Archiv für Februar 2015

Starke Rüdersdorfer in Briesen

Der SV Glück Rüdersdorf III reiste am 22. Februar 2015 in unerwartet starker Besetzung zum fälligen Punktspiel der Regionalliga Ost nach Briesen. Die in dieser Saison bärenstarken Briesener hofften auf einen Sieg. Hatte man sich zu Beginn der Saison noch den Klassenerhalt als Ziel gesetzt, schien jetzt sogar der 2. oder 3. Platz der Liga möglich zu sein. Mit Rüdersdorf III sah man sich mit einer bunten und motivierten Mannschaft gegenüber, die auf reichlich Nachwuchs und drei Damen setzte. Die Briesener hielten mit alternativen Spiellokal und den Resten des Buffets vom Turnier vom Vortag gegen.

Volker Heinrich am vierten Brett spielte seine Lieblingseröffnung, einen klassischen Italiener. Das bekannte scheinbare Läuferopfer auf f7 kam aufs Brett. Der Rüdersdorfer Tino Fremberg ließ sich vom scharfen Briesener Spiel nicht schrecken und tat das einzig richtige. Er ging mit seinem König nach vorne auf den Gegner zu. Der König wird im Mittelspiel zur Angriffsfigur. Heinrich griff verbissen an, verkalkulierte sich, lief mit rollenden Augen durch das Spiellokal und verlor einen Springer. Emotionen pur! Der Rüdersdorfer ging nun seinerseits zum Angriff über und drohte nach wenigen Zügen matt. Das war es wohl mit der Lieblingseröffnung. Nächste Saison muss was neues her. Rüdersdorf ging in Führung. Die ersten beiden Briesener Brett schauen ungläubig Richtung Briesener Vereinschef.

Vicky Eue und Klaus Dworatzek am dritten Brett gaben Gas und waren nach 30 Minuten schon beim 18. Zug. Dworatzek stürmt mutig mit den Bauern am Königsflügel vor, und öffnete dabei seine Königsstellung. Eue vom SV Briesen erkennt nach kurzzeitigen Bauernverlust die Gelegenheit, stürmt mit den Figuren voran, gewinnt denn Bauern zurück, verpasst Dworatzek einen isolierten Doppelbauern auf der e-Linie und bildet einen Freibauern auf der a-Linie. Eue gewinnt zwei weitere Bauern und wickelt ins Endspiel ab. Ausgleich für Briesen.

Marco Belling am fünften Brett bekam es mit den Rüdersdorfer Nachwuchs Vinzenz Dworatzek zu tun. Der Briesener Schatzmeister als Führer der schwarzen Steine hat seinen ganz eigenen Spielstil. Ruhig und passiv erscheinen die Züge, doch Zug um Zug verbessert sich die Stellung minimal. Schließlich kippt die Stellung plötzlich um, so auch diesmal. Erst hat Belling das Läuferpaar, dann einen Bauern mehr. Dworatzek hat plötzlich einen Springer weniger, Punkt und Führung für Briesen.

Der Briesener Neuzugang Carlo Borchardt am achten Brett bestritt sein zweites Punktspiel. Mit Alexander Lakowski lief auch hier ein Nachwuchstalent auf, der sich von der geballten Lebenserfahrung seines Gegners nicht abschrecken ließ. Wild schwankten die Waagschalen. Borchardt kreiste mit Springer, Läufer und Turm die gegnerische Dame ein. Dann gabelte Borchardt Dame und Turm mit dem Springer auf und gewann die Qualität. Macht nichts, dachte sich wohl Lakowski, und gewann die Qualität kurzerhand wenige Züge später zurück. Borchardt kam ins Schwitzen, pfiff auf schönes Spiel und begann, mit seinem zweiten Springer zu lavieren. Ein Mehrbauer sprang heraus. Der Kampf verlagerte sich zum Damenflügel. Borchardt sperrte den gegnerischen Läufer ein und gewann diesen. Lakowski versuchte, Aktivitäten zu entfalten, musste aber bald mangels Angriffsfiguren die Waffen strecken. Trotzdem eine starke Partie des jungen Rüdersdorfers gegen den neuen Briesener Nestor. 3-1 für Briesen.

Ein weibliches Duell gab es am siebten Brett zwischen der Rüdersdorferin Laura Friedrich und Anja Braun. Die grippegeschwächte Briesenerin dopte sich mit Hustenbonbons und zauberte eine tolle Angriffsstellung am Damenflügel aufs Brett. Weit vorgerückte Bauern auf b4 und c5 versprachen Raumgewinn und ließen auf den Sieg hoffen.. Friedrich suchte nach Gegenspiel und fand es am Königsflügel. Die Rüdersdorferin drängte die weißen Figuren Richtung Grundreihe zurück. Braun kämpfte, musste aber Zug um Zug den Rückzug antreten. Die Briesnerin muss die Dame gegen den gegnerischen Turm tauschen. Friedrich gibt alles. Der Stand nun 3-2, Rüdersdorf holt auf.

Kellner am sechsten Brett spielte einmal mehr die englische Eröffnung. Carolin Wolf kam bereits nach wenigen Zügen ins Grübeln und benötigte viel Bedenkzeit, um die richtigen Züge zu finden. Doch die Rüdersdorferin fand immer besser ins Spiel und spielte den Briesener Zug um Zug an die Wand. Wolf gelang es, mit der Dame in die weiße Stellung einzubringen. Kellner musste forciert die Damen tauschen und konnte den folgenden Doppelangriff auf seine Bauern nicht abwehren. Ein Bauer fiel, die Stellung wackelte. Nun fehlte die Bedenkzeit aus der Eröffnung, Kellner nahm das unverdiente Remisangebot an, 3,5 – 2,5 für Briesen, es bleibt spannend.

Ein sehr dynamisches Spiel demonstrierte Philipp Heinrich am ersten Bett gegen den Rüdersdorfer Nachwuchs Tobias Gohlke. Heinrich stürmte mit den Bauern am Königsflügel vor, trotz eigener kurzer Rochade. Problem dabei, der gegnerische König stand noch in der Mitte und war noch unentschieden, wohin er rochieren will. Es wurde die lange Rochade, also kein Königsangriff durch den Briesener. Der Preis für die Rüdersdorfer Königsflucht, ein Bauer weniger und und ein Isolani auf g3. Doch Gohlke bewies Kampfgeist, kam zurück und holte sich denn Bauern wieder. Eine unklare Stellung mit Chancen für beide Seiten entstand. Die Entscheidung fiel überraschend. Heinrich legte Coolness an den Tag und verkündete süffisant, die gegnerische Uhr sei abgelaufen. Der überraschte Rüdersdorfer schaute verdattert, nahm die Niederlage aber wie ein Mann. Der Briesener Youngster am ersten Brett hat in der laufenden Saison bereits beeindruckende 5 aus 7 Punkten geholt. 4,5 – 2,5, Sieg für Briesen.

Zäh gestaltete sich die Partie am zweiten Brett zwischen Olaf Budach und Katharina Schmid. Alles deutete auf ein positionelles Bauernendspiel hin. Die Rüdersdorferin hatte einen Isolani auf der a-Linie, ein lohnendes Angriffsziel für Budach. Mit einem starken Bauernpaar auf c5 und d5 auf beiden offenen Linien hatte Schmid aber mehr als Kompensation. Nach Abtausch entspann sich ein Kampf um die zentralen Felder. Wird der d-Bauer durchkommen, war die zentrale Frage. Nein, kam er nicht, auf d3 war Schluss für den schwarzen Bauern von Schmid. Der Briesener Endspielkünstler Budach belagerte den Bauern mit zwei Türmen und einen Läufer, Schmid hielt mit gleichen Figuren Gegnern. Budach schnitt den e-Bauern auf e5 von der Verteidigung des d-Bauern ab und holte den König ran. Der Bauer fiel, aber nicht die gegnerische Stellung. Schmid verteidigte zäh und hielt Remis. Ein gerechtes Remis für Beide, ein starker Briesener am zweiten Brett und der Endstand 5-3.

Das Überraschungsteam der Liga ist nach diesem Kontersieg hoch motiviert und hofft auf weitere Siege gegen Eberswalde und Fürstenwalde

Briesener Winterturnier

Das Schachkid könnte sich ohrfeigen. Es hat ein Hightech-Smartphone, hat aber vergessen, Fotos zu machen. Beim Briesener Winterturnier, dass am 21.2.2015 in Briesen statt fand. Das Schachkid traut es sich kaum zusagen. Seit 2008 ist es Mitglied beim SV Briesen. Aber das Turnier des eigenen Vereins hat das Schachkid das erste Mal mitgespielt. Und gleich die C-Gruppe gewonnen, da lief es mal gut. Die Schande von Köln wurde zumindest etwas gesühnt. Das Schachkid hatte beim Ramada-Cup magere 1,5 aus 5 Punkten geholt und seine frisch erworbene 1600 gleich wieder verloren.

Fast 80 Spieler fanden den Weg nach Briesen. Man spielte in zwei Spiellokalen. Die Gruppen A-E tummelten sich im Bürgerhaus, der größere Rest samt Eltern und Betreuern in der neu errichteten Mensa der Briesener Schule.

Philipp Heinrich als einziger offizieller Vertreter des SV Briesen, zarte 18 Jahre alt, hielt gekonnt souverän die Fäden zusammen. Neben seiner Funktion des Schiris schmiss er noch die Küche. Ungezählt waren die selbstgebackenen Kuchen, die das Buffet zierten, aber nicht so recht aufgegessen wurden. Pech für die anwesenden Spieler, Glück für die Rüdersdorfer Mannschaft, die am Folgetag zum Punktspiel anrückte.

Das Schachkid war überraschend nominell der stärkste Spieler der C-Gruppe. Gleich in der ersten Runde ging es gegen den Rüdersdorfer Robert Richter. Dieser hatte möglicherweise noch eine Rechnung mit dem Schachkid offen. Hatte dieses doch äußert glücklich in Leegebruch gegen ihn gewonnen. Gegen den Robert Richter tut sich das Schachkid immer unheimlich schwer, so auch diesmal. Zum einen liegt das der Robert Richter das Englische als Schwarzer recht solide spielt. Zum anderen sieht das Schachkid einfach keine Gewinnchancen. Vielleicht lag es an der Grippe. Oder das Schachkid hätte nicht bis nachts um halb zwei Computer spielen sollen.

Aber wie kann man 19. dxe5 übersehen? Oder 20. dxe5? Dem Robert Richter ging es Gott sei Dank nicht anders. Jedenfalls übersah er 23. … gxf6. Der weiße König kann den Springer auf f3 gar nicht so recht nehmen. Und so ging es munter weiter. Das Schachkid sieht nicht 29. Dg5, was Matt oder Damenfang droht. Man hatte Spaß und einigte sich auf ein gerechtes Remis. Schach lebt eben auch von unglaublichen lustigen Fehlern.

Recht turbulent ging es in der D-Gruppe zu, wo zwei Senioren gegen zwei Kids spielten. Wie es halt so ist, hatten die beiden netten Senioren eine recht laute Aussprache, was den Rest des Raumes in regelmäßigen Abständen zu Pssssts und Ruhe-Rufen veranlasste. Nun ja, das Schachkid vermutet, dass es als Senior auch mal eine laute Stimme haben wird, ohne es zu merken. Lieber im Alter gut bei Stimme, als total ohne Saft und Kraft.

In der nächsten Runde ging es gegen Susanne Röhr. Hier wollte das Schachkid unbedingt gewinnen. Musste es gegen Frau Röhr beim Briesener Open ein ganz blödes Remis abgeben. Was am Wodka der Vornacht lag, der Schachwizard weiß Bescheid. Susanne Röhr hat zwei schachspielende Söhne, beide spielen für Potsdam. Mama Röhr hat vermutlich dadurch das Schachspiel erlernt und spielt mittlerweile selbst ganz passabel und zeigt regelmäßig ein schönes Angriffsschach. Jedenfalls legte sie in der ersten Runde Jonathan Schenk sehr elegant um. Nur hat Mama Röhr ein kleines Problem mit der Zeit, was dem Schachkid zu Gute kam. Schach ist eben auch ganz viel Psychologie.

Auch das war eine komische Partie. Sinnlos der Damenausflug 16. Da4. Das muss man doch sehen. Ganz schlimm 29. Dxc5, Mama Röhr sieht Gott sei Dank nicht 29. … Tc8, das Schachkid schon und zittert sich dem nächsten Zug entgegen. Mama Röhr braucht viel Bedenkzeit, das Schachkid bangt und schleicht über knarrende Dielen durchs Spiellokal und holt sich vorsichtshalber ein Stück Schokokuchen zum Trösten. Weiter gehts, das Schachkid macht sich einen Freibauer, Mama Röhr hat nur noch 50 Sekunden auf der Uhr. Es wird hektisch, Mama Röhr geht zum Angriff über und entfaltet ab dem 58. Zug noch eine schöne Initiative am Königsflügel. Getreu dem Motto, nicht aufgeben, stürmt sie vor. Mama Röhr ist ein Teufelsweib. Das Blättchen fiel, Punkt fürs Schachkid.

Zeit, um wieder Kuchen zu essen. Das Schachkid befördert die Kaffeemamsell des Vereines, den ehrenwerten Olaf, zum Chefbäcker des Vereines. Mit den guten Vorsätzen von Silvester, Abnehmen, wird das wohl dieses Jahr nix mehr. Es sei denn, das Schachkid wechselt den Verein, Vielleicht schachspielende Weight Watchers. Aber nein, ein Leben ohne Kuchen ist möglich, aber sinnlos.

Weiter ging es in der dritten Runde gegen Jonathan Schenk mit den schwarzen Steinen. Hier hatte sich ein Berliner nach Briesen verirrt. Was denkt wohl ein Berliner, wenn er nach Briesen kommt? Aus der Großstadt ins verträumte Dörfchen, wo vor Jahren ein blau lackierter Storch bundesweit Schlagzeilen machte? Das Schachkid wird bei Gelegenheit mal einen Berliner in Briesen befragen.

Das Schachkid machte das gleiche wie in den anderen beiden Partien, sinnlose Züge. Das Schachkid hat in einem Buch gelesen, dass die Dame früh auf c7 muss, in der Abtauschvariante vom Caro-Kann, um Lf4 zu verhindern. Also 5. … Dc7. In dem Buch stand aber nix von 6. Sb5. Es ist nicht ok, wenn sich der Gegner nicht an die Theorie hält.

Der Bauerndurchzug 9. c5 war so auch nicht eingeplant. Erst recht nicht ein Vorposten auf d6. Da kam das Schachkid aber tüchtig ins Schwitzen, um die schwarze Stellung halbwegs zu stabilisieren. Wenn Weiß nicht 13. … Sxd6 zulässt, sieht es übel aus. Die Engine schlägt in späterer Stellung 31. … Txa2 vor. Sowas soll das Schachkid nun sehen, ein Turms schlagen, das gewinnen soll. In dem man einen Bauern gewinnt und einen Freibauern bekommt. Sowas geht nach kurzer Nacht und um 17.00 Uhr einfach nicht. 45. … fxg4 sah das Schachkid auch nicht. Oder 46. … Txf2. Na ja, was solls, Punkt ist Punkt.

Fazit: Ein sehr schönes Turnier. Da muss das Schachkid mal den eigenen Verein loben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzter Tag Ramada

Text und Foto folgen

Frusttrinken in Köln beim Ramada-Cup

Das Schach eben doch ganz viel mit Psychologie zu tun, zeigt dieses Open. Das Schachkid ist relativ unmotiviert und verspürt keinen Kampfgeist. So spielt es auch, die Partien sind schrecklich, nur einen halben Punkt aus vier. Die mühsam erkämpfte 1600 DWZ ist dahin.

Bunt ging es schon in der ersten Runde los. Nach den belastenden Bargesprächen des Vortages wollte das Schachkid eigentlich seine Ruhe haben. Der Brettnachbar begrüßte das Schachkid freudig, man wechselte ein paar freundliche Worte. Sogleich teilte der Brettnachbar mit,er sei schwer krank und müsse Morphium nehmen. Manchmal will das Schachkid sowas gar nicht wissen, zumindest nicht von Fremden.

Es ging nun  gegen Raphal Petri. Die Partie ließ sich gut an. Die Allzweckwaffe Englische Eröffnung erzeugt sehr dynamisches Spiel.

Nach ein paar Zügen eilte das Schachkid dahin, wohin auch große Schachkids ab und an mal müssen. Kaum stand das Schachkid am Pinkelbecken, erschien am Nachbarbecken ein anderer Mann. Er legte los mit seinem Geschäft, schaute dabei das Schachkid an und merkte an, dass das Schachkid ganz schön groß sei. Er hätte mal einen Handballer gekannt aus der Nationalmannschaft der DDR, der sei auch so groß gewesen. Und im Zug habe der sich immer bücken müssen , deswegen habe er einen Buckel gehabt. Was hat das Schachkid nur angestellt, dass es von lieben Gott so gestraft wird und nicht mal beim Pinkeln seine Ruhe hat?

Nach diesem Erlebnis war das Schachkid erst recht durch den Wind und lief gleich in eine Springergabel. Über die Partie gibt es auch sonst wenig positives zu sagen.

Besser machte es die Cheftochter, die gewann. Reichlich frustriert war Brauni. Lange stand sie besser und überlegte gründlich, außer bei einem Zug. Den spielte sie nach wenigen Sekunden und übersah dabei ein einzügiges Matt. Das Leben ist manchmal grausam.

Nach der missratenen Runde tröstete sich das Schachkid mit Würstchen und einer Thaimassage, an der es zufällig vorbei kam. Diese war recht ölig, mit reichlich Duftölen sozusagen. Vermutlich roch das Schachkid, dass nach der Massage sofort zum Punktspiel eilte, wie ein halbes Bordell. Jedenfalls rümpfte die Gegnerin erkennbar die Nase. Was die benebelte Gegnerin, ein 11-jähriger Bayernfan ausgerüstet mit Schal und Shirt, nicht davon abhielt, mit dem Schachkid kurzen Prozess zu machen.

Die Partie ist ein Musterbeispiel, was passiert, wenn sich Schwarz nur passiv hinstellt und Weiß einen vorbildlichen Königsangriff durchzieht. Zur schwarzen Spielweise muss man nix weiter sagen, die Partie spricht für sich und ist peinlich genug.

Brauni und Cheftochter machten es besser und gewannen ihre Partien. Die Chefmama kämpfte lange und holte ein starkes Remis.

Das Schachkid sitzt in der Lobby und schaut ganz fasziniert einem Spiel zweier Kinder zu. Ein Junge fährt mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock und zurück. Der andere nimmt die Treppe. Ziel ist, wer zuerst oben und wieder unten ist. Der ausgeruhte Junge aus dem Fahrstuhl ist guter Dinge und will noch einmal. Der andere Junge, der selbstredend ständig die Treppe hoch muss, hat Schnappatmung und streikt. Das Schachkid findet das lustig.

Und wieder ab zum Frust trinken an die Bar, nachdem man vorher Wellness machte.

 

 

 

 

Ein Turnier zum Vergessen…

Das Schachkid ist übellaunig und stellt fest, dass dieses Turnier wohl zum Vergessen ist. Vermutlich sind zwei Schachwochenenden in Folge doch nicht so die kluge Wahl. Das Eintrachtopen war lustig und erfolgreich, in Köln ist die Motivation eher im Keller.

Die Ramada-Cup-Serie vom Deutschen Schachbund ist wie immer top organisiert. Das Hotel ist nicht schlecht, auch wenn das Buffet im Ramada-Magdeburg ein wenig üppiger war. Am 13. Februar, ein Freitag übrigens, ging es los mit einer launigen Eröffnung.

Ein launiger Ralf Niederhäuser, Präsident des Schachverbandes NRW, hielt die Eröffnungsrede. Die Briesener glaubten sich übrigens in der Rheinland-Pfalz, besonders ein Briesener. Am Abendtisch leistete die Kellnerin aber geographische Hilfestellung.

Auf jeden Fall hat der Schachspieler das Klopapier erfunden, wie man nun erfuhr. Im 8. Jahrhundert wurde das Schachspiel in Indien und China erfunden, kurz darauf später das Papier. Nun hatte der Schachspieler am Brett Druck, zeitlichen wie auch körperlichen. Nun war aber keine Zeit, um nach Flechten und Mosen zu suchen. Flugs erfand der Schachspieler das Klopapier. So erzählte Niederhäuser, der mit seiner coolen Frisur auch aus Harry Potter zu kommen schien.

Zu Fasching muss man hier bei Arbeit ein Kostüm tragen. Von der Küchenhilfe, bis zur Putzfee, die als Hexe durchgeht. In der Fleischerei sehen die Verkäuferinnen aus, wie aus dem Circus entprungen. Zu einen gewissen Friseur haben sich die Briesener gar nicht erst herein getraut. Nicht dass es die langhaarigen Briesener nötig hätten.

Im Spielsaal hält man sich diesbezüglich zurück. Ein Jugendlicher versuchte Frohsinn mit eineem riesigen Sepplhut zu verbreiten. Ein anderer Schachspieler saß als Dittsche verkleidet im Bademantel da. Sonst gab man sich zahm.

In der ersten Runde ging es gegen Ulrich Schimke. Der nette Gegner tat später kund, noch nie nie in einem Verein gespielt zu haben. Dafür spielte er aber gut. Rein spielerisch ist das Schachkid unzufieden. Es ist offensichtlich nicht in der Lage, mal eine Partie zu gewinnen. Nach dem das Mittelspiel nur aus Abtausch bestand, hatte das Schachkid das Gefühl, aufgrund von mehr Raum und beweglicher Figuren die leicht bessere Stellung zu haben. Allein ein Gewinnweg war nicht recht zu sehen. Das Schachkid fragt sie, wie es solche remisigen Stellungen vermeiden kann.

Brauni putze gleich den ersten Gegner, einheimischer Nachwuchs weg. Die Cheftochter tat sich schwer, verlor Figuren und das Spiel. Chefmama hatte in der Hammer-C-Gruppe eine 1560 als Gegner und sogar eine reelle Chance. Sie kämpfte tapfer bis 14.30 Uhr und verlor dann doch. Der Rest hatte sich derweil auf der Suche nach dem historischen Zentrums Brühl begeben, fand dafür eine barocke Kirche (sehr hübsch, die katholische Kirche hat anscheinend Geld), ein Schloss und ein Park. Sehr nett hier.

Auf zur zweiten Runde gegen Thomas Friedel. Ein ausgesucht höflicher Schachfreund, der sich der Chefmama bei der späteren Analyse vollendet vorstellte. Für das Schachid eine Katastrophe. Die Vorstoß-Variante im Caro-Kann, die sich das Schachkid zigmal angeschaut hat. Aber nein, das Schachkid muss ja unbedingt 5. … exd spielen und somit die Grundlage für eine schlechte Stellung legen. Die restlichen Züge waren noch grausamer. Ein Beispiel, wie man nicht spielen sollte. Vor allem sollte man keinen Springer auf d6 zulassen.

Brauni blieb weiterhin auf Erfolgskurs, hielt Remis und hat nun von den Briesenern die beste Punktebilanz. Cheftochter ließ sich Figuren anfesseln und verlor. Die Laune war im Keller. Chefmama erblickte ein Läuferopfer auf h6, was aber offensichtlich doch nicht so gut war, aber irgendwie logisch aussah. Eine spannende Partie schien das zu sein, nachdem zu beurteilen, was das Schachkid so zwischendurch gesehen hat.

Abends bewegten sich Chefmama und das Schachkid zur Bar, um sich der Frustbewältigung zu widmen. Ein Bekannter aus des Schachkids Vergangenheit gesellte sich dazu. Und erzählte zwei Stunden lang seine Krankengeschichte und die seines Nachbarn, die im geplanten Selbstmord in der Schweiz endete . Teilweise sehr bewegend aber nach zwei Stunden auch sehr anstrengend und belastend.

Da Rücken Themen wie eigener Liebeskummer in den Hintergrund, wenn man die Verhältnismäßigkeit des Problems sieht. Andererseits hat jeder seine individuellen Probleme. Und Liebeskummer ist dann eben die eigene Katastrophe. Oder andere Sorgen… Das Leben ist manchmal grausam und Gott hat manchmal einen besonders komischen Humor.

Die Karnevalshölle von Köln

Am 12. Februar 2015 hat sich Schachkid mit Brauni, Chefmama und Cheftochter nach Köln unterwegs. Die drei Damen vom Grill sind es nicht. Wenn Engel reisen, trifft aber schon zu.

Aus Preisgründen entschied man sich für den billigen Zug, Der Schaffner begrüßte die Reisegruppe mit einem launigen Hello mit starken sächsischen Akzent. Augenscheinlich war dieser schon in Faschingsstimmung. Kein Wunder, wenn Weiberfastnacht ist und das Fahrtziel Köln heißt, also Köln-Brühl. Also neben Köln gelegen, quasi über Duisburg, also nicht nach Köln so direkt…

Der Schaffner läuft nach jeder Station durch durch den Zug und fragt, ob jemand neu zugestiegen sei. Das Schachkid fragt sich, was ist, wenn der Zugwagon einfach mal geschlossen im Chor „Nö!“ brüllt.

Die Fahrt verbrachte man höchst unterschiedlich. Die Cheftochter verweigerte die Mathehausaufgaben, spendierte dafür aber Kekse, während die Chefmama die Praxishilfe zur Reflexion durchackerte. Brauni konterte mit der „VE43: Sektion bildgebender Verfahren – Qualitätsänderung in der Röntgendiagnostik“. Das Schachkid tippte an seinen Schachblog herum und fand auf der Toilette einen Silberring.

In Hannover einrollend klingelte das Handy von Brauni. Sie solle mal aus dem Fenster gucken und mal kurz raus kommen. Und wer stand da überraschenderweise? Der Gatte… Das muss Liebe sein, meint das Schachkid. Sehr romantisch…

Es kam, wie es kommen musste. Vor Köln wurde es abenteuerlich. In Duisburg angekommen stieg man in den Regio um. Nur war es auch der nach Brühl? Allgemeine Ratlosigkeit. Die Indianerin mit dem gelben Schnauzbart im Sitz gegenüber wusste auch nicht, ob der Zug in Brühl halte. Alles hinter Köln sei ein Mysterium. Die beiden Scheichs, die nun zustiegen, fragte man besser gar nicht erst. Superwoman auf dem dem Bahnsteig hätte ja hin fliegen können. Die Kapitänin mit der Netzstrumpfhose nebenan war schon etwas mitgenommen.

Nein, der Zug hielt nicht in Brühl, jedenfalls heute nicht. Denn es beliebten sich Personen in den Gleisen zu bewegen, sodass der Zug umgeleitet wurde. Also raus in Köln-Süd und mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof geeiert. Eine Kuh mit Euer in Hüfthöhe leistete uns Gesellschaft.

Am Bahnhof angekommen wusste man nicht, wohin zuerst schauen. Was für eine bunte Welt. Würde man in Berlin mit einem Kostüm auf dem Hauptbahnhof rumlaufen, käme vermutlich gleich die Ambulanz. In Köln waren wir die Auffälligen in unseren Normalo-Klamotten.

Also auf zum nächsten Bahnsteig. Die Cheftochter hielt den Koffer des Schachkids fest. Ein Kobold hatte ein Auge drauf geworfen und schlich um den Koffer herum. Ansage: „Der Zug fährt auf Gleis 7 ein.“ Mist, man war auf Gleis 9. Also hin zum richtigen Gleis. Aber wo war Brauni? Egal, Chefmama holte schon mal den Fahrstuhl. Brauni eilte herbei, der Fahrstuhl war derweil durch die Mario Brothers okkupiert worden. Egal, der Zug war weg.

Also ab in die Halle auf den Plan geschaut. Ein Pseudotiroler fragte die Chefmama, wie er seine Lederhose schließen könne. Mist, nächster Zug fährt erst 45 Minuten später. Also auf zum Taxistand. Guter Versuch, der Ausgang des Bahnhofs war von der Polizei abgesperrt. Also raus zum anderen Ende. Leider keine Taxen zu sehen. Kam mal eine, wurde diese sofort von kostümierten Horden überfallen.

Also zurück in den Bahnhof aufs Gleis 9. Ansage: „Der Zug fährt auf Gleis 7 ein.“ – Schaffnerin gefragt – Nö, er käme auf Gleis 9, aber nur im Abschnitt B. Und oh Wunder, er kam. Spongebob wurde derweil vom FBI abgeführt. In den Zug stieg der Wolf, der die Oma schon gefressen hatte, und deren Nachthemd anhatte. Frau Holle und die Mignons waren da schon unspektakulär.

Endlich in Brühl angekommen, waren es noch 3 km zum Hotel. Der Bus war weg, die Taxen auch. Aber oh Wunder, eine Taxe kam herbei und fand seine Fahrgäste nicht. Prompt wurde die Taxe sofort von Piraten überfallen. Die cleveren Briesener hängten sich dran und bekamen im Taxi von den Piraten erklärt, dass man bereits seit 11.11. Uhr feiere. Daher müsse man auch um 21.30 Uhr nach Hause.

Im Hotel wartete ein unglaublich gechillter Rezeptionist. Auf Nachfrage erklärte dieser aber, nicht gefeiert zu haben, sondern Karneval zu hassen. Die Chefmama hätte ihn wegen des Niedlichkeitsfaktors trotzdem gerne in die Handtasche gepackt.

Die Briesener sind übrigens zum Schachspielen da. Zwei Damen wollen eigentlich nur schlafen und essen. Das Schachkid will seine frische 1600 behalten. Und die Cheftochter hat in ihrer Gruppe sogar Chancen auf die Quali.

Mercedes Benz, mein Penis glänzt

Dieses lyrische Meisterwerk vom Meisterpoeten Mr. Wixä hat das Schachkid am Samstag Abend bei „Deutschland sucht den Superstar“; kurz DSDS vernommen. Das Schachkid wird dem Schachwizard noch in 20 Jahren vorhalten, dass es diese Sendung gucken musste.

Schachkid und Schachwizard hatten sich vom 6. bis 8. Februar 2015 spontan zum Eintrachtopen in Neubrandenburg aufgemacht, um dort ein wenig Schach zu spielen. Den einen juckte es in den Fingern, der andere war noch nie da und fuhr mit. Aber andererseits fuhr man auch etwas unmotiviert los. Der eine war verschnupft und nieste beständig vor sich hin, der andere war gestresst von nervigen Kollegen, hoffte aber, endlich seine 1600 zu kriegen.

Neubrandenburg ist eine Stadt mit typisch sozialistischen Charme. Im zweiten Weltkrieg, selbiger war schon vorbei, wurde die Stadt von russischen Soldaten niedergebrannt. Heute sind nur noch Reste der Stadtmauer, deren vier Tore und ein klein wenig Fachwerk erhalten. Das Schachkid kennst sich hier aus, weil es mal im nahen Demmin gewohnt hat.

Das Eintracht-Open fand heuer zum 24. Mal statt. 60 Spieler zumeist aus Mecklenburg sowie einige versprengte Berliner, fanden sich im Park-Hotel, im ehemaligen Haus des Bauern, ein. Der Schachwizard fand sich im A-Open im ersten Drittel des Feldes gesetzt wieder, das Schachkid war etwas überraschend vorne im B-Open gesetzt. Es sah also gut aus.

Über die Mecklenburger kann das Schachkid kaum etwas lustiges oder kritisches Schreiben. Die Leute da sind alle so schrecklich seriös und freundlich. Es fehlt in Mecklenburg-Vorpommern an schachlichen Irren. Lediglich die verrissene Mädchengang, die in den Katakomben des Hotels, krude Hiphop-Musik aus dem blechern klingenden Handy hörte, ließ auf etwas Irrsinn hoffen.

In der ersten Runde ging es gegen Egon Moritz. Das Schachkid spielte wie immer Abends mies und ließ drei Bauern stehen. Aus diesem Grunde mag das Schachkid keine Abendrunden, weil es grundsätzlich mies spielt. So stand der Gegner schon wesentlich besser und das Schachkid wollte aufgeben. Aber, es gibt da eine Order von der Chefmama an das Schachkid aus dem Jahr 2012: „Niemals aufgeben!“ Daran hält sich das Schachkid dankenswerter Weise bis heute. Offensichtlich waren Abendrunden aber auch nicht des Gegners Sache. Hoffnungsvoll griff Schwarz einen Bauern an… und ließ einen Turm stehen, den das Schachkid freudig mitnahm. Verstörtes Augenreiben des Gegners und ein glücklicher, aber unverdienter Sieg für das Schachkid. Auch der Schachwizard ließ zum Auftakt nix anbrennen und holte sich den ersten Punkt.

Hoch motiviert startete man nach kurzer Nacht. Das Schachkid bekam es in der zweiten Runde mit Udo Jürgens zu tun. Ach nein, dieser große Sänger (Das Schachkid mag besonders das Lied „Griechischer Wein“) ist leider gestorben. Aber Ingo Lange, stets im Anzug am Brett, hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit ihm. Das Schachkid hatte gegen ebendiesen vor drei Jahren in Falkensee ganz böse in einem Damengambit in einer Abendrunde verloren. Nun aber drehte das Schachkid den Spieß um, spielte Englisch, mit dem Schwarz nicht so recht zu Rande kam. In geschlossener Stellung opferte Lange eine Qualität und bildete einen Freibauern. Die Kunst, solche Ideen zu finden, muss wohl die Grenze zur 1700 sein. Das Schachkid wäre nicht auf diese Idee gekommen, blockierte seine Stellung im Endspiel und hielt dankbar Remis.

Der Schachwizard bekam es mit einem deutlich stärkeren Gegner zu tun und verlor nach langem Kampf. Der Schachwizard meinte, dass er hier Pech in der Auslosung hatte. Denn in der nächsten Runde gab es nun einen schwächeren Gegner. Bei einem stärkeren, aber etwas weniger starken, Gegner in der zweiten Runde wäre es vielleicht Sinn der dritten Runde auch zu einem stärkeren Gegner gekommen, Das Gegnerverhältnis wäre im Schnitt ausgewogener gewesen.

Nach Chillen im Hotel ging es gegen Uwe Wendt. Im 20. Zug ließ Weiß augenscheinlich einen Bauern stehen, misstrauisch beäugt vom Schachkid. Dieses überlegte 20 Minuten lang, sah nix Kritisches und nahm siegesbewußt den Bauern. In dem Augenblick kam der Schachwizard des Weges, schaute kurz aufs Brett, rümpfte kritisch die Nase und schaute das Schachkid vorwurfsvoll an. Wenige Züge später, nach einer Kreuzfesselung, wusste das Schachkid auch warum. Nach Abtausch, Rückgewinn des Bauern durch Weiß und zerschlagener Bauernstellung war es immerhin noch Remis. Respekt vor der Idee, einen Bauern stehen zu lassen und eine Stellung mit derartigen Weitblick zu bekommen. Der Schachwizard bekam es mit einem deutlich schwächeren Gegner zu tun. Das Schachkid hielt die Stellung lange für besser. Aber der Schachwizard schien sich schwer zu tun und baute ein Remis ein. Etwas frustriert stiefelte man zusammen ins Hotel und widmete sich nun den wichtigen Dingen des Lebens.

Erkenntnis des Abends. Fernsehen ist manchmal besser als Kino. Ersteres hatte neben Mr. Wixä einen Mann im Hundekäfig, marodierende Rentner auf Führerscheinentzug, flennende Männer mit Drogen in der Bux und rasende Bauern auf rasenden Treckern zu bieten. Wie Hape Kerkeling sagen würde, Witzigkeit kennt keine Grenzen. Ausdrücklich empfehlen möchte das Schachkid auch Ausführungen zum Knecht im historischen und soziologischen Kontext. Der Landsknecht ohne seine Lanze (Achtung Wortspiel!) sei hier hervorgehoben. 🙂

Zu einer unchristlichen Uhrzeit, um 8.00 Uhr, ging es mit der vierten Runde los. Übermüdet und halbblind vor Müdigkeit wankte man ins Spiellokal. Das Schachkid fragt sich, ob man wirklich so früh anfangen muss. Andere Schachspieler hatten die gleiche Frage an den Turnierleiter. Dieser schaute fragend zurück, zuckte mit den Schultern und meinte, das sei schon immer so gewesen. Zeit für Veränderungen!

In der vierten Runde ging es gegen Achim Wiegand. Den weißen Zug 14. Sh7 versteht das Schachkid nicht so recht. Kommt es doch lediglich zu einem Abtausch. Viel schlimmer ist dagegen, wie sich das Schachkid seinen Läufer auf h7 einsperren lässt. Der weiße Springer auf d4 steht dafür bombig. Wieder nur Remis in etwas schlechterer Stellung. Weiß könnte sogar weiter spielen und gewinnen. Das findet das Schachkid frustrierend. Bis zur fünften Runde hat das Schachkid keine Partie aus eigener Kraft gewonnen. Der Schachwizard spielte gegen eine Brandenburger Nachwuchsspielerin und legte diese mittels Bauernsturm von drei verbundenen Freibauern um. Offensichtlich eine nette Spielerin. Die Mama saß derweil draußen und strickte im Turnierverlauf fast einen ganzen Pullover.

Seit zig Jahren schläft das Schachkid in zig Hotels und checkt immer frühs hektisch aus. Der Schachwizard, nicht so hotelerfahren, dafür von Natur aus mit Cleverness ausgestattet, wies darauf hin, man könne ja den Late Check Out nutzen. So verbrachte man die Pause entspannt auf dem Zimmer und ließ sich Speis und Trank bringen.

Die Felder in der A- und B-Gruppe waren dicht zusammen. Für Schachwizard als auch Schachkid war noch ein Platz auf dem Treppchen drin. Hochmotiviert stürmte man, nach Kaffeeversorgung bei Burgerking, ins Spiellokal. Das Schachkid wurde gegen einheimischen Nachwuchs ausgelost. Dieser mit Namen Daniel Schulz bot auch gleich im sechsten Zug Remis an. Das Schachkid lehnte ab und wollte gewinnen, was aber nicht so einfach war. Das Schachkid hoffte auf die ungünstige Bauernstruktur am schwarzen Damenflügel. Die Entscheidung brachte aber das zu aktive schwarze Spiel am Königsflügel. Hält Schwarz die Stellung geschlossen und verhindert den Einbruch des weißen Turms in die Stellung, vielleicht ist es sogar maximal nur Remis. Der Schachwizard ließ es in der letzten Partie nochmal richtig krachen und legte seinen Gegner um.

Der Schachwizard landete auf einen undankbaren Platz und nahm sich vom Preisbuffet das Buch, was das Schachkid eigentlich im Auge hatte. Der Wizard wirkte halbwegs zufriedenen und ging mit einem kleinen DWZ-Zuwachs nach Hause. Das Schachkid hat keine Partie verloren und hat jetzt eine 1615. Offensichtlich bringt das tägliche Training des Schachkids doch etwas. Nun braucht das Schachkid ein neues Ziel. Bis Dezember 2015 soll die 1700 fallen. Übernächstes Jahr wird der Schachwizard überholt!

 

 

Gute Aktionen, nackte Tatsachen und anderes Tolles

Diese Woche stieß das Schachkid auf eine tolle Aktion der Deutschen Schachjugend „15 Titelträger für 15 Jahre“. Die Deutsche Schachjugend koopertiert seit 15 Jahren mit dem Kinderhilfswerk terre des hommes. Aus diesem Anlass gibt es eine ganz besondere Idee. Es stellen sich 15 starke Spieler für Simultanveranstaltungen zur Verfügung. Schachvereine können sich bewerben. Das erhobene Startgeld der Spieler spendet die Deutsche Schachjugend an das Kinderhilfswerk. Die Titelträger verzichten auf ein Antrittsgeld. Nur die Reisekosten trägt der einladende Verein. Eine tolle Sache findet das Schachkid. Man tut Gutes, veranstaltet als Verein einen Schachevent mit breiter Öffentlichkeitswirkung und  kommt nie wieder so günstig an einen starken Spieler für ein Simultan heran.

Das Schachkid erinnert sich auch an abenteuerliche Kooperationen der Deutschen Schachjugend. So gab es eine enge Zusammenarbeit mit der FKK-Jugend. Seminare wurden beispielsweise veranstaltet. Die Deutsche Schützenjugend war auch dabei. Das Schachkid findet es gut, wenn verbandsübergreifend derartiges statt findet. Dennoch ist das Schachkid sehr amüsiert. Es stellt sich nackte Schachspieler am Schachbrett vor, die nach jedem Schachgebot einen Böllerschuss abgeben. Dies ist ein ernsthaftes Problem. Schließlich ist Schach ein sehr stiller Sport. Auch ist sich das Schachkid nicht sicher, ob es FKK-Schachspieler sehen mag. Immerhin ist Schach ein geistreicher, aber nicht sehr körperbetonter Sport. Die Aussichten könnten daher nicht so optimal sein.

Ausprobieren könnte dies, wer es mag, vielleicht in Frankeich. Die Internationalen Meister Rike Wohlers-Armas und Luilus Armas betreiben einen Schach-Campingplatz „La Rochade„. Auf dem Medoc gelegen, eine Halbinsel im Südwesten Frankreichs, findet der geneigte Schachspieler Ruhe und Erholung. Im Camp selber werden Schachaktivitäten wie kleine Turniere und Weinverkostungen angeboten. Die schöne Atlantikküste ist nicht weit weg. Das Schachkid überlegt ernsthaft, ob es dort in diesem Jahr Urlaub macht.

Auch Training hat das Schachkid gemacht und sich seine Partien angeschaut. Zwei Exoten waren dabei. Einmal hat der weiße Spieler mit f4 eröffnet, ein anderes Mal mit Sc3. Das Schachkid hat sich daher erstmal zwei Bücher bestellt und harrt der Dinge, die da nun via Post kommen.