Archiv für November 2014

Verbohrte Spieler in Weißensee

Das Schachkid machte sich am 29.11.2014 auf den Weg nach Berlin Weißensee zum Schnellschachturnier der Grand Prix Serie 2014/15 bei der SG Weißensee. Bei dieser Schnellschachserie können sich die Gewinner für ein finales Schnellschachturnier qualifizieren. Ganz entspannt warf das Schachkid beim Frühstück einen Blick auf die Teilnehmerliste. Das Schachkid war stolz auf seine funkelnagelneue 1547 DWZ und glaubte sich im Mittelfeld. Von wegen! Die Berliner Turniere sind stark besetzt, das Schachkid stand auf Platz 48 von 56.

Frohgemut fuhr das Schachkid trotzdem los, wie immer zu spät. Mit 170 km/h brauste es den östlichen Berliner Ring hinauf, aufgepeitscht von den Danceklassikern der 90er auf Sunshine Live, wo Onkel Kurti einen fantastischen Mix spielte.

Mit 46 Teilnehmern nahmen beim 10-jährigen Jubiläum fast 20 Spieler weniger als 2013 teil. Frank Walther als Vertreter des gastgebenden Vereins eröffnete das Turnier. Er hat ein beeindruckendes Stimmvolumen. Das Schachkid vermutet, dass er als Opernsänger arbeitet, oder als Musiklehrer.

Um Verwerfungen im Teilnehmerfeld zu verhindern, wollte der Ausrichter nur sieben statt neun Runden spielen. Das freute das Schachkid, weil es um 16.00 Uhr zu einem Weihnachtskonzert der Wiener Sängerknaben nach Potsdam wollte. Prompt meldete sich ein Spieler lautstark zu Wort. Ob eigentlich jemand die anwesenden Spieler gefragt habe. Er habe Startgeld (12 Euro) für neun Runden bezahlt. Nun wolle er auch neun Runden spielen. Man müsse sofort abstimmen. Dem Turnierleiter war es einerlei, er setzte neun Runden an.

Dem Schachkid sind solche Leute zutiefst zuwider. Es mag keine Menschen, die allzu verkrampft durchs Leben gehen, alles voller Ernst und ohne Spaß betreiben und gemäß dem deutschen Klischee auf Formalitäten bestehen. So wie dieser unsympathische Spieler, der total empört und lautstark forderte, für 12 Euro zu erhalten, was ausgeschrieben war. Dem Schachkid braust es.

Das Schachkid stieß zum Ausgleich auf die gechillte Familie Georgi aus Fürstenwalde. Dementsprechend empfahl Vater Georgie auch gleich dem Film „Es lebe der Zentralfriedhof“. Das Schachkid wird es googeln. Die Rechtschreibhilfe des Tablets macht an dieser Stelle aus googeln immer vögeln, nur Gott allein weiß warum.

Der Vater, der jede Partie seines Sprösslings abfilmt,war wieder da. Stefan Lippianowski, Spitzname Lippi, war auch mit da. Von diesem Spieler ist das Schachkid sehr beeindruckt. Lippi sitzt im Rollstuhl, scheint spastisch gelähmt zu sein und benötigt stets einen Betreuer. Trotzdem spielt er Schnellschach, nicht sehr gut, aber voller Lebensfreude. Der Betreuer macht die Züge, Lippi zeigt die Felder auf einem Blatt Papier. Das Schachkid fragt sich ernsthaft, ob es selbst soviel Lebensfreude im Rollstuhl empfinden könnte.

In der ersten Runde bekam es das Schachkid mit Holger Niese zu tun. Das Schachkid wollte Caro-Kann spielen, konnte sich aber beim besten Willen nicht an den ersten Zug erinnern. D6 war es jedenfalls nicht. Nachdem das Schachkid noch einen Läufer stehen ließ, holte es sich erst mal einen Kaffee.

In der zweiten Runde rückte mit Günther Ahlberg ein Senior an. Genauer gesagt begann die Runde und der Senior, der die schwarzen Steine führen sollte, war nirgends zu sehen. Da das Schachkid ein sehr höflicher Mensch ist, drückte es nicht die Uhr, sondern wartete ab. Nach drei Minuten kam der Senior, drückte noch im Stehen die Uhr,setzte sich dann und gab dem Schachkid erst dann die Hand, dass dieses seinen ersten Zug machen möge. Das Schachkid war sprachlos ob dieser Unhöflichkeit und hofft inständig, mal ein lieber und entspannter Senior zu werden. Die Partie verlor das Schachkid unspektakulär. In der slawischen Variante der englischen Eröffnung opferte das Schachkid den c- Bauern, um Druck auf b7 auszuüben. So hatte es das Schachkid in einem Buch gelesen. Leider verlor das Schachkid noch zwei Bauern. Der Senior hatte eben Lebens- und Spielerfahrung.

In der dritten Runde war das Schachkid nicht in der Lage, die 2m Weg vom Aushang der Auslosung bis zum Brett sich seine Farbe zu merken. So saß es falsch, als mit Jürgen Frischmuth der nächste Senior auftauchte. Der war das ganze Gegenteil vom letzten Senior, wunderbar entspannt und lustig. Man einigte sich fix auf Remis.

Beim Tippen dieser Zeilen wendet das Schachkid den Blick nach rechts und fragt sich, warum Jugendliche Baggyjeans tragen. Dies sind, lieber Leser, besonders tief sitzende Hosen. Vermutlich will die Jugend der Welt mitteilen, dass die blau-rot-weiß karierte Boxershorts trägt. Das Schachkid empfiehlt an dieser Stelle dem männlichen Leser Unterwäsche von Bruno Banani. Da trägt man wenigstens was lustiges drunter. Die Fürstenwalder haben übrigens schon zwei aus drei Punkten, ein starkes Vater-Sohn-Gespann.

Kein guter Tag für das Schachkid. Auch gegen den schwächeren Gabriel Helmich in der vierten Runde sah das Schachkid kein Land und musste traurig die zwei Mehrbauern zur Kenntnis nehmen. Das Schachkid beschloss, sich mit der selbst gemachten Kartoffelsuppe zu trösten. Nach der nächsten Runde wird sich das Schachkid dem anmutig ausschauendem Käsekuchen zuwenden. Nach Meinung des Schachkids ist dieses Turnier ein kulinarischer Geheimtipp.

In der fünften Runde geht es gegen den vermutlich Jüngsten des Turniers, Bao Anh Le Bui, zur Sache. Der kleine kennt sich gut im Caro-Kann aus. Dem Schachkid sind die Züge nach zwei Tassen Kaffee wieder eingefallen. Das Schachkid spekuliert auf die Zeit, denn die Stellung gibt keinerlei Anlass für Spekulationen. Man findet sich im Endspiel wieder. Schachkid hält nach gegnerischen Springergabeln mit Schach Ausschau. Bao hat keine, also zieht das Schachkid seinen Läufer, genau auf ein Feld, was der Springer in Augenschein nimmt. Bao nimmt und das Schachkid geht zum Käsekuchen. Was macht der kleine Bao? Klappt sein Laptop auf, und spielt, was auch sonst, in der Pause Schach.

Nun traf die Auslosung Lippi und das Schachkid. Beide kennen sich bereits aus Falkensee und kreuzten dort vor drei Jahren die Klingen. Damals gewann das Schachkid leicht, diesmal wurde es schwerer. Lippi hat an Spielstärke zugelegt und brachte das Schachkid in der Englischen Eröffnung in Bedrängnis. Leider ließ Lippi in der Zeitnot die Dame stehen. Schönes Spiel, netter Gegner.

Der Gegner Markus Hempel fand die Partie in der sechsten Runde komisch, das Schachkid auch. Es nahm den Punkt trotzdem dankend mit. Komisches geschah auch an den Nachbarbrettern. Der kleine Bao rief J’adoube und rückte eifrig seine Figuren zurecht. Der Gegner und Senior merkte lautstark und missmutig an: „Das machst Du nur einmal und nicht öfter.“ Das Schachkid zuckt hier mal wieder mit den Achseln und fragt sich, warum manche Spieler beim Schach so ernst und verkrampft mit Kindern umgehen.

Gänzlich unverkrampft erklärte am rechten Nachbarbrett ein 14-jähriger seinem 70-jährigen Gegner, dass man bei der langen Rochade erst den König und dann den Turm anfassen müsse und nicht umgedreht. Der Senior nahm den Hinweis lautstark unter Protest zur Kenntnis.

In der achten Runde wurde das Schachkid mit den Waffen einer Frau bekämpft, gegen die das Schachkid bekanntermaßen unempfindlich ist. So gab es ein wildes Gemetzel. Die sympathische Lena übersah den Damengewinn. Das Schachkid wähnt sich im Glück, Remis und einen halben Punkt für beide.

Das Schachkid wendet beim Tippen dieser Zeilen seinen Blick nach rechts und sieht ein kleines Schachkid weinen. Es hat verloren. Der Schiri eilt tröstend herbei und meint: „Merke Dir die Gesichter. In fünf Jahren nietest Du die um.“

Die letzte Runde brachte Ben-Luca Schreiber, ein Berliner Nachwuchsspieler vom SC Kreuzberg. Das Schachkid war schon nicht mehr bei der Sache, da es nach Potsdam zum Konzert der Wiener Sängerknaben aufbrechen wollte. Nach einiger Zeit wurde das Schachkid von Ben-Luca auf den Umstand hingewiesen, dass es soeben Bens Läufer hätte nehmen können. Vor lauter Freude über diesen Hinweis lies das Schachkid drei Figuren in Folge stehen, drei Figuren in drei Zügen. Das soll dem Schachkid erst mal jemand nachmachen.

Aus spielerischer Sicht war das Turnier ein ziemlicher Flop, hat aber trotzdem viel Spaß gemacht. Nette Leute und eine nette Atmosphäre in Weißensee und ein Gastgeber, der in jeder Runde Preise verlost. Das Schachkid wird wieder kommen.

 

Schach ist brutal!

Wenn das Schachkid eine Bombe wäre, wäre es am liebsten am 23. November um 13.23 Uhr in die Luft gegangen. Das war der Augenblick, als das Schachkid nach mehr als vier Stunden Spielzeit und 50 Zügen in besserer Bewertung fehl griff und sich zweizügig matt setzen ließ. Vorher hätte das Schachkid seinerseits einen Bauern zurück gewinnen können und stand laut Engine mit einer Stellungsbewertung von +8 offensichtlich besser. So war der 4. Platz und die Qualifikation zum Finale der Deutschen Amateurmeisterschaft dahin. Das Schachkid ist auch einen Tag später noch sehr wütend.

Trotzdem ist das Schachkid zufrieden. Es hat sich auf 1547 DWZ gesteigert und das zweite gute Turnier in Folge gespielt. Damit sind die miesen Turniere in Forchheim und Frankfurt/Oder wieder wett gemacht und das Schachkid bereit für neue Herausforderungen.

Die namentlich schönste und romantischste Paarung des Turniers heute in der F-Gruppe: Helga Helm und Richard Rosenkranz. Vor dem geistigen Auge des Schachkids tauchen bei diesen schönen Namen Bilder von Lohengrin, Rheingold und Brunhilde auf.

Chefää hat in der letzten Runde trotz massiven Bauchgrimmens remis gespielt. Allgemeine Vermutung war, dass sich Chefää am Buffet möglicherweise übernommen hat. 17 Punkte DWZ-Gewinn sind  ein gutes Ergebnis.

Brauni war an diesem Tag besonders ausgeschlafen, hat aber trotzdem verloren. Macht nix, Brauni hatte am Wochenende so viel Spaß, dass sie mit der Frau vom Chefää, also der Chefiin und dem Schachkid die Vorrunde in Köln spielen will.

Fazit: Ein sehr schönes Turnier, dass sehr gut organisiert ist, ein freundliches Schiriteam hat und Dank des Ambiente des Ramada-Hotels Erholung und auch etwas Luxus bietet. Das Schachkid möchte es auch nicht unterlassen, auf die adretten Kellner hinzuweisen. Brauni weiß Bescheid.

PS. Das Schachkid glaubt, dass dieser Text nicht sehr gelungen ist und fragt sich, ob das hier wirklich jemand liest. Da das Schachkid aber großen Spaß am Schreiben und Schach hat, schreibt es diesen Blog einfach fort, bis es mindestens 2000 DWZ hat.

Kleiner Körper, Großer Denker

„Kleiner Körper, Großer Denker“ – gelesen auf dem Shirt eines Minikids. Dieser Spruch gefällt dem Schachkid sehr. Zeigt er doch das Schöne am Schach. Man darf seinen Gegner niemals unterschätzen. Egal ob Senior oder Kind, jeder kann gewinnen.

Die 3. Partie des Schachkids gegen Ralf Döhne aus Eisenhüttenstadt war fast ein Heimspiel. Briesen und Eisenhüttenstadt liegen nicht weit auseinander. Das Schachkid brachte einen Engländer aufs Brett. Irgendwie fuhr sich die Struktur fest. Das Schachkid fand nie richtig in die Partie und nahm dankbar das Remis des Gegners an. Schwarz steht klar besser. Die beiden schwarzen Springer sind mobiler als die weißen Leichtfguren. Die weißen Bauerm a4 und c4 sind sehr schwach. Das Schachkid weiß nicht recht, wieso die Partie so zäh verlief. Hier verläuft wohl die Grenze zur Denke besserer Spieler, die solch eine Stellung anders einschätzen und anders angehen würden.

Chefää erzielte sein übliches Ergebnis, Remis und das relativ zügig. Brauni kämpfte lange, verlor aber gegen ein kleines motiviertes Schachkid.

Wie richtet man als Besucher im Spielsaal Chaos an? Man laufe durch die Reihen, stoße beim Vorbeigehen eine Wasserflasche um, die natürlich mitten aufs Brett fällt und die Stellung demoliert. Der Zuschauer stellt hektisch die Figuren wieder auf und entschuldigt sich. Und der schwarze Spieler fragte sich, ob der weiße Bauer wirklich schon auf a3 stand. So beobachtet in der F-Gruppe.

Das Schachkid war zur Erholung da und besuchte kurzerhand eine Thaimassage. Darin enthalten war auch eine Kopfmassage. Diese Prozedur kann das Schachkid sehr empfehlen. Mit durchmassierten Verstand ging es in die Nachmittagsrunde.

Karl Friedrich aus der nahen Umgebung musste gegen das Schachkid ran. Slawisch kam aufs Brett. Slawisch hatte sich das Schachkid extra angeguckt. Im 5. Zug wollte es Lf5 spielen, docch wwas tun, wenn der Gegner 6. Db3 spielt? Die Bauern f7 und b7 hängen. Hier hat das Schachkid noch erheblichen Nachholbedarf.

Durch eine kleine Kombination konnte das Schachkid eine Figur gewinnen und den Punkt einfahren.  Das Schachkid ist total überrascht, nun drei aus vier Punkten zu haben, da es nur mit einem Punkt im Open gerechnet hatte.

Chefää gewann relativ schnell gegen seinen dauerbemützten Gegner aus Hamburg. Brauni  hatte einen sehr starken Königsangriff, wieder einmal gegen ein Schachkid. Dieses verteidigte sich ausgesprochen zäh, sodass die etwas unglückliche Brauni mit Remis vorlieb nehmen mussste.

Das Schachkid erspähte derweil am Stand des anwesenden Schachhändlers Chessware Chessbase 13 und schlug zu, also kaufte die Software. Im Grunde genommen weiß das Schachkid nicht recht, was es damit soll. Chessbase13 könnte beim Training aber nützlich sein. Das Schachkid wird an anderer Stelle davon berichten.

Der Abend klang zuerst im Wellnessbereich, dann am Buffet und letztendlich an der Bar, hier wieder duch Rollmops verstärkt, aus. Der Wellnessbereich besteht übrigens aus einem nierenförmigen Planschbecken, einen Whirlpool ohne Wasser und aus einer Minisauna, wo nur eine Person rein passt. Im ganzen Wellnessbereich finden sich keine Handtücher. Geschweige denn, nette Hintergrundmusik oder eine schöne Atmosphäre. Das können andere Hotels besser.

Die Bardame riß es wieder raus. Sie mixte dem Schachkid, dass sich nicht an den Cocktails der Karte entscheiden konnte, einen eigenen Cocktail mit geheimen Zutaten. Das fand das Schachkid super und möchte die Bar im Ramada Magdeburg ausdrücklich empfehlen.

Beobachtungen beim Ramada-Cup in Magdeburg

Das Schachkid mag es, die Welt um sich zu beobachten und vermeintlich skurilles aufzuschreiben und sich so seine Gedanken zu machen.

Ein Tumult brach zwischendurch am Nachbartisch in der zweiten Runde aus. Ein Senior spielte gegen einen Mittvierziger. Letzterer hatte wohl nervöse Zuckungen. Der Senior bat seinen Gegner mehrfach, zunehmend lautstark und eindringlicher, seine Finger ruhig zu halten. Dieser Bitte kam der Gegner offensichtlich nicht nach, denn der Senior fauchte mehrfach „Pass auf!“, ließ aber mögliche Konsequenzen offen. Die Partie endete bald, der Gegner schien beruhigend auf den Senior einwirken zu wollen. Der Senior fauchte nur zurück: „Freundchen? Pass auf, ich bin net Dein Freund.“ Wenn Blicke töten könnten, wäre der Gegner wohl verdampft.

Irritiationen gab es am Nachbarbrett des Schachkis. Von der Bühne hallte es vor der zweiten Runde: „Bitte Uhren anstellen, auch wenn der Gegner noch nicht da ist.“. Drei Mann am Tisch des Schachkids stellten die Uhren trotz fehlenden Gegners an. Ein Spieler traute sich nicht und holte den Schiri, der die Uhr anstellte. Als der Gegner schließlich kam, beeilte sich der Spieler, den Schiri die Schuld in die Schuh zu schieben: „Der Schiedsrichter hat die Uhr angestellt.“, sprachs und schaute vorwurfsvoll in Richtung Schiri-Bank.

Am Nachbarbrett des Schachkids mühte sich der Spieler ab, seine Gegnerin matt zu setzen. Schließlich hielt der die Uhr an und deklamierte, dass die Uhr kaputt sei. Die Zeit der Gegnerin bliebe immer bei Minute 12 stehen. Der Schiri eilte davon, um eine Ersatzuhr zu besorgen. Natürlich sprang genau da die Uhr auf 11 Minuten um. Der zurück gekeuchte Schiri leistete Aufklärung und wies auf den nicht unbedeutenden Umstand hin, dass es pro Zug 30s Zeitaufschlag gäbe und so die Zeit vermeintlich stehen könne. Der irritierte Spieler brauchte dann auch nur noch drei Minuten bis zum Matt.

Skuril findet das Schachkid einen 16-jährigen  aus einer anderen Gruppe. Dieser trägt an jeder Hand zwei fette Gold- und Siegelringe. Das Schachkid trägt auch einen Ohrring, hält sich aber sonst bei Männerschmuck zurück. Es wird erst dann einen Ring tragen, wenn es verheiratet ist oder über 80 Jahre alt ist. Als 16-jähriger mit 4 Goldringen an den Händen käme sich das Schachkid sehr albern vor.

 

Lauter Ottos in Magdeburg

Magdeburg ist die Stadt der Ottos, wer hätte das gedacht. Erzähl mir mal was neues, wird der geneigte Leser denken, der weiß, dass die Band Tokio Hotel aus Magdeburg kommt. Das Begrüßungskomitee auf der Bühne wollte jedoch keine obskure Vorstadtband verunglimpfen, sondern betonte die lange Historie der schönen Stadt Magdeburg.

Otto der I. aus dem Geschlecht der Ottonen gründete 968 die heutige Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Ein Otto aus Magdeburg erfand die Luftpumpe. Neben einem bekannten Sänger namens Otto und einen stark schachspielenden Otto aus Magdeburg wurden zahlreiche weitere bedeutende und nicht minder noch mehr bedeutende Ottos aus Magdeburg während der launigen Eröffnung erwähnt, die sich das Schachkid aber nicht alle merken konnte.

In der ersten Runde leisten die Briesener unmögliches und holten 2,5 Punkte. Das schwarze Schaf der Runde ist Chefää, der gegen einen schwachen Gegner nur Remis holte, das aber immerhin mit einem Bauern weniger.

Brauni hatte ein kleines Schachkid und gewann zügig, wobei zügig relativ ist, nach zweieinhalb Stunden. So hatte Brauni Zeit für ein Nickerchen.

Das Schachkid erlebte ein Wechselbad der Gefühle. Es brachte einen klassischen Engländer aufs Brett. Nach einem Abtausch im 20. Zug hatte das Schachkid eine halboffene c-Linie und übte Druck auf den schwachen Bauern c7 aus. Der Gegner griff nun seinerseits am Königsflügel an. Nach 27. … Ld7, den Zug hatte das Schachkid einfach nicht gesehen, gewann Schwarz einen Bauern.

Das Schachkid beschloss, nun zu tricksen, gab noch einen Bauern und öffnete Diagonalen zum Königsflügel, auf das was möglich werde. Und das Wunder geschah. Schwarz stellte im 37. Zug seinen Läufer auf b5. Das Schachkid schaute ungläubig, gab flink ein Schach und kassierte dankend den Läufer ein. Sieg und auf zum Mittag Essen.

In der zweiten Runde brach sich offensichtlich die Erschöpfung des Vormittags Bahn. Die Briesener machten alle Remis. Erst Chefää, der unzufrieden wirkte. Dann Brauni, die lange kämpfte und nicht so unzufrieden wirkte. Und nach vier Stunden auch das Schachkid, dass noch kämpfen musste, während Chefää und Brauni schon den ersten Gang zum Buffet weg hatten.

Des Schachkids Partie war irgendwie unspektakulär. Das Schachkid hatte immer das Gefühl, einen Hauch besser zu stehen. Aber irgendwie konnte das Schachkid das nicht verwerten, sondern fand sich bald im Endspiel. Panisch bot das Schachkid Remis an, es kann nämlich keine Endspiele und müsste dringend mit Endspieltraining insistieren. Prompt verlor das Schachkid einen Bauern. „Niemals aufgeben“ ist das Motto des Schachkids, daher kämpfte es weiter und hielt tatsächlich Remis.

Die Briesener ließen den Abend bei Buffet und Cocktails ausklingen. Der Rollmops gesellte sich dazu und war ein gern gesehener Gast. Heute Abend werden die Briesener den Rollmops nahe legen, doch zum SV Briesen zu wechseln.  Die Briesener und der Rollmops müssen an der Bar reichlich hilflos ausgesehen haben. Jedenfalls kam ein Mitarbeiter des Hotels heran geeilt und fragte, wie er helfen könne. Die bedröppelt fragend drein blickende Runde schien die Wichtigkeit des Hilfsangebots noch zu unterstreichen. Schließlich zog der freundliche Mitarbeiter ohne Hilfeleistung von dannen.

Gechillte Briesener in Magdeburg

Eine tiefenentspannte Briesener Garde hat sich nach Magdeburg aufgemacht, um vom 21- bis 23. Oktober den Ramada-Cup in Magdeburg aufzumischen. Wobei aufmischen das falsche Wort ist. Nach intensiver Diskussion zwischen Brauni, Chefää und dem Schachkid beim Abendbuffet (nach dem 5. Gang) stellte sich heraus, dass die Briesener aus allen möglichen Gründen da sind, nur net wegen des Schachs. Hier die Top:

  • Ruhe vor den Kindern (Chefää)

  • Ruhe vor Katastrophen im Job (Schachkid, arbeitet als Krisenbeauftragter)

  • Keine Hausarbeit (Brauni)

  • Wellness (Schachkid)

  • Tolles Essen (alle)

Letzterem fröhnten die Briesener beim Abendbuffet bereits ausführlich, um dann zu Cocktails überzugehen. Das Hotel bietet im Keller eine wunderbare Tanzbar namens “Flamingo”. Aber weder Brauni noch Chefää wollen mit dem Schachkid tanzen gehen. Letzteres hat daher beschlossen, beide mit Cocktails anzufüllen und dann in die Flamingobar zu zerren.

Im Magdeburg absolviert der Ramada-Cup seine zweite Station der Spielsaison 2014/2015. Über 300 Spieler sind vor angemeldet, darunter auch viele Brandenburger. USC Viadrina rückt mit einer großen Truppe an, Schachfreunde aus Eberswalde und Eisenhüttenstadt sind da, viele bekannte Gesichter aus der großen Schachfamilie. Zur großen Freude des Schachkids ist auch der Gefängniswärter mit Sohnemann da. Schachkid kann beide gut leiden und hatte schon einige spannende Partien gegen den Gefängniswärter zu bestreiten. Aber auch Zeitgenossen wie die Hexe von Eastwick und der fotowütige Prinzenvater sind mit von der Partie. Das Leben ist eben bunt, und das ist auch gut so.

Die Briesener möchten gut spielen, sind aber nicht übertrieben ehrgeizig, sondern wollen Spaß an der Sache und ein schönes Wochenende haben. Brauni spielt in der Gruppe F im Mittelfeld. Chefää und das Schachkid spielen in der Gruppe D.

Das Schachkid tut sich schwer damit ein Ziel a la 20 Punkte DWZ-Steigerung auszugeben. Es hält solche Ziele für sinnlos, da ein benannter DWZ-Zuwachs aus der Luft gegriffen ist. Das Schachkid nimmt sich lieber vor, ruhig zu spielen, nicht auf taktische Manöver herein zu fallen und seine Eröffnungen anzuwenden, die das Schachkid geübt hat.

In diesem Turnier ist alles möglich, von 5 Niederlagen bis zum Sieg. Die D-Gruppe ist angenehm durchmischt. Das Schachkid ist nicht Favorit, aber auch nicht an die letzte Stelle gesetzt. Spannende Partien sind möglich. Das Schachkid hat sich ein wenig verkühlt und ist angeschlagen. Es empfindet aber gerade das nervöse angenehme Lampenfieber vor dem Turnierstart, dass der geneigte Leser vielleicht kennt.

Zum Schluss noch dies: Chefää und das Schachkid haben beim Bier beschlossen, remis zu machen und umgehend die Bar zu besuchen, um die dortigen Getränke auf Wellness-Tauglichkeit zu untersuchen, wenn sie gegeneinander ausgelost werden.

Skuriles und Merkwürdiges beim Havelcup

Der Sontag war grau und nieselig. Also beschloss das Schachkid, nach Berlin Spandau zum Havelcup zu fahren. Auch wenn die Nacht davor mit fünf Stunden wegen des Schacharena-Treffens in Berlin sehr kurz war. Das Schachkid hatte sich kein Ziel gesetzt, sondern wollte einfach nur etwas Spaß haben, sozusagen das Hier und Jetzt genießen.

Der Havelcup wurde von Zitadelle Spandau in einem Seniorenzentrum durchgeführt. Schöne Räumlichkeiten direkt an der Spree, von der wegen der grauen Suppe net viel zu sehen war.

Wie immer raste das Schachkid zeitlich auf Kante genäht genau um 9.30 Uhr heran, wie in der Ausschreibung gefordert. Es war wie immer zu spät um halb neun los gefahren. Das war aber nix gegen die fünf Oderstädter vom USC Viadrina, auf die das Schachkid traf. Diese waren bereits um sieben Uhr mit dem Zug aufgebrochen.

Nachdem endlich ein Parkplatz gefunden war, wie immer in Berlin sehr schwierig, trabte das Schachkid ins Spiellokal und sah sich sofort einer Horde Russen gegenüber. Diese hier waren aus Berlin und sehr starke Spieler. Während in Thüringen, der alten Heimat des Schachkids, üblicherweise ein Spieler mit 2000 DWZ das Feld anführt, finden sich in Berlin drei Großmeister, zwei Internationale Meister und sieben Fidemeister im Starterfeld.

Unter den Russen war mit Albert Metzger ein Spieler, der das Schachkid frappierend an den amerikanischen Schauspieler Dean Stockwell und an die Serie “Zurück in die Vergangenheit” erinnert. Das Schachkid liebt diese tolle Serie.

In der ersten Runde war das Schachkid noch nicht richtig wach. Gegen Carsten Schirrmacher, der Nummer 23 von 78 Spielern, lies es in einem verunglückten Caro-Kann sage und schreibe drei Bauern stehen. Das Schachkid beschloss daher, erstmal einen Kaffee zu trinken.

Gleich nach der ersten Runde beschwerte sich ein Spieler beim Schiri über einen anderen Spieler. Dieser hatte offensichtlich eine tief sitzende Hose an, so dass man dessen Zitat “Arschspalte sehen könne”. Diese würde sehr stark müffeln. Dies sei ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Der Schiri möge sofort was tun. Der Schiri lächelte milde, verdrehte kurz die Augen und übte sich sonst in Ignoranz.

Der Kaffee half. Das Schachkid fand sich gegen Ansgar Thesing nach der englischen Eröffnung in der besseren Stellung wieder. Leider drohte dieser, das Schachkid matt zu setzen, ehe dieses selber matt setzen konnte. Also gab das Schachkid auf. Wieder einmal zu früh. Der staunende Gegner zeigte dem Schachkid, wie das Matt einzügig abzuwehren war. Wie schon Captain Picard sagte: Es gibt immer eine Alternative.

In der dritten Runde bekam es das Schachkid mit dem kleinen Schachkid Jona Wittstock zu tun. Hinter dem Schachkid stand ein Spieler und beliebte, laut schmatzend ein Brötchen zu verzehren. Das Schachkid war genervt und fragt sich, wieso es bei manchen, vor allen aber bei Schachspielern, an den einfachsten Manieren fehlt.

Schnell gewann das große Schachkid eine Figur und hatte das kleine Schachkid kurz vor dem Matt. Das kleine Schachkid schaute das große Schachkid traurig an und fragte hoffnungsvoll Remis? Da willigte das Schachkid ein, zur Freude des kleinen Kids.Was soll man machen, gegen kleine Kinder grundsätzlich auf Gewinn spielen? Das Schachkid meint, dass hier Ehrgeiz fehl am Platz ist, man auch mal einen halben Punkt geben kann, um den kleinen Nachwuchsspieler zu erfreuen. Gewonnen wird dann gegen die Erwachsenen.

Vor der vierten Runde wurde die nahende Pause mit leckerem Chili angekündigt. Das Schachkid wollte daher schnell gewinnen. Steven Stark, der gar nicht so stark spielende spielende Spieler, hatte andere Pläne. Er ließ die Dame stehen, spielte aber bis zum bitteren Ende weiter. Sowas kann das Schachkid gar nicht leiden, wenn Gegner mit einer Dame weniger weiter spielen. Offensichtlich halten derartige Spieler ihren Gegner für blöd und unfähig, mit einer Dame mehr zu gewinnen. Das Schachkid meint hier ausdrücklich erwachsene Gegner, nicht Kinder. Der Schmatzer war übrigens auch noch da.

Rainer Hoffmann hieß der nächste Gegner, ein erfahrener Senior. Im Caro-Kann einen Bauern verloren, fix alles ab etauscht, der Gegner konnte das Springer Endspiel besser, fix war es verloren. Springer sind eklige kleine Biester.

Die sechste Runde bescherte dem Schachkid mit Maximilian Steiner ein bekanntes Gesicht aus Frankfurt (Oder). Ein kurzer schneller Arbeitssieg ohne Glanz für das Schachkid, wie man im Fußball sagen würde.

Spruch des Tages: Ab 100 kg gehört man zu den bedeutenden Menschen. Gehört bei zwei Schachspielern, die sich über ihr Körpergewicht unterhalten. Spannend sind auch die beiden Spieler, die trotz beheizten Spiellokals während des ganzen Turniers dicken Schal und Pudelmütze aufbehalten. Oder der Vater, der jede Partie seines Sohnes in Echtzeit auf Video festhält, indem er eine riesige Videokamera auf das Brett richtet. Das ist mal eine Alternative zum Mitschreiben.

In der siebten Runde bekam es das Schachkid mit dem Double von Dean Stockwell zu tun. Das arme Schachkid konnte sich kaum konzentrieren. Schräg rechts von ihm saß die Hexe von Eastwick, links ein rassiger Italiener, der aus einem Katalog entstiegen schien. Trotzdem konnte das Schachkid mühevoll zwei Bauern gewinnen, nur um dann einen Turm zu verlieren, den es wegen eines drohenden Grundreihenmatt nicht wieder nehmen konnte.

Auch in der achten Runde brachte es das Schachkid nicht übers Herz, zu gewinnen. Das Los brachte den kleinen Marc Krause. Der 10-jährige spielte sehr überlegt und bewies ein sehr gutes positionelles Verständnis. Letztendlich musste er einen Läufer geben und geriet in arge Zeitnot. Als er noch 14 Sekunden auf der Uhr hatte, bot das Schachkid mal remis, was der Kleine dankend nahm. Das Schachkid denkt, das hier ein echtes Talent heran wächst und es in vier Jahren wohl von dem Miinikid umgenietet werden wird.

Die letzte Runde gegen Markus Zelanti wurde nochmal scharf. Dieser spielte vollkommen unlogische Eröffnungszüge, die eigentlich verlieren mussten. Das Schachkid stand trotzdem auf einmal mies. Erfreulicherweise lies der Gegner im Scharmützel die Dame stehen. Natürlich musste das Schachkid trotzdem wieder bis zum Ende spielen.

Das Turnier wurde von einem Großmeister mit tief sitzender Hose gewonnen. Aucb das Schachkid bekam überraschenderweise zu Rum und Ehre, nämlich 1. Platz U1600. Das Schachkid denkt, dass dies nur ein Irrtum sein kann, da es so unambitioniert gespielt hat, nahm den Preis aber dankend mit.

Ein schönes Turnier, das sehr stark besetzt war, aber auch seine Chancen bot. Dazu allerlei skurile kleine Szenen, die mal wieder bestätigen, dass Schachspieler eben alle eine kleine Macke haben.

Auf Wiedersehen in Falkensee

Das Schach-Open vom 31.10.2014  – 02.11.2014 in Falkensee ist überstanden. Was bleibt in der Rückschau?

Der Schachwizard hat die 1900 nicht erreicht,  aber DWZ-Punkte dazu gewonnen und einen Preis dazu. Das Schachkid ist sich ziemlich sicher, dass der Schachwizard die 1900 bald knacken wird und in nicht ferner Zukunft einen Titel tragen wird.

Das Schachkid ist sehr zufrieden, hat es doch die 1500 zurück erobert, Ziel erreicht. Trotz einiger übersehener Gewinnzüge und auch kleinerer Einsteller lief es gut.

Das Schachkid ist sich nicht sicher, ob es mal ein sehr guter Spieler wird. Aber so sicher, wie der Schachwizard mal einen Titel tragen wird, wird das Schachkid als Rasender Reporter die Schachszene aufmischen. Das Schachkid lernt daher an der Freien Journalistenschule in Berlin. Aus diesem Grund gibt es auch diesen Blog.

Insgesamt war das Schach-Open wieder absolut gelungen. Nette Spieler, nette Schiris, ein super Küchenteam und lustige Momente mit kleinen Rabauken. Das Schachkid fuhr begeistert nach Hause. So begeistert, dass es demnächst wohl mal eine Weile laufen wird.

Hier einige Impressionen von der Siegerehrung:

Kleine Rabauken in Falkensee

Das Schachkid ließ am letzten Tag das spartanische und wenig schmackhafte Frühstück im Hotel sausen und fuhr, in der Hoffnung auf leckere Brötchen im Imbissteam, hungrig ins Spiellokal zum letzten Tag des Schachopens in Falkensee. Ein Lob auf die Falkenseeer Damenwelt, das Schachkid wurde nicht enttäuscht und ist voller Respekt vor dem Küchenteam, dass hier echt tolle Arbeit geleistet hat.

Für die Highlights des Tages sorgten mal wieder die kleinen Strolche vom Vortag. Diese wohnten auf dem Gelände des Spiellokals und schauten ab und an mal vorbei. Es war faszinierend. Die Kinderbande saß ruhig und interessiert an den Schachbrettern im Analyseraum und spielten ganz faszinierend Schach. Nur Minuten später tobten sie lauthals krakeelend durchs Spiellokal, pochten wild an die Fenster oder verteilten auch schon mal ausgegrabene Pflanzen im Foyer des Spiellokals.

Einer der Rabauken wurde schließlich vom Schiri aus dem Spiellokal hinausbefördert. Später versuchte er wieder, hinein zu kommen. Die Frau des Schiris stellte sich ihm in den Weg. Es entwickelte sich folgende Diskussion:

Frau des Schiris: „Du darfst hier nicht rein.“

10-jähriger Rabauke: „ Wieso net?“

Frau des Schiris: „Du hast Hausverbot.“

10-jähriger Rabauke: „Wieso?“

Frau des Schiris: „Du hast Krach gemacht, die Spieler brauchen Ruhe. Das haben wir Dir dreimal gesagt. Der Schiri hat Dich vorhin hinaus begleitet.“

10-jähriger Rabauke: „Ja, der hässliche Mann.“

Frau des Schiris: „Mein Mann ist nicht hässlich.“

10-jähriger Rabauke: „Der alte Knacker ist Dein Mann?“

Frau des Schiris: „Das hier sind alles meine Männer. Das ist kein alter Knacker.“

10-jähriger Rabauke: „Der alte hässliche Knacker hat meinen Arm knacken lassen. Ich ruf jetzt die Polizei.“

Frau des Schiris: „Ruf die Polizei. Der erzähle ich, wie Ihr Euch benehmt.“

10-jähriger Rabauke: „Ich will da rein.“

Frau des Schiris: „Du kommst hier net rein, das haben wir Dir gesagt.“

10-jähriger Rabauke (dreht Kopf weg und streckt rechten Arm und Hand aus): „Talk to my Hand“

Frau des Schiris (Guckt ungläubig)

Schachkid (steht belustigt daneben und guckt grinsend in der Gegend herum)

Rabauke (trottet von dannen)

In der vierten Runde spielte das Schachkid gegen Jens Stegmann. Dieser darf sich rühmen, dass Schachkid als erster Mensch in der Offline-Welt das Schachkid auf seine Seite angesprochen zu haben. Das fand das Schachkid sehr nett. Schachfreund Stegmann ist Mitglied beim SC Zugzwang 95 e.V. Dieser veranstaltet regelmäßig ein Weihnachtsopen und das Pfingstopen. Letzteres hat das Schachkid schon mitgespielt und möchte das Pfingstopen ausdrücklich empfehlen. Nette Leute in einem schönen Spiellokal, dass in einem Park steht. Im Frühjahr kann man nach der Partie wunderbar draußen sitzen.

Zur Partie… Das Schachkid traut sich kaum, die Partie zu veröffentlichen. Das Schachkid hat zwar gewonnen, aber völlig unverdient.

Das Schachkid wählte die englische Eröffnung, kam aber alsbald ins Hintertreffen. Der Gegner spielte so, wie man die englische Eröffnung spielen sollte, aktiv und mit Angriff. Bald sah sich das Schachkid einer imposanten Bauernfront gegenüber, die die weißen Figuren zurück trieb. Weiß musste seine Königsstellung öffnen. Nach Abtausch der Damen hatte Schwarz starken Druck auf die Bauern, die das Schachkid auch bald verlor.

Plötzlich hatte der Gegner einen starken Bauern auf e3. Es ist dem Schachkid vollkommen schleierhaft, wo der her kam. Während der Gegner Stunde um Stunde wie ein Fels in der Brandung am Brett saß und nachdachte, wetzte das Schachkid auf der Suche nach Sauerstoff immer wieder vor die Tür.

Das Schachkid entschloss sich zu radikalen Maßnahmen. Laut Engine stand es mittlerweile mit einer Stellungsbewertung von -8 sehr mies. Das Schachkid gab einen Turm, hielt diesen blöden Zug für sehr schlau und hoffte, mit Turm und den Läuferpaar irgendwie matt zu setzen.

Schachfreund Stegmann geriet zunehmend in Zeitnot, musste erst schnell ziehen, dann einen Turm zurück geben und gab schließlich auf. Offensichtlich völlig unnötig, denn laut Engine war die Stellung völlig ausgeglichen. Aber wer hat nach vier Stunden Schach schon noch einen Blick für sowas.

Fazit: Ein glücklicher Punkt und ein Schachkid mit Gewissensbissen, weil der nette Gegner so unglücklich verlor.

Nun, nach einer Stunde Pause schlug das Losglück oder Lospech zu. Das Schachkid wurde gegen Jann-Christian Tiarks ausgelost. Vor diesem 14-jährigen Nachwuchsprofi und wilden Kerl vom Fußballplatz (er ist Torwart) hat das Schachkid ein wenig Angst. Hat es doch schon dreimal gegen Jann verloren. Das Schachkid schwor Rache.

Und was war das, konnte das denn sein? Beim 24. Zug musste das Schachkid mehrfach zwinkern, um zu prüfen, ob da nicht eine Fata Morgana war. Da gab es wirklich einen Bauern zu gewinnen. Freudig begutachtete das Schachkid das überraschte Gesicht von Jann. Der Zeitpunkt der Rache war gekommen, dachte das Schachkid, und hatte die Rechnung ohne den Gegner gemacht.

Dieser verlor nun die Contenance und griff einfach an. Mit einem profanen Läuferabzug von e2 nach d1 im 29. Zug griff er die Dame an. Und das Schachkid konnte seinen Läufer nicht verteidigen und verlor selbigen. Da war das Schachkid doch sehr irritiert. Jann: Wart nur ab, beim nächsten Open nietet Dich das Schachkid um.

Das Schachkid möchte an dieser Stelle erwähnen, dass es diesen Gegner gut leiden kann und vor jugendlichen Gegnern, die viel trainieren und völlig verdient besser spielen, großen Respekt hat.

SV Briesen im Dauerglück

Das Schachkid fuhr diesmal pünktlich los, es hatte sich die Haare nur gebürstet. Dafür wurde es gleich von Vicky mit dem Hinweis begrüßt, dass es wie Justin Bieber aussehe. Das Schachkid fand das eine oder andere Lied vom Bieber nicht so schlecht. Es weiß daher nicht recht, ob es beleidigt sein soll oder nicht.

Das Schachkid war hoch motiviert und glaubte an einen Sieg. Das Eröffnungstraining der letzten Wochen musste einen Sinn haben. Zur Einstimmung hörte das Schachkid Sunshine Live auf der Autobahn. Das Schachkid findet, dass Techno besonders gut auf dem Kampf am Brett einstimmt. Das Schachkid muss an dieser Stelle jedoch beklagen, dass am Ortseingangsschild von Briesen der digitale Radioempfang und somit Sunshine Live einbricht. Dies muss sich dringend ändern!

Zum fälligen Punktspiel der Regionalliga Ost empfing der SV Briesen die zweite Mannschaft des SV Preußen Frankfurt Oder. Die Steinchenrücker aus der Oderstadt reisten mit geballter schachlicher Erfahrung aus mehreren Jahrzehnten an. Das Schachkid schätzte das Durchschnittsalter der Mannschaft auf 60 Jahre. Einerseits freut sich das Schachkid, dass man auch noch nach so vielen Jahren Spaß am Schachspiel haben kann. Andererseits bedauert es das Schachkid zutiefst, dass dieser nette Verein keine Nachwuchsarbeit macht und in 20 Jahren daher wortwörtlich aussterben wird. Ein Schicksal, dass vermutlich vielen Schachvereinen ohne Nachwuchsarbeit in Deutschland droht.

Der SV Briesen ging durch den kampflosen Sieg von Olaf Burdach am zweiten Brett mangels Gegner zügig in Führung. Der Vereinschef nutzte die Gelegenheit, um Schachfreund Burdach das eigens geschaffene Amt der Kaffeemamsel zuzuweisen. Fortan wird Olaf, auch liebevoll der Buddha genannt, seine Mannschaft mit Kaffee versorgen. Das Schachkid empfiehlt die Anschaffung eines Schürzchens und eines Häubchens. Zumindest an diesem historischen Tag des Mauerfalls kam er dieser verantwortungsvollen Aufgabe nach.

Vicky Eue am dritten Brett lief mit neuer Brille und verschärften Durchblick auf, was ihr Gegner Dr. Fritzsche schnerzvoll zu spüren bekam. Nach einigen Abtausch etablierte die junge Briesenerin eine Bauernkette auf der Achse a7-d5. Neben dieser stabilen Struktur fand sich der weiße König von Dr. Fritzsche im Trommelfeuer der schwarzen Schwerfiguren wieder. Routiniert und überlegt wehrte der Frankfurter die gegnerischen Angriffe ab, verbrauchte dabei aber einen Großteil seiner Bedenkzeit. Vicky stellte den Gegner weiterhin vor komplexe Probleme und fuhr alsbald den Punkt ein.

Lothar Bindernagel am siebten Brett rochierte früh, öffnete dann aber seine Königsstellung durch Bauernzüge. Sein Gegner Jürgen Andexel nutzte dies, um einen starken Springer auf g6 zu postieren. Der Briesener wehrte sich heftig, konsolidierte seine Stellung und übersah dabei einen Bauerngewinn durch Abzug. Der Briesener Nestor postierte seine Türme und die Dame auf der f-Linie und übte heftigen Druck auf die weiße Königsstellung aus. Nach wilden Getümmel am Königsflügel fanden sich beide Seiten alsbald in einem Endspiel wieder, der Preuße aus Frankfurt (Oder) führte einen Springer gegen den Läufer des Brieseners. Schlussendlich einigte man sich auf Remis.

Wenig los war bei Marco Belling am fünften Brett. Frühzeitig tauschte man die Damen ab. In ruhiger Stellung lavierten beide Seiten hin und her, ohne nennenswerte Angriffschancen herausarbeiten zu können. Mit einem Remis waren beide Spieler zufrieden.

Die Nachwuchspunkerin Juliane Heinrich am achten Brett gewann frühzeitig einen Bauern, konnte diesen Stellungsvorteil aber nicht erhalten. Ihr Gegner Manfred Kohlmeyer, der älteste und erfahrenste Spieler der gegnerischen Mannschaft, spielte routiniert die Stellung weiter. Das Briesener Nesthäkchen suchte nach einen Gewinnweg, etablierte einen Bauerm e5 im gegnerischen Lager und warf forsch seine Königsbauern in die Schlacht. Leider ging dabei der Königsschutz verloren. Der gegnerische Altmeister gewann im anschließenden Scharmützel zwei Springer der jungen Briesenerin, die Partie war alsbald verloren.

Der große Bruder machte es besser. Philipp Heinrich am ersten Brett spielte eine sehr dynamische Partie. Beide Seiten hatten Freibauern auf gegensätzlichen Flügeln. Ein Bauernrennen schien die Entscheidung zu bringen. Der Frankfurter Jürgen Fritsch kämpfte verbissen und konnte die gegnerischen Freibauern eliminieren. Der Politikstudent spann derweil ein taktisches Netz um dem gegnerischen König herum und konnte einen Turm gewinnen. Der Gegner schwenkte die weiße Flagge, Punkt für Briesen.

Die familiäre Punktebilanz des Spieltages komplettierte Vater Heinrich am vierten Brett. Gegen Günter Müller entstand eine vom positionellen Kampf geprägte unübersichtliche Stellung. Nach drei Stunden und rauchenden Köpfen einigte man sich auf remis. Der Vereinschefs sicherte das 4:1, der SV Briesen konnte nicht mehr verlieren.

René Kellner am sechsten Brett packte seine bewährte englische Eröffnung aus. Gerd Scholz ließ sich nicht beirren und etablierte nach anfangs passiven Spiel ein starkes Bauernzentrum. Allein ließ die schwarze Spielführung den beherzten Angriff vermissen. Weiß konnte starken Druck auf der c-Linie ausüben und erste einen, dann noch einen Bauern gewinnen. Leider schlug dann eine Freudsche Übersprungshandlung zu. Das Schachkid wollte seinen Turm auf b6 stellen, zog aber nach a6. Der Führer der schwarzen Steine konnte sein Glück kaum fassen und schlug den ungedeckten Mehrbauern freudig heraus. Das Schachkid, von Lothar Bindernagel getröstet und wieder aufgebaut, sammelte sich mental, gewann den Bauern zurück und führte diesen bis zur 7. Reihe. Der verbissen kämpfende Frankfurter gab auf. Das Schachkid war mit der Partie trotz des mysteriösen Bauernzuges sehr zufrieden.

Fazit: Der SV Briesen gewann unerwartet hoch mit 5,5:2,5. Langsam wird es unheimlich. Der SV Briesen ist seit 12 Spielen ungeschlagen. Das schafft sonst nur der FC Bayern.