Archiv für Januar 2015

Rochade Europa am Scheideweg?

Das Schachkid hat seit vielen Jahren die Rochade Europa im Abo. Das Schachkid ist mit der Rochade aufgewachsen. Der ehemalige Öffentlichkeitsreferent des Thüringer Schachbundes war einst Mitarbeiter der Rochade. Diese residierte viele Jahre in Sömmerda in Thüringen, dem heimatlichen Bundesland des Schachkids. 2002 hatte das Schachkid sogar ein Vorstellungsgespräch bei der Rochade samt Besichtigung der Druckerei. Das Schachkid wäre sogar eingestellt worden. Aber das Schachkid hatte beschlossen, sich beruflich dem Datenschutz zu widmen. Aber schon interessant, wie das Leben des Schachkids als Mitarbeiter einer Schachzeitung verlaufen wäre…

Seit jeher wird die Rochade Europa von der Schachgemeinde kontrovers diskutiert. Leser mögen den umfangreichen Turnierkalender. Viele Landesverbände publizieren ihre Neuigkeiten. Die thematische Vielfalt suchte ihresgleichen. Nicht zuletzt der günstige Preis machte die Rochade beliebt.

Auf der anderen Seite stehen viele journalistische Schwächen, die die Leser manchmal zweifeln ließen. Das Papier war dünn, die Seiten nur in Schwarz-Weiß. Das farbige Cover vor einigen Jahren war schon eine kleine Revolution.

Legendär ist ein Cover eines Spielers bei einer Siegerehrung mit feuchten Flecken auf der Hose. Dafür gab es 2013 eine Rüge des Deutschen Presserates. Sowas schafft sonst eher die Bildzeitung.

Manche Inhalte hatten wenig mit Schach zu tun. Es werden seitenlange Tipps gegeben, welche Browser oder Antivirenprogramme genutzt werden sollen. Nicht unbedingt Kernthemen einer Schachzeitung.

Internetseiten werden vorgestellt, die zwar schachlichen Charakter haben, aber den geneigten Leser wenig interessieren. Und zwar dann, wenn es um die Seite eines regionalen Schachvereins geht. Das Schachkid selber hatte mal auf der Seite der Thüringer Schachjugend eine Rubrik „Schachseite des Monats“.  Hier hatte ein freier Autor der Rochade vom Schachkid ganz frech abgeschrieben und vom Schachkid schamlos kopiert.

Legendär sind die Ausflüge und Bilderstrecken des Schachmodels Regina. Geschmack ist ja sehr indiduell und Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Aber das Schachkid fand die Beschreibung Schachmodel schon gewagt.

Die Artikel des Autors Peter Krystufek ließen das Schachkid manchmal zweifeln. Der Autor berichtete von Turnieren, beschrieb aber auf drei Seiten zunächst mal seine Anreise und das Wetter. Belangloses, was den  Leser nicht interessiert.

Ein Highlight war immer die Computerschachschule von Carsten …, der regelmäßig Schachprogramme zerlegte und die Partien stolz präsentierte. Manche Leser halten diesen Spieler für einen Gott, andere für einen Komiker. Unterhaltsam war es allemal.

Die Internetseite der Rochade war, nun ja, was war sie eigentlich? Es waren die Ausgaben der Rochade darauf gelistet, mehr aber nicht.

All diese Absurditäten und Kuriositäten machten die Schachzeitung schon wieder zu etwas Besonderen. Keine durchgestylte Zeitschrift war die Rochade, sondern eine liebevoll gemachte Zeitung mit Macken. Als Leser fühlte man sich wie in einer Ehe. Man geht sich auf den Keks, hat sich aber doch aneinander gewöhnt.

Seit 1.1.2015 wird die Rochade Europa nun von der Sensei Handels GmbH herausgegeben. Dieser kleine Verlag hat eher Bücher aus dem Sparten Gesundheit und Kampfsport im Programm. Titel wie „Bandscheibengeflüster“ und „Bruce Lee’s Nunchaku in Action“ lassen aufhorchen. Aber es gibt mit „Die Königsindisch Bibel“ auch ein Schachbuch im Verlagsprogramm.

Wie im Internet hier und da zu lesen ist, soll sich die Rochade nun stark verändern. Die Seite sollen bunter, die Inhalte straffer (mehr Text und weniger seitenlange Tabellen?) und die Regionalteile eingestampft bzw. zu einem Deutschlandteil zusammen gefasst werden?

Schon liest man im Internet wieder viele Kommentare, die die geplanten Änderungen sehr kritisch sehen. Das Schachkid glaubt aber, dass man dieser neuen Rochade eine Chance geben sollte. Möglicherweise kämpft die Zeitung gar ums wirtschaftliche Überleben.

Fakt ist, dass die  Zeitungsbranche einem starken Wandel unterworfen ist. Verkäufe von Zeitungen gehen zurück. Der Leser hat sich an kostenlose Inhalte im Internet gewöhnt. Das wirkt sich auf Zeitungen und Zeitschriften negativ aus, erst Recht auf Nischenblätter wie eine Schachzeitung.

Die Rochade hatte ihre Schwächen und war nicht mehr zeitgemäß. Möchte eine Schachzeitung überleben, ist Qualität und die Konzentration auf ihre Kernthemen gefragt. Das Geschäftsmodell, die billigste Schachzeitung am Markt zu sein und durch eine große Anzahl von Verkäufen zu leben, scheint fragwürdig. Zumindest in anderen Branchen sieht man, dass derartige Geschäftsmodelle bei einem eng begrenzten Absatzmarkt schwierig durchzusetzen sind.

Ein Relaunch der Rochade, eine inhaltliche Straffung und vielleicht die Entwicklung einer lebendigen Internetseite sind Schritte, die der Rochade gut tun werden. Das Schachkid ist jedenfalls gespannt auf die neue Rochade und hat daher heute sein Jahresabo verlängert.

Briesen überrascht mit Unentschieden

In der Regionalliga Ost traf die Briesener Mannschaft am 18. Januar auf Rüdersdorf II, die in Bestbesetzung antrat. Die Rüdersdorfer stellen nicht nur eine der jüngsten Mannschaften der Liga, sondern brachten auch drei Damen mit, was insgesamt für eine optisch ansprechende Mannschaft sorgte. Auch die Briesener steuerten zwei Damen bei. Kurz, Briesen war an diesem Wochenende das Epizentrum des Damenschachs.

Was Briesen jedoch nicht daran hinderte, gleich einen Punkt abzugeben. Mangels Spieler fuhr der Rüdersdorfer Bernhard Rutschke am ersten Brett den Punkt ein. Für das achte Brett flog der SV Briesen mit Anja Braun gar Ersatz aus Berlin ein.

Am zweiten Brett traf Philipp Heinrich auf den Rüdersdorfer Moritz Petersen. Beide erlebten ein Deja Vu, hatten beide doch einen Tag  zuvor erst beim Schachopen in Leegebruch die Klingen gekreuzt – leider mit unglücklichen Ausgang für Heinrich. Diesmal lief es besser. Petersen etablierte eine Bauernkette entlang der Diagonale a7-d5, die in einem Springer auf d4 gipfelte. Heinrich stand gedrückt, hielt aber dem gegnerischen Angriff stand. Logische Konsequenz: Man einigte sich auf Remis. Der Briesener kam pünktlich zum Mittagessen, der Rüdersdorfer widmete sich der Differenzialrechnung. 1,5 – 0,5 für Rüdersdorf.

Vicky Eue am fünften Brett spielte ungewohnt zahm und ließ ihr flottes Angriffsschach vermissen. Patrick Giese lies sich anstecken. Schnell waren 20 Zügen herunter gespielt, viele Figuren abgetauscht und eine Stellung mit remislicher Tendenz auf den Brett. Die Briesenerin wiegte sich in Sicherheit und ließ prompt einen Läufer stehen. Ein Mehrbauer versprach Hoffnung und Kompensation. Giese roch Lunte und wollte wiederum gewinnen. Dies weckte wiederum den Ehrgeiz von Eue, die nun alle Verteidigungskünste aufs Brett warf. Beide Könige eilten zum Königsflügel, Gemetzel unter den Bauern, Giese nahm den falschen Bauern, Punkt für Briesen und Ausgleich zum 1,5 – 1,5.

Das dritte Brett wirkte noch recht verschlafen. Olaf Budach schaute recht müde aus der Wäsche und versuchte, mit Kaffee und frischer Luft in Schwung zu kommen. Es half nix, nach 9 Zügen stand die Uhr nur noch die Uhr nur noch bei 1:09, während Robert Richter auf 1:40 kam. Dann gab Budach Gas und belagerte einen gegnerischen Isolani auf d5. Richter jedoch, vom Vortag in Leegebruch von taktischen Finessen Briesens gewarnt, verteidigte zäh und zwang den Briesener ins Dauerschach. Punkteteilung in ausgeglichener Stellung und ein Stand von 2 – 2.

Unsymmetrisch ging es bei Volker Heinrich gegen Anna Voigt am sechsten Brett zu. Der Briesener konzentrierte seine Figuren am Königsflügel, die Rüdersdorferin am Damenflügel. Nach taktischen Geschiebe mit Abtausch ging es weiter mit der Unsymmetrie. Heinrich hatte einen Bauern mehr am Damenflügel, Voigt einen Bauern mehr am Königsflügel. Jedoch konnte keine Seite einen Durchbruch finden. Beide Spieler wirkten zunehmend genervt, schauten nach den Mannschaftskameraden und einigten sich in ausgeglichener Stellung auf Remis. 2,5 – 2,5 stand es nun.

Kritisch beäugte der Briesener Schatzmeister Marco Belling seine Stellung. Immer wieder die Stirne runzelnd schien er sehr unzufrieden. Dazu gab es keinen Grund. Die Stellung gegen seine Gegnerin Madleen Walther sah symmetrisch und ausgeglichen aus. Jedenfalls bis 12.00 Uhr Mittags. Dann griff die Rüdersdorferin an, lavierte geschickt mit der Dame um die eigenen Bauern herum und brach auf b2 in die weiße Stellung ein. Ähnlich sah es am achten Brett aus, als ob sich die Rüdersdorferinnen zum Angriff verabredet hatten. Belling hatte einen isolierten Bauern auf d4 zu beklagen. Die Gegnerin verschmähte den Isolani und räumte lieber den gegnerischen Damenflügel ab. Belling hatte nun einige Bauern weniger und sah schweren Zeiten entgegen. Zeit war jedoch genau das, was Walther fehlte. So gab es ein Remisangebot, der Schatzmeister willigte freudig ein. 3 -3, keine Mannschaft führt.

Anja Braun bekam es am achten Brett mit Carolin Wolf zu tun. Letzte tausche geschickt ab und verpasste der Briesenerin eine isolierten Doppelbauern auf der a-Linie. Wolf geriet allerdings in Entwicklungsnachteil, der gesamte Damenflügel stand noch auf der Grundreihe. Braun suchte ihr Heil im Angriff am Königsflügel, der lange gut aussah, aber letztendlich nicht voll durchdrang. Wolf holte in der Figurenentwicklung auf und gewann einen Bauern auf der a-Linie. Beide Damen rangen in den nächsten Stunden verbissen um jeden minimalen Vorteil. Schließlich brach Wolf mit der Dame auf b2 in die Stellung der Briesenerin ein. Eine Leichtfigur ging verloren. Nach reichlich Abtausch hisste Anja Braun die weiße Flagge. Rüdersdorf liegt nun mit einem Punkt vorn.

Kellner am 6. Brett spielte wieder einmal die längste Partie des Tages. Uwe Becker. erkältungsgeschwächt und dick eingemummelt, eröffnete mit f4. Die Bird-Eröffnung war dem Briesener völlig unbekannt. So verlor Kellner alsbald unnötig einen Bauern und stand sehr gedrückt. Der Briesener bot Remis, der Rüdersdorfer lehnte ab. Was der Briesener verstand, er hätte das Remis auch nicht genommen. Becker fand jedoch nicht den Gewinnweg und ließ den Abtausch seines starken schwarzfeldrigen Läufers zu. Kellner etablierte einen Bauern auf der 7. Reihe, gewann dann den Bauern zurück, dann noch einen Bauern und dann die Qualität. Nach einem Bauernrennen zog Kellner mit dem Bauern zuerst ein. Becker streckte einem Zug vor dem Matt die Waffen. Der Sieg bringt den Ausgleich und das 4 -4.

Fazit – Ein sehr glückliches aber auch nicht unverdientes Remis für die Briesener und spannende Partien an allen Brettern.

Turbulenzen in Leegebruch

Ganz aufgeregt fuhr das Schachkid am 17.1.2015 nach Leegebruch, als Teil einer riesigen Briesener Delegation. Würde das Schachkid heute endlich die 1600 knacken können?

Bei Turnieren diesen Formates ist alles möglich. Von drei aus drei bis hin zu null aus drei Punkten. Man spielt gegen drei gleichstarke Gegner in einer Gruppe jeder gegen jeden. Man hat 60 Minuten für 30 Züge, und 30 Minuten für den Rest der Partie. Die Zeit ist zu kurz für gründliches Nachdenken aber zu lang, um als Ausrede für Schnitzer a la Schnellschach zu dienen. Und man ist, wenn man im Extremfall drei Runden an einem Tag über die volle Bedenkzeit spielt, einfach nur noch platt.

Es ließ sich in der ersten Runde gut an. Das Schachkid war mit zwei Senioren und dem Jugendlichen Robert Richter in einer netten Gruppe gelandet.

Das Schachkid spielte in der ersten Runde einen verkorksten Engländer gegen Arnold Tefs aus der Pferdegegend um Wittstock herum. Irgendwie fühlte sich das Schachkid in seiner Stellung nie so richtig wohl, obwohl ein echter Nachteil nicht recht zu erkennen ist. Dennoch hat Schwarz beständig die Initiative. Erfreulicherweise hatte Arnold eine kurze Nacht gehabt. Er hatte am Vorabend bis um 23.30 Uhr Schach gespielt. So nahm der spätere Gruppensieger das Schachgebot des Schachkids an.

Papa Mylke und Tochter Mylke gewannen beide ihre Partien. Tochter Mykle schaffte dies sogar mit Turm und Läufer weniger. Das Glück ist eben mit dem oder hier der Tüchtigen. Der Geocacher Dirk holte ein Remis.

Regelrecht vom Pech verfolgt während des Turnieres die Cheffamilie des SV Briesen. Der Junior spielte seit langer Zeit mal wieder ein Turnier. Vermutlich wird es auch für lange Zeit das letzte Turnier gewesen sein, denn er nullte durch. Oder den Junior packt nun der Ehrgeiz, was das Schachkid sehr freuen würde.

Die Chefmutter hatte derweil einen Zusammenstoß mit einem anderen netten Schachfreund. Dieser hatte eine leckere Schüssel Soljanka bei und kippte diese nun aus, und zwar über den Arm der Chefmutter. Resultat: Ein verbrannter Arm, der für den Rest des Tages unter Dauerkühlung stand.

Die Kunde vom nächsten Zusammenstoß kam per Telefon. Der Chefvater hatte sein Auto zerlegt, blieb glücklicherweise aber unverletzt. Die Tochter des Hauses schien das drohende Unheil schon geahnt zu haben. Sie blieb gleich im Bett, statt wie geplant mitzuspielen.

In der zweiten Runde ging es gegen den Senior Günter Cansy. Dieser hatte in der ersten Runde über die volle Bedenkzeit gespielt. Und so hoffte das Schachkid auf einen erschöpften Gegner. Dieser war jedoch überraschend vital und wehrte sich zäh. Das Schachkid schob und drohte und drückte gegen die gegnerische Stellung. Doch das Schachkid fand einfach keinen Gewinnweg, also wieder nur Remis. Schwarz wählte den Panov-Angriff. Eine sehr dynamische Variante, die sich das Schachkid noch nicht angeschaut hat, aber für Weiß im Caro-Kann eine echte Alternative zu sein scheint.

Bei Schachturnieren lernt man bekanntlich für das Leben, vor allem in den Pausengesprächen. Politische Diskussionen brachen aus. Lebenserfahrene Schiris außer Dienst (sehr konservativ eingestellt) diskutieren mit motivierten Jungvolk (sozial motiviert). Weiter gings mit Spieltaktiken. Erkenntnis des Tages: „Kinder und Rentner muss man totsitzen.“ Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, von wem dieser Satz kam. Der Redner meinte, dass die Kinder nach einer halben Stunde ihre Konzentration verlieren und Fehler machen. Was der Redner mit den Rentnern meinte, wagt das Schachkid nicht zu spekulieren.

Das Schachkid kann den Robert Richter gut leiden. Aber das Schachkid hat so seine Probleme mit dem Robert Richter. Denn der Robert Richter hat das Schachkid schon zweimal ganz brutal umgenietet. So sah das Schachkid auch mit Bangen dem Spiel mit Robert Richter entgegen. Wie sich raus stellte, zu Recht. Das Schachkid ist ganz fasziniert von dem Umstand, wie oft man die Namen Schachkid und Robert Richter in einen Absatz nennen kann.

Diesmal klappt es mit dem Engländer besser. Das Schachkid gewinnt einen Bauern und steht bis zum 18. Zug ganz passabel. Aber nach 19.d4 bricht die Stellung, für das Schachkid total unverständlich, auf einmal zusammen. Schwarz spielt f4, bekommt einen Riesenangriff. Schwarz tauscht falsch ab und mauert dann noch seinen hilflosen König ein. Das wars…

Aber halt… Das Schachkid dachte sich bei 24.Tg1. Man kann ja mal gegen den König drohen, vielleicht hilft es ja was. Und es half. Der arme Robert übersah das Mattt auf g7, ein glücklicher, aber unverdienter Sieg fürdas Schachkid. Robert spielte den Angriff auf den König sauber durch. Ein früheres Tbf8 oder ein Sf4 und das Schachkid hätte das Brett aus dem Fenster werfen können. Spannend war es allemal.

Das beste Ergebnis, den 1. Platz in der U-Gruppe, legte der erst neunjährige Bruno hin. Das Schachkid konnte diesen beim letzten Training beobachten. Er, also Bruno nicht das Schachkid, spielte wirklich gut. Da wächst vielleicht ein neues Briesener Schachtalent heran. Die restlichen Briesener belegten in ihren Gruppen die Plätze 2-4, perfekt wie eine Gaußsche Verteilung.

Das Schachkid hat ungefähr 18 DWZ gewonnen, für die 1600 hat es nicht gereicht. Das Schachkid ist nicht unzufrieden, aber auch nicht zufrieden. Zwar hat das Schachkid keine Partie verloren, aber auch keine Partie aus eigener Kraft gewonnen. Im Gegenteil, bei einem Remis stand das Schachkid leicht schlechter. Beim nächsten Remis fand das Schachkid den Gewinnweg nicht. Und der Sieg war sehr glücklich und unverdient. Fazit: Das Schachkid steuert auf die 1600 zu. Das scheint auch der momentane Leistungsstand zu sein. Am Aktienmarkt würde man sagen, die Aktie ist fair bewertet. Aber ein höheres Leistungsniveue zu erreichen, wird noch viel Trainingsarbeit erfordern.

Quo Vadis Schachvereine?

Das Vereinssterben ist ein Phänomen, was im Schachsport erschreckend um sich greift. Das Schachkid ist in den 90er Jahren aufgewachsen. In Thüringen gab es viele kleine Schachvereine. Dies hatte sicherlich historische Gründe. Möglicherweise war in der ehemaligen DDR das Vereinsleben sehr ausgeprägt. Man konnte nicht weg und schuf sich eine kleine Heimat.

Viele dieser kleinen Vereine retteten sich über die Wende, und nun begann die unterschiedliche Entwicklung der Schachvereine. Einige begannen, Nachwuchsarbeit zu leisten und entwickelten sich zu Zentren des Schachsports. Viele Vereine machten jedoch keine Nachwuchsarbeit. Mitglieder starben oder zogen um. Schließlich lösten sich viele Vereine in Südthüringen auf. Das Schachkid denkt mit Bedauern daran, dass das noch nicht das Ende ist.

1996 reiste das Schachkid nach Franken zu einem Turnier und fand sich in einer anderen Schachwelt wieder. Hier gab es nur wenige Vereine in mittelgroßen Städten. Diese hatten aber eine beachtliche Größe. Als Bewohner Frankens musste man unter Umständen aber schon einmal 25 km zum nächsten Verein fahren. Hatte hier schon die Vereinskonzentration statt gefunden, die Thüringen gerade lief?

Eine ganz andere Kultur erlebte das Schachkid 1999/2000 in Bonn und später auch in Berlin. Hier gab es Betriebssportvereine, die sich jedoch auch betriebsfremden Mitgliedern offen zeigten. So spielte das Schachkid einige Monate bei der Betriebssportgemeinschaft des Deutschen Bundestages mit, der seinerzeit noch in Bonn saß. Einmal bekam das Schachkid eine Privatführung durch den Bundestag und nahm auf den Stuhl des Kanzlers Platz.

Die Kultur der Betriebssportvereine ist offensichtlich vornehmlich eine Erscheinung der alten Bundesländer. Aber das Schachkid hat auch hier den Eindruck, dass diese Vereine langsam überaltern und aussterben. Auch in der DDR schien es Betriebsschach gegeben zu haben. Die Betriebe machten dicht, die Vereine retten sich über die Wende. Manche, wie Gaselan Fürstenwalde, lösten sich auf. Andere wie der SV Briesen überlebten.

Geradezu eine apokalyptische Situation fand das Schachkid in Brandenburg vor, Hier gibt es Landkreise, wo nur einen oder gar keinen Schachverein gibt. Andererseits gibt es Neugründungen wie den SV Leegebruch, der in diesem Jahr 10-jähriges Jubiläum feiert.

Doch woran liegt es? Lässt die Gesellschaft, der Druck durch Job und Familie, kein Engagement im Verein mehr zu? Oder sind Vereine einfach out und haben sich überlebt? Selbst in seiner Heimat erlebte das Schachkid dramatisches.

Das Schachkid nutzte seinen Heimaturlaub, um bei seinem alten Schachverein vorbei zuschauen. Hier hatte das Schachkid anno 1991 begonnen, Schach  zu lernen.

Der Verein wurde 1904 gegründet und feierte heuer sein 110-jähriges Jubiläum. Der größte Sportverein in der Heimat des Schachkids deckt viele Sportarten ab, darunter neben dem sehr populären Judo auch Exotisches wie Orientierungslauf und eben Schach.

In den 90er Jahren hatte die Schachabteilung eine hohe Blüte erreicht, was nicht zuletzt Verdienst des Abteilungsleiters war. Dieser war viele Jahre als Lehrer tätig und hat viele Kinder und Jugendliche für Schach begeistert, u.a. auch das Schachkid. Seinerzeit hatte der Verein eine sehr starke Jugendabteilung und hohe Mitgliederanzahl. Heute hat der Verein noch beachtliche 30 Mitglieder.

Das Schachkid war erschüttert, als es nun auf seinen Verein und die laufende Diskussion traf. Der Schatzmeister ist 80 Jahre alt, der Vorsitzende 70 Jahre, beide gesundheitlich angeschlagen. An beiden Personen hängt jedoch die gesamte Vereinsarbeit. Beide wollen verständlicherweise ihre Ämter abgeben. Allein, es findet sich keiner, der es machen will.

Das ist umso unverständlicher, da der Verein über eine durchaus gesunde Mitgliederstruktur verfügt. Zwar fehlt es an Nachwuchs. Aber vor allem die Generation der 30-50-jährigen ist stark vertreten. Viele wohnen und arbeiten in der Umgebung. Nicht alle haben Familie. Beste Voraussetzungen, die Vorstandsarbeit auf breite Schultern zu verteilen. Allein es fehlt die Bereitschaft, ein Amt zu übernehmen oder gar Nachwuchsarbeit zu leisten.

Wie kann es soweit kommen? Über mehrere Jahrzehnte haben die gleichen Personen ehrenamtlich die Vorstandsarbeit geleistet und viel für den Schachverein getan. Haben Sie so gut gearbeitet, dass andere Vereinsmitglieder sich nicht berufen fühlten, mitzuarbeiten? Oder haben die handelnden Personen es versäumt, Arbeit abzugeben, die Arbeit in Teilaufgaben auf einen größeren Personenkreis zu verteilen? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Der Leser wird aber die Situation aus seinem eigenen Verein kennen. Oftmals hängt das Vereinsleben am Engagement einzelner Personen.

Das Schachkid sieht dies mit Trauer. Schließlich hat es bei seinem ehemaligen Verein das Schachspiel erlernt, hatte viele fröhliche Stunden und traf hier auch eine große Liebe. Aber das Schachkid prophezeit, dass es diesen Verein in zwei Jahren nicht mehr geben wird, wenn manche Vereinsmitglieder nicht bald aufwachen und etwas Biss und Engagement zeigen. Bei Einzelnen ist zu erkennen, dass sie wollen, aber sich nicht recht trauen, die Dinge beherzt in die Hand zu nehmen. Das Schachkid drückt die Daumen und wünscht sich inständig, dass sich seine Prophezeiung nicht erfüllt.

Vorweihnachtliches Blitzen in Breitungen

Am 20.12.2014 begab sich das Schachkid zum traditionellen Breitunger Weihnachtsblitz. Dieses Turnier wird seit vielen Jahren zu Ehren des Breitunger Bernd Lückert abgehalten. Ein Breitunger Spieler mit Herz, der leider vor einigen Jahren beim Arbeiten vom Dach fiel.

Zu diesem Turnier darf nicht jeder, nur nette Leute sind Willkommen. Man benötigt eine Einladung des Breitunger Zeremonmienmeisters Uwe Römhild. Den das Schachkid seit vielen Jahren kennt. War Uwe Römhild doch einstmals Jugendwart und das Schachkid mal jugendlich. Erstgenannter führt einen interessanten Wanderblog.

Breitungen ist eine alte Gemeinde, Tamara Danz, ehemalige Frontfrau der Band Silly wurde hier gebohren. Die Schachsegel hält die SG Barchfeld / Breitungen hoch.

28 Spieler hatten sich eingefunden, um die Klingen zu kreuzen.  Gespielt wurde im schönen Hotel Waldhaus Wittgenthal, eine urige Gastlichkeit, wie es das Schachkid mag.

Die Schachszene in Südthüringen zeichnet sich durch allerlei skurrile Gestalten aus. Das liegt daran, dass der Thüringer an sich in seinem Dorf in einem Tal, umgeben von hohen Bergen, lebt. Jedes Tal spricht seinen eigenen Dialekt. Hier kommt man einfach nicht raus, im Winter sowieso nicht.  Deswegen herrscht hier so eine verschrobene Gemütlichkeit.

Der Zauberer war da, mit passender Mütze. Psycho ist nun bekennender Buddist und stellt einen kleinen Buddagarten ans Schachbrett, siehe unten. Die Breitunger Jugend glänze mit Anwesenheit. Ebenso der Oberförster, der  im Brotteroder Wald für Ordnung sorgt, aber komischerweise in Wenshausen wohnt, dafür aber beim SV Schmalkalden 04 spielt. Ein singender Zahnarzt war zugegen, ein Obergymnasiallehrer aus der Rhön, eine Feldmaus umrahmt von sonstigen Getier und natürlich das Schachkid aus der Brandenburger Steppe.

Statt jeder gegen jeden zu spielen, muss der Meister wieder einen skurrilen Modus anwenden, den er vom Dresdner 24h-Blitz aufgeschnappt hat, den aber keiner versteht. Die Anwesenden werden in Gruppen zu je vier Spielern aufgeteilt. Jeder spielt gegen jeden. Je nach Resultat steigt man in eine andere Gruppe auf oder ab. Wenn man in der besten Gruppe A siegt, steigt man in die schlechteste Gruppe F auf, was ja eigentlich ein Abstieg ist. Wie gesagt ist dieser Modus ohne ausreichend Schwarzbier aus den Thüringer Tiefen nur schwer nachvollziehbar.

Das Schachkid selbst hat das Turnier mit zweifelhaften Ergebnis absolviert. Um 19.00 Uhr ging es los. Bis 22.20 Uhr hatte das Schachkid 8 aus 12 Punkten geholt und war mit sich sehr zufrieden. Danach wurde das Schachkid müde und brachte bis 0.30 Uhr nichts meehr zustande. Eine Partie nach der anderen verlor das Schachkid, u.a. gleich dreimal gegen den Breitunger Zeremonienmeister. Das Schachkid ließ dreimal wahlweise die Dame oder den König im Schach stehen. Dafür bekam das Schachkid einen Sonderpreis, einen Gutschein für einen Optiker.

Der Meister hielt weiter an seinem merkwürdigen Auslosungssystem fest. So landete das Schachkid dreimal in der gleichen Gruppe mit den gleichen Spielern. Der Meister war auch darunter. Ein Schelm, wer das nicht merkwürdig findet.

Etwas überraschend gewann einer der besten Kumpel des Schachkids, Schachtommy auch genannt Thomas Lesser. Dieser hatte gegenüber der favorisierten Jugend um den Exileisenacher Christian Böhm, Psycho und dem Zauberer einen wesentlichen Vorteil. Er ist nüchtern geblieben. Die Jugendbande (alle schon über 20 Jahre) widmete sich im abendlichen Verlauf dem Whisky, was für die gespielten Schachpartien nicht ohne Folgen blieb. Dafür war die Jugend komplett im Anzug aufgelaufen und sah schnieke aus.

Das Schachkid würde an dieser Stelle auch gerne eine Tabelle veröffentlichen, wenn es diese denn vom Meister bekäme. Das Schachkid wird sich Mühe geben, die Ergebnisse noch zu beschaffen.

 

Runde 1 Runde 2 Runde 3 Runde 4 Runde 5 Runde 6 Punkte Runde 8 Runde 7
Name Tisch Punkte Tisch Punkte Tisch Punkte Tisch Punkte Tisch Punkte Tisch Punkte gesamt Tisch Punkte Tisch Punkte
Lesser,Thomas D 1,5 F 3 B 2 D 3 B 2 B 2 18 A 2 A 2,5
Böhm,Christian A 3 D 2,5 G 2,5 C 2,5 A 2 A 2,5 18 A 1,5 A 1,5
Feldmann,Bernd B 2 D 2,5 F 2,5 A 1,5 C 2,5 B 2,5 17 A 1,5 B 2
Meyer,Thomas E 2 A 3 D 2,5 G 2,5 A 1,5 A 0,5 16 A 1 A 3
Klingler,Lutz D 2 G 3 C 2,5 F 3 A 2 A 1 16 B 1,5 A 1
Roth,Ralf F 2,5 B 1 B 3 E 2,5 C 2 B 1 15,5 B 2 B 1,5
Crivellaro,Heiko A 2 C 2,5 F 2,5 B 2,5 B 1 C 2,5 15,5 B 1 B 1,5
Hübschmann,Holger B 1,5 C 2,5 E 2,5 A 3 B 0 C 1 15,5 C 3 C 2
Geißhirt,Marco B 2,5 E 3 A 2,5 D 2 B 3 A 0 15 B 1,5 B 0,5
Essegern,Uwe A 1 B 2,5 E 1,5 F 1,5 D 2,5 C 1,5 14 C 1,5 C 2
Krannich,Steffen D 1 D 0,5 E 2 G 2,5 D 1 D 2,5 14 D 2,5 D 2
Willner,Holger G 2 B 1,5 D 2,5 F 1,5 C 1,5 C 2 13 C 1,5 C 0,5
Römhild,Uwe F 1,5 G 2 B 0,5 B 1 E 2 D 1,5 13 D 2 D 2,5
Jung,Florian C 3 F 2 A 2,5 C 2,5 A 0,5 B 1,5 12 C 0 C 0
Schmidt,Kevin F 2 A 2 C 2 E 1 D 2 D 1 12 D 1,5 D 0,5
Theer,Tino G 2 C 1 D 0,5 E 1 E 2 E 1,5 12 E 2 E 2
Landsiedel,Steffen D 1,5 E 0 E 0 E 1,5 F 2 F 2 11,5 E 1,5 E 3
Reum,Lutz E 2 F 1 G 1,5 A 1,5 D 0,5 E 2 11,5 E 1,5 E 1,5
Reum,Jonathan E 2 G 1 A 1 B 0,5 E 1,5 E 3 10,5 E 1 F 0,5
Hachmann,Wilfried B 0 B 1 C 1 D 1 F 2 F 1 10,5 F 3 F 1,5
Kellner,Rene C 2 E 2 G 2 B 2 C 0 D 1 10 D 0 D 1
Wolf,Tristan G 2 A 1 B 0,5 C 1 E 0,5 E 0,5 9 F 1,5 E 2
Röhl,Hannes E 0 E 1 F 1 G 1 F 0,5 F 2 9 G 3 G 0,5
Klingler,Louis C 0 C 0 C 0,5 C 0 G 3 G 0 7,5 G 2 F 2
Kasper,Enrico C 1 D 0,5 D 0,5 D 0 F 1,5 F 2 7 F 0,5 F 1
Amstein,Hannes A 0 A 0 A 0 A 0 G 2 G 2 7 F 0,5 G 2,5
Schuchardt,Jannes F 0,5 F 0 F 0 F 0 G 1 G 2 6 G 1 G 1,5

Liebenswerte Verrückte bei Schacharena-Treffen

Am 15.11.2014 fuhr das Schachkid zum Berliner Usertreffen der Internetseite Schacharena. Diese Seite bietet verschiedene Möglichkeiten des Schachspieles. Das Schachkid wird die Seite in einen anderen Artikel ausführlich vorstellen. Neben Vereinsspielern tummeln sich hier in der Mehrheit Freizeitspieler, die nicht an einen Verein gebunden sind und Schach Just for Fun spielen. Entsprechend locker und unverkrampft geht es hier zu, während Vereinsspieler oft ehrgeizig und etwas verbissen sind. Um die Schacharena herum hat sich eine Community gebildet, die sich bundesweit zum Stammtisch trifft.

Heuer traf man sich im Brauhaus Lemke gegenüber dem schönen Schloss Chalottenburg. Das Brauhaus Lemke glänzt durch eine gewisse Rustikalität, leckere Steackteller und hausgemachtes Bier. Sowas mag das Schachkid.

Beim Usertreffen findet sich alles ein, Männlein wie Weiblein, von 14 bis 70 Jahren. Nach gemeinsamen Essen ging es zum Spaziergang und Führung durch den schönen Schlosspark des Schlosses Charlottenburg. Nur schade, dass der Weihnachtsmarkt noch nicht offen war. Das Schachkid und die Märchenfee, Organisatorin des Usertreffens und meistgeklicktes Profil 2014 bei Schacharena, versuchten, ein gemeinsames Selfie zu machen.  10 Fotos, 10 mal Bäume fotografiert. Passanten eilten zu Hilfe.

Nun ging es hoch her im Brauhaus Lemke. Ein Schnellschachturnier wurde veranstaltet. Anwesende Gäste schauten erstaunt zu. Herrlich ungewzungen lief das Turnier ab. So ganz anders als von Vereinen organisierte Schachturniere. Das Schachkid landete im Mittelfeld und gewann eine Wasserwaage. Darauf ist das Schachkid sehr stolz, denn es besaß noch keine Wasserwaage.

Zwischenzeitlich tauchte auch der Schachwizard auf und komplettierte die Runde. Gutes Timing, denn man wechselte zum Skat über. Der Schachwizard hat sich zu einem passablen Skatspieler entwickelt, aber hier hat das Schachkid mal die Nase vorne. Denn das Schachkid kommt aus Thüringen, dem Mutterland des Skats, wo man selbiges mit der Muttermilch aufsaugt.

Das Schachspieler ehrliche und nette Menschen sind, zeigte sich hinterher. Das Schachkid hatte sein geliebtes Schachbrett vergessen. Dieses hat es vor 25 Jahren von seiner Oma geschenkt bekommen. Damit hat das Schachkid das Schachspiel erlernt. Das Schachbrett besitzt einen gewissen ideellen Wert. Prompt meldete sich am nächsten Tag ein Spieler beim Schachkid und verkündete, er habe das Schachbrett mitgenommen. Wenige Tage später bekam das Schachkid sein Brett zugeschickt.

Das Schachkid freut sich schon auf das nächste Usertreffen und möchte jeden Interessierten die Schacharena samt Usertreffen empfehlen.