dynamischer als nach 1. c4. Das Schachkid hat nun wieder Spass am Schach. Nicht spaßig schaut der Genosse aus, der gerade verloren hat. Der kleine Schachtiger gewann derweil einen Läufer und setzte gleich darauf seine eigene Trainerin matt. Na, ob er da noch zum Training darf?

Alle Briesener hatten einen Punkt aus drei. Außer dem Schachkid, dass als schlechter Briesener nur mit einem halben Punkt da hockte. Das Mittagessen erfüllte alle Befürchtungen. Es war zu wenig. Und die Bratkartoffeln, ungeschält. Ihhh. Da half auch kein kalter Hund zum Dessert. Der übrigens aus weißer Schokolade bestand. Auch so ein NoGo.

Rettung nahte in der vierten Runde. Braune wurde gegen den Genossen gelost. Ein schnelles Remis und auf zum Fleischer und Würste gekauft. Das Schachkid spielte gegen Alfred Liesecke. Da konnte das Schachkid endlich mal das neu erlernte Najdorf spielen, was der Trainer empfohlen hat. Sehr dynamisch! Alfred spielte Langschach statt Schnellschach. Der erste Punkt fürs Schachkid.

Das Wurstdoping half. Nach schnellen Gewinn blockierte der Genosse schon wieder die Treppe. Das Schachkid spielt endlich wieder aggressives Angriffsschach, Danke Trainer, und nahm fix den Punkt an. Brauni schlug die Hände über den Kopf zusammen und konnte ihr Glück kaum fassen, als der Gegner die Dame stehen ließ. Drei Punkte für drei Briesener.

Und wieder ein Najdorf in der sechsten Runde. Der Gegner kannte sich aus, dennoch scharfes Spiel. Das Schachkid hat verloren und ist begeistert. Der kleine Schachtiger ist es auch und meldet begeistert seinen nun zweiten Punkt. Erstaunlich, dass hier so wenig Kinder mitspielen.

Die siebte Runde nahte. Das Schachkid rechnete schon im Kopf die Chancen auf den Preis auf U 1700 DWZ aus. Das Schachkid merkte erst bei der Siegerehrung, dass es erst einen Preis U1800 DWZ gab. Mist, war es nix mit dem Preis. Wie auch immer, in der siebten Runde bekam es das Schachkid mit dem Eberswalder Detlef Zoll zu tun. Ein netter Gegner, der mit roter Mütze im Dezember als glaubhafte und super sympathische Weihnachtsmannkopie durchgehen würde. Irgendwie kam eine verwirrende Stellung mit gegenseitigen und vor allem wechselnden Chancen aufs Brett. Keiner wusste so recht, wie man gewinnen sollte. Also Remis.

Der Genosse bekam es mit einem Gegner zu tun, den das Schachkid in der vierten Runde hatte. Der Gegner dachte lange nach, der Genosse hatte einen unheimlichen Zeitvorteil. Als das Schachkid aber wenig später wieder aufs Brett guckte, traute es seinen Augen kaum. Ein Turmendspiel war auf dem Brett. Das kann der Genosse eigentlich, er hat das Schachkid schon in Turmendspielen massakriert. Dem Gegner, noch 2 Minuten auf der Uhr, fiel plötzlich ein, dass es ein Schnellschachturnier ist. Er begann zu blitzen und machte auch noch gute Züge, eine verteufelte Kombination. Punktverlust für den Genossen. Auch Brauni und der kleine Schachtiger konnten nicht mehr punkten.

Das Schachkid, vor dem Essen noch schlechtester Briesener, schaut nun ganz selbstgefällig durch den Zug. Denn es schreibt diese Zeilen gerade im Zug auf der Durchfahrt nach Fürstenwalde an Köpenick vorbei. Oh da ist rechts eine Dönerbude, die in roter Schrift leuchtet. Na ja, das Schachkid vermutet bei roter Leuchtreklame ja eher andere Branchen. Daher schaut nun das Schachkid erneut selbstgefällig durch den Zug und stellt fest, dass es nun der beste Briesener beim Turnier ist. Vor dem Genossen hat es trotzdem, schachlich gesehen, Angst.

Insgesamt gesehen für alle Briesener ein lustiges Turnier. Alle hatten Spaß. Es gab gutes Essen, wenn auch zu wenig. Nette Leute waren da. Der Genosse spielte ganz solide. Brauni wurde beste Dame des Turniers und räumte ab. Das Schachkid probierte neue Eröffnungen aus. Und der kleine Schachtiger zeigte gute Partien gegen deutlich stärkere Gegner. Wenn er dabei bleibt, wächst da ein solider Spieler heran, der das Schachkid bald umnieten wird.

Bilder und Tabellen bei Pneumant Fürstenwalde

Die ersten Tipps des Trainers

Man möge dem Schachkid eine andere Spotart zeigen, wo so etwas möglich ist. Dass der Trainer wesentlich jünger und besser ist als der Trainierende. So ist eben Schach.

Das Schachkid hat seine erste Trainingssession überstanden. Nun, es hat seinen Preis, macht aber großen Spaß. Es ist durch nichts zu ersetzen, wenn man Fragen stellen kann und sofort ein Feedback bekommt. Das kann kein Buch und keine interaktive DVD leisten.

Vom Feedback des Trainers war das Schachkid überrascht. Seit 9 Monaten hat sich das Schachkid ein Eröffnungsrepertoire aufgebaut, ein sehr passives und positionelles. Dummerweise spielt das Schachkid lieber taktisch und auf Angriff. Also muss ein neues Eröffnungsrepertoire her, meint der Trainer. Da ist das Schachkid erstmal frustriert. Neun Monate Arbeit für die Katz? Nun, manchmal läuft man eben Umwege zum Ziel.

Der Trainer gab den Tipp, Eröffnungen mittels des Chesspositiontrainers zu lernen. Mit dieser Software traininert man faktisch das Auswendiglernen einer Eröffnung. Ähnlich wie ein Karteikasten beim Vokabel lernen wiederholt das Programm Stellungen und Varianten so oft in verschiedenen Abständen, bis man sie drauf hat. Dieser Ratschlag des Trainers hat das Schachkid überrascht. Es dachte immer, pures Auwendiglernen sei der falsche Weg. Ein grundsätzliches Verständnis typischer Pläne sei ausreichend. Nun, vermutlich ist es ein gesunder Mittelweg, der es bringt.

Sehr angetan war das Schachkid von dem Hinweis des Trainers, dass es pures Taktiktraining nicht bringt. Vielmehr sei es notwendig, zu wissen, warum man bestimmte Züge spielt. Dem kann das Schachkid nur zustimmen.

Der dritte Ratschlag war schließlich, nach jedem Zug die Bedenkzeit aufzuschreiben. Dem wird das Schachkid umgehend beim nächsten Punktspiel folgen. Der Trainer möchte analysieren, wo das Schachkid zu kurz oder zu lange nachdenkt. Das macht irgendwie Sinn.

Das Schachkid freut sich schon auf das nächste Training.

Trainer benötigt?

Das Schachkid macht jetzt seit 9 Monaten Training, hat aber das Gefühl, nicht recht voran zu kommen. Das Schachkid hat sich in den letzten 9 Monaten ein Eröffnungsrepertoire aufgebaut. Seitdem kommt das Schachkid auch gut aus der Eröffnung raus ins Mittelspiel. Aber dann fehlt es an Ideen. Je unübersichtlicher die Stellung, desto mehr Angst hat das Schachkid, einen Fehler zu machen.

Auch glaubt das Schachkid, nicht so effektiv zu trainieren. Das Schachkid findet, dass es sehr schwer ist, die eigenen Fehler und Schwächen zu finden. Schlussfolgerung: Was in anderen Sportarten funktioniert, kam für Schach nicht schlecht sein. Ein Trainer muss her.

So hat sich das Schachkid einen Fidemeister angelacht. Gefunden hat das Schachkid selbigen in einem Forum auf der wunderbaren Seite www.schachfeld.de. Hier bieten sich ab und an starke Spieler als Trainer an.

Ok, wird jetzt mancher sagen, das Schachkid hat eine hohe 1500, muss es denn nun gleich ein Fidemeister sein? Reicht nicht eine 1700? Nein, die reicht nicht. Das Schachkid glaubt, es muss schon ein deutlich stärkerer Spieler sein, der die eigenen Schwächen gnadenlos aufdeckt.

Der Fidemeister, übrigens deutlich jünger als das Schachkid und trotzdem schon schachlich so viel besser, wollte Partien vom Schachkid haben, um dessen Schwächen zu finden. Na, da muss der Fidemeister wohl nicht lange suchen. Das muss wohl so sein, als ob das Schachkid einem Kind zuschaut. Das Schachkid sieht den Fidemeister vor seinem geistigen Auge, wie dieser entsetzt die Hände vorm Kopf zusammenschlägt.

Das erste Training findet heuer via Skype und schach.de statt. Man wird schauen müssen, wie das funktioniert und ob die Chemie zwischen Lehrer und Schüler stimmt. Aber das unmittelbare Feedback eines Trainers ist sicherlich wertvoller als das noch so beste Schachbuch. Das Schachkid ist gespannt und wird darüber schreiben.

Das Schachkid, Düsterness und der Frühling

Das Vereinsheim der TSG Oberschönweide liegt für Berliner Verhältnisse im Nirgendwo, dafür idyllisch an der Wuhlheide und der Spree gelegen. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Der Ruderclub von nebenan putzt die Boote. Und am 7. März 2015 fand hier ein Schnellschachturnier statt.

Das Schachkid tritt vor das Spiellokal und fragt sich, ob man wirklich schon vor selbigen. um elf Uhr morgens eine Flasche Bier trinken muss. Drinnen hängt ein altes Bild. Sieht aus, als ob Picasso Stalin gemalt hätte.

Drinnen wartet die übliche sehr bunte Mischung. Großmeister und Kinder, Kinder die schon fast eine 2000 haben. Elegant gekleidete Spieler, aber die Mehrzahl übergewichtig und etwas verlotternd aussehend, das Schachkid mit seiner Sturmfrisur eingeschlossen. Man sieht gleich, es sind Schachspieler. Wieso gibt es bei Schachspielern keinen David Beckam, was das Aussehen angeht? Da hat der Fussball dem Schach eindeutig was voraus.

Gespräch an der Bar: Wer mehr Fehler macht, hat weniger DWZ. Aber gut sind wir alle. Der Wirt grinst und massiert einen Spieler zur Motivation die Schultern. Der Turnierbeginn verzögert sich,man wartet auf den Schienenersatzverkehr. Typisch Berlin. Wo kein Flugzeug fliegt, fährt eben auch keine Bahn.

Das Schachkid legte gleicht standesgemäß los und stellte gegen den symphatischen Christian Peters von Alt Tegel erst die Qualität und dann den ganzen Turm ein. Um sowas zu gewinnen, muss der Gegner keine 2100 haben. Das Schachkid hat schon keine Lust mehr und überlegt, bei dem schönen Wetter sich samt Laptop in ein Kaffee zu setzen und etwas für die Schule zu tun.

Die nächste Runde gegen Schachfreund Burkhardt begann so, wie die letzte Runde endete. Das Schachkid misshandelte die slawische Eröffnung und hatte nach fünf Zügen zwei Bauern weniger. Der filmende Vater war dafür wieder von der Partie und filmte die Partie des Junior am Nachbarbrett. Das Schachkid überlegt nun ganz intensiv, nach Hause zu gehen und die Sonne zu genießen. zumal das Spiellokal sehr dunkel ist und eine miese Luft hat.

Dritte Runde, draußen scheint die Sonnne. Es geht gegen einen Nachwuchsspieler namens Johann, den Nachnamen hat das Schachkid schon verdrängt. Es wird was englisches, bald hat das Schachkid komischerweise einen Läufer weniger, die Nase voll und Hunger.

Das nach der 3. Runde versprochene Mittag Essen ist nicht in Sicht. Der Wirt meint auf Nachfrage nur genervt: Da musste den Turnierleiter fragen. Dem Schachkid ist es nun endgültig zu viel. Es sagt dem Schiri, dass es nun zu gehen Gedenke. Der meint nur unwirsch: „Da brauchst Du Dich hier nicht wieder sehen zu lassen. “ Vielleicht hätte das Schachkid an dieser Stelle sein Startgeld zurück fordern sollen. Oder dezent darauf hinweisen, dass für dicke Oberschönweider das Briesener Open ab sofort tabu ist. Allein,  das ficht das Schachkid nicht an. Es ist gefürchtet für seine spontanen Entscheidungen und ist im Spreewald auch schon mal nach der dritten Runde zwei Stunden lang mit dem Boot durch die Gegend gefahren, um die siebte Runde noch zu gewinnen.

Also raus aus dem muffigen und dunklen Spiellokal und ab in die warme Frühlingssonne. Die Stimmung steigt und das Schachkid weiß, richtige Entscheidung getroffen. Am Potsdamer Platz protestieren singend als Gemüse verkleidet kleine Japanerinnen gegen Atomkraft. Das gibt es echt nur in Berlin. Und das Schachkid sitzt gut gelaunt bei Starbucks und schreibt entspannt diese Zeilen.