3. Oktober 2019

15. Dahmelandpokal in Wildau – Nervige Typen überall

Das Schachkid ist wild entschlossen, wild entschlossen in Wildau. Heuer startet der 15. Dahmelandpokal.  Dieses Turnier spielt das Schachkid seit vielen Jahren mit. Neben dem kleinen Jubiläum hat es einen Brückentag. So richtet der Gastgeber das Turnier in diesem Jahr mit 7 Runden statt der üblichen 5 Runden aus.

Das Schachkid hat sich vorgenommen, Remis zu vermeiden und jede Runde auszuspielen. Der Ratingpreis U1600 ist das Ziel. Zumindest ein Vorteil, wenn die eigene Zahl peinlicherweise ins Bodenlose fällt. Man hat wieder Chancen auf Ratingpreise.

Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, ob die Grundvorraussetzungen spielen. Zumindest spielt keiner der üblichen Verdächtigen mit, die das Schachkid so kennt. Gestern war das Schachkid zu einem Oratorium „La vierge“ (Die Jungfrau) des Franzosen Jules Massenet. Ein bombastisches Werk – und spät im Bett gewesen. Nur sechs Stunden Schlaf. Das Wetter ist grau in grau, sehr demotivierend. Und der Weg nach Wildau ist gespickt mit Baustellen. Tanken muss das Schachkid auch noch. Keine idealen Vorraussetzungen.

Dazu noch andere 72 motivierte Spieler. Die auch noch alle gewinnen wollen… Das werden spannende vier Tage.

Pünktlich in Wildau angekommen, das Schachkid wird mehrfach für meine untypische Pünktlichkeit gelobt, wird sich erstmal angemeldet und ein Kaffee geholt.

Beschleunigtes Schweizer System – folgerichtig wartet ein kleines Mädchen, das sich mit einer 1143 DWZ tarnt.  Ein vermeintlich leichter Sieg. Zum Schluss hat das Schachkid noch Glück, ein Remis zu ergattern.

Eigentlich ist die Partie nach Meinung des Computers schon nach 14. … Lg6 vorbei. Wenn Weiß einfach 15. Dxg6 spielt… Die Einschätzung des Computers kann das Schachkid nun wirklich nicht teilen.

Das Schachkid hofft nun, am Damenflügel anzugreifen und kann der Gegnerin immerhin einen Einzelbauern auf d4 verpassen. Ein frustrierendes Ergebnis für den ganzen Aufwand. 22. …. Sb6 scheint besser zu sein. Da fehlt dem Schachkid jetzt das positionelle Feingefühl.

Wenn das Schachkid im Laufe des Vormittags feststellt, kann es mehrere Dinge gar nicht leiden kann, sind das folgende Dinge:

  • Kulis, die nicht oder blöd schreiben
  • Komische Typen, die einen aus der Rauchereck heraus anquatschen, ob man Keller oder Kellner heißt
  • Typen, die einen von der Seite anquatschen, wenn man in Ruhe ein Plakat lesen will
  • Typen, die einen von der Seite anquatschen, wenn man Kopfhörer auf hat und sehr deutlich signalisiert, dass man seine Ruhe haben will
  • Typen, die einen von der Seite anquatschen und einem die halbe eigene Partie erzählt, wenn man selber noch spielt und in Ruhe ein Plakat lesen will
  • Typen, die neben dem eigenen Brett stehen bleiben, beobachten und ekligen Geruch von kalten Rauch verströmen, dass man fast vom Stuhl fällt
  • Kleine Kampfkinder, die viel stärker als ihre Zahl spielen
  • Typen, die dem Schachkid neugierig auf das Laptop gucken
  • Das Schachkid liebt seine Kopfhörer mit Noise Canceling von Bose heiß und innig, guter Klang und totale Abschottung von der nervigen Umwelt

Das korrekte Abspiel der Aljechin-Verteidigung hat das Schachkid nicht mehr vor Augen. So tauscht Schwarz die Damen und kommt schnell in eine leicht bessere Stellung. Vor der Partie jammerte der Gegner noch, er wolle nach Hause. Jetzt will er das Remisangebot im 16. Zug nicht annehmen. Nur, um dann selber im 24. Zug Remis anzubieten. Jetzt mag das Schachkid nicht mehr. Das Schachkid hat das Gefühl, etwas besser zu stehen. Aber Schwarz findet gut ins Spiel und erspielt sich eine Mehrfigur. Ab dem 31. Zug macht Weiß nur noch Sackzüge und lädt den schwarzen Springer freundlich in die weiße Stellung ein. Was für eine katastrophale Partie.

Das Schachkid mag nicht nach der Partie analysieren und lehnt daher höflich ab, als der Gegner noch im Turniersaal eine Variante zeigen will. Was das Schachkid überhaupt nicht leiden kann ist, wenn das Gegenüber nicht die notwendige Sensibilität hat. Der Gegner will nun am nächsten Tag analysieren und erwähnt auch, dass da ein neues Buch gäbe. Das interessiert das Schachkid nicht. Das Schachkid will auch nicht analysieren, sondern will seine Ruhe. Und sagt das höflich, aber etwas deutlicher. Das Schachkid packt nun seine Sachen zusammen. Der Gegner kommt um den Tisch herum, nährt sich dem Gesicht des Schachkids bis auf wenige Zentimeter und beginnt, eine Stellung zu erläutern. Jetzt wird das Schachkid aber sehr ungehalten, was das Gegenüber etwas zusammenzucken lässt.

Die mangelnde Sensibilität so mancher Personen ist dem Schachkid ein Rätsel.

Am Schachbrett nebenan beenden zwei Senioren ihre Partie und kriegen es nicht hin, zu flüstern, sondern werten lautstark ihre Partie aus. Jetzt wird neben dem Schachkid auch der halbe Turniersaal etwas ungehalten. Ohne Worte…

Um einen guten Freund zu zitieren: „Ich hasse Menschen!“

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