Archiv für Oktober 2014

Englische Feinheiten und die brennende Sauna

Das Schachkid kam in Seeburg an und freute sich auf das schöne Wellnesshotel, leider vergeblich. Am Empfang teilte man dem schockierten Schachkid mit, dass die Sauna eine Woche vorher abgebrannt sei. Die Sauna sei daher nicht mehr zu gebrauchen. Dafür lärmt nun vor dem Fenster ein Notstromaggregat.

Auch das Hotel stellte es sich als nicht vorhanden raus. Vielmehr stehen lauter Hütten auf einer Wiese, so ist das Schachkid jetzt Eigenheimbesitzer.

In der ersten Runde in Falkensee musste das Schachkid gegen einen Hamburger Jung ran. Dieser, 22 Jahre alt, hatte für einen Sieg ein überzeugendes Argument, nämlich eine 2120 Elo. Das Schachkid packte seine bewährte englische Eröffnung aus, aber nach 15 Zügen war Schluss. Der Gegner kannte sich nicht nur aus, sondern hatte auch ein Gespür für die Feinheiten der Stellung, während das Schachkid sich zwar im Besitz einer stabilen Stellung wähnte, aber so gar keinen Spielplan oder positionelles Gefühl für die Stellung hatte.

Die Partyanalyse mit dem symphatischen Hamburger zeigte, dass dieser eine ganz andere Denkweise als das Schachkid hatte. Züge, die das Schachkid für sinnvoll hielt, argumentiere der Gegner überzeugend weg. Im Gegenteil wunderte er sich über die Züge des Schachkids und schilderte dann seine Herangehensweise, auf die das Schachkid nicht gekommen wäre.

Der faszinierende Unterschied, der über Sieg und Niederlage entschied, war der 12. Zug. Das Nehmen mit dem e-Bauern sieht so natürlich aus, führt aber geradewegs ins Verderben. Das Nehmen mit den g-Bauern scheint die weiße Stellung zu zerrupfen, hält aber alles zusammen.

Fazit: Das Schachkid hat noch viel über die englische Eröffnung und positionelles Verständnis zu lernen.

Das Schachkid auf dem Weg nach Falkensee

Das Schachkid macht sich dieses Wochenende auf den Weg nach Falkensee. Der KFA Schach HVL und der Schachclub Caissa Falkensee e.V. richten seit 8 Jahren mit viel Engagement dieses familiäre Turnier aus.

Dieses Jahr dürfte mit 72 vorangemeldeten Spielern eine Rekordbeteiligung zu erwarten sein. Das Dank des Feiertages am 31.10. lange Wochenende wird manchen Schachspieler aus der Ferne locken. Neben traditionell hoher Beteiligung aus Brandenburg und Berlin hat sich auch eine kleine Delegation aus Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen angesagt.

Das Schachkid möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass man nie nur „Mecklenburg“ sagen darf. Das Schachkid hat diese Woche einen Vortrag gehalten und wurde mehrfach von erzürnten Einwohnern Vorpommerns angemahnt, dass das Bundesland „Mecklenburg-Vorpommern“ heißt.

Das Schachkid tritt mit dem Ziel an, seine DWZ wieder mühsam über die 1500 zu hieven. Es hatte ja viele Punkte in Forchheim verloren. Das Ziel, am Jahresende die 1600 zu haben, scheint in weite Ferne gerückt zu sein.

Das Schachkid erwartet kein einfaches Turnier angesichts des starken Teilnehmerfeldes. U.a. ist der ehrgeizige Schachwizard dabei, der eine 1900 haben will und möglicherweise auch bekommen wird. Ebenfalls angetreten ist ein Juniorprinz. Das Schachkid findet dieses Trainingskonzept vom Deutschen Schachbund sehr gut, nur zu diesem Juniorprinzen hat es keine rechte Meinung, da es mit ihm noch nicht viel zu tun hatte.

Das Schachkid ist jedoch stark vom Vater des Juniorprinzen genervt, der stets im Schlepptau dabei ist. Bewaffnet mit einer Riesenkamera schleicht dieser um den Juniorprinzen herum und macht allerlei Fotos von seinem Prinzen. Das Schachkid fühlt sich vom Fotoblitz und dem Geknipse bei seiner Partie gestört. Außerdem wurde das Schachkid einige Male sehr unhöflich vom Prinzenvater angesprochen und einmal sogar unsanft aus dem Weg gerempelt. Letzteres ist gar nicht so einfach, da das Schachkid immerhin 90 kg auf die Waage bringt. Aber wenn das Schachkid eines nicht mag, sind es unhöfliche Menschen. Da ist das Schachkid sehr nachtragend.

Um sich von all diesen Anstrengungen zu erholen, hat das Schachkid beschlossen, sich einen kleinen Urlaub zu gönnen. Es hat sich im Ressort Havelland einquartiert, eine Art Erlebnishotel mit allerlei Sport- und Wellnessangeboten. Das Schachkid ist da ein bißchen eigen. Es legt großen Wert auf nächtliche Ruhe, ein großes Zimmer und ein üppiges Frühstück. Dinge wie ein Zeltplatz oder ein Zimmer zu teilen gehen nur in Ausnahmefällen bei großer Symphatie. Treue Leser können das Schachkid gerne besuchen.

Englische Geheimnisse

Das Schachkid hat beschlossen, die Englische Eröffnung zu spielen. Es hat sich daher auf die Suche nach einem Buch begeben, dass in die Eröffnung einführt. Das Schachkid fand alsbald das Buch „Englische Geheimnisse“ von Neil McDonald aus der Eröffnungsreihe Starting Out des Verlages Everyman Chess.

Die Buchreihe hat das Ziel, zügig in Eröffnungen einzuführen und einen Überblick über typische Stellungen und Pläne zu geben. Ein Wirrwarr von Varianten wird vermieden, was die Lesbarkeit der Bücher dieser Reihe deutlich erhöht.

Der Verlag Everyman Chess, ein Tochterunternehmen des Verlages Random House mit Sitz in London, publiziert schwerpunktmäßig zum Thema Schach.

Der Autor Neil McDonald, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fußballspieler, ist ein in Deutschland eher unbekannter Großmeister aus England. Mit einer aktuellen Elo von 2431 (Stand Oktober 2014) kann man den Autor zu den besten Spielern der Welt, wenn auch nicht zur erweiterten Weltspitze, zählen. GM McDonald ist vor allem als Trainer tätig und hat etliche Bücher zu Schacheröffnungen verfasst.

Auf gut 200 Seiten versucht der Autor, die englischen Geheimnisse aufzudecken. Nach einer kurzen Einleitung legt der Großmeister den ersten thematischen Schwerpunkt auf die Symmetrievariante. Kurze Tipps und Warnungen, gekennzeichnet mit einem Totenschädel, bringen die Dinge auf den Punkt und lockern den Lesefluss erheblich auf.

McNeil fährt mit der Nimzo-Englischen Variante und der Vierspringervariante fort. Ausführliche Kommentare und jeweils 1-2 Partien pro Kapitel führen den Leser gut in die Englische Eröffnung ein.

Der Drachen und der Königsindische Aufbau werden vom englischen Großmeister ausgiebig dargestellt. McNeil versäumt es nicht, auf die durchaus vorhandenen Chancen des Schwarzen in gebotener Gründlichkeit hinzuweisen

Dankenswerterweise lässt der Autor auch seltene Varianten oder auch Übergänge in Reti nicht aus.

Fazit: Ein rund um gelungenes Einsteigerwerk für alle Schachspieler, die sich einen Überblick über die Englische Eröffnung verschaffen möchten.

Gedanken zum Eröffnungstraining

Vieles ist zum Thema Eröffnungstraining zu beobachten und zu lesen.

In diversen Schachforen stößt man oft auf die Meinung, dass sich Eröffnungstraining für niedere Spielstärken nicht lohne. Vielmehr solle man seinen Trainingsschwerpunkt auf das Thema Taktik legen, da durch Taktik die meisten Partien entschieden werden.

Das Schachkid ist nicht dieser Meinung. Natürlich ist die Taktik ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der Spielstärke. Aber das Schachkid glaubt, dass auch ein fundiertes Eröffnungstraining wichtig ist. Insbesondere scheint es auf diese Weise möglich, typische Stellungsstrukturen, Mittelspielpläne und Übergänge in die mittlere Partiephase zu erlernen.

Ein interessantes Phänomen beobachtet das Schachkid beim Nachwuchs. Dieser erlernt oft sehr viele Eröffnungen und hat so ein sehr breites Repertoire. Das Schachkid fragt sich, ob dies wirklich nötig ist oder ob die Zeit nicht in anderweitiges Training investiert werden sollte.

Das Schachkid hat daher beschlossen, sich ein relativ enges Eröffnungsrepertoire zuzulegen, dies aber gründlich und tief zu erlernen. Mit zunehmender Spielstärke und dem Umstand, dass sich Gegner auf einen vorbereiten, gilt es zu prüfen, wie das Eröffnungsrepertoire erweitert werden muss. Die Gefahr besteht natürlich, wenn man nur wenige Eröffnungen spielt, dass man sich schnell langweilt.

Zum Erlernen einer Eröffnung hat sich das Schachkid von einem Freund eine Methode abgeguckt. Dieser Freund hat tatsächlich ein sehr breites Eröffnungsrepertoire und kann sehr flexibel spielen. Das Schachkid erstellt für jede seiner Eröffnungen eine Datenbank. Dazu liest es zu jeder Eröffnung ein Grundlagenwerk und trägt die Züge und Kommentierungen in die Datenbank ein. Das Schachkid wird die  Bücher noch vorstellen, die es durcharbeitet. Zusätzlich hält das Schachkid in der Schachpresse nach neuen Varianten und Weiterentwicklungen Ausschau, um diese in seine Datenbank einzuarbeiten.

Vor einem Turnier schaut sich das Schachkid seine Eröffnungsdatenbanken kurz an, um die wichtigsten Gedanken und Pläne aufzufrischen. Nach einem Turnier analysiert das Schachkid seine Partien und schaut besonders intensiv darauf, wie es die Eröffnung gespielt hat und wo es in eine bessere Variante ausweichen sollte.

Das Schachkid setzt auf den Effekt der stetigen Wiederholung. In dem man sich immer wieder mal kurz mit seinen Eröffnungen beschäftigt, verfestigt sich das Eröffnungswissen. Das Schachkid will ausdrücklich betonen, dass nicht das Auswendiglernen gemeint ist. Vielmehr soll man Muster und somit typische Stellungsmerkmale und damit verbundene Pläne erkennen.

Das Schachkid wird in einem halben Jahr überprüfen, inwieweit diese Trainingsmethode funktioniert hat.

 

Psychokrieg in Müncheberg

Die wilden Schachhorden aus Briesen fielen am 12. Oktober 2014 in Müncheberg ein, um die dortige Mannschaft beim fälligen Punktspiel der Regionalliga Ost zu besiegen. Die Mannschaft befürchtete ein schweres Spiel und eine drohende Niederlage. Aber  der Vereinschef verstand es, seine Mannschaft zu motivieren. „Gewinnen wir in Müncheberg, gibt es nächsten Freitag ein Fest.“ so hallte sein Schlachtruf durch Briesen.

Das Schachkid kam leider etwas zu spät am Spiellokal an. Es hatte frühs einen Blick in den Spiegel geworfen und festgestellt, dass seine wallende Mähne dringend geordnet werden müsse. Also las es im Internet nach, wie man die Haare geschickt mit Haarwachs stylt und den Surferlook herstellt. Leider vergaß das Schachkid darüber die Zeit, und die Frisur war auch ruiniert.

Das erste, was dem Schachkid in Müncheberg auffiel, waren die vielen Straßennamen aus sozialistischen Zeiten. Das Schachkid fuhr durch eine Karl-Marx-Straße und das Spiellokal befand sich in der Ernst-Thälmann-Straße. Offensichtlich gibt es also Orte, wo nach der Wende nicht jede Straße panisch umbenannt wurde.

Das Schachkid traf am Ort des Geschehens ein und wurde von der Mannschaft freudig begrüßt, denn es war wie gesagt spät dran. Alle waren hochmotiviert, beim Berufspolitiker saß die Frisur. Der kann die Haare gelen, da wurde das Schachkid neidisch ob der eigenen mißratenen Frisur.

Es ging gut los, nach wenigen Minuten führte die Briesener Garde. Philipp Heinrich fuhr mangels Gegner seinen Punkt ein. Doch die Müncheberger hatten eine Geheimwaffe, DIE HEIZUNG. Selbige röhrte, pfiff und brummte mit der Lautstärke eines Güterzuges gute 90 Minuten vor sich hin. Der halbe Briesener Vertretung flüchtete sich nach jeden Zug auf die Straße. Der Müncheberger Jörn Gehrke war schon weiter und trug Ohrenstöpsel.

Zusätzlich erschwert wurden die Spiele durch den Umstand, dass die Müncheberger Uhren einfach nicht blinken, wenn man dran ist. Das Schachkid hat genau gesehen, dass es digitale Uhren waren, aber es blinkte nix. Auch die an der Wand hängende Keule ließ nix Gutes hoffen. Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, ob es nur Deko war.

Die Briesener Führung war alsbald dahin. Anja Braun musste sich am letzten Brett Mario Weihert geschlagen geben. Dieser gewann nach wilden Scharmützel im Mittelspiel die Qualität und Bauern und übte tödlichen Druck auf die Schwarze Stellung aus.

Friedlich und somit Remis trennten sich Volker Heinrich und Dr. Frank Garbin am dritten Brett. Mit festgelegten Bauernstrukturen auf dem Brett und ausgeglichenem Material war nicht mehr zu holen.

Das Müncheberger Nachwuchstalent Clemens Hoyer trumpfte gegen Lothar Bindernagel auf und hatte im Endspiel einen Freibauern auf der a-Linie vorzuweisen. Zusätzliches Argument war der Läufer von Clemens, der gegen einen Springer agierte. Der Briesener Nestor Bindernagel schaffte es, die Leichtfiguren abzutauschen und ein variables Bauernpaar zu bilden. Der Nachwuchs versuchte trickreich, einen der Freibauern en passant zu schlagen. Leider hatte er die falsche Reihe erwischt und so blieb der Freibauer wo er war, nämlich auf den Weg zur Dame. So wurde hier der Punkt für Briesen alsbald eingefahren.

Daniela Heinrich, die dritte Vertreterin aus der Briesener Schachdynasty vor Ort, musste sich in der sizilianischen Eröffnung gegen den stark aufspielenden André Kaiser behaupten. Beide Seiten lavierten im Mittelspiel lange hin und her und suchten nach Angriffspunkten in der gegnerischen Stellung. Der Müncheberger wurde fündig und konnte erst einen Springer, dann den Läufer erobern. Punkt und Ausgleich für Müncheberg.

Auch der Briesener Marco Belling am vierten Brett spielte eine stark taktisch geprägte Partie gegen seinen Mücheberger Kontrahenten Gehrke. Letzterer schlug beim Gegner auf d7 ein, gab die Qualität und hatte dafür vielversprechenden Angriff. Der schwarze König des Briesener Schatzmeisters sah sich plötzlich bloß gelegt vom gegnerischen Läuferpaar und der Dame umgeben. Nach langer und zäher Verteidigung musste Belling die Waffen strecken, Führung für Müncheberg.

Rene Kellner am fünften Brett hatte es mit Jürgen Winter zu tun, einen zäh verteidigenden Müncheberger Spieler. Kellner probierte die englische Eröffnung und versuchte, den schwarzen Damenflügel zu demontieren. Winter lavierte sorgsam mit seinem Figuren und hielt seine Bauern zusammen. Nicht hilfreich war, dass Kellner einen Bauerngewinn übersah. Nach langen Hin- und Hergeschiebe musste der Müncheberger sein Läuferpaar gegen die weißen Springer geben. Der Briesener wickelte ins Endspiel ab, öffnete Linien und brachte sein Läuferpaar zur Geltung. Gleichwohl bot sich für den Schwarzen die Möglichkeit, mit einem starken Schach und anschließenden Springeropfer auszugleichen. Doch die Chance wurde durch Winter vertan. Kellner konnte mit seinem König in die gegnerische Stellung eindringen und Bauern gewinnen. Ausgleich für Briesen.

Auf die Partie Nagler-Budach kam es nun an. Der Müncheberger Jörg Nagler ist in Briesener Kreisen als Angriffspieler gefürchtet. Doch mit dem Briesener Olaf Budach saß ihm ein kaltblütig agierender Gegner gegenüber. Beide Spieler schenkten sich nichts. Der Müncheberger drohte auf der h-Linie mit dem Turm einzubrechen. Doch der Briesener hielt seine Stellung zusammen und verteidigte zäh. Sorge bereitete die Bendekzeit von Budach. 10 Minuten für die komplizierte Stellung und den Rest der Partie standen mehr als eine Stunde Bedenkzeit des Münchebergers gegenüber. Der Zeitnotkrimi löste sich überraschend nach vier Stunden Spielzeit auf – Dreimalige Stellungswiederholung und somit Remis am zweiten Brett.

Das Schachkid ist mit seiner Partie halbwegs zufrieden. Im 21. Zug hat es einen Bauerngewinn übersehen. Der Gegner hatte im 34. Zug eine schöne Kombination mit einem scheinbaren Springeropfer drin, was aber die Qualität gewinnt. Das Schachkid ist froh, dass es der Gegner nicht gesehen hat.

Am Ende wurde es ein für beide Mannschaften ein verdientes 4:4, also kein Fest in Briesen? Aber vielleicht ein Festchen, also ein Fässchen? Das Schachkid wird berichten, wie sich der Vereinsschef aus der Affäire zieht.

Auf der Suche nach dem Heiligen Gral – Der erste Zug

Das Schachkid hat lange Zeit die Partien bereits in der Eröffnung vergeigt. Es hat die Partie nicht gleich in der Eröffnung verloren. Aber die Stellungen im Mittelspiel waren nach den ersten 10 Zügen bereits positionell schlecht. Mit Weiß hat das Schachkid lange Zeit das Läuferspiel gespielt. Damit gelang auch die eine oder andere taktische Überraschung. Es handelt sich um eine dem Italienischen ähnliche romantische Eröffnung, was das Schachkid mag. Auch die Wiener Partie gefällt dem Schachkid sehr.

Mit Schwarz hat das Schachkid eine Zeit lang sizilianisch versucht. Weiß kann hier aber sehr aggresiv angreifen. Und so ist das Schachkid mehrmals von schachspielenden Kindern in der sizilianischen Eröffnung förmlich überrannt worden, was beim Schachkid zu starken Frust führte.

Schlussfolgerung: Es muss ein Eröffnungsreppertoires her.  Also beschaffte sich das Schachkid Literatur, nämlich „Der Aufbau eines Eröffnungsrepertoires“ von Steve Giddins.

Das kleine Buch ist schnell gelesen und gibt schöne Anregungen und Tipps, wie man vorgehen sollte.

Das Schachkid grübelte lange und probierte einiges aus. Es entschied sich schließlich, als Weißer prinzipiell mit c4 zu beginnen. Die entstehenden Stellungen sind sehr dynamisch. Und der Gegner schaut oft überrascht aus der Wäsche, da er c4 nicht erwartet. Das Schachkid schaut übrigens als Schwarzer genauso überrascht, wenn c4 aufs Brett kommt. Denn als Schwarzer kann es die Eröffnung noch nicht.

Als Schwarzer plant das Schachkid, auf e4 mit Caro-Kann zu antworten. Auf d4 flüchtet das Schachkid in die Slawische Eröffnung. Das Schachkid meint, dass beide Eröffnungen für Schwarz sehr solide Systeme sind, es sammelt aber noch Erfahrungen damit.

Auf andere Eröffnungen improvisiert das Schachkid. Es hält sich dabei an die bekannten Regeln wie z.B. zügige Entwicklung usw.. Man glaubt es kaum, aber wenn man keine Eröffnungen kennt, helfen diese Grundsätze doch sehr weiter.

Doch wie nun diese Eröffnungen lernen? Das Schachkid hat dazu vor Monaten einen Freund interviewt und wurde von diesem auf eine sehr interessante Methode aufmeerksam gemacht, die das Schachkid in einem anderen Beitrag vorstellen wird.

 

Taktische Blindflüge am letzten Tag

Am 5. Oktober 2014 hatte das unzufriedene Schachkid keine Lust mehr auf die letzte Runde beim Forchheimer Open. Zu groß war der Frust. Das Schachkid hatte spontan beschlossen, sich in die Thüringer Heimat zu begeben. Der Ehrgeiz siegte schließlich doch. Das Schachkid beschloss, bis um 12.00 Uhr zu spielen, und dann die Partie zu beenden und notfalls aufzugeben. Der liebe Gott hatte ein Einsehen und das Schachkid hatte um 11.49 Uhr gewonnen.

Die Auslosung bescherte dem Schachkid diesmal einen reifen Senior, der nicht nur schwer hörte, sondern auch Deutsch mit starken Akzent sprach, was die Verständigung erschwerte. Das Schachkid bemerkte dies beim 14. Zug. Es hatte einen Zug vergessen zu notieren und begehrte das Turnierformulars des Gegners, um den flüchtigen Zug zu finden. Es fragte daher beim Gegner nach. Dieser reagierte leicht verunsichert, merkte, dass ihm 4 (!) Züge fehlten, klaute das Formular des Schachkids und begann, die Züge aufzuschreiben. Wohlgemerkt auf die Bedenkzeit des Schachkids. Letzteres protestierte, griff die gegnerische Dame an und wollte sein Partieformular wiederhaben. Dieses rückte der Gegner nur unter Protest unter genervten Blicken der umliegenden Gegner heraus.

Die Partie selbst war sehr taktisch geprägt, der Gegner half fleißig mit. Das Schachkid spielte zügig und machte sich das Leben selber schwer. Es sah die einfachsten Gewinnwege nicht, etwa das schöne Läuferopfer 21. Lxc6+oder spielte sinnlos 23. Sa4. Wenigstens das Matt sah hübsch aus.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass das Schachkid recht hatte. Rating-Open können Spaß machen, tun der DWZ aber niccht wirklich gut, weil man fast alles gewinnen muss. Vermeintlich schwache Gegner können sehr gut spielen. Auch in Franken gibt es aufstrebenden symphatischen Nachwuchs. Das Forchheimer Open kann man durchweg empfehlen. Es ist sehr gut organisiert. Auf der Turnierseite wird live kommentiert. Der Schiri beliebt schon mal zu scherzen, in dem er vor Freigabe der 3. Runde erklärt, er müsse 260 Mann neu auslosen.  Und Forchheim ist eine wunderbare Stadt.

Für das Training des Schachkids ist wohl jede Menge Taktiktraining nötig, um den Blick des Schachkids zu schärfen.

Schachkid gegen Schachkid

In der 3. und 4. Runde bekam es das reife Schachkid mit zwei echten Schachkids zu tun.

Ein junges Schachkid, vielleicht 10 Jahre, wartete schon am Brett, als das reife und müde Schachkid (alt schreibt das Schachkid hier nicht) mit einer Tasse Kaffee angewackelt kam. Das reife Schachkid hatte einen Sieg eingeplant, schließlich war das junge Schachkid von der Wertzahl her deutlich schwächer. Das machte es allerdings mit seiner Motivation wieder wett.Im Hintergrund des jungen Schachkids stand dessen Mama, die sich sich aber wohltuend zurückhielt. Wer kennt sie nicht, die kampfbereiten Mütter, die den Gegner des Kindes am liebsten selbst um die Ecke bringen würden. Hier stand aber eine symphatische Frau.

In der folgenden Partie zeigte das junge Schachkid dem reifen Schachkid, wie man schwache Felder und Rückstand in der Entwicklung ausnutzt. Schwupps, schon war die Qualität weg. Das reife Schachkid sah seine Chancen schwinden. Das junge Schachkid traute dem Braten und seiner eigenen guten Stellung nicht und bot zweimal optimistisch Remis, was das reife Schachkid ablehnte. Das reife Schachkid griff an, aber der kleine Gegner verteidigte sich bewundernswert zäh. Da wächst ein guter Schachspieler heran. So war am Ende nur Remis drin.

 

Ungezählt sind die Open, die das Schachkid schon mit mehr und meist weniger Erfolg mitgespielt hat. Aber es sah zum ersten Mal beim Forchheimer Open mit Erstaunen, dass zwischen den Runden Frauen mit Putzeimern durch die Reihen gingen und jeden Tisch und jede Uhr abwischten. Wow, ein toller Service. Wer will schon klebrige Colareste aus der letzten Runde am Tisch haben.

In der 4. Runde bekam es das reife Schachkid wieder mit einem jungen vielleicht 11-jährigen Schachkid zu tun. Dieses tat ihm ein bißchen leid, denn es bewegte sich auf zwei Krücken durch die Gegend, das aber erstaunlich flink. Das junge Schachkid vertraute im katholisch geprägten Bayern auf den Beistand Gottes, wie ein Kreuz um den Hals und ein Armband mit Heiligenbildern bewiesen.

Das junge Schachkid legte mit der Englischen Eröffnung los. Schon der junge Gegner aus der 2. Runde wählte die Englische Eröffnung. Das ist auffällig. Anscheinend erfreut sich die Englische Eröffnung beim Nachwuchs steigender Beliebtheit. Verspricht sie doch sehr dynamische Stellungen.

Die Partie war zügig und unspektakulär gewonnen. Das Schachkid möchte seine Leser unterhalten und wird daher nur ausgewählte taktische Fehlschläge und sonstige Kuriositäten veröffentlichen.

Mit 1,5 aus 2 Partien ist das Schachkid sehr unzufrieden. Die DWZ sollte sich der 1600 nähren. Nach diesem Turnier wird sie aber erstmal in den Keller gehen.

Was bleibt vom Tag? Eine Wanderung mit dem Nachtwächter zu Erlangen, den das Schachkid ausdrücklich empfehlen möchte.

Drama in Forchheim

Am 3. Oktober waren die ersten beiden Runden beim Forchheimer C-Open zu bewältigen. Das Schachkid hatte vor, zwei Punkte zu holen, hatte aber die Rechnung ohne seine Gegner und die eigene Unfähigkeit gemacht.

In der 1. Runde traf es auf einen Einheimischen. Dieser erklärte im schönsten Dialekt, er habe noch nie am 4. Brett in einem Turnier gesessen. Das siegesgewisse Schachkid erklärte darauf: „Warts ab, in der nächsten Runde sitzt Du noch weiter vorne“. Das Schachkid sollte leider recht behalten.

Frohgemut spielte das Schachkid 1. c4 auf. Dem Gegner entschlüpfte ein Ohaaaa!. Das Schachkid schöpfte Hoffnung, dass sich der Gegner nicht auskennt. Der Gegner wurde nervöser und nervöser. Das Schachkid blieb ganz ruhig und übersah in seiner Agonie einen taktischen Gegenschlag und ein dreizügiges Matt. Zu guter Letzt sah das Schachkid noch ein Dauerschach, wo keines war.

So war der Turniersieg schon nach der ersten Runde weg. Das Schachkid wäre am liebsten sofort nach Hause gefahren.

Am Nachmittag bekam es das Schachkid mit einem motivierten 14-jährigen zu tun. Dieser war sehr höflich und siezte das Schachkid die ganze Zeit. Sowas mag das Schachkid gar nicht, denn dann fühlt es sich alt.

Auch diese Partie war durch Geisterstellungen, die das Schachkid sah, geprägt. Im 25. Zug gab das Schachkid aufgeregt ein Abzugsschach und hoffte, die gegnerische Dame  zu gewinnen. Prompt zog der Gegner seine Dame einfach weg und parierte gleichzeitig das Schach. Ungläubig schaute das Schachkid auf das Brett, dass nun einen Läufer weniger hatte. Gott sei Dank hatte es noch zwei starke Bauern, mit denen es mit Mühe und Not gewinnen konnte.

Das Schachkid in Forchheim

Aus bestimmten Gründen beschloss das Schachkid, den 10.Dahmelandpokal in diesem Jahr auszulassen.  Statt dessen ging es heuer nach Fochheim zum 13. Forchheimer Sparkassen-Open.

Forchheim ist eine sehr schöne und alte fränkische Stadt mit viel Fachwerk. Dazu gibt es leckere fränkische Spezialitäten zu essen wie z.B. Blaue Zipfel und Schäufele. Das Schachkid beabsichtigt, diese ausgiebig zu testen.

Das Schachkid hat sich im C-Open angemeldet, hier dürfen nur Spieler bis 1600 DWZ mitspielen. Da das Schachkid ja noch lernt, hat es auch nur 1518 DWZ und 1648 Elo.  Aber es will ja bis Jahresende seine DWZ auf 1600 steigern. Da sind solche Open mit einer Wertgrenze nach oben natürlich so eine Sache.

Das Schachkid ist in der Setzliste in den Top 10 gesetzt und hat so kaum stärkere, allenfalls gleich starke Gegner. Das heißt, um seine DWZ zu steigern, muss das Schachkid alle Partien gewinnen. Der Turniersieg muss schon das Ziel dabei sein. Problem dabei, die anderen haben das gleiche Ziel. Und wie oft hat das Schachkid schon gegen vermeintlich schwächere Gegner verloren.

Am heutigen Tag der Einheit stehen Runde 1 und 2 an. Zwei schwache Gegner sind zu erwarten, zwei Siege müssen sein. Sonst kann das Schachkid morgen im Grunde genommen nach Hause fahren.